1. Juni 2026
Heute um Mitternacht läuft die Frist ab. Um Mannschaften, ohne finanziellen Schaden, aus der Frauen-Bundesliga zurückzuziehen. Schon jetzt gibt es eine gute und eine schlechte Nacht aus der Liga. Die gute zuerst: Die Schachfreunde Deizisau, die kürzlich ihr Team aus der Bundesliga abgemeldet haben, gaben heute auf Nachfrage des Württembergischen Schachverbandes bekannt, in der Saison 2026/27 mit einem Frauenteam zu starten. Man hatte einige Wochen abgewogen, es ähnlich zu handhaben wie beim Team in der offene Bundesliga. Hier hatte Vereinspräsident Sven Noppes betont, der Verein setzt andere Prioritäten – auch, weil die Eliteliga zunehmend für Spieler und Sponsoren an Bedeutung verliere. „Die Frauen-Bundesliga wird bei uns aus anderen Geldquellen getragen“, sagt Noppes, „so lange wir uns das leisten können, wollen wir die Liga auch spielen.“ Nicht mehr mitspielen – und damit zur schlechten Nachricht - wird der SK Schwäbisch Hall. Das Geld geht aus. Der beim Deutschen Schachbund verantwortliche Frauen-Bundesliga-Turnierleiter Klaus Deventer kommentierte das so: „Ausgerechnet der Meister – das ist äußerst unschön. Aber gegen fehlende finanzielle Mittel gibt es halt kein Gegengift.“ Der vom DSB angefragte SV Hemer prüft nun bis zum 10. Juni, ob er wieder in der Bundesliga antritt. Sollte auch er verzichten, wäre der Chemnitzer SC Aufbau 95 der sportliche Absteiger, der drinbleiben dürfte.
Sven Noppes betonte, ihm und auch allen anderen Vorstandsmitgliedern, die die Entscheidung pro Frauen-Bundesliga getroffen haben, sei eines wichtig: „Wir haben engagierte Spielerinnen, die die Bundesliga verdient haben.“ Ambitionierten Talente und dem Verein sehr verbundenen Akteure wie beispielsweise Nationalspielerin Hanna Marie Klek, die bei Deizisau am ersten Brett spielt, wolle man weiterhin eine sportliche Heimat auf höchstem sportlichen Niveau bieten. „Natürlich ist auch das Jahr für Jahr eine Geldfrage - aber wir waren uns einig, dass wir weitermachen wollen“, so Noppes.
Und damit zur schlechten Nachricht, die auch Noppes als „sehr hart für die Liga“ einschätzt. Ausgerechnet der amtierende Deutsche Meister SK Schwäbisch Hall zieht sich aus der Frauen-Bundesliga zurück. Wenige Wochen nach dem vierten Titelgewinn. Der Verein, der auf seiner Webseite stolz die Meisterschaften im Frauenbereich aufzählt – und damit die Besucher begrüßt. Der Titelgewinn 2026 war von der Vereinsführung noch als Krönung des Jubiläumsjahrs betrachtet worden. Der SK Schwäbisch Hall wird in diesem Jahr 90 Jahre alt – und feiert den runden Geburtstag mit einem großen Event am 13. Juni. Diese Festivität in Württemberg dürfte nun von der schlechten Nachricht massiv überschattet werden.
Hatte sich die Konkurrenz schon immer gefragt, wie sich die Schwäbisch Haller ein Team mit so vielen internationalen Meisterspielerinnen leisten können, die selbstverständlich nicht nur für Erdnüsse spielen, heißt es nun in einer offiziellen Mitteilung auf der Webseite: „Nachdem schon in den letzten Jahren die Finanzierung der Mannschaft immer schwieriger geworden war, konnte für die kommende Saison das notwendige Budget nicht mehr aufgebracht werden. Auch aufgrund der allgemein schwierigen Wirtschaftslage konnten die benötigten neuen Geldgeber nicht gefunden werden. Aufgrund des starken Anstiegs der Reise- und Übernachtungskosten ist das benötigte Budget pro Saison in den letzten Jahren stark angestiegen, und weitere Anstiege wären für die kommende Saison wahrscheinlich. Die Option mit einer günstigeren Mannschaft und geringerem Budget an den Start zu gehen, wurde verworfen, da ein Hauptgrund für den Erfolg der Mannschaft die Kontinuität in der Besetzung der Stammmannschaft war, und gerade bei Reisen aus Georgien fallen natürlich relativ hohe Reisekosten an.“
Diese Kosten fallen nun weitgehend weg - und natürlich auch die Antrittsgelder für so viele Profis. Denn das neue Aushängeschild wird nun die erste Mannschaft in der Oberliga. Ein tiefer Fall für den Verein, dessen Rekord-Bundesligaspielerinnen Ekaterina Atalik, Lela Javakhishvili, Deimante Cornette und Irina Bulmaga waren – und der in elf Jahren Bundesliga keine einzige Partie kampflos abgegeben musste. Selbst bei der Endrunde zuletzt in Bad Königshofen saßen trotz Streiks bei der Lufthansa alle Spielerinnen pünktlich am Brett. Flüge wurden umgebucht. Ein Kraftakt. Damit ist jetzt Schluss. (mw)
// Archiv: DSB-Nachrichten - Frauenschach // ID 37041