Richtig ist es: Wenn man jemand zum
erstenmal in Ihrem Spiellokal auftaucht, lassen Sie ihn nicht lange allein.
Begrüßen Sie den Neuling und fragen Sie ihn nach seinen Wünschen und sprechen
Sie mit ihm.
Schließlich entscheiden oft die Gefühle ("Emotionen"), also der erste Eindruck,
wie der Neuling sich fühlt. Ist sein erster Eindruck positiv, kommt er
sicherlich gerne wieder.
Falsch ist es, den Neuling zu
übersehen, ihn einfach selbst stehen zu lassen und sich nicht um ihn zu
kümmern.
In vielen Schachvereinen spielen die Schachfreunde einfach weiter so, als sei
der Neuling Luft.
2. Die Betreuung des Neulings ist "Chefsache"
Richtig ist es: In einem höflichen
und freundlichen Schachverein sollte sich der Vorsitzende oder Leiter es nicht
nehmen lassen, den Neuling persönlich zu betreuen.
Dadurch fühlt sich der Neuling geehrt und freundlich aufgenommen. Auch eine
erste lockere Testpartie zwischen dem Vorsitzenden und dem Neuling ermöglicht
es dem Vorsitzenden, die Spielstärke des Neulings einzuschätzen und ihm die
richtigen Schachkameraden als Partner zu vermitteln.
Falsch ist es, den "Neuen" dem
schwächsten Vereinsmitglied zu "überlassen" oder ihn gleich vom Vereinsmeister
nach Strich und Faden "abziehen zu lassen". Für den schwächsten Vereinsspieler
ist der Neuling kein willkommenes Objekt für leichte Siege und für den starken
Vereinsspieler erst recht nicht.
3. Aller Anfang ist schwer
Richtig ist es: Der Neuling hat es im
Schachverein oft nicht leicht. Neue Umgebung, neue Erfahrungen und unter
Umständen sogar Regelprobleme (Rochade, en passant ...) machen es dem Gast
nicht gerade leicht.
Deshalb am Anfang: Spielen Sie nur leichte Parteien mit dem Neuling ohne Uhr,
ohne Notation und bringen Sie ihm schonend evtl. fehlende Regelkenntnisse bei.
Falsch ist es, dem Neuling ein Spiel
mit der Schachuhr aufzuzwingen, von ihm die Notation vom Spiel zu verlangen
oder ihn gar dem Blitzschach auszusetzen.
4. Lassen Sie den Gast zunächst bestimmen
Richtig ist es: Der Gast möchte
gerne seine Schachkenntnisse, die er mitbringt, im Schachverein testen.
Verunsichern Sie ihn nicht, lassen Sie ihn bestimmen. Der Gast hat
grundsätzlich Farbwahl. Der Gast darf auch einmal einen fehlerhaften Zug
zurücknehmen.
Lassen Sie auch seine Fragen zu. Vor allem: Loben Sie ihn, wenn er einen guten
Zug gemacht hat.
Falsch ist es, mit dem Gast tierisch
ernst zu spielen und die Regel "berührt – geführt" gnadenlos anzuwenden.
Verzichten Sie auch auf jedwede Sadismen, nehmen Sie die Figuren des Gegners
sanft vom Brett, verzichten Sie auf den lauten Ruf: "Matt in ...Zügen", die den
Gast den neugierigen Blicken der anderen Schachfreunde aussetzt.
5. Ersparen Sie dem Gast schmerzhafte Erfahrungen
Richtig ist: Damit ist nicht
gemeint, dass Sie Remisen verschenken, Figuren absichtlich stehen lassen, ...
Auch Anfänger merken es, wenn man Gnadenpunkte verschenkt.
Verschaffen Sie aber dem Gast ein Erfolgserlebnis. Loben Sie seinen Zug.
Sprechen Sie behutsam seine Fehler an und zeigen ihm statt dessen die richtigen
Züge.
Falsch ist es, den Gast zu
überfordern, ihn gleich am dritten Abend an einem Vereinsturnier intern
Blitzturniere mitspielen zu lassen. Psychologisch ungünstig ist auch, den Gast
gegen jüngere Spieler oder sogar Kinder spielen und verlieren zu lassen.
Dann ist der Gast endgültig demotiviert. "Ich verliere ja sogar gegen kleine
Kinder". Sie müssen sich dann nicht wundern, wenn der Gast nicht wiederkommt.
6. Stellen Sie dem Neuling den Verein vor
Richtig ist: Erzählen Sie dem
Neuen einiges über den Verein, über die Anzahl der Mitglieder, die
Freizeitveranstaltungen, Trainingsmöglichkeiten, verschiedene Klassen des Vereinsturnieres usw.
