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| Reinhart Fuchs "Jugendmeister von Deutschland im Schach 1952" |
Mit einem einzigartigen Erfolg kehrte unsere Jugendkernmannschaft aus Sigmaringen (Württemberg) zurück. Im Turnier um die Jugendmeisterschaft von Deutschland 1952, an dem je sieben jugendliche Spitzensportler aus Westdeutschland und der Deutschen Demokratischen Republik teilnahmen, belegten die Vertreter der Demokratischen Sportbewegung mit überlegenem Punktergebnis die ersten sechs Plätze. - Vor Beginn der ersten Runde stellte der Deutsche Schachbund neun Teilnehmer. Während des Ablaufs der ersten Runde stellte es sich heraus, daß zwei Teilnehmer von Westdeutschland das vorgeschriebene Jugendalter überschritten hatten. Die beiden Freunde mußten ausscheiden und die Runde wurde annulliert.
Die westdeutsche Vertretung stellte keinen Teilnehmer aus der vorjährigen Deutschen Jugendmeisterschaft, es waren alles uns unbekannte Nachwuchsspieler. Dies liegt daran, daß die westdeutschen Freunde durchweg an der Grenze des zugelassenen Alters stehen. Im Gegensatz hierzu können unsere Jugendlichen, die zum Teil bereits im vergangenen Jahre dabei waren, noch einige Jahre in der Jugendklasse starten. Hier liegt ihr großer Vorteil. In westdeutschen Fachkreisen macht man sich ernsthafte Vorstellungen, daß sich in den nächsten Jahren das Kräfteverhältnis in der Seniorenklasse zwischen Ost und West verschieben könnte. Unser Vorsprung im Nachwuchs ist so enorm groß, daß er trotz größter Anstrengungen seitens der westdeutschen Verbände nicht mehr einzuholen ist. Es gilt für die Sektion Schach, diesen Vorsprung nicht nur zu halten, vielmehr neue Nachwuchskräfte aus dem Pioniersport heranzuziehen, um mit diesem Nachwuchs in den kommenden Jahren international in Erscheinung zu treten. Es müssen neue Trainingsmethoden für unsere Jugendlichen in Anwendung gebracht werden. Die Kernmannschaften werden mit dem besten zur Verfügung stehenden Lehrmaterial versehen, damit durch Selbststudium die Spielstärke wesentlich gehoben wird.
Nachdem durch Edith Keller-Herrmann in der Frauenklasse auch in diesem Jahre der Deutsche Meistertitel bei uns blieb, holte Reinhart Fuchs den Deutschen Jugendmeistertitel. Wolfgang U h l m a n n , der vorjährige Deutsche Jugendmeister, mußte sich diesmal mit dem zweiten Platz begnügen. Reinhart Fuchs gewann nach glänzendem Start hintereinander zehn Partien, machte die elfte remis. Damit war sein Titel gesichert, und wenn er die beiden letzten Partien verlor, so ist dieses auf Indisposition zurückzuführen. Einige Partien gewann Fuchs meisterhaft trotz gelegentlicher Zeitnotbedrängnis. So mußte Fuchs in einer Partie in zwei Minuten noch 18 Züge machen. Sein Gegner hatte die gleiche Zeit zur Verfügung. In dem nun folgenden Duell zeigte sich Fuchs überlegen und brachte seinen Gegner kurz vor der Zeitkontrolle in klare Verluststellung. Bei dem ganzen Turnier war festzustellen, daß sich die westdeutschen Freunde oft in ein Zeitnotduell einließen - und dabei immer den kürzeren zeugen. Der auf dem zweiten Platz gelandete Wolfgang Uhlmann verlor keine Partie. Diesmal besaß er nicht immer das nötige Selbstvertrauen und gab sich oft mit einem Remis zufrieden. Wolfram Bialas ist das rote Tuch für Fuchs. Auch er verlor keine Partie. Bemerkenswert ist, daß Fuchs bisher gegen Bialas noch keine Turnierpartie gewonnen hat!
