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36. Deutsche Meisterschaft im Blitzschach 2009

Plakat der DBEM

5. Dezember 2009 im Landratsamt Neumarkt/Oberpfalz

Veranstalterseite

Rekordsieger GM Klaus Bischoff fügt seiner beeindruckenden Titelsammlung einen weiteren hinzu

Sebastian Mösl (1.Vorsitzender SK Neumarkt), GM Michael Bezold (2.), GM Klaus Bischoff (1.), Ralph Alt, IM Ilja Schneider (3.), Axel Neffe (Bester Nichttitelträger), IM Andreas Heimann (Bester U30) und Robert Ackermann (Nationaler Schiedsrichter)

Am Samstag den 5. Dezember 2009 fanden die 36. Deutschen Blitzeinzelmeisterschaften in Neumarkt/Oberpfalz im Saal des Landratsamtes statt. Pünktlich um 13 Uhr begrüßte der 1. Vorsitzende des SK Neumarkt Sebastian Mösl die Teilnehmer und bedankte sich bei der Stadt Neumarkt, dem Landkreis Neumarkt sowie dem Sponsor Sparkasse Neumarkt für die Unterstützung bei der Ausrichtung. Er wies auf das außergewöhnlich starke Teilnehmerfeld mit 5 Großmeistern, darunter Rekordsieger GM Klaus Bischoff (Sportfreunde Katernberg 1913) und Titelverteidiger GM Robert Rabiega (SK König Tegel 1949), sowie 13 Internationale Meister und 8 FIDE-Meister hin. 26 Titelträger in einem 32er Feld wobei 16 Spieler eine Elo über 2400 aufweisen, versprachen ein spannendes und hochklassiges Turnier für die rund 150 Zuschauer.

Anschließend betonten der 2. Bürgermeister Franz Düring und Landrat Albert Löhner den Stellenwert des Schachklubs im Neumarkter Vereinsleben und brachten Ihre Freude zum Ausdruck, dass eine Deutsche Meisterschaft in Neumarkt stattfindet.

Nach den technischen Hinweisen von Bundesturnierdirektor Ralph Alt wurden die Bretter zur ersten Runde freigegeben. Schon in Runde 2 sorgte David Höffer (Delmenhorster SK V 1931) mit einem Sieg über den Titelverteidiger für die erste Überraschung und auch GM Michael Bezold (FC Bayern München) musste im vereinsinternen Duell gegen IM Peter Meister einen halben Punkt abgeben. In der vierten Runde sorgte Martin Simon vom ausrichtenden Verein für einen Paukenschlag und nahm ein Remisgebot von GM Michael Prusikin (SC Forchheim) an. Zwar hatte Simon die bessere Zeit und eine Mehrfigur, der Respekt vor dem GM war aber größer.

Nach fünf Runden hatten einzig IM Mathias Womacka (USG Chemnitz) und Klaus Bischoff eine weiße Weste, wohingegen andere Favoriten bereits bis zu zwei Punkte liegengelassen hatten. In Runde 7 erwischte es dann auch Mathias Womacka der dem Freibauernpaar des Vorjahres-Vizes IM Ilja Schneider (Sfrd. Berlin 1903) nichts entgegenzusetzen hatte. Dagegen musste Klaus Bischoff erst in Runde 9 gegen Peter Meister erstmals die Waffen strecken.

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Michael Bezold

Michael Bezold holte gegen Ilja Schneider und Mathias Womacka zwei "Big-Points", während sich Michael Prusikin und Daniel Hausrath remis trennten und auch Klaus Bischoff gegen FM Karl-Jasmin Muranyi (SV Worms 1878) nicht über ein Unentschieden hinauskam. Ein weiteres Remis von Klaus Bischoff in Runde 15 gegen IM Christian Maier (SK 1879 HD-Handschuhsheim) ermöglichte es Michael Bezold mit dem bisherigen Spitzenreiter gleichzuziehen, da er sich im Kampf mit dem punktgleichen Michael Prusikin dank eines Bauerngewinns durchsetzen konnte. Titelverteidiger Robert Rabiega konnte nach einem Remis gegen Raiko Siebarth (SG Blau-Weiß Stadtilm) den Abstand zur Spitze nicht verringern.

