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17.11.2014

Auftakt nach Maß bei den German Masters der Frauen in Dresden

schachfestival.de

Alles was das Schachherz begehrt konnte die erste Runde der German Masters der Frauen bieten. Wo anderenorts in der ersten Runde noch vorsichtiges Beschnüffeln und schnelle Remis an der Tagesordnung sind, haben 10 der besten deutschen Frauen keine Zeit für langweiliges Schach. Die Zuschauer kamen also auf ihre Kosten, auch wenn die Liveübertragung bei schach.de einige Minuten später startete als ursprünglich geplant. Aber die Kinderkrankheiten werden behoben.

Die längste Partie, zwischen Judith Fuchs mit den weißen Steinen und Ketino Kachiana-Gersinska ging über mehr als 6 Stunden. Nachdem Judith kurz nach der Eröffnung einen interessanten Bauerngewinn erst zu spät sah, wurde sie vom Ende des Mittelspiels bis ins am Ende remise Turmendspiel gequält. Eine starke Leistung der jungen Leipzigerin, die für den Hamburger SK in der zweiten Herrenbundesliga und der ersten Frauenbundesliga spielt, das schlechtere Endspiel so lange zu verteidigen. Aber auch Ketino gebührt Respekt für diese starke und ausdauernde Leistung, die Judith an den Rand der Niederlage brachte.

Die kürzesten Arbeitstag hatten Elisabeth Pähtz und Hanna Marie Klek, wobei Erstere vermutlich deutlich zufriedener mit dem Ergebnis ist. Sie spielte eine Variante, die sie extra für diese Partie vorbereitet hatte und fuhr damit ausgezeichnet, auch wenn Hanna Marie von ihrer gewöhnlichen Spielweise abwich. Wo genau Hanna Marie hätte die Partie deutlich verbessern können, konnte in der Analyse für das online und Offline-Publikum nicht herausgefunden werden. Zwar gab es einige Möglichkeiten für die junge Studentin aus Erlangen, sich zäher zu verteidigen, die insgesamt missliche Lage konnte aber nicht anhand eines einzelnen Fehlers erklärt werden. Glückwunsch an Elisabth zu diesem starken Auftakt.

Die „Friedenspfeife“, wie der Mannschaftsführer der beiden in der Frauenbundesliga Andreas Albers schreibt, wurde gemeinsam geraucht. Auf dem Weg dahin wurde auf dem Brett allerdings alles abgeholzt was einen Namen hatte und so kam es erst im Turmendspiel zur Punkteteilung. Marta hatte ihre berüchtigte Trompowski-Variante ausgepackt und allein der Satz „Das habe ich alles noch im Computer“ der immer wieder seitens Martas fiel, beeindruckte sehr. Trotzdem holte Marta nur einen kleinen Vorteil aus der Eröffnung raus und verpasste die Chance, diesen mit Da3, statt dem Damentausch auf b5 weiter zu verdichten. Dem Abtausch der Damen folgte auch der Abtausch weiterer Leicht und Schwerfiguren, was im erwähnten Turmendspiel endete.

Ein weiteres Remis folgte zwischen Melanie Ohme und Tatjana Melamed. Melanie, die weißen Steine führend, holte gegen eine gute vorbereitete Tatjana nicht viel aus der Eröffnung raus. Beide demonstrierten in der anschließenden Analyse auf schach.de gut gelaunt, die Möglichkeiten beider Seiten. Dabei schwankte die Bewertung der Stellung durchaus, was zurecht auf einen spannenden Verlauf schließen ließ, als Tatjana der Partie mit exf4 einen neuen Charakter gab. Nach einem taktischen Scharmützel „Ich war froh, dass ich nicht Matt bin“ (Tatjana) landeten beide in einem Turmendspiel, dass wohl nie die weithin bekannte Remisbreite verließ.

Den zweiten vollen Punkt des Tages sammelte Zoya Schleining mit Schwarz gegen die Vizeweltmeisterin in der U18w Filiz Osmanodja. Filiz hatte bis kurz vor der Zeitkontrolle eine solide Partie gespielt und dann sogar die Chance gefahrfrei auf Gewinn zu spielen. Diese Möglichkeit verpasste sie jedoch und fand sich somit in einem sehr schlechten Endspiel wieder, das sie trotz zäher Verteidigung nicht halten konnte.

1. Runde am 17.11.2014 14:00 Uhr

Br. Weiß Elo - Schwarz Elo
1 IM Elisabeth Pähtz 2480 1:0 Hanna Marie Klek 2219
2 WGM Melanie Ohme 2322 ½:½ WGM Tatjana Melamed 2323
3 WGM Marta Michna 2343 ½:½ WGM Sarah Hoolt 2334
4 WIM Filiz Osmanodja 2322 0:1 WGM Zoya Schleining 2351
5 WIM Judith Fuchs 2289 ½:½ IM Ketino Kachiani-Gersinska 2342

Kommentierte Partien finden Sie bei den Ergebnissen auf der DSB-Turnierseite.

Nach der ersten Runde führen das Feld Elisabeth und Zoya an, es steht ein spannendes Turnier bevor! Die zweite Runde startet am 18.11. um 14 Uhr. Live in Bild und Ton bei schach.de zu verfolgen.

DSB-Turnierseite

Jonathan Carlstedt

// Veröffentlicht von Frank Hoppe // Archiv: DSB-Nachrichten // ID 19122

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