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Förderung des Schachsports

Unklare Zukunft

Seit dem 7. Mai 2014 muß der Deutsche Schachbund mit zukünftigen massiven finanziellen Problemen kämpfen, nachdem das Bundesministerium des Innern (BMI) die Fördermittel ab 2014 in Höhe von 130.000 € jährlich komplett gestrichen hat. Dank der Unterstützung unserer Mitglieder und von Landes- und Bundespolitikern entschied der Haushaltsausschuss am 5. Juni die Rücknahme der Streichung. Am 26. Juni teilte uns das BMI wiederum mit, sich nicht an diese Vorgabe gebunden zu fühlen und bot eine Übergangslösung an, die letztendlich zur Einstellung der Förderung führt.

Chronik

  • 07.05.2014 Der DSB erhält Post vom BMI: Alle Fördergelder sind gestrichen!
  • 10.05.2014 Deutschlandweit berichtet die Presse über die Stornierung der Gelder.
  • 14.05.2014 Das DSB-Präsidium bittet seine Mitglieder um Unterstützung. Am gleichen Tag finden in Frankfurt/Main Gespräche mit der DOSB-Spitze statt.
  • 21.05.2014 André Hahn (DIE LINKE) befragt im Bundestag das BMI zur Fördermittelstreichung.
  • 31.05.2014 Der Hauptausschuss der DSB erörtert in Frankfurt/Main Maßnahmen zur Kürzung der Gelder in den Ressorts.
  • 05.06.2014 Der Haushaltsausschuss des Bundestages revidiert die Fördermittelstreichung.
  • 26.06.2014 Das BMI trifft sich mit der DSB-Spitze und teilt dieser mit, der Entscheidung des Haushaltsausschusses nicht folgen zu wollen.
  • 06.12.2014 DOSB-Mitgliederversammlung: Der Deutsche Schachbund ist wieder in der Förderung

Gute Nachrichten am 6.12.2014

In der 10. DOSB-Mitgliederversammlung wurden jetzt entscheidende Satzungsänderungen beschlossen. Dabei ging es auch um die Aktualisierung der Förderrichtlinien für die Nichtolympischen Verbände, was für sich für den Deutschen Schachbund als äußerst positiv entwickelte. Zwei strittige Punkte, die einer weiteren Förderung im Wege standen konnten beseitigt werden. Bericht von Herbert Bastian

Schlechte Nachrichten am 26. Juni

Das BMI faßt die Entscheidung des Haushaltsausschusses des Bundestages vom 5. Juni, den DSB weiter zu fördern, lediglich "als Ermächtigung und nicht als Direktive" auf. So die Mitteilung des BMI in einer gemeinsamen Sitzung mit der DSB-Führung in Bonn am 26. Juni.
Die Fördermittel sollen jetzt innerhalb weniger Jahre bis auf Null gekürzt werden. Darüberhinaus soll der DSB den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) bewegen, die Förderrichtlinien zu ändern.

Mehr zum Treffen in Bonn und einer anschließenden Konferenz des DOSB erfahren Sie in dieser DSB-Pressemitteilung.

Gute Nachrichten am 5. Juni

Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages hat in seiner Sitzung am 5. Juni 2014 beschlossen, die Streichung der Fördermittel für den Deutschen Schachbund zurückzunehmen!

Am Vormittag des 6. Juni 2014 erreichte uns die Mitteilung aus dem Deutschen Bundestag, dass der Deutsche Schachbund weiterhin gefördert werden soll. In einer Pressemitteilung von Herrn Norbert Barthle MdB, Haushaltspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, heißt es:

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Liebe Schachfreunde,

seit 1976 bekommt der Deutsche Schachbund (DSB) vom Bundesministerium des Innern (BMI) aus dem Fördertopf für „Nicht Olympische Sportförderung“ Gelder für den Leistungssport. Diese sind an viele verschiedene Voraussetzungen geknüpft. Einige sind organisatorischer Natur, andere sind typische Angelegenheiten des Sports wie z.B. eine Anti-Doping Verordnung.

Eine weitere Voraussetzung ist die Anerkennung als „förderungswürdig“ durch den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Dies stand im letzten Jahr wegen angeblich fehlender „eigenmotorischer Aktivität“ auf der Kippe, bis ein einstimmiger Beschluss der Mitgliederversammlung des DOSB eindrucksvoll bestätigte, dass wir ein vollwertiger Teil der „Sportfamilie“ sind. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) sieht es genauso.

