17. April 2026
Selbst der Tabellenletzte ist noch nicht hoffnungslos. Oder, wie man so schön sagt: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Mut macht der einzige Saisonsieg – errungen gegen die Rodewischer Schachmiezen. „Das hat gezeigt: An guten Tagen ist alles möglich, auch aus der Außenseiterrolle heraus“, sagt Raj Tischbierek. Der Großmeister ist Trainer der Bundesliga-Frauen aus Berlin, bereitet das Ensemble des SC Kreuzberg auch auf die drei finalen Runden vor. Die Endrunde in Bad Königshofen ab dem heutigen Freitag (bis Sonntag) wird ein Abstiegskrimi par excellence. Sechs Mannschaften mit maximal sechs Mannschaftspunkten sind mittendrin – drei wird es erwischen. Daraus bezieht die Liga, bei denen der Vorsprung des SK Schwäbisch Hall (zwei Mannschaftspunkte vor Baden-Baden) uneinholbar erscheint. Im tiefen Keller aber gibt es viele direkte Duelle, in denen mancher, der sich jetzt sicher wähnt, noch unter den Strich fallen kann – und den Weg in die Zweitklassigkeit antreten muss. „Es gibt einige Mannschaften in dieser Liga, die spielerisch durchaus auf einem Level sind, die Unterschiede sind wirklich nur sehr gering“, sagt Tischbierek, „da haben einige vor allem aufgrund ihres großen Kampfgeistes und ihrer Einstellung wichtige Punkte geholt.“ Vor allem das junge Ensemble des Chemnitzer SC Aufbau habe ihm hier stark imponiert.
Die Ausgangslage: Die Aufsteiger stehen bereits fest. Bayern München, Rotation Pankow und das Schachzentrum Seeblick, allesamt alte Bekannte in Liga eins, werden das Tableau wieder komplettieren. Doch wer fällt raus?
SC Kreuzberg, Rang 12 (Abstiegsplatz). Zwei Mannschaftspunkte. Schon der Aufstieg sei ein Riesenerfolg gewesen für seine Spielerinnen, sagt Tischbierek, der vor Ort oder in Online-Trainings alles versucht hat. Allein: Die berufliche Situation machte es einigen Akteurinnen nicht so leicht, sich so intensiv mit Schach zu beschäftigen, wie es auf diesem Niveau nötig wäre. Zum Abschluss macht ein Fakt Hoffnung: direkte Duelle gegen Hemer, Solingen und Chemnitz. Hopp oder top.
SV Hemer 1932, Rang elf (Abstiegsplatz). Zwei Mannschaftspunkte. Das sieht nicht gut aus – aber der erste Eindruck täuscht: Hemer spielt noch gegen Kreuzberg, Solingen und Chemnitz. Allesamt Konkurrentinnen um den Ligaerhalt. Auch für Hemer: drei Endspiele. Die aber laut Dr. Elena Trunz, die mit ihren Töchtern Michelle und Tamila in der Mannschaft spielt, auch große Möglichkeiten: „Wir haben - trotz nur zwei Mannschaftspunkten auf dem Konto – eigentlich eine gar nicht so schlechte Saison gespielt“, sagt sie, „wir haben relativ viele Brettpunkte geholt, diese aber äußerst ungünstig auf die einzelnen Spiele verteilt.“ Sie setzt auf den Faktor Last-Minute-Kampf, wie schon im vergangenen Jahr: „Ich denke, dass unsere Chancen auf den Klassenerhalt deutlich besser stehen als vor der Endrunde in der vergangenen Saison - und damals haben wir es schließlich auch noch geschafft. Ich glaube fest an unsere Mannschaft!"
