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Fernkurs für Trainer in der Schweiz

von Dr. Ernst Bönsch

Berlin, 9. Oktober 2009

Sportschule Magglingen

  Neue Herausforderung für die FIDE Trainer Academy

Erstmals in der Geschichte der internationalen FIDE Trainer Academy Berlin kommen die Kursanten für Trainerkurse nicht nach Berlin, sondern die Lektoren reisen zu den Teilnehmern in ihr Heimatland. Das erweist sich bei einer hohen Beteiligung als recht ökonomisch. Aus diesem Grund organisierte André Lombard, Geschäftsführer des Schweizer Schachbundes, einen Ausbildungskurs für FIDE-Instruktoren in den Swiss-Olympic-Sportstätten Magglingen (Nähe Biel). Unter dem Motto "Von der Stappenmethode über den FIDE-Instruktor zum FIDE-Trainer" versucht der SSB seine nationale Trainerausbildung effektiver zu gestalten, um das Niveau der Nachwuchsspieler zu heben.
Die Kriterien für eine Kursteilnahme galten genauso wie an der Trainerakademie in Berlin: Nachweis über eine zweijährige Aktivität als Trainer; eine Wertzahl von mindestens 1800 und erfolgreiches Absolvieren einer Lehrprobe.

Der Lehrgangsplan sah folgende Hauptthemen vor (Kurssprache Englisch):

  • Samstag: Psychologische und pädagogische Anforderungen an einen Schachtrainer (PD Dr. Marion Kauke)
  • Sonntag: Nutzen des ChessBase-Programms für das Training (IM Michael Richter)
  • Montag: Aufbau eines Eröffnungsrepertoires (GM Adrian Mikhalchishin)
  • Dienstag: Methoden des Lehrens von Strategie und Taktik sowie Nutzen von Studien für das Training (GM Uwe Bönsch)
  • Mittwoch: Lehrproben und Abschluss durch die beiden Großmeister der FIDE-Trainer-Kommission.

Alle 15 Teilnehmer konnten sich über einen erfolgreichen Abschluss des Lehrkurses freuen und erhielten das Zertifikat als FIDE-Instructor. In der Schweizer Schachzeitung 09/2009, Seite 22-23 wird von Markus Angst unter der Überschrift "Psychologie, ChessBase, Rechentechnik – Ein durchwegs positives Erlebnis" nochmals eingehend auf den ersten FIDE Ausbildungskurs in der Schweiz eingegangen.

Faksimile des Artikels in der Schweizer Schachzeitung

Einige Überlegungen zur Strategie der Berliner Trainerakademie. Die progressive Entwicklung des Schachsports fordert den hochqualifizierten Spezialisten auf dem Gebiet der Ausbildung. Zunehmend gefragt sind profilierte Fachtrainer mit umfangreichen sportartspezifischen Kenntnissen, starker kommunikativer Ausstrahlungskraft und Teamfähigkeit. Eine zentralisierte Ausbildung soll möglichst ein gleich hohes Niveau des Wissens und Könnens der Schachlehrer und Trainer für die Ausübung ihrer pädagogisch-methodischen Tätigkeit gewährleisten. Ein wesentlicher Gedanke besteht in der gesellschaftlichen Anerkennung und Aufwertung des Trainerberufes, so wie es in anderen populären Sportarten der Fall ist. Schließlich verbindet sich damit die Hoffnung, dass mehr junge Menschen an das Schachspiel herangeführt und das Leistungsniveau insgesamt angehoben wird. Durch hoch qualifizierte Trainer soll perspektivisch eine höhere Schachkultur in allen Ländern erreicht werden.
Aus diesen Gründen wurde im Dezember 2003, initiiert vom damaligen Referenten für Ausbildung, Prof. Dr. Hans-Jürgen Hochgräfe, im Berliner Olympiapark in der Nähe des legendären Olympiastadions die internationale Trainerakademie gegründet, die als Non-Profit-Unternehmen arbeitet und keine eigenwirtschaftlichen Zwecke verfolgt.
In der ehrenamtlich geführten Einrichtung fanden unterdessen über 70 nationale und internationale Aktivitäten statt, darunter zehn FIDE-Ausbildungskurse. Dabei wurden 90 internationale FIDE Trainer/Instructoren aus 25 Ländern von vier Kontinenten ausgebildet. Neben diesen Kursen gab es Aus- und Weiterbildungslehrgänge für A, B- und C-Lizenztrainer des Deutschen Schachbundes, ein Weiterbildungsseminar für Internationale Schiedsrichter, Vorbereitungslehrgänge für DSB-Nationalmannschaften Männer und Frauen, Trainingslehrgänge für Kaderspieler, Ausbildungsseminare für DOSB-Referenten, DSJ Seminare "Schach mit Kindern", MonRoi-Ausbildung der ECU, spezielle Kurse zur ChessBase-Ausbildung u.a.m. Eine Reihe von Informationsbesuchen, u.a. auch vom Direktor der FIDE-Academy in New York, M. Khodarkovsky.

Teilnehmer und Lehrkräfte

Als immer schwieriger erwies sich das Veranstalten von internationalen Trainerkursen. So entstanden in den letzten Jahren oder sind im Entstehen ähnliche Ausbildungsstätten in Singapur (ASEAN Chess Academy), New York (American Chess University), Chennai/Indien (FIDE India Chess Academy), Barcelona/Spanien, Dubai, Moskau, Iran, Trinidad & Tobago, Türkei, Georgien und Libyen. Für das Weltschach sicher eine positive Entwicklung. Die Berliner Trainerakademie bekam aber große Konkurrenz, zumal Einreiseprobleme für afrikanische und asiatische Länder nach Deutschland in den letzten Jahren enorm zugenommen haben und immer mehr interessierte Teilnehmer kein Einreisevisum bekamen. Mit der neuen Überlegung des Wissenstransfers in andere Länder können vermutlich einige Probleme gelöst werden. Nach dem Kurs in Magglingen liegt bereits eine entsprechende Anfrage des Isländischen Schachbundes für 2010 vor.

Autoreninfo

Dr. Ernst Bönsch,
Jahrgang 1931, Koordinator der FIDE-Trainerakademie

ernst.boensch@gmx.de

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