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08.08.2017

Spannender Abschluss des Erfurter Frauenschachfestivals 2017

Klaus Steffan
Marta Michna, Elisabeth Pähtz, Judith Fuchs (v.l.n.r.)


Das hatte wohl kaum einer erwartet. Die bisher so souverän auftretende Elisabeth Pähtz geriet am zweiten und letzten Tag der Deutschen Frauen-Blitzmeisterschaft unter Druck. Bereits ihre 1. Partie am Sonntag, die 26. Runde insgesamt, konnte sie nicht gewinnen.

Gegen Judith Fuchs begann für Elisabeth das, was man mit Fug und Recht als harten Arbeitstag bezeichnen kann. Doch der Start mit einer 0 sollte nicht das letzte Problem für die Deutsche Nummer 1 und Deutsche Schnellschachmeisterin gewesen sein, denn auch in den darauf folgenden Runden konnte sie die selbst gesteckten Ziele bezüglich Punkteausbeute nicht erreichen, während Marta und vor allem Judith einen beinah perfekten Start aufs Brett zauberten. Bald war die Situation so spannend wie man es sich nur erträumen kann. Judith, Marta und Elisabeth pflügten punktgleich durch das Feld und lieferten sich ein spannendes Dreier-Fernduell. Der Vergleich zur Tour de France bietet sich hier an, denn die drei Ausreißerinnen wurden von einem ebenfalls 3 Spielerinnen umfassenden Verfolgerfeld gejagt. In diesem Verfolgerfeld befand sich mit Ann-Marie Mütsch die große Überraschung des Turniers. Nach ihrem Start mit 20 aus 25 Punkten schaffte sie es auch am zweiten Tag die Konzentration hoch zu halten und mit der Deutschen Spitze mitzuhalten. Sarah Hoolt versuchte ebenfalls irgendwie Anschluss an die Spitze zu halten, musste aber aufgrund einer schwachen Phase in der Mitte der zweiten Hälfte abreißen lassen. Filiz Osmanodja gab alles im Kampf um die Preisgelder ein Wörtchen mitzureden, realistische Chancen um den ersten Platz mitzuspielen, waren nur ihren größten Fans noch sichtbar..

Der Rest des Feldes, das Peleton, war bereits abgeschlagen und konnte das Turnier nur noch durch Überraschungen beeinflussen.

Aus der Spitzengruppe musste sich zuerst Judith Fuchs verabschieden. Nach einer Niederlage gegen Manuela Mader, schaffte sie es nicht mehr in die Spur zu kommen „Ich muss langsam mal wieder vernünftiges Schach spielen“, sagte Judith nach der zweiten Niederlage in Folge prophetisch. Doch sie schaffte es nicht mehr zurück in den nötigen „Flow“ zu finden. Trotzdem reichte es am Ende für einen starken 3. Platz.

Ann-Marie hielt das hohe Tempo bis zum Ende durch und hätte fast sogar noch Judith abgefangen. Die Szene-Kenner haben die junge Eppingerin schon lange auf dem Zettel, nun weiß es ganz Schach-Deutschland. Hier wächst ein starkes und vor allem schnelles Talent heran.

Den letzten Preisgeldplatz belegte am Ende Sarah Hoolt. Der fünfte Platz ist sicherlich nicht das was sich Sarah zu Beginn, des Turniers vorgestellt hatte. Doch nach einer anstrengenden Woche, kann man nach 50 Runden Blitzschach nicht mehr seine volle Leistung abrufen. Trotzdem ist der fünfte Platz bei einer solchen Meisterschaft ein starkes Ergebnis.

Damit kommt Filiz Osmanodja auf dem 6. Platz ein, aber nicht ohne noch mal im Titelrennen ein Wörtchen mitzureden. Denn Marta und Elisabeth marschierten, nachdem Judith das Tempo nicht mitgehen konnte, Seit an Seit von Runde zu Runde. Beide hatten noch gegen Filiz zu spielen. Während Elisabeth Filiz schlagen konnte, musste Marta in ein Remis einwilligen. Damit geht der Glückwunsch zum Turniersieg an die neue und alte Deutsche Blitzmeisterin Elisabeth Pähtz! Aber auch Martas 2. Platz ist aller Ehren wert, wir haben eine würdige Vizemeisterin gekürt.

50 Partien Blitzschach sind eine lange Distanz, aber Kondition ist inzwischen Teil unseres Sports wie das Wissen über Eröffnungen und die nötigen taktischen Fähigkeiten. Eine großartige Meisterschaft, mit viel Aufregung und Spannung!