Den vierten Platz sicherte sich Sieghart Dittmann, Kirchberg (Sachsen). Er verlor nur eine Partie gegen Fuchs. Seine hervorragenden Leistungen berechtigen zu großen Hoffnungen. Den fünften bis sechsten Platz belegten Mühlberg (Magdeburg) und Malich (Staßfurt). Beide spielten ausgezeichnet, doch machten sich gelegentlich mangelnde Turniererfahrungen bemerkbar.
Weit unter seiner Form startete Hartmut Kauder, Magdeburg, konnte sich jedoch in den letzten Runden noch fangen und als letzter DDR-Teilnehmer den achten Platz belegen.
Der beste westdeutsche Teilnehmer belegte den siebenten Platz und erreichte nicht einmal 50 Prozent der möglichen Punkte.
Die westdeutschen Teilnehmer waren laut Urteil ihrer eigenen Meister eine Klasse, zum Teil sogar zwei Klassen schlechter. Die westdeutsche Presse sprach von einer "westdeutschen Katastrophe".
Jakob Baumann
| Tabelle |
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| Reinhart Fuchs |  | Berlin | x | 0 | ˝ | 1 | 1 | 1 | 1 | 1 | 0 | 1 | 1 | 1 | 1 | 1 | 10,5 | | Wolfgang Uhlmann |  | Dresden | 1 | x | ˝ | ˝ | 1 | 1 | ˝ | ˝ | 1 | 1 | ˝ | ˝ | 1 | 1 | 10,0 | | Wolfram Bialas |  | Berlin | ˝ | ˝ | x | ˝ | 1 | ˝ | ˝ | ˝ | 1 | 1 | ˝ | 1 | 1 | 1 | 9,5 | | Sieghart Dittmann |  | Kirchberg/Sachsen | 0 | ˝ | ˝ | x | ˝ | ˝ | 1 | 1 | ˝ | ˝ | 1 | 1 | 1 | 1 | 9,0 | | Siegfried Mühlberg |  | Magdeburg | 0 | 0 | 0 | ˝ | x | 1 | ˝ | ˝ | 1 | 1 | 1 | ˝ | 1 | 1 | 8,0 | | Burkhard Malich |  | Staßfurt | 0 | 0 | ˝ | ˝ | 0 | x | 1 | 1 | 1 | 1 | ˝ | 1 | ˝ | 1 | 8,0 | | Kunz |  | Heidelberg | 0 | ˝ | ˝ | 0 | ˝ | 0 | x | 1 | 0 | 0 | ˝ | 1 | 1 | 1 | 6,0 | | Hartmut Kauder |  | Magdeburg | 0 | ˝ | ˝ | 0 | ˝ | 0 | 0 | x | 1 | 1 | 1 | ˝ | 0 | ˝ | 5,5 | | Rover |  | Münster | 1 | 0 | 0 | ˝ | 0 | 0 | 1 | 0 | x | 0 | ˝ | ˝ | 1 | 1 | 5,5 | | Ralf Scheipl |  | Straubing | 0 | 0 | 0 | ˝ | 0 | 0 | 1 | 0 | 1 | x | 0 | 1 | 1 | 1 | 5,5 | | Speer |  | Dissen | 0 | ˝ | ˝ | 0 | 0 | ˝ | ˝ | 0 | ˝ | 1 | x | 0 | ˝ | 1 | 5,0 | | Weber |  | Heidenheim | 0 | ˝ | 0 | 0 | ˝ | 0 | 0 | ˝ | ˝ | 0 | 1 | x | 0 | 1 | 4,0 | | Stachowitz |  | Kassel | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | ˝ | 0 | 1 | 0 | 0 | ˝ | 1 | x | 1 | 4,0 | | Zabeschek |  | Ludwigshafen | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | ˝ | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | x | 0,5 |
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Quelle: SCHACH 16/1952, S.247
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