Nach Ablauf der Förderperiode 2013 erhielten wir nun einen Bescheid vom BMI, der uns die Förderung von jetzt auf gleich versagte.

Sehen Sie hier, was wir und was andere zu diesem Thema veröffentlicht haben.

DSB-Pressemeldung vom 7. Mai 2014

Pixabay

BMI kürzt Fördermittel auf NULL!

Seit Monaten wartete der Deutsche Schachbund nach seinen Anträgen vom 31.10.2013 auf die Zusage des Bundesministeriums des Innern (BMI), auch in der Förderperiode 2014 – 2017 den DSB im Bereich des Leistungssports finanziell zu unterstützen. Alle Verantwortlichen des DSB sind davon ausgegangen, dass Kürzungen auch in größerem Ausmaß vorgenommen werden. Was jetzt passiert ist, verletzt unseres Erachtens massiv die Regeln eines fairen Umgangs miteinander!

Ganze Pressemitteilung lesen

Erklärung des DSB-Präsidenten

Wolfgang Maier
Herbert Bastian

Liebe Schachfreunde,

seit Langem warne ich vor der Reduzierung der Förderung unseres Sports durch die öffentliche Hand. Es deutete sich an, dass nach der abgelaufenen Förderperiode Änderungen an den Kriterien vorgenommen werden. Bereits vor vier Jahren war der Versuch gemacht worden, Schach aus der Förderung zu streichen, aber damals war der uns durch die Satzung des DOSB garantierte Bestandsschutz noch respektiert worden. Diese Überlegungen spielten bereits bei der im letzten Jahr vorgenommenen Beitragserhöhung eine Rolle, was wir auch entsprechend kommuniziert hatten.

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Danke für die gezeigte Solidarität!

Gerd Altmann/Pixabay

Liebe Schachfreunde,

für die Welle an Solidarität, die uns nach der Streichung der Fördermittel durch das BMI erreicht hat, möchten wir uns herzlich bedanken. Alle Nachrichten, die uns erreichen, werden gelesen und intern diskutiert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht jede E-mail zeitnah oder überhaupt beantworten können.
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Gespräche mit der DOSB-Spitze

Am 14. Mai 2014 fand in Frankfurt/Main wegen der vom BMI gestrichenen Fördergelder ein Gespräch von Vertretern des Deutschen Schachbundes mit dem DOSB statt. Die hochrangige Besetzung – neben dem Generaldirektor Dr. Michael Vesper und dem für die nichtolympischen Verbände zuständigen Dr. Jörg Bügner nahm sich der neugewählte DOSB-Präsident Alfons Hörmann persönlich Zeit – zeigt, dass man die aktuellen Sorgen der Schachsportler beim DOSB ernst nimmt. Im Verlaufe des einstündigen Gesprächs wurden die allgemeine Lage erörtert und Lösungsmöglichkeiten diskutiert.
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Und das sagen unsere Kaderspieler und der Bundestrainer....

Dorian Rogozenco (Bundestrainer):

Ich bin seit fast 20 Jahren Schachgroßmeister. Erst als Spieler und dann als Trainer habe ich an zahlreichen Turnieren - darunter Olympiaden, Welt- und Europa-Meisterschaften - teilgenommen. Das sind harte Wettkämpfe, in denen das sportliche Element am meisten zählt: man muss gewinnen, man muss den Gegner besiegen! Ohne ausgezeichnete physische Kondition hat man kaum Chancen sich in solchen dauerhaften Leistungswettbewerben durchzusetzen. Deswegen müssen die Spitzenschachspieler durch verschiedene sportliche Aktivtäten ihre physische Kondition ständig trainieren.

Während in vielen Länder Schach als Symbol für Sport betrachtet wird, ist es bedauerlich zu sehen, dass man in Deutschland Schach und Sport versucht zu trennen. Es ist nicht nur skandalös, sondern wird das deutsche Schach als Leistungssport töten. Man stellt sich die Frage: ist das gewünscht, wird Deutschland dadurch in irgendeiner Form profitieren?

Tatjana Melamed (Nationalspielerin):

Für mich ist Schach ohne jeden Zweifel ein Sport, wenn er ja auch nicht nach körperlicher Hochleistung aussieht. Schach verfügt über das Wettbewerbsystem, das Weltmeisterschaftsystem und das Bundesligasystem. Das letztere ist das stärkste in der Welt. Der DSB ist Mitglied im DOSB. Alle zwei Jahren werden Schacholympiaden ausgetragen.