Ergebnisse bei Chessresults

Anastasia Erofeev gewinnt Mädchen Grand Prix

Klaus Steffan
Anastasia Erofeev (li) und Thomas Pähtz


Beim Mädchen Grand Prix fiel die Entscheidung, ähnlich wie bei der Deutschen Blitz-Einzelmeisterschaft der Frauen, in der letzten Runde. Anastasia Erofeev kam in der 4. Runde, Sonntagmorgen, nicht über einen halben Punkt hinaus. Zwar ging sie damit trotzdem mit 3,5 Punkten als alleinige Erste in die letzte Runde, doch es gab eine ganze Reihe Spielerinnen mit 3 Punkten. Darunter Elisa Reuter, die Anastasia den halben Punkt abnahm. Elisa spielte in diesem Sommer viel Schach, mit großem Erfolg. Beim Lüneburger VMCG-Schachfestival lehrte sie den Gegnern das Fürchten und auch in Erfurt beweist sie, was für eine starke Schachspielerin sie ist. Auf ebenfalls 3 Punkte vor der letzten Runde kam Andrea-Alexandra Roncea, die vor Ort von ihrem Vater betreut wurde. Elyse Habersetzer und Ekaterina Alferova hatten ebenfalls noch die Chance mit einem Sieg gegen ihre Gegnerinnen auf 4 Punkte zu kommen und Anastasia unter Druck zu setzen. Die Aufgabe in der letzten Runde für eine Überraschung zu sorgen fiel Alexandra Mundt zu, die auch auf eine Ausbeute von 3 Punkten aus 4 Partien kam und nun in der letzten Runde gegen Anastasia gelost wurde. Alexandra nahm die Aufgabe an und konterte Anastasias Damengambit mit dem berühmt berüchtigten Albins Gegengambit. Das hat zwar einen zweifelhaften Ruf, kommt aber für eine „Must-Win-Situation“ wie diese durchaus in Frage. Doch Anastasia behielt die Nerven und vor allem den durch das Gambit gewonnenen Bauern. Als auch der letzte Rest Kompensation vom Brett verschwand spielte Anastasia die Partie nach Hause und gewann das Finale des Mädchen Grand Prix 2017 in Erfurt, herzlichen Glückwunsch. Ein großes Lob geht auch an Alexandra, die ohne Angst kompromisslos nach vorne spielte und versuchte Anastasia vom Thron zu stoßen. Anastasia gewann sogar mit einem vollen Punkt Vorsprung, da alle ihre Verfolgerinnen die Punkte teilten.

Auf den Plätzen 2 und 3 kamen nach langem Kampf Elisa und Elyse ein, punktgleich mit Larissa, Ekaterina und Andrea-Alexandra. Ein Lob geht ebenfalls an alle anderen Teilnehmerinnen, die tolles Schach gezeigt haben, viel gelernt haben und hoffentlich dieses Turnier in Erfurt in bester Erinnerung behalten.

Der Schachförderverein Region Erfurt bedankt sich bei der Deutschen Schachjugend. Nicht nur für die Vergabe der Ausrichtung in die Thüringer Landeshauptstadt, sondern auch für das ins Leben rufen einer wichtigen neuen Komponente im Bereich Mädchenschach und deren Förderung.

Alles rina oder was?

Hat man den Namensteil rina im Namen, dann räumt Frau hier in Erfurt ab. Aber lest den Bericht einfach sorgsam, dann wird klar was gemeint ist.

Ein langes Turnier, eine lange Woche und viele Arbeitsstunden liegen hinter den Organisatoren und Spielerinnen des 2. Erfurter Frauenschachfestivals im Radisson Blu Hotel Erfurt. Nun war es an den Spielerinnen nochmal die letzten Reserven zu mobilisieren, sich zu konzentrieren und die Müdigkeit nicht zu sehr das eigene Spiel beeinflussen zu lassen. Davon wollten Sarah Hoolt und Marina Brunello jedoch nichts wissen. Manchmal, wenn sich 2 Personen in die Augen schauen, wissen sie einfach was los ist. Und wenn die eine mit dem Remis den Turniersieg absichert und die andere eine bittere Niederlagenserie beendet, dann ist das genau so ein Moment. Im Sveshnikov-Sizilianer wurden schnell die Züge wiederholt.

Ein großer Glückwunsch an die Siegerin des Young Masters WGM Marina Brunello! Mit überzeugenden Ergebnissen gewann sie dieses starke Rundenturnier über den Dächern von Erfurt. Doch sie brachte nicht nur sich selber Glück, sondern sie ist im Grunde genommen verantwortlich für alle Turniersiege. So schlief sie die ersten Nächte im Hause Pähtz, und prompt gewann Elisabeth das Match gegen Kosteniuk. Anschließend teilte sich Marina das Zimmer mit Mihaela Sandu und jetzt dürft ihr raten wer das Open gewann…!?

Nur wenige Zeit später, nachdem das Remis zwischen Marina und Sarah in der Turniertafel stand, stand auch die Zweitplatzierte fest. Irina Bulmaga gewann die letzte Runde gegen die im Turnier unglücklich agierende Teodora Rogozenco und erreicht damit den ungeteilten zweiten Platz. In einer normalen italienischen Partie reichten Irina 21 Züge um den 6.5. Punkt nach Hause zu bringen. Herzliche Glückwünsche an Irina zu diesem tollen Turnier und einem tollen 2. Platz.

