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XIV. Deutsche Meisterschaft des DSV in Magdeburg 1964

Pl. Spielerin 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 Pkt.
1. Gabriele Ortlepp x ½ ½ ½ 1 1 1 1 1 1 7,5
2. Ingrid Hänsel ½ x ½ ½ 1 ½ ½ ½ ½ 1 5,5
3. Eveline Kraatz ½ ½ x ½ ½ ½ ½ ½ 1 1 5,5
4. Jutta Zura ½ ½ ½ x 0 1 0 1 1 1 5,5
5. Luise Baumann 0 0 ½ 1 x ½ 1 ½ 1 0 4,5
6. Irene Winter 0 ½ ½ 0 ½ x 0 1 1 1 4,5
7. Heidi Prien 0 ½ ½ 1 0 1 x 1 0 0 4,0
8. Hildegard Richter 0 ½ ½ 0 ½ 0 0 x 1 1 3,5
9. Johanna Feierabend 0 ½ 0 0 0 0 1 0 x 1 2,5
10. Elfriede Ungethüm 0 0 0 0 1 0 1 0 0 x 2,0

Meisterschaft der Frauen: Ortlepp überrascht

In Abwesenheit der Titelverteidigerin Waltraud Nowarra begann am 4. Februar das Meisterschaftsturnier der Frauen. Die junge Eveline Kraatz aus Potsdam, die im vergangenen Jahr beachtlich an Spielstärke gewonnen hatte, galt allgemein als Favoritin. Doch bereits die erste Turnierhälfte ergab für sie eine ungünstige Bilanz. Von fünf Partien gewann sie nur eine, die anderen fanden einen friedlichen Abschluß. Gabriele Ortlepp dagegen zeigte sich von der besten Seite, brachte es auf vier Punkte und behauptete seit Beginn die Führung. Weder Jutta Zura, die gegen Heidi Prien kapitulieren mußte, noch Ingrid Hänsel konnten diesem Tempo folgen und blieben einen halben Zähler zurück. Heidi Prien, Irene Winter und Luise Baumann lagen mit 2½ Punkten noch achtbar im Rennen. Johanna Feierabend konnte nur zwei Gewinnpartien für sich buchen. Sehr enttäuschend war jedoch der mißratene Start von Hildegard Richter (1½ Pkt), die drei Partien en suite verlor. Gänzlich abgeschlagen lag Sportfreundin Ungethüm punktlos auf dem letzten Platz.

Ungeschlagen Erste

Die Schlußphase des Frauenturniers stand ganz im Zeichen der unaufhaltsam siegenden Gabriele Ortlepp. Nach einem Remis mit Hänsel folgten vier souveräne Siege, und mit deutlichem Vorsprung wurde sie Deutsche Meisterin. Ihr Spiel war in positioneller und kombinatorischer Hinsicht gut ausgewogen, obgleich sie schon seit Jahren ein engbegrenztes Eröffnungsrepertoire bevorzugt. Die Nächstplazierten konnten in den letzten vier Runden nur zwei Siege erringen. Kraatz besiegte Feierabend, während Zura gegen Ungethüm erst die bangen Momente eines unabwendbaren Matts überstehen mußte, ehe ihr Sieg im Endspiel feststand. Die anderen Begegnungen endeten remis. Mit diesen Resultaten konnten Hänsel, Kraatz und Zura die neue Meisterin nicht gefährden.

Für Ingrid Hänsel ist der 2. Platz ein bemerkenswerter Erfolg. Luise Baumann und Irene Winter mußten zum Schluß noch zwei Verluste einstecken und sich mit Mittelplätzen begnügen. Der zuwenig unternehmungslustig spielenden Heidi Prien gelang zwar noch ein glücklicher Sieg über Winter, aber sie konnte ihr geringes Punktekonto nicht wesentlich erhöhen. Von der Leipzigerin Hildegard Richter sind wir bessere Resultate gewöhnt, aber sie spielte nicht konzentriert genug und konnte das Mißgeschick des schlechten Beginns nicht energisch genug überwinden. Johanna Feierabend mangelte es hauptsächlich an gradliniger Spielführung, und so mußte sie oft böse Überraschungen erleben. Weit besser zeigte sich Ungethüm, als es dem Ende zuging. Allein zwei Siege waren zuwenig, vom letzten Platz wegzukommen.

Optimistischer Ausklang

Die XIV. Deutsche Meisterschaft war ein gutklassiges Turnier. Die erste Runde brachte eine prächtige Ouvertüre, einen verheißungsvollen Anfang, dessen Grundtenor auch nicht die Länge des Turniers abschwächen konnte und die Meisterschaft um ein schätzenswertes Attribut bereicherte. Es wurde lockerer und lebhafter gespielt, auch variabler, und es scheint, daß die einflußreichen Meister eine gewisse Starre in der Konzeption überwunden haben, die in den vergangenen Jahren dem Spielniveau so abträglich war.

In der Durchführung hingegen waren einige Mängel aufgetreten. Besonders die Unterbringung fand eine unglückliche Lösung. In anderen Belangen war der Organisationsstab unter der aktiven Leitung von Karl Sperling ständig bemüht, den Wünschen der Aktiven nachzukommen.