Als ausgebildete Schachtrainerin und aktuelle Landestrainerin im Landesschachverband Sachsen-Anhalt ist mir das Thema einfach fremd. Wir treiben im Land Sachsen-Anhalt Schach als Leistungssport. Unsere Anforderungen an die Leistungskader sind nicht anders wie in jeder anderen Sportart: Disziplin, Selbstarbeit, hartes Training, Turnieraktiviät und Fitness. Auch das Vorhandensein der Ausbildung zum Schachtrainer weist darauf hin, dass Schach eine Sportart ist. Warum wird Schach in hochentwickelten Ländern wie Amerika, China, Russland oder Frankreich gut gefördert? Die Antwort ist ganz einfach, weil diese überall anerkannte Sportart, ein Zeichen der Intelligenz ist . Wenn es wirklich dabei bleibt, dass Schach als Sport in Deutschland ab anerkannt werden sollte, dann gibt es nichts anderes, als sich an das Buch von Thilo Sarrazin „"Deutschland schafft sich ab"“ zu erinnern und ihm Recht zu geben.

Dennis Wagner (Kaderspieler des DSB und Mitglied der Prinzengruppe):

Schach ist viel zu komplex und vielseitig, um als einfaches Spiel eingestuft zu werden. Des Weiteren übertrifft die Anstrengung (psychischer und physischer Art), welche beim Schachsport entsteht, die vieler anderer vom BMI als Sportarten eingestuften Disziplinen. Ein einfaches Beispiel: Bei einem doppelrundigen Turnier kann es durchaus vorkommen, dass man 10 Stunden fast durchgängig unter voller Konzentration und höchster geistiger Beanspruchung am Schachbrett sitzt, um seinen Gegner in einem langwierigen und hochkomplexen Kampf niederzuringen. In welcher anderen Sportart ist derartiges möglich? Hinzu kommt, dass Schach meiner Meinung nach nicht aus sportlicher Sicht, sondern auch aus künstlerischer Sicht einen hohen Stellenwert innehat, da es kaum eine andere Disziplin gibt, in welcher mit viel Originalität und Kreativität Meisterwerke entstehen, dessen Ästhetik allerdings erst dem mit dem Schachsport Vertrauten offenbar wird. Ergo würde ich eine Revidierung der vollständigen Streichung der Fördermittel durch das BMI suggerieren, da die Degradierung des Schachsports zu einem einfachen Spiel und dessen Verbannung aus der Reihe der Sportdisziplinen einen erheblichen Verlust darstellt.

Sarah Hoolt (Nationalspielerin)

Schach ist Sport, weil wie bei jeder anderen Sportart auch, die Schachspieler sich miteinander messen. Um in dieser Sportart besonders gut zu sein, wird das Gehirn trainiert. Im Gegensatz zu vielen anderen Sportarten wird also anstatt Muskeln ein Organ verwendet. Da  sich das Gehirn im Schädel befindet und somit nicht sichtbar ist, kann das trainierte Gehirn nicht begutachtet werden. Inwieweit sich ein durch Schach trainiertes Gehirn mit einem untrainierten Gehirn messen kann, wurde bereits in verschiedenen Studien gezeigt. Insbesondere möchte ich die Tatsache hervorheben, dass Kinder in der Schule durch eine Stunde Schach mehr lernen als durch eine Stunde Mathe. Durch Schach verbessern sich einfache Sachen wie Kopf rechnen, Dinge merken, strategische Probleme lösen, etc. Festzuhalten ist, dass ein Gewichtheber besser schwere Dinge hochheben kann, während Schachspieler sich Dinge besser merken können. Beides hängt mit dem Training des Körpers zusammen.

Wird die Wettkampsituation eines Gewichthebers mit einem Schachspieler verglichen, ist die Beanspruchung des Körpers vergleichbar. Es wird hochkonzentriert in den Wettkampf gegangen. Während der Gewichtheber sich vielleicht 10 Minuten konzentrieren muss, liegt die Konzentrationsphase beim Schach bis zu 7 Stunden. Während des Wettkampfes ist der Kalorienverbrauch erhöht. Insbesondere das Gehirn hat einen hohen Energiebedarf.  Die Anstrengungen des Körpers sind beim Schach spielen von außen gesehen nicht offensichtlich, nichtsdestotrotz erfordert eine Schachpartie eine körperliche Höchstleistung, insbesondere vom Gehirn.