Auch Josefine konnte ihre Partie gewinnen, nachdem sie in der Morgen-Runde noch eine bittere Niederlage einstecken musste, zeigte sie sich wieder in voller Konzentration am Brett und spielte gegen Filiz Sizilianer eine überzeugende Partie, die sie ohne Schlenker zum Ende brachte.

Atousa setzte Fiona mit den schwarzen Steinen unter Druck, doch Fiona wollte und wollte nicht nachgeben und erreichte am Ende gegen die wiedererstarkte Iranerin einen halben Punkt.

In einer sehr wilden Partie, gleichzeitig die letzte Partie des Freitags konnte Karina, nach einem Wechselbad der Gefühle Jana Schneider niederringen.

Ein herzlicher Glückwunsch an die Siegerin Marina, die Zweitplatzierte Irina und die Drittplatzierte Karina.

Ergebnisse bei Chessresults

Im Womens Open ließen sich die Spielerinnen an den vorderen Brettern viel Zeit um die ersten Resultate zu melden. Es ging um viel Geld und so versuchte jede Spielerin ihr Möglichstes sich in der Tabelle nochmal nach vorne zu spielen. Für das erste Resultat sorgte die beste Deutsche im Open Judith Fuchs, die dank ihres Sieges gegen die Lettin Linda Krumina nach deren fragwürdiger Eröffnungsbehandlung auf 7/9 in der Endabrechnung kam. Das reichte am Ende für einen starken 3. Platz.

An Brett 7 beendete anschließend Evgenija Doluhanova ihre Partie mit einem Sieg „Heute habe ich so schlecht gespielt, das war unglaublich, heute morgen zurecht gegen Judith verloren und jetzt hatte ich zumindest Glück und konnte mit Th3 Matt setzen“ sagte eine sichtlich geschaffte Evgenija. Das Gleiche Ergebnis erreichte Joanna Majdan gegen Olga Birkholz, sie nahm einfach alle gegnerischen Figuren weg, was Olga nur noch die Aufgabe als Aktion übrig ließ. Joanna huschte schnell rüber in den Raum des Young Masters, um ihre Landsfrau Karina moralisch zu unterstützen.

Die Siegerin des gestrigen Blitzturniers, Bathki Kulkarni, die kürzlich auf Chessbase India ein interessantes Interview gab, konnte den Schwung mitnehmen und den dritten vollen Punkt in Folge holen, was gleichzeitig den starken 2. Platz bedeutete, das machte alle Titelhoffnungen von Jovana Rapport zunichte, die damit ihre erste Niederlage quittieren musste.

Mihaela Sandu sicherte sich mit einem Remis, in der sie lange Zeit auf der stärkeren Seite saß, den Turniersieg. Unsere herzlichen Glückwunsch gehen an Mihaela!

Die Iranerin Mitra Hejazipour konnte genau wie ihre gute Freundin Atousa im Young Masters am Ende nochmal die Tabelle raufklettern. In der letzten Runde war Magdalena Miturova das Opfer des Angriffs der Iranerin. Ein rabenschwarzes Ende erwischte die an 1 gesetzte Inderin Subbaraman Viyajalakshmi, mit der Niederlage in der letzten Runde machte sie nach 5/5 zu Beginn 0/4 in den letzten Runden.

Ein spannendes Turnier hat mit Mihaela eine verdiente Siegerin gefunden. Wir gratulieren herzlich ihr und allen anderen Gewinnerinnen.

Ergebnisse bei Chessresults

Der Schachförderverein Region Erfurt bedankt sich bei allen Teilnehmern, die dieses Turnier zu einer Veranstaltung gemacht haben, die mit vielen schönen und positiven Erinnerungen verbunden bleiben wird. Wir bedanken uns außerdem bei unserem Team, dass die vergangenen Tage unermüdlich gearbeitet habt, damit die Damen unseren Gedanken, ein angenehmes Turnier zu veranstalten, in der Qualität der Ausrichtung sehen konnten. Ein großer Dank geht auch an das Hotel Radisson Blu, stellvertretend an den Hotelmanager Michael Rosin, für die großartige Unterbringung und Gastfreundschaft und natürlich an unsere Sponsoren. Weiterhin Dank an die Schachstiftung und deren Unterstützung des Mädchen Grand Prix, der ab morgen stattfinden wird, an die Sparkasse Mittelthüringen um Frank Neubert, für die großartige Unterstützung, an die UKA und ihr Team, die seit Jahren beweisen, dass eine regelmäßige Unterstützung unseres Sports möglich ist und für alle Beteiligten einen Mehrwert bringen kann und zu guter Letzt an die Deutsche Bahn und deren Vorstandsvorsitzenden Richard Lutz, der an 2 Tagen unser Schachfestival durch seine Anwesenheit beehrte. Wir hatten eine großartige Zeit!

Turnierseite

Jonathan Carlstedt

// Archiv: DSB-Nachrichten // ID 22222

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