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24.01.2016

Vorrunde des Deutschen Mannschaftspokals 2015/16

Sfr. Berlin, v.l.n.r. oben Mihail Chatzidakis und Christoph Nogly, unten Felix Nötzel und Martina Skogvall
Frank Hoppe
Die in Oranienburg siegreichen Berliner

Ein Besuch in Oranienburg

Die 34 Kilometer waren trotz des frischen Schneefalls mit dem Auto ein Klacks. In Prenzlauer Berg auf die Ausfallstraße Prenzlauer Allee, die später zum Autobahnzubringer für den Berliner Ring wird. Ausfahrt Birkenwerder runter, rechts abbiegen und immer geradeaus. Schon ist man mitten in Oranienburg, einer Stadt mit rund 43. 000 Einwohnern, die wohl am meisten in Deutschland unter den Nachwehen des Zweiten Weltkrieges zu leiden haben.

Mehr als 70 Jahre nach Ende dieses Krieges und der Befreiung durch die Rote Armee und die anderen Alliierten vom Nationalsozialismus, liegen noch immer Tausende Bomben unter der deutschen Erde. Sie fraßen sich nach dem Abwurf metertief in den Boden, explodierten nicht und rosten dort seitdem vor sich hin. Unentdeckt und damit oft sogar überbaut.
Neben allen deutschen Großstädten und dem Ruhrgebiet war die Kleinstadt Oranienburg ein Hauptziel der Kampfbomber der späteren Befreier. Oranienburg besaß viel chemische Industrie und Rüstungsbetriebe. Zehntausende konventionelle und Großbomben gingen hier nieder. Nach dem Krieg begann zwar sofort die Beseitigung der Blindgänger, doch durch die gewaltigen Zerstörungen konnten nicht alle gefunden werden. In der DDR-Zeit wurden in Oranienburg zwischen 1965 und 1990 200 Blindgänger entschärft und beseitigt. Eine vergleichsweise geringe Anzahl, denn erst mit dem nach der Wende möglich gewordenen Kauf der alliierten Fotos, die die Piloten beim Überflug gemacht hatten, wurde eine systematische Suche möglich. Daß die Bürger der Stadt mehrmals im Jahr ihre Wohnungen verlassen müssen, wenn wieder eine Bombe gefunden wurde und entschärft werden muß, gehört inzwischen zum Alltag. Wer in Oranienburg bauen möchte, benötigt einen sogenannten "Negativbescheid", wie mir der 1. Vorsitzende des SC Oranienburg Ekkehard Ellenberg sagte. Die Baugenehmigung bekommt man erst, wenn bestätigt wurde, das in der Erde keine Blindgänger mehr schlummern.
Am 18. November 2015 war dieses Weltkriegserbe sogar Thema in der RTL-Sendung "Mario Barth deckt auf!" Die in der DDR geborene Nachrichtensprecherin und Moderatorin Annett Möller war mit einem Fernsehteam in der nördlich von Berlin gelegenen Stadt und berichtete ausführlich darüber. Ein großes Manko war dabei die fehlende finanzielle Unterstützung seitens des Bundes. Der zahlt nur für die Beseitigung deutscher Bomben, von denen in deutschem Boden wohl eher wenig zu finden sind. Das Land Brandenburg und Oranienburg müssen die Kriegslasten selbst tragen, rund drei Millionen Euro jährlich.

Doch nun zum Positiven und eigentlichem Thema: Schach

Der Schachclub Oranienburg hatte seine drei Gastmannschaften in das Bürgerzentrum eingeladen, wo am Sonnabend zuerst im großen Saal acht Bretter aufgebaut waren und am Sonntag ein Umzug in einen deutlich kleineren Raum anstand. Es waren ja auch nur noch vier Partien zu spielen. Greifswald und Dresden waren nämlich schon raus und konnten sich noch am Sonnabend wieder auf den Heimweg machen. Die "beiden Heimmannschaften" blieben unter sich - Oranienburg und die Schachfreunde Berlin.

Während sich letztere am Sonnabend, der Auslosung entsprechend, mit dem Greifswalder SV abquälten, sorgten die Oranienburger für eine faustdicke Überraschung gegen Grün-Weiß Dresden. Die Elbestädter reisten wegen einer Verzögerung auf der Autobahn ein paar Minuten verspätet an. War das die Ursache für das Ausscheiden? Gerade noch im Auto und eine Minute später schon am Brett gegen ausgeruhte Gegner.

Dresden's Nummer 1, Paul Zwahr, erwischte jedenfalls irgendwann eine Partiephase, in der irgendwie mehrere Züge lang fast alles schiefging. Michael Ermitsch brachte so die Oranienburger in Führung, was bei einem Sieg an Brett eins, schon die halbe Miete ist. Gegen die deutlich stärkeren Dresdner kam dann irgendwie noch der fehlende zweite Punkt zusammen mit zwei Remisen.

Für das Finale behielt Oranienburg die Aufstellung bei, tauschte nur zwei Bretter untereinander. Berlin dagegen brachte zwei frische Leute mi, da GM Rainer Polzin und David Riemay in der Berliner Landesliga gebraucht wurden. FM Mihail Chatzidakis und WFM Martina Skogvall sprangen ein und führten den Bundesligisten in die Zwischenrunde.

Übrigens lohnte sich der Landesligaeinsatz. Schachfreunde 3 übernahmen die Tabellenführung nach der fünften Runde!

Alle Ergebnisse - auch der anderen sieben Vorrundengruppen - erfahren Sie auf unserer Turnierseite. Lassen wir deshalb Pokalturnierleiter Thomas Wiedmann noch zu Wort kommen:

"Bei den Schiedsrichtern der acht Wettkampforte bedanke ich mich für ihre Bereitschaft, die Wettkampfleitung zu übernehmen, und für den reibungslosen Ablauf. Bei den Ausrichtern bedanke ich mich für die problemlose Organisation. Für die Zwischenrunde (Achtel- und Viertelfinale) am 05./06. März 2016, Beginn 14 Uhr (samstags) und 10 Uhr (sonntags), haben sich die Mannschaften von

  • SF Berlin 1903
  • SF Deizisau
  • USV TU Dresden
  • SC Emmendingen
  • Hamburger SK
  • SF Lieme
  • SF Neuberg
  • SK Norderstedt

qualifiziert. Dazu kommen die acht Viertelfinalisten des Vorjahres:

  • OSG Baden Baden
  • SC Kreuzberg Berlin
  • SC Rotation Pankow Berlin
  • SG 1871 Löberitz
  • SG Aufbau Elbe Magdeburg
  • SG Porz
  • SV Röhrnbach
  • SC Caissa Schwarzenbach.

Die Gruppeneinteilung der vier Zwischenrundengruppen folgt in den nächsten Tagen."

DSB-Turnierseite

Frank Hoppe

// Archiv: DSB-Nachrichten // ID 20659

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