Melanie Ohme (Nationalspielerin und Olympia-Botschafterin):

Der besondere Reiz am Schach besteht für mich in der körperlichen, kognitiven und mentalen Herausforderung während eines Wettkampfs. Die steigende Nervosität, die körperliche Anspannung, die geistige Konzentration und die starken Emotionen nach Beendigung der Partie sind untrennbar mit Schach verbunden. Nach den meisten Partien fühle ich mich, als ob ich einen Marathon gelaufen wär. Für mich ist Schach eindeutig Sport und ich sehe mich selbst als eine Leistungssportlerin, die für ihre Ziele trainiert und bei jedem Turnier bestmögliche Leistungen erzielen möchte!

(Melanie Ohme nimmt an der Anti-Rassismus-Kampagne des BMI als Sportlerin teil!)

Dieter Nisipeanu (Nationalspieler):

Für einen Partie oder Turniererfolg muss man sowohl psychisch als auch physisch fit sein, von daher muss Schach als Sport betrachtet werden. Ich gehe sogar weiter und behaupte dass Schach ziemlich viel physischer Energie verbraucht, während andere Sportarten das Gehirn nur sehr wenig stimulieren.
Da das Gehirn und die Muskel in einem guten Verhältnis stehen sollten, finde ich, Schach ist ein 'komplettes Paket'.

Zoya Schleining (Nationalspielerin):

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Wenn Schach keine Sport ist, was ist das denn? Aktivität von Gehirnzellen ohne vorliegende eigenmotorische Aktivität?

Elisabeth Pähtz (Nationalspielerin)

Schach ist für mich Sport, weil ich beim Spielen Gewicht verliere.

Daniel Fridman (Nationalspieler)

Die Entscheidung, dass Schach nicht förderungswürdig sein soll, kann nur auf die Fehleinschätzung zurückgehen, dass Schach kein Sport ist.

Ich habe mich nie mit der Definition von Sport beschäftigt. Aber ich habe auch nie ernsthaft darüber nachgedacht, dass Schach kein Sport sein könnte.

Sport beinhaltet mehr als nur Bewegung. Es gibt genügend andere Sportarten, in denen der Bewegungsanteil nicht größer als beim Schach ist.

Entscheidend ist, dass man Schach wie auch bei andere Sportarten wettkampfmäßig betreiben kann. Natürlich kann man Wettbewerbe auf jedem beliebigen Gebiet betreiben, ohne dass aus der Beschäftigung gleich Sport wird.  Den richtigen Sport kennzeichnet, dass der Wettkampf Hauptzweck der ausgeübten Tätigkeit ist, ohne dass es auf einen Glücksfaktor ankommt. Wer Schach spielt, will seinen Gegner besiegen.

Alexander Donchenko (Kaderspieler des DSB und Mitglied der Prinzengruppe):

Für mich ist Schach Sport, weil es in Wettkämpfen mit Platzierungen und Preisen auf allen Ebenen organisiert ist.

Jonas Lampert (C-Kaderspieler des DSB):

Schach ist ein mentaler Kampfsport, der auf Grund der hohen Anforderung an die Konzentration über eine lange Dauer auch physisch den Spielern einiges abverlangt. Für erfolgreiches Schach bedarf es viel Training, Ausdauer und Wettkampfpraxis. Nicht zuletzt werden Weltklassespieler wie Magnus Carlsen und Vishy Anand als Sportler des Jahres in ihren Ländern auf Grund ihrer ausdauernden Kampfkraft verehrt. Ein Schachspieler ist nach einem Wettkampf, der sich oft über eine Woche hinzieht, physisch und mental grenzwertigen Belastungen ausgesetzt, die vielen anderen Ausdauersportarten vergleichbar sind.

Johannes Carow (C-Kaderspieler des DSB):

Für mich ist Schach Sport, da man wie in jeder anderen Sportart versucht, seinen Gegner durch antrainierte Taktiken und Strategien zu besiegen. Der sportliche Wettkampfcharakter ist auf allen Turnieren vorhanden und die Spieler geben ihr Bestes, ihre Partien zu gewinnen.
Außerdem: Wer einmal selbst ein Turnier spielt, das bis zu einer Woche oder länger dauert, weiß: Schachspielen ist auf Dauer anstrengend. Deshalb benötigen Spitzenspieler des Schachsports auch eine ausgezeichnete physische Verfassung und Kondition um auf langen Turnieren dauerhaft leistungsstark zu bleiben. Und diese erforderliche Ausdauer ist definitiv ein Merkmal sportlicher Tätigkeit.

