Doppelpack fürs Mädchen- und Frauenschach

24. November 2025

„Schach für Mütter“ in Heusenstamm

Der Kampf um mehr weibliche Mitglieder geht weiter: Nadja Jussupows zweites Mütterschach-Seminar - und die zweite Regionalkonferenz zum gemeinsamen Projekt von DSB und DSJ

2025 – zweifellos ein Jahr, in dem schon sehr viel Schwung in die Frauen- und Mädchenarbeit gekommen ist. An diesem Wochenende gab es zwei weitere Veranstaltungen, quasi einen Doppelpack für mehr Weiblichkeit im Schachsport: So fand die zweite Regionalkonferenz, diesmal für den Bereich Nord des gemeinsamen DSB- und DSJ-Projektes „Mädchen- und Frauenschach“ statt. DSB-Frauenreferentin Nadja Jussupow veranstaltet ihr zweites Seminar „Schach für Mütter“ in Heusenstamm statt. Sie nutzte dafür das Jugend-Open in Heusenstamm.

"Frauen haben Angst, in ein normales Turnier zu gehen."

Bei dem Traditionsturnier waren 85 Kinder und Jugendliche am Start. Deutlich weniger als bei der Deutschen Jugend-Meisterschaft in Willingen, wo Jussupows Mütterschach noch 40 interessierte Frauen anzog. Diesmal waren es nur fünf. „Wir haben das eher als Treff verstanden, als Austausch mit spielerischen Übungen“, so Nadja Jussupow: „es war sehr interessant und ich habe sehr viele Ideen gesammelt.“ Die Veranstaltung ist für Anfängerinnen gedacht (Jussupow nennt sie gerne „Beginnerinnen“) deren Kinder Schach spielen. Auch, um Berührungsängste abzulegen. „Ich habe auch jetzt wieder gehört, dass viele Frauen Angst haben, in normale Turniere zu gehen“, so Jussupow, „erst recht, wenn sie gerade erst das Spiel für sich entdecken.“ Für sie ist klar: Es müsse mehr reine Frauenturniere geben. Jussupow will ihre Reihe fortsetzen, sie künftig noch mehr bewerben. Klar ist: Auch sie kämpft um jede Spielerin.

Das Umfeld muss geändert werden - zu oft fühlen sich Mädchen und Frauen noch als Fremdkörper

Die Regionalkonferenzen beim SK Lehrte in Niedersachsen

Die Reihe der Regionalkonferenzen wurde am Sonntag beim SK Lehrte in Niedersachsen fortgesetzt. 18 Teilnehmende aus Niedersachsen, Hamburg und Nordrhein-Westfalen kamen als Vereins-, Bezirks- und als Verbandsvertreter zusammen, um sich über das Projekt zu informieren und die bisherigen Ergebnisse zu diskutieren. Der SK Lehrte zeigte sich als Top-Gastgeber, es gab nicht nur geistige Nahrung… Stellvertretend für die vielen Helfer und Helferinnen im Verein seien der Vorsitzende Jan Salzmann und Jule Wolterink genannt verantwortlich im Vorstand für Mädchen- und Frauenschach.

Gestartet wurde damit, dass die Teilnehmenden ein Hindernis benennen sollten, das mitverantwortlich ist für den geringen weiblichen Anteil unter den Mitgliedern der Vereine. Zudem sollten sie jeweils eine Maßnahme aufführen, mit der man den Anteil weiblicher Mitglieder steigern kann. Diese Gründe und Ideen wurden dann im Laufe des Tages abgeglichen mit den Ergebnissen der fünf Online-Umfragen, die von der Projektgruppe im Zeitraum Juni bis August dieses Jahres initiiert worden waren.

Abwechselnd stellten aus der Projektgruppe Karoline Gröschel (Mädchenreferentin der DSJ), Malte Ibs und Jörg Schulz die Ergebnisse der Umfragen vor und leiteten die Diskussionen, in die vor allem die Erfahrungen aus dem Kreis der Teilnehmenden einflossen.

Deutlich wurde in den Diskussionen, dass es eine wichtige Aufgabe ist, das Selbstbewusstsein der Mädchen zu stärken, um sich zum einen im männerdominierten Schach zu behaupten, und zum anderen sich dem Wettkampf zu stellen. Bei dieser Aufgabe kommt den Trainern und vor allem den Trainerinnen eine große Bedeutung zu. Sie haben generell, aber vor allem im Mädchenbereich, mehr Aufgaben als nur das reine Schachwissen zu vermitteln. Sie müssten sich der Aufgabe stellen, die Persönlichkeiten der Mädchen und Frauen zu stärken.

Mehrfach angesprochen wurde, dass es neben den Spielbetriebs- und Leistungsangeboten vor allem leichte Angebote für Einsteigerinnen geben muss, dass dem Spielerischen mehr Raum eingeräumt werden muss. Nicht jede sucht im Schach die sportliche Herausforderung, oftmals steht im Mittelpunkt das Schach spielen mit Freundinnen in einem angenehmen Rahmen, für den die Vereine sorgen sollten.

Kernaussage der Konferenz: Das Umfeld im Schach, in dem man sich als Mädchen oder Frau oftmals als Fremdkörper fühlt, ihnen deutlich gezeigt wird nicht gewollt zu sein, in dem sich Mädchen und Frauen sexistische Sprüche anhören müssen, ohne das dem offen entgegengetreten wird, muss geändert werden. Und zwar angefangen ganz oben in den Verbandsstrukturen bis hinunter in den Kindertrainingsgruppen der Vereine, Schulen, Kindergärten. Ohne eine Kehrtwende in diesem Bereich wird es keinen nennenswerten Anstieg von weiblichen Mitgliedern geben.

Die Projektgruppe arbeitet daran, die regionale Reihe im neuen Jahr fortzusetzen – NRW und der Osten stehen noch auf der To-do-Liste. Die Regionalkonferenzen sollen dann in der ersten Jahreshälfte 2026 in eine bundesweite Abschlusskonferenz münden. (mw/js)

Das Interview mit Jannik Kiesel zur Situation im Frauen- und Mädchenschach

// Archiv: DSB-Nachrichten - Frauenschach // ID 36852

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