Erwähnen Sie die Weihnachtsfeier, das Grillfest, die Wanderung, die Vereinsbibliothek,
die Vereinszeitung. Zeiten Sie ihm den Terminplan, geben Sie ihm eine Kopie.
Falsch ist es, den Neuling auf
"Sparflamme" zu behandeln, so dass er allmählich den ganzen Reichtum und die
Vielseitigkeit des Vereines erfährt.
7. Stellen Sie dem Neuen die Vereinsmitglieder vor
Richtig ist: Insbesondere
erwachsene Gäste verbinden mit dem erstmaligen Aufsuchen eines Vereinsabends
auch soziale Aspekte. Neulinge suchen den Kontakt zu Einheimischen.
Alleinstehende suchen Anschluss.
Hier ist wieder der Vorsitzende gefragt: Stellen Sie dem Gast jeden einzelnen
Schachspieler vor, erwähnen Sie in kurzen Worten positive Charakteristika der
Persönlichkeit der einzelnen Schachfreunde, z. B. Beruf, Spielstärke, besondere
Hobbys, Verantwortlichkeit im Verein ("und das ist unser Kassierer" oder
"Schachfreund Meier gibt eine sehr interessante Schachzeitung heraus, dort
können Sie auch gerne mitarbeiten" oder "Schachfreund Müller ist für die
Vereinsbibliothek verantwortlich, wenn Sie einmal ein Buch entleihen wollen"
...)
Falsch ist es, abzuwarten, bis die
Schachspieler sich selbst untereinander von alleine kennen lernen. Der Neuling
ist unsicher und weiß nicht, wie er die einzelnen Schachfreunde nehmen muss.
Ist der scheinbar humorvolle selbst empfindlich, wenn man ihn foppt? Ist die
Marotte von Schachfreund Y harmlos oder sollte man lieber darauf Rücksicht
nehmen?
8. Interessieren Sie sich für den Gast
Richtig ist: In unserer
Schachgesellschaft redet fast jeder Mensch gerne von sich und seiner Situation.
Zuhören können nur die Wenigsten.
Führen Sie mit Ihrem Gast ein Gespräch, hören Sie ihm geduldig zu, nehmen Sie
sich Zeit für ihn.
Falsch ist es allerdings, den Gast
auszufragen, ihn nach Beruf, sozialem Stand, Familie usw. auszuquetschen.
Noch verfehlter ist es, dem Gast schon nach kurzer Zeit ein Vorstandsamt
anzutragen oder ihn in die Übernahme von Verantwortlichkeit zu drängeln. Der
Gast merkt dann gleich, dass der Verein Defizite hat und sich auf die "Neuen
stürzt".
9. Zeigen Sie dem Gast Ihre Freude über sein Kommen
Richtig ist: Zeigen Sie Ihrem
Gast, dass es für Ihren Verein ein Gewinn ist, dass er heute gekommen ist.
Machen Sie dem Gast deutlich, dass der Schachverein eine große Familie ist, in
der die Mitglieder unterschiedliche Talente und Fähigkeiten haben.
Für jeden ist im Verein Platz und jeder hat seinen Wert. Der Schachspieler, der
nur aus Spaß und Freude spielt, ist genauso wichtig wie der Spitzenspieler.
Falsch ist, den Gast nur nach seiner
Spielstärke einzustufen. ("Der Neue hat keine Ahnung vom Schach").
Wie soll der Gast dort Spaß an Ihrem Verein bekommen? Deuten Sie ganz
vorsichtig und vielleicht nicht gleich beim ersten Mal Möglichkeiten für
spätere Aktivitäten an: Teilnahme am Vereinsturnier, Mitspielen in einer
Mannschaft, Training usw.
10. Vermeiden Sie das Stichwort "Vereinsmitgliedschaft"
Richtig ist: Lassen Sie dem Gast
Zeit, den Verein kennen zu lernen. Lassen Sie ihn einfach eine Weile so
mitspielen. Erwähnen Sie die Mitgliedschaft gar nicht. Fragt er, so antworten
Sie: "Das hat noch Zeit!" Er soll sich erst wohl fühlen.
Falsch ist es, dem Gast schon nach
wenigen Besuchen die Beitrittserklärung in die Hand zu drücken.
Auch der beliebte Hinweis, dass ohne Mitgliedschaft kein Versicherungsschutz
besteht, ist zwar richtig, aber nicht zweckmäßig. Gönnen Sie dem Gast eine
Probezeit von mehreren Wochen, bzw. Monate.