Nationale Zeitungspresse zur Problematik

Die meiste nichtschachliche Presse griff die Meldung vom Sport-Informationsdienst (SID) auf. Wir geben nachfolgend die Headlines der wichtigsten Medien wieder. Bitte klicken Sie auf die Logos um zum entsprechenden Artikel des Anbieters zu gelangen.

Keine Fördergelder mehr für Schachbund - wegen "fehlender eigenmotorischer Leistung" (10.05.2014)

Keine Fördergelder mehr für Schachbund - wegen "fehlender eigenmotorischer Leistung" (10.05.2014)

BMI streicht Deutschem Schachbund die Leistungssportförderung (10.05.2014)

Schach ist doch kein Sport (10.05.2014)

BMI streicht Deutschem Schachbund die Leistungssportförderung (10.05.2014)

Kein Geld mehr für Schach (10.05.2014)

BMI streicht Deutschem Schachbund die Leistungssportförderung (10.05.2014)

Kein Geld mehr für Schachspieler (10.05.2014)

DOSB stoppt Förderung für Schachspieler (11.05.2014)

Leise Sportart will laut protestieren (13.05.2014)

Sportförderung für Schach gestrichen: Ein Bauernopfer (22.05.2014) - mit Äußerungen von Daniel Fridman

BMI streicht Leistungssportförderung (10.05.2014)

Zu wenig Bewegung - Schachmatt für die Denksportler (24.05.2014)

Martin Bells, Kolumnist der Rheinischen Post beantwortet die Frage Warum der Schach-Sport gar kein Sport ist (17.05.2014) mit Gegenfragen wie "Ist die Reiterei Sport? Schließlich strengt sich doch in erster Linie das Pferd an."

Unter der Überschrift Schachmatt! Der Bund streicht die Förderung der Brettspieler komplett, was die Frage aufwirft: Wann ist Sport eigentlich Sport? erschien am 21. Mai 2014 ein Artikel von Daniel Klein, der leider nicht mehr online ist. Wir zitieren auszugsweise:

"Hans Joachim Schätz, Präsident des sächsischen Verbandes [...]: 'Der Schachsportler muss seine Körperspannung über viele Stunden kontrollieren, Schockzustände durch unerwartete Züge des Gegners verarbeiten und unter anwachsendem Zeitdruck wohlüberlegte Entscheidungen treffen.'
Das ist sicher Auslegungssache - für das Ministerium jedoch nicht. [...] BMI-Sprecher Neymann: 'Die Ausübung der Sportart muss durch eine sportartbestimmende motorische Aktivität des Sportlers gekennzeichnet sein. Diese (...) liegt insbesondere nicht vor bei Denksport-, Geschicklichkeits- und Glücksspielen.' [... Sachsens] LSB-Generalsekretär Ulf Tippelt: 'Für uns ist Schach nach wie vor Sport. Die Entscheidung des BMI ist für uns unverständlich, hat aber keinerlei Auswirkungen für unsere Talentförderung.' [...] Sachsen-Präsident Schätz lässt deshalb nicht unerwähnt, dass Schach vom Internationalen Olympischen Komitee anerkannt sei und der FC Bayern München 1980 eine Schachabteilung gegründet habe. Höhere Weihen gibt es quasi nicht. Nun muss nur noch das BMI seine Meinung revidieren. [...] Geht es nach Ministeriumssprecher Neymanns, ist die Aussicht auf Erfolg jedoch gering: 'Eine Revidierung der Entscheidung ist nicht angedacht.' Vorerst bleibt es also beim schachmatt."

Johannes Aumüller schrieb in der Ausgabe vom 15. Mai 2014:

"Die deutsche Schachszene ist in heller Aufregung, und nirgends bündelt sich das so sehr wie auf der Geschäftsstelle des Deutschen Schachbundes (DSB). Seit Tagen gehen dort ungewöhnlich viele Anrufe, Briefe und Mails ein, manche sind Solidaritätsadressen, die meisten aber dokumentieren Wut und Unverständnis über einen Bescheid des Bundesinnenministeriums (BMI) aus der vergangenen Woche..."

Diesen Artikel, der uns zur Verfügung gestellt wurde, können Sie hier komplett als PDF lesen!