In der 16. Runde hießen die Spitzenpaarungen Bezold - Hausrath remis, Bischoff - IM Christian Richter (Schachklub Turm Emsdetten) 1:0 und Stangl - Prusikin remis. Damit ergab sich kurz nach der Hälfte des Turniers folgender Zwischenstand: 1. Bischoff 14, 2. Bezold 13,5, 3. Prusikin 13, 4./5. Hausrath und Rabiega 12, und 6./7. Stangl und Schneider 11,5.

Die folgenden Runden sahen Unentschieden zwischen FM Karsten Schulz (VBFS Cottbus) und Michael Bezold, Michael Prusikin und IM Thomas Reich (FC Bayern München), Ilja Schneider und Robert Rabiega, Ilja Schneider und Klaus Bischoff sowie Siege von Daniel Hausrath gegen Markus Stangl, Thomas Reich gegen Daniel Hausrath, FM Stefan Breuer (SVG Salzgitter) gegen Michael Prusikin, Robert Rabiega gegen Mathias Womacka, Michael Bezold gegen Markus Stangl, FM Holger Hebbinghaus (SK Marmstorf GW Harburg) gegen Robert Rabiega, Klaus Bischoff gegen Mathias Womacka und Robert Rabiega gegen Michael Prusikin. Damit führte weiterhin Klaus Bischoff (17,5) vor Michael Bezold (17), Robert Rabiega, Michael Prusikin und Ilja Schneider (je 14,5).

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Michael Prusikin

In Runde 21 endete das Verfolgerduell Hausrath - Rabiega remis und auch Michael Prusikin verlor nach einer Niederlage gegen IM Erik Zude (SV 1920 Hofheim) weiter an Boden. Eine Runde später musste er sich auch Klaus Bischoff beugen und Ilja Schneiders Vormarsch wurde von David Höffer vorerst gestoppt. Danach kam es zum Duell Bezold - Rabiega: Michael Bezold setzte mit einem Qualitätsopfer alles auf eine Karte, doch sein Angriff war nicht durchschlagend genug und er verlor, wohingegen Klaus Bischoff gegen Daniel Hausrath siegreich blieb. Lokalmatador Martin Simon holte gegen IM Michael Kopylov (SK Norderstedt von 1975) sein viertes Remis - eine starke Leistung! In der 24. Runde gab Klaus Bischoff gegen Karsten Schulz ein Remis ab und Michael Bezold konnte den Rückstand verkürzen. Dagegen musste Robert Rabiega nach der Niederlage gegen Markus Stangl seine Hoffnungen auf eine erfolgreiche Titelverteidigung mit nun vier Punkten Rückstand langsam begraben. Zwischenstand: 1. Bischoff (21), 2. Bezold (20), 3. Schneider (17,5), 4. Rabiega (17) und 5. Prusikin (16).

Showdown in Runde 25: Bezold - Bischoff. Doch nach 15 Zügen war es bereits vorbei und man einigte sich auf Remis. Eine Runde später umschiffte Klaus Bischoff die nächste Klippe und gewann gegen Markus Stangl. IM Bernd Schneider (Bochumer Schachverein 02) knöpfte seinem Namensvettern Ilja Schneider ein Remis ab, womit Robert Rabiega und Daniel Hausrath im Kampf um Rang drei wieder aufholen konnten. Dagegen rückte für Michael Prusikin nach der Niederlage gegen Matthias Schöwel (TSG Oberschöneweide) das Podest in weite Ferne. In den folgenden zwei Runden marschierte das Spitzenduo im Gleichschritt und Ilja Schneider konnte sich im Kampf um den letzten Podestplatz etwas absetzen, da Robert Rabiega gegen IM Andreas Heimann (SC Dreiländereck) und Michael Prusikin gegen Axel Neffe (Queer-Springer SSV Berlin) jeweils remis spielten und Daniel Hausrath gegen IM Thies Heinemann (Hamburger SK von 1830) verlor. Stand nach 28 Runden: 1. Bischoff (24,5), 2. Bezold (23,5), 3. Schneider (21), 4. Rabiega (20) und 5. Hausrath (19).