Chemnitzer SC Aufbau 95, Rang zehn (erster Abstiegsrang). Vier Mannschaftspunkte. Mit Solingen, Kreuzberg und Hemer warten drei Konkurrentinnen. Dr. Anne Czäczine, die Mannschaftsführerin, sagt, man reise ganz entspannt und voller Vorfreude nach Bad Königshofen. „Dort haben alle unsere Spielerinnen nochmal die Möglichkeit, das Highlight Frauen-Bundesliga zu genießen und die Spitzenspielerinnen live zu sehen.“ Aus der Nichtabstiegs-Tour machen sie einmal mehr einen Ausflug – ins Abenteuerland Bundesliga. „Es werden auch einige Spielerinnen mitreisen, die selbst nicht zum Einsatz kommen - einfach für das tolle Erlebnis und um die Mannschaft zu unterstützen.“ Anne Czäczine bestätigt, was viele Beobachter rund um den CSC Aufbau in dieser Saison festgestellt haben: „Das Mannschaftsgefühl ist spitze. Wir sind als Mannschaft mit unseren Gastspielerinnen zusammengewachsen und planen schon Veranstaltungen und Treffen nach der Saison. Zum Beispiel bei unserem Frauen-Team-Schnellschachturnier im August, dem Chemnitzer Schach Cup. Dort werden wir hoffentlich auch andere Teams der Liga wiedersehen.“ Und sportlich? „Wir sind unheimlich stolz auf das bisher Geleistete und die Tatsache, dass wir noch nicht als Absteiger feststehen – uns also alles bis zum letzten Spieltag offen gehalten haben. Damit haben wir unser Saisonziel schon übererfüllt. Realistisch gesehen rechnen wir immer noch mit dem Abstieg, nehmen aber natürlich jede Chance, die sich uns bietet, gerne an. Wir wollen nochmal zeigen, dass wir zu Recht in der Ersten Liga spielen und dort auch (Brett-)Punkte holen können.“ Das Motto der Mannschaftsfahrt, der keine spezielle Vorbereitung vorausgeht: „Jede gibt ihr Bestes. Und dann schauen wir, was dabei herauskommt.“
SG Solingen, Rang neun. Fünf Mannschaftspunkte. Mannschaftsführer Rafael Müdder hadert ein wenig mit dem bisher so wenig konstanten Saisonverlauf, sagt sber auch: "Die Mannschaft und der Verein freuen sich auf die Endrunde in Bad Königshofen. Wir wissen, dass die Spielbedingungen und die Verpflegung während der Runde einfach top sind, dafür schon mal im voraus lieben Dank." Immer wieder stelle er sich eine Frage: "Ist es Abstiegskampf - oder doch nicht? Wir spielen dieses Jahr ein wirklich wellenförmiges Schach. Beispielsweise gewinnen wir in der letzten Doppelrunde gegen Bad Königshofen und verlieren Tags darauf sang und klanglos mit 1:5 gegen Rodewisch. Das beschreibt ganz gut die derzeitige Situation rund um die Mannschaft. Grundsätzlich haben wir Verantwortliche das volle Vertrauen in die Stärke der Damen, dass Sie die nötigen drei Punkte holen sollten. Nach meiner Einschätzung sollten acht Punkte ausreichen, um dann wieder den sicheren Hafen zu erreichen." Allerdings bereitet ihm das Restprogramm aller Teams durchaus einiges Kopfzerbrechen: "Das wirklich Spannende und Faszinierende ist, dass die derzeit vier letzten Vereine, also Solingen, Chemnitz, Hemer und Kreuzberg, noch alle komplett gegeneinander spielen dürfen. Hier werden also auf jeden Fall zwölf Mannschaftspunkte untereinander verteilt. Dadurch wird selbst der am Ende Zehntplatzierte viele Punkte sein Eigen nennen können. Da Freiburg und Harksheide ausschließlich gegen die erste Tabellenhälfte spielen wird, kann es durchaus sein, dass diese beiden Vereine auch noch in den Abstiegsstrudel hineingerissen werden. Das ist wirklich eine sehr knisternde Spannung." Eine Prognose aus Solingen? "Die möchte ich nicht abgeben", so Müdder, "schwer zu sagen, wie es am Ende ausgehen wird. Jeder Verein hat das Möglichste getan, die Spielerinnen immer das Beste gegeben - daher nehme ich Abstand davon, wer es am Ende nicht schaffen wird. Wir haben bereits am Freitag eine brutal schwere Aufgabe mit dem SV Hemer, dessen Spielerinnen jederzeit in der Lage sind, gegen fast alle Mannschaften regelmäßig zu punkten. Wenn unser Reispartner und wir am Ende über den Strich stehen würden, dann hätte ich nichts dagegen. Und dass wir nominell gegen Chemnitz und Kreuzberg favorisiert sind bedeutet noch lange nicht, dass wir auch die nötigen Punkte holen werden. Unsere klare Niederlage gegen Freiburg hat dies ja gezeigt." Für Solingen wäre der Klassenerhalt auch unter einem anderen Aspekt sehr wichtig: Die zweite Frauenmannschaft hat den Aufstieg in die zweite Bundesliga geschafft. "Das ist ein starkes Fundament auf das wir weiter aufbauen wollen."