Freie Presse

Fördermittel-Aus für Schachbund schreckt Vereine im Vogtland auf (23.05.2014)

Als das Innenministerium den Geldhahn für den Bundesverband zudrehte, war die Verunsicherung an der Basis groß. Die Angst, dass es künftig auch in der Region keine Förderung mehr gibt, scheint allerdings unbegründet.
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Pressemeldungen ChessBase

Förderung gestrichen

Unser Partner ChessBase hat am 8. Mai die Meldung des DSB übernommen und kurz kommentiert. Auch zahlreiche Besucher der Hamburger Schachsoftwarefirma gaben Kommentare ab. Ein paar Auszüge:

André Fischer: "Das Verhalten des BMI sollten wir Schachsportler bei den nächsten Wahlen beachten.
Ein Mail habe ich gleich an den CDU-Bundestagsabgeordneten meiner Region gesendet." ... wenig später: "Habe Telefonat vom CDU-Bundestagsabgeordneten meiner Region erhalten. Er hat das Problem erkannt."

Frank: "Sehr, sehr traurig... - hab' mich dem Vorschlag angeschlossen und 'unserem' CDU-MdB, den DOSB und das BMI angeschrieben. Ob's was bringt, keine Ahnung, aber wenn 'es' viele machen"

BronsteinD thematisiert den Ablehnungsgrund, die 'fehlende eigenmotorische Aktivität' (BMI): "Die Begründung ist an Banalität kaum zu unterbieten und birgt einen gewissen Zynismus."

SEAKone: "Der Witz ist doch, dass das BMI selber Schach als Sport für seine Angestellten anbietet"

tcook: "Schockierend, dreist und selbstherrlich wie hier die Grundlagen der deutschen Schachorganisation untergraben werden. Ich erwarte, dass die wir uns als eine der größten Schachorganisationen der Welt auf die Hinterbeine stellen und der Schachbund z.B. eine Online Petition initiiert. Ich würde jedenfalls dafür trommeln."

Interview mit Michael S. Langer

ChessBase führte ein Interview mit dem DSB-Vizepräsidenten für Finanzen, Michael S. Langer. ChessBase-Mitarbeiter André Schulz: "Die Streichung der Fördergelder durch das Bundesinnenministerium hat den Deutschen Schachbund zutiefst schockiert. Michael S. Langer, Vizepräsident Finanzen des DSB, berichtet im Interview, wie es dazu kam und welche Maßnahmen der Schachbund nun ergreifen will, um vielleicht doch noch eine Änderung der Entscheidung des BMI herbeizuführen."

Interview lesen: Bei ChessBase | Bei uns

Natürlich ist Schach Sport

Am 12. Mai erschien vom ChessBase-Redakteur André Schulz noch ein weit ausführlicherer Beitrag zum Thema, der viele Hintergrundinformationen und Links zu anderen Pressemeldungen enthält. Ein kurzer Auszug:

"[...] mit der Zusammenlegung von Sportbund und NOK wurde auch der Sportbegriff neu definiert - auf eine unsinnige und unzutreffende Weise. Besonders der [...] schon zitierte Passus der 'eigenen, sportartbestimmenden motorischen Aktivität' löst Widerspruch aus. In den klassischen Sportarten, wie man sie aus der Antike kennt, spielt die Bewegung des Körpers sicher die entscheidende Rolle. Es wurde gelaufen, gesprungen, gerungen, mit Gegenständen geworfen oder Gewichte angehoben. Mit der Erfindung vieler technischer Geräte im Laufe der Jahrhunderte gewann der geschickte Umgang mit diesen im Wettbewerb immer größere Bedeutung. Die 'eigene sportartbestimmende motorische Aktivität' des Sportlers fällt dabei zuweilen recht gering aus.
Bei den Sportschützen beispielsweise kommt es darauf an, sich möglichst gar nicht zu bewegen, bis sich der Finger am Abzug krümmt. Trotzdem ist es Sport. Wie viel Bewegung steckt in Sportarten wie Sportangeln, Billard oder Golf? [...]"

Kompletten Artikel bei ChessBase lesen

90.422 Schachsportler betreiben doch keinen Sport?

Von Hans-Joachim Schätz, Präsident des Landesschachverbandes Sachsen erreichte uns nachstehendes Schreiben:

Bundesministerium des Inneren (BMI) kürzt die Fördermittel des Deutschen Schachbundes (DSB) auf „Null“! – 90.422 Schachsportler betreiben doch keinen Sport?