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Robert Rabiega

In Runde 29 ließen Robert Rabiega (remis gegen Erik Zude) und Daniel Hausrath (remis gegen Axel Neffe) weiter Federn, während Ilja Schneider mit einem Sieg über FM Torsten Lang (SK Landau) einen großen Schritt Richtung Podest machte. Die große Frage die noch im Raum stand war, ob Klaus Bischoff noch einmal stolpern würde, musste er doch in der vorletzten Runde gegen den bereits entthronten Titelverteidiger Robert Rabiega antreten. Tatsächlich erkämpfte sich Rabiega leichte Vorteile in Form eines Freibauern. Doch Bischoff behielt die Ruhe, nutzte einen Fehler seines Gegenübers zum Gewinn zweier Bauern aus und gewann das Endspiel souverän. Da sich gleichzeitig Michael Bezold Thies Heinemann geschlagen geben musste, war Klaus Bischoff der Titel - bereits sein 11. Erfolg! - eine Runde vor Schluss nicht mehr zu nehmen. Auch die Plätze zwei und drei waren Michael Bezold und Ilja Schneider bereits sicher. In der letzten Runde sicherten sich Robert Rabiega und Daniel Hausrath die verbliebenen Preisgeldränge und um 19:07 Uhr endete die letzte Partie.

Endstand: 1. GM Klaus Bischoff (27), 2. GM Michael Bezold (24,5) 3. IM Ilja Schneider (23), 4. GM Robert Rabiega (21,5), 5. GM Daniel Hausrath (21), 6. GM Michael Prusikin (20), 7. GM Markus Stangl (19,5), 8. IM Mathias Womacka (19), 9. IM Bernd Schneider (18,5) und 10. IM Andreas Heimann (18,5).

Die Leistung von Klaus Bischoff mit 27 von 31 möglichen Punkten und nur einer Niederlage (gegen Peter Meister) war schlichtweg beeindruckend. Aber auch die Leistung der anderen Topplatzierten war angesichts des starken Teilnehmerfeldes stark. Hervorzuheben ist auch das Abschneiden vom Setzlisten 30. Axel Neffe als Elfter (17,5) und des Setzlisten 31. Raiko Siebarth als Sechzehnter (15,5). Aus Neumarkter Sicht verlief das Turnier ebenfalls erfreulich. Zwar blieb Martin Simon ein Sieg verwehrt, aber vier Remis (alle gegen Titelträger, eines gar gegen einen GM) sind angesichts der Tatsache, dass er fast 200 DWZ-Punkte weniger als der Setzlistenvorletzte aufwies eine beachtenswerte Leistung.

Bei der anschließenden Siegerehrung im Hotel Wittmann bedankte sich Sebastian Mösl bei den Teilnehmern, dass sie den Weg nach Neumarkt gefunden und das Turnier bereichert hatten. Zudem dankte er Robert Ackermann vom Schachclub Noris Tarrasch Nürnberg, der als Schiedsrichter fungierte und die Live-Berichterstattung im Internet in die Wege geleitet hatte, bei der jeweils die aktuelle Ergebnisliste und Tabelle sowie auch Bilder und Kurzberichte veröffentlicht wurden.

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Neben den Geldpreisen für die ersten Fünf gab es für alle Teilnehmer eine Urkunde und einen vom Landratsamt gestifteten Bildband über Burgen im Landkreis Neumarkt. Außerdem gab es als Sonderpreis für den besten Nichttitelträger und den besten U30-Spieler eine Gedenkmünze, die der Schachklub Neumarkt anlässlich der Deutschen Meisterschaft prägen ließ. Die Sieger in diesen Kategorien waren Axel Neffe und Andreas Heimann.

Ralph Alt bedankte sich beim 1. Vorsitzenden Sebastian Mösl und seinem jungen Helferteam für die perfekte Organisation, auch von Spielerseite gab es viel Lob für den ausrichtenden Verein. Es gab keine Protestfälle und das Turnier war mit einem Rundenschnitt von knapp über 11 Minuten wohl das Schnellste der Geschichte. Nach einem gemeinsamen Abendessen ließ man den Abend gemütlich ausklingen. Einige Spieler hatten aber anscheinend immer noch nicht genug und blitzten bis nach 1 Uhr...

Aus Sicht des SK Neumarkt, der sich anlässlich seines 60jährigen Vereinsjubiläums um die Ausrichtung beworben hatte, war das Turnier ein voller Erfolg und eine tolle Erfahrung. Das Turnier verlief reibungslos, es gab spannende und hochklassige Partien zu sehen und das Lob der Spieler war natürlich eine schöne Bestätigung für die verantwortlichen Personen. Somit können die Neumarkter eine rundum positive Bilanz ziehen.

Sebastian Mösl

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