8. Juni 2026
Nach der EM ist vor dem Gipfel. Mit Enttäuschung, aber auch sehr viel Ehrgeiz im Gepäck, kehrte die deutsche Nummer eins, Dinara Wagner, aus Batumi zurück. Nur aufgrund der Buchholz-Wertung verpasste sie die Qualifikation für den World Cup. Aber für Schachprofis gilt aufgrund ihrer vielen Turniere in bisweilen enger Taktung das Motto: weiter, immer weiter! Das macht Dinara Wagner auch gegenüber der DSB-Öffentlichkeitsarbeit deutlich. Vom 17. bis 25. Juli 2026 werden beim Schachgipfel in Dresden die Deutschen Einzelmeisterschaften ausgetragen. In den Meisterklassen der Frauen und Männer kämpfen jeweils zehn Spielerinnen und Spieler im Rundenturnier um die Titel „Deutsche Meisterin 2026“ und „Deutscher Meister 2026“. Dinara Wagner ist Titelverteidigerin.
Dinara, was überwiegt bei Dir nach dieser Frauen-Europameisterschaft? Zufriedenheit mit dem guten Turnierverlauf mit 7,5 Punkten aus elf Runden – oder Enttäuschung, die World-Cup-Qualifikation so knapp verpasst zu haben?
Am Ende bin ich natürlich enttäuscht, dass ich die World-Cup-Qualifikation verpasst habe, insbesondere weil es so knapp war. Aber Buchholz ist immer ein Glücksspiel. Besser wäre es gewesen, wenn ich acht Punkte geschafft hätte, dann wäre alles sicher gewesen. Besonders zu Beginn des Turniers habe ich den einen oder anderen halben Punkt liegengelassen, das war rückblickend entscheidend.
Es gab auch das direkte Duell mit Fiona Sieber, die ebenfalls bis zur letzten Runde noch Chancen hatte, auf die begehrten Top-Ten-Plätze zu kommen. Das Remis war letztlich für keine von Euch beiden gut...
Ja, in der vorletzten Runde bin ich auf Fiona getroffen, das war ein großer Kampf! Ich habe die Eröffnung sehr aggressiv angelegt, aber sie hat gut reagiert und ich bin in einer schlechteren Stellung gelandet. Als sich die Damen getauscht hatten, wurde ich aber wieder optimistisch. Doch nach korrektem Spiel auf beiden Seiten ist die Partie ins Remis verflacht, was uns beiden aus Turniersicht nicht weitergeholfen hat. So spät im Turnier gegen eine andere deutsche Spielerin zu gelost zu werden, ist natürlich etwas unglücklich, da man sich gegenseitig wichtige Punkte wegnimmt.
Aber es gibt auch einen positiven Aspekt…
...ja, alles in allem bin ich mit meinen Partien im Turnier recht zufrieden. Ohne Niederlage aus so einem langen Turnier zu gehen, das fühlt sich gut an. Aber ich hätte mehr Partien gewinnen müssen, nicht nur für die World-Cup-Qualifikation, sondern auch um auf eine Medaille zu spielen.
Bitter war auch, dass das das erste Turnier im FIDE-Zyklus war – es also noch keine Vorqualifizierten gab. Wann bietet sich nun für Dich die nächste Gelegenheit, den World Cup zu erreichen?
Erst im nächsten März. Da findet die Frauen-EM auf Malta statt. Dort gibt es dann die nächste Chance zur Qualifikation für den World Cup 2027. Aber vorher ist auch noch die Olympiade - wenn wir dort gut abschneiden, können wir uns einen Länderfreiplatz für den World Cup sichern.
Dein Mann Dennis war bei der EM mit dabei. Konntet Ihr die Zeit ein wenig genießen? Batumi – direkt am Meer gelegen - hat ja seine Reize.
Abseits vom Schachbrett hatte ich eine schöne Zeit in Batumi. Es war toll, dass Dennis mich begleitet hat und auch meine beste Freundin, die ich lange nicht gesehen hatte, kam extra nach Georgien, um mich zu besuchen. Wir waren oft zusammen Abendessen, die georgische Küche mag ich sehr.
Blicken wir voraus - gar nicht so weit: Im Juli steht der Schachgipfel in Dresden an. Wie groß ist die Vorfreude – und der Ehrgeiz?
Auf den Schachgipfel in Dresden freue ich mich schon, dass wird ein tolles Event. Ich werde mein Bestes geben, um meine in München errungenen Titel bei der Deutschen Einzelmeisterschaft DFEM und der DFEM im Blitz zu verteidigen.
Interview: mw
Sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern wird die Deutsche Meisterschaft als Rundenturnier mit jeweils zehn Teilnehmerinnen beziehungsweise Teilnehmern ausgetragen. In der Meisterklasse der Frauen qualifizieren sich die drei Erstplatzierten der Deutschen Frauen-Einzelmeisterschaft des Vorjahres automatisch für das Teilnehmerfeld. Hinzu kommen die Siegerin des Kandidatinnenturniers sowie eine U20-Spielerin, die vom Bundesnachwuchstrainer nominiert wird. Die verbleibenden Plätze werden von der Kommission Leistungssport an Spielerinnen aus dem Weltklasse- und Perspektiv-Kader vergeben. Sollten qualifizierte oder nominierte Spielerinnen auf eine Teilnahme verzichten, werden Nachrückerinnen durch die Referentin für Frauenschach bestimmt.
In der offenen Meisterklasse sind die drei Erstplatzierten der Deutschen Meisterschaft des Vorjahres sowie die beiden Erstplatzierten der Kandidatenklasse direkt qualifiziert. Die weiteren Plätze werden durch die Kommission Leistungssport vergeben.
Die Meisterklasse der Frauen ist nahezu in Bestbesetzung besetzt. Mit Dinara Wagner, Kateryna Dolzhykova, Lara Schulze, Jana Schneider, Sarah Papp und Josefine Safarli sind zahlreiche aktuelle und ehemalige Nationalspielerinnen vertreten. Komplettiert wird das Feld durch Charis Peglau, Lisa Sickmann, Dora Peglau und Olga Babiy.
Teilnehmerinnen der Meisterklasse:
// Archiv: DSB-Nachrichten - Frauenschach // ID 37049