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Stimmen

Per Email erreichten uns in den letzten Tagen zahlreiche Wortmeldungen, die wir hier anonymisiert und in Auszügen wiedergeben.

P.D. aus B.: "Die Streichung der Fördermittel für den Schachsport ist indiskutabel. Es ist einfach ein Skandal!!"
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K.W. aus E.: "... das sind keine guten Nachrichten über die Sie berichten. Natürlich wünsche ich Ihnen in unser aller Namen viel Erfolg bei dem zu erwartenden Kampf."
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D.K.: "Die Entscheidung den Schachsport als nicht förderungswürdig einzustufen wegen 'beim Denksport nicht vorliegender eigenmotorischer Aktivität' verkennt die Tatsachen. Die Kritik des deutschen Schach-Ehrenpräsidenten Robert von Weizsäcker am neuen Weltmeister Magnus Carlsen: 'Carlsen hat gewonnen, weil er der bessere Sportler und nicht der bessere Schachspieler ist....' ist das beste Argument für die Notwendigkeit eines eigenmotorischen Trainings eines Schachspielers!"
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K.W.: "Ich begreife das immer noch nicht, worum es bei dieser 'Eigenmotorik' eigentlich geht. Als alternativer Marathonläufer kann ich nur eins sagen: eine harte 5-6-Stunden-Partie ist wesentlich härter als über 42,195 km zu laufen, welches dagegen Kindergeburtstag ist. Diese unglaubliche Nervenanspannung im Schach, diese Konzentration auf höchstem Level. Ein Sportschütze z.B. (neben vielen anderen) verdiente keinen Olympiazuschuss, wenn den nicht mal ein Schachspieler erhält." (sh. auch schachmatt.de)

S.M. aus F.: "Es ist eine Schande, dass das BMI die Förderung des Schachsports gestrichen hat. Es geht um lediglich 130.000 EUR, was ansich schon ein lächerlicher Betag ist, der nun den Kindern und Jugendlichen ersatzlos fehlt, um Talente, Schulschachförderung etc. zu unterstützen."
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M.V.: "Der Schachsport ist eine der wenigen Sportarten, in welcher Behinderte ohne Einschränkung voll mitmachen können und hat daher eine hochintegrative gesellschaftliche Funktion. Die Zurücksetzung dieses Sportes ist daher auch ein deutliches Signal an die Behinderten. [...] Am 6.5.2008 wurde durch eine Kommission unter Vorsitz des Bundesinnenministers der deutsche SPORTLER Dr. Emanuel Lasker sogar in die 'Hall of Fame des deutschen Sports' aufgenommen! Ich finde es erstaunlich, dass das BMI der Meinung ist, dass Dr. Emanuel Lasker für den deutschen Sport unsterbliche Verdienste leistete, und gleichzeitig Schach als nicht mal mehr förderungswürdig angesehen wird."
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F.B. aus P. hat einen Brief an den Bundesinnenminister geschrieben und in einem weiteren Brief seinen persönlichen Standpunkt dargelegt. Dazu zitiert er zahlreiche Größen aus Sport und Politik, die Schach sehr wohl als Sport begreifen. Sehr lesenswert!
Jetzt lesen

M.K.: "Diese Entscheidung des BMI ist vollkommen unverständlich. Es macht einen zunächst einmal sprachlos. Eine online-Petition bringt bestimmt genug Stimmen um gegen diese Entscheidung des BMI anzugehen. Ich wünsche euch viel Glück damit ihr letztendlich eure Fördergelder wieder bekommt."

Frank Schmidt, 1. Vorsitzender des SK Mannheim 1946, hat auf seiner Vereinswebsite unter der Überschrift "Inkompetenz und Arroganz im Bundesinnenministerium" einen Text veröffentlicht: "'DDR-Verhältnisse' gibt es in Berlin auch heute wieder. Das Bundesinnenministerium hat mit sofortiger Wirkung die Leistungssportfördermittel für den Deutschen Schachbund gestrichen. Die Begründung wurde im typischen Beamten-Deutsch verfasst. Dort heißt es: '... es fehle dem Schachsport an der erforderlichen, sportartbestimmenden motorischen Aktivität.' Eine der vielen geschraubten Poltiker-Wortblasen!..."
Weiterlesen beim SK Mannheim

Mit der Frage "Ist Schach doch ein Spiel?" beschäftigen sich die Macher von spielbox.de und gehen mit Galgenhumor auf die fehlenden eigenmotorischen Fähigkeiten beim Schach ein: "Da werden die Schachsportler wohl ihre Regeln ändern müssen, indem sie die Sportler zu 'motorischen Aktivitäten' während einer Schachpartie verpflichten. Ansonsten bleibt nur Emigration. Schachspieler, seid willkommen in der Förderwüste der Brett- und Denkspieler!"

