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01.07.2017

Raphael Zimmer wird Jugendweltmeister

Missionar und Schachlehrer Robert Katende mit Raphael Zimmer
Dora Leticia Martinez
Missionar und Schachlehrer Robert Katende mit Raphael Zimmer

Bei der ersten Schachweltmeisterschaft für Jugendliche mit Behinderungen errang der aus Baden stammende Jugendspieler (Jahrgang 2003) Raphael J. Zimmer in Orlando (USA) den ersten Weltmeistertitel für den deutschen Schachsport seit vielen Jahren. Er trat in der höchsten Spielklasse an und konnte mit 7 Punkten aus 7 Partien souverän den Titel im starken Teilnehmerfeld gewinnen. Dies ist ein sehr gutes Omen für die Weltmeisterschaft der erwachsenen Schachspieler/innen mit Behinderungen im Herbst 2017 in Dresden. Der Deutsche Schachbund und der Badische Schachverband engagieren sich sehr stark für den Schachsport von Menschen mit Behinderungen. Inklusion ist im Schachsport selbstverständlich. Auf Schachturnieren sind oft Spieler/innen mit Behinderungen anzutreffen. Thomas Luther, Schachgroßmeister und selbst behindert, leitet bei der FIDE die entsprechende Kommission und fördert den Schachsport für Menschen mit Behinderungen.

Endstand

Pl. Name Elo Land Pkt. 1 2 3 4 5 6 7 8
1. Raphael Zimmer 2065 7,0 x 1 1 1 1 1 1 1
2. Samarth Jagadish Rao 1392 6,0 0 x 1 1 1 1 + 1
3. Griffin McConnell - 4,5 0 0 x ½ 1 1 1 1
4. Natasha Morales 1927 PUR 4,0 0 0 ½ x ½ 1 1 1
5. Jesus Adrian Barrios Chamorro 1433 3,5 0 0 0 ½ x 1 1 1
6. Wasswa Sharif Mbaziira - 2,0 0 0 0 0 0 x 1 1
7. Paul Tortajada - 1,0 0 - 0 0 0 0 x 1
8. Dorian-Dumitru Draghici - 0,0 0 0 0 0 0 0 0 x

Anm. Red.: Die Abschlußtabelle wird hier ergänzt, sobald vom Turnier eine komplette Tabelle vorliegt. --- Die Tabelle wurde am 04.07.2017 vervollständigt.

Der Schachsport ist für Menschen mit körperlichen Behinderungen geradezu als Sport prädestiniert, braucht es eigentlich doch nur eines gut funktionierenden Gehirns. So die Allerweltsauffassung. Wer den Schachsport kennt, weiß um die körperlichen Anstrengungen. Bei Schachpartien gilt es über mehrere Stunden Konzentration und Anspannung hochzuhalten und das Gehirn ist ein Organ mit hohen Energieverbrauch. Durchaus kann man deshalb an die Grenzen der körperlichen Belastung stoßen. Mentale Stärke und körperliche Kondition gehen im Schachsport Hand in Hand. Deshalb sind Schachspieler mit körperlichen Behinderungen eigentlich doppelt benachteiligt und ihre sportlichen Erfolge deshalb auch doppelt so bedeutsam. Raphael Zimmer ist vom Hanhart-Syndrom betroffen. Er besucht ein Gymnasium im heimischen Sasbach, spielt erfolgreich für seinen Heimatverein seit frühen Jahren Schach und ist aufgrund seiner Spielstärke auch im höchsten Spielerkader des Schachsports von Baden-Württemberg und des DSB-Bundeskaders. Er galt durchaus als Favorit und Medaillenanwärter bei der Weltmeisterschaft. Professionell betreut wurde er von seinen Trainern Nikolaus Sentef (BSV) und Bernd Vökler (DSB).

Probleme ergeben sich oft an anderen Stellen. Mitunter bedarf es technischer Hilfsmittel, um die Behinderungen auszugleichen oder der Anwesenheit von Betreuungspersonen oder der Familie, wie jetzt bei den Jugendweltmeisterschaften im sommerlichen Florida. Dies verursacht Aufwände und Kosten. Hierfür engagieren sich die Verbände. In Baden-Württemberg ist auch die Landesregierung sehr rührig und unterstützt den Sport für Menschen mit Behinderungen. So bezuschusste die Landesregierung die Teilnahme des talentierten und qualifizierten Jugendspielers aus dem badischen Sasbach mit einem deutlich vierstelligen Betrag. Der Dank gilt auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann, der sich für die Förderung sehr einsetzte. Dankenswerter Weise sind es auch immer wieder einzelne engagierte Firmen, die sich hierfür einsetzen. Bei Raphael ist dies die Firma Orthopädietechnik Pohlig in Traunstein.

Gut angelegte Mittel, wie der sportliche Erfolg nunmehr zeigt. „Wir sind sehr stolz auf die Leistung von Raphael, einen WM-Titel im Schachsport nach Deutschland und Baden zu holen. Und wir sind sehr froh darüber, dass unser Schachsport unseren Schachfreunden mit Behinderungen die ganz normale Ausübung unseres Sports ermöglicht.“, so der Präsident des Badischen Schachverbandes, Prof. Dr. Uwe Pfenning.

Veranstalterseite

Badischer Schachverband

// Archiv: DSB-Nachrichten // ID 22110

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