Auf der Abschlußfeier am 14. Februar fand der Präsident des Deutschen Schachverbandes, Arno Becher, Worte der Anerkennung und des Dankes für die geleistete Arbeit der Funktionäre. In Anwesenheit von Gästen aus Hannover-Berenbostel, die die BSG Aufbau Börde zu einem Vergleichskampf eingeladen hatte, sprach Arno Becher den dringenden Wunsch aus, daß das halsstarrige Verbot der westdeutschen Sportführung im Interesse des deutschen Sports fallen möge. Dann richtete er an die Spitzensportler den Appell, mitzuhelfen, daß der Schachsport sich zum Volkssport erhebt. Schach müsse in jeder Wohnung gespielt werden, rief er aus und forderte die Meister auf, sich besonders dem Nachwuchs zu widmen. Nachdem Hauptschiedsrichter Hoffmann, Rüdersdorf, der seit der 5. Runde das Männerturnier, später auch noch das Frauenturnier wie stets aufmerksam geleitet hatte, den Abschlußbericht gegeben hatte, nahm der Präsident die Siegerehrung vor. Mit lobenden oder mahnenden Worten überreichte er den Besten Diplome und Ehrenpreise, die vom Rat der Stadt gestiftet worden waren. Auch für den letzten gab es noch ein Erinnerungsgeschenk. Ein fröhlicher, geselliger Abend bildete den unbeschwerten Ausklang einer hartumkämpften Meisterschaft.

Bericht vom Männerturnier

Was sonst noch in Magdeburg geschah

Aus Anlaß der Deutschen Schachmeisterschaften führte der BFA Magdeburg in dieser Zeit eine Reihe von Werbeveranstaltungen, Vergleichskämpfen und Turnieren verschiedener Art durch. In einem Blitzschach-Pokalturnier für Mannschaften am 2. Februar 1964 siegte Aktivist Staßfurt I mit 29½ Punkten und gewann damit den wertvollen Pokal. Auf den weiteren Plätzen folgten 2. Lok Salzwedel I 28, 3. Motor Schönebeck I 25½, 4. Motor Wernigerode I 24½, 5. Lok Stendal I 23½, 6. Aktivist Staßfurt II 18½, 7. Empor Stendal I 18½, 8. Empor Barby I 15½, 9. Einheit Ströbeck 14, 10. Lok Salzwedel II 12, 11. Motor Schönebeck II 10½ Punkte. Mit 100 Prozent erfolgreich kämpften dabei die Schachfreunde H. Müller (Lok Stendal) und W. Gehler (Aktivist Staßfurt). Der BFA-Vorsitzende Treher und der Hauptschiedsrichter Rudolph nahmen anschließsnd die Siegerehrung vor.

Des weiteren fand am 9. Februar 1964 im Magdeburger Kulturhaus "Ernst Thälmann" mit dem Bezirksauswahlkampf der Bezirke Magdeburg und Halle die bisher größte Massenveranstaltung der Elbestadt statt. Bei den Männern (109 Bretter) gewann die Magdeburger Bezirksauswahl überraschend klar mit 63½ : 45½ Punkten. Da die Hallenser bis auf die Teilnehmer der Deutschen Einzelmeisterschaft in stärkster Besetzung antraten, ist das 7½ : ½ für Magdeburg an den ersten acht Brettern besonders bemerkenswert. Im Jugendkampf (31 Bretter) beherrschte die Hallenser Bezirksauswahl die Magdeburger Mannschaft souverän mit 23½ : 7½ Punkten. Gesamtergebnis somit 71: 69 für Magdeburg.

Gleichzeitig wurde noch ein Städteturnier der vier besten Schülermannschaften des Bezirkes und Halle an jeweils 15 Brettern durchgeführt, das Schönebeck überlegen vor Zerbst, Magdeburg, Staßfurt und Halle gewann.

Das relativ stark besetzte Gästeturnier gewann Schachfreund Pille vom westdeutschen Vizemannschaftsmeister, der Schachgesellschaft Düsseldorf, mit 6½ Punkten vor Laqua (Wissenschaft Freiberg) 5½, Günzel (Einheit Bad Salzungen) 5, Gehler (Aktivist Staßfurt) 4½, Hecht (Fortschritt Malchow) 4, Schwibbe (Chemis Piesteritz) und Prokopp (Traktor Wasungen) je 3½, Langer (Wissenschaft Zwickau) 3 und weiteren sschs Schachfreunden nach 7 Runden Schweizer System. Das Turnier stand unter der sicheren Leitung des Hauptschiedsrichters Rudolph.

Am spielfreien 13. Februar fand ein Blitzturnier mit Meisterschaftsteilnehmern statt, das von Neukirch mit 15½ Punkten vor Zinn 15, Postler 13½ und Mädler 13 gewonnen wurde.

Im Blitzturnier der Teilnehmer des Gästeturniers siegte Pille (SG Düsseldorf) mit 11½ vor den punktgleichen Casset und Gehler je 10½.

Abschließend noch das Ergebnis des Vergleichskampfes der Gäste vom Schachverein Berenbostel (verstärkt durch Pille, Düsseldorf, und Dr. Koch, Schöningen) gegen eine Mannschaft der BSG Aufbau Börde Magdeburg (verstärkt durch Arno Otto, SC Einheit Dresden, und Gehler, Aktivist Staßfurt); Aufbau Börde Magdeburg gewann mit 7 : 6 Punkten.

Im Blitzturnier am 16. Februar siegte Knoche (Motor SO Magdeburg) mit 13 Punkten vor Miklos (Berenbostel) 12½, Meierhoff (Aufbau Börde Magdeburg) und Casset (Motor SO Magdeburg) je 12 Punkte.

Werner Golz

SCHACH 3/1964, S.67-71

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