Mirko Humme, 1. Vorsitzender SK Königsjäger Hungen: "Es ist ein Skandal sondergleichen, dass die Politik einerseits mit Geld um sich wirft, als gäbe es kein Morgen mehr, andererseits aber die ehrenamtliche Arbeit mit Füßen getreten wird! Nicht nur der Schach-Sport geht dahin, wo es richtig weh tut! In Bereichen, wo die Politik und damit auch der Staat in aller Regelmäßigkeit versagen.
Wir sind richtig stolz darauf, dass ein syrischer Flüchtlings-Junge unserem Schachklub beigetreten ist, und auch in aller Regelmäßigkeit nicht nur zum Einsatz,, sondern immer zum Training kommt. Er spricht nach anderthalb Jahren übrigens perfekt Deutsch!
Es gibt genügend Beispiele warum Schach nicht nur Sport ist, sondern auch gesellschaftlich verbindet.
Wir haben übrigens eine Initative auf Facebook gegründet!"

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Pixabay

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Reaktionen aus der Bundespolitik

Die Emails und Briefe von Schachanhängern und -sympathisanten an Landes- und Bundespolitiker blieben auch im Bundesinnenministerium nicht ungelesen. So erhielt unser Leser M.B. vom Bürgerservice des BMI die folgende Antwort.

Am 21. Mai 2014 war der Deutsche Schachbund sogar Thema einer Bundestagssitzung. Der Linke-Politiker Dr. André Hahn stellte der Bundesregierung eine "Mündliche Frage 48" zur Förderung des DSB. Der Parlamentarische Staatssekretär des BMI, Dr. Günter Krings, machte in seiner Antwort klar, daß Schach nicht alle Kriterien eines förderungswürdigen Sports erfüllt. Insbesondere erinnerte er noch einmal an die "nicht vorliegende eigenmotorische Aktivität".
Protokollauszug der Bundestagssitzung

Schachmatt verhindern – de Maizière muss Kürzung im Schachsport zurücknehmen

Frank Hoppe
Vor dem Sitzungssaal der Grünen im Bundestag

Der Bundestagsabgeordnete Özcan Mutlu (Bündnis 90/Die Grünen) macht sich in einer Pressemitteilung vom 22. Mai 2014 ebenfalls stark für den Deutschen Schachbund:

"Die Streichung der Mittel ist ein weiteres Beispiel für die Intransparenz der Entscheidungen in der Sportförderung des Bundes. Die Nachricht über die Streichung der Fördermittel überraschte die Öffentlichkeit und scheinbar auch den Deutschen Schachbund. Das Bundesministerium hielt es auch nicht für notwendig, die Mitglieder des Sportausschusses während der Haushaltsberatungen über die Streichung zu informieren.

Wie uns das Ministerium in der aktuellen Antwort auf eine schriftliche Frage mitteilte, beruft sich Minister de Maizière zur Begründung der Streichung auf den einstimmigen Beschluss der Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) vom 07. Dezember 2013. Die Mitgliederversammlung hat jedoch am gleichen Tag auch einstimmig beschlossen, den Schachsport auf Grund seiner besonderen Rolle weiterhin von der Systematik auszunehmen. Das wirft die Frage auf, warum sich das Herr de Maizière an den einen Beschluss des DOSB gebunden fühlt und an den anderen nicht? Anscheinend ist die vielgeäußerte Autonomie des Sports nicht grenzenlos.

Dazu ist auch zu fragen, warum die Kürzung jetzt plötzlich in einem Schritt und nicht über zwei oder drei Jahre verteilt erfolgt. Vertrauen bildet das nicht." (Quelle)

Linke gegen BMI-Haushaltsplan

Am 26. Juni sprach Dr. André Hahn im Bundestag und bemängelte den Haushaltsplan des Bundesministeriums des Innern (BMI). Positiv hob er dabei die Entscheidung des Haushaltsausschusses hervor, die Initiative "Jugend trainiert für Olympia", die Paralympics und den Deutschen Schachbund (DSB) weiter fördern zu wollen.
Just am gleichen Tag traf sich das BMI mit dem DSB und bekräftigte das Auslaufen der Förderung!

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