TuRa Harksheide, Rang acht. Sechs Mannschaftspunkte. Die Lage wirkt womöglich trügerisch. Denn für die Schleswig-Holsteinerinnen kommt es knüppeldick in Sachen Restprogramm: HSK, Schwäbisch Hall und Deizisau. Doch, wie man sie kennt: Nationalspielerin Lara Schulze, die bestens gelaunt und mit guten Resultaten von ihrem ersten Freestyle-Turnier, dem Grenke Open, zurückkehrte (5,5 aus neun Partien) will sich nicht Bange machen lassen. „Klar, wir haben noch starke Gegnerinnen zum Abschluss“, aber: „Letztes Jahr konnten wir bei der Endrunde gegen den HSK gewinnen, sehr überraschend, das hatte TuRa davor noch nicht geschafft. Wir hoffen, dass wir diesen großen Erfolg wiederholen können. Wir sind sehr gute Dinge, dass noch im Mittelfeld landen und nicht in den Abstiegsstrudel geraten.“ Ärgerlich sei nur, dass die Mansnchaft eine besser Ausgangslage im Grunde ein wenig verschenkt habe: „Wenn wir am letzten Spieltag gegen Chemnitz gewonnen hätten, wären wir schon komplett save gewesen.“ So geht das Zittern weiter – auch wenn sich ein Profi wie Lara Schulze nichts anmerken lässt…
SK Freiburg-Zähringen 1887, Rang sieben. Sechs Mannschaftspunkte. Aufsteiger Freiburg, vielleicht die größte Überraschung der Saison. Aber das Restprogramm hat es ebenfalls in sich: Baden-Baden, Bad Königshofen und Rodewisch. Mannschaftsführerin Sarah Hund betont denn auch, dass die Saison „bisher alle Erwartungen übertroffen“ habe beim Traditionsverein aus dem Breisgau: „Ich hatte nicht erwartet, dass wir aus allen Matches überhaupt diese sechs Punkte erlangen würden.“ Tatsächlich macht den Südbadenerinnen allein die Konstellation ein wenig Sorgen: „Die Teams, die derzeit hinter uns in der Tabelle stehen, spielen noch gegeneinander - und kriegen somit sicher noch Punkte“, sagt sie: „Während unsere Gegnerinnen alle vor uns liegen. Laut Liga-Orakel haben wir aber noch gute Chancen uns in der Frauen-Bundesliga zu halten. Das ist das Ziel, und mit dem bisherigen Verlauf auch realistischer als vor Start der Saison. Wir haben uns die bisherigen Punkte durch Kampfgeist geholt und so gehen wir auch in die zentrale Schlussrunde.“
Im Keller geht das große Zittern um. Lasset die Abstiegskämpfe beginnen. Gespielt wird am Freitag ab 15 Uhr, Samstag ab 14 Uhr - und Sonntag ab 9 Uhr. (mw)
| Tag | Datum | Uhrzeit | Mannschaft | − | Mannschaft | Schiedsrichter/-in |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Fr | 17.04.26 | 15:00 | TuRa Harksheide | − | Hamburger SK | ISR Ingrid Lauterbach |
| Fr | 17.04.26 | 15:00 | SV Hemer 1932 | − | SG Solingen | FSR Heike Erika Goldmund |
| Fr | 17.04.26 | 15:00 | Rodewischer Schachmiezen | − | SC 1957 Bad Königshofen | FSR Maria Graf |
| Fr | 17.04.26 | 15:00 | Chemnitzer SC Aufbau 95 | − | SC Kreuzberg | ISR Klaus Deventer |
| Fr | 17.04.26 | 15:00 | Schachfreunde Deizisau | − | SK Schwäbisch Hall | ISR Ingrid Lauterbach |
| Fr | 17.04.26 | 15:00 | SK Freiburg-Zähringen 1887 | − | OSG Baden-Baden | FSR Heike Erika Goldmund |
| Sa | 18.04.26 | 14:00 | OSG Baden-Baden | − | Rodewischer Schachmiezen | FSR Maria Graf |
| Sa | 18.04.26 | 14:00 | SK Freiburg-Zähringen 1887 | − | SC 1957 Bad Königshofen | ISR Klaus Deventer |
| Sa | 18.04.26 | 14:00 | SC Kreuzberg | − | SV Hemer 1932 | ISR Ingrid Lauterbach |
| Sa | 18.04.26 | 14:00 | Chemnitzer SC Aufbau 95 | − | SG Solingen | FSR Heike Erika Goldmund |
| Sa | 18.04.26 | 14:00 | SK Schwäbisch Hall | − | TuRa Harksheide | FSR Maria Graf |
| Sa | 18.04.26 | 14:00 | Schachfreunde Deizisau | − | Hamburger SK | ISR Klaus Deventer |
| So | 19.04.26 | 09:00 | Rodewischer Schachmiezen | − | SK Freiburg-Zähringen 1887 | ISR Ingrid Lauterbach |
| So | 19.04.26 | 09:00 | SC 1957 Bad Königshofen | − | OSG Baden-Baden | FSR Heike Erika Goldmund |
| So | 19.04.26 | 09:00 | SV Hemer 1932 | − | Chemnitzer SC Aufbau 95 | FSR Maria Graf |
| So | 19.04.26 | 09:00 | SG Solingen | − | SC Kreuzberg | ISR Klaus Deventer |
| So | 19.04.26 | 09:00 | TuRa Harksheide | − | Schachfreunde Deizisau | ISR Ingrid Lauterbach |
| So | 19.04.26 | 09:00 | Hamburger SK | − | SK Schwäbisch Hall | FSR Heike Erika Goldmund |
| Pl. | Mannschaft | MP | BP | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | SK Schwäbisch Hall | 16 | 39½ | x | 4½ | 3½ | 5½ | 6 | 4½ | 6 | 3½ | 6 | |||
| 2. | OSG Baden-Baden | 14 | 35 | 1½ | x | 5 | 4½ | 5½ | 5 | 4 | 4½ | 5 | |||
| 3. | Hamburger SK | 12 | 28 | 1 | x | 3 | 3 | 4½ | 4 | 4½ | 3½ | 4½ | |||
| 4. | SC 1957 Bad Königshofen (M) | 11 | 34 | 2½ | 3 | x | 4½ | 6 | 2½ | 6 | 3½ | 6 | |||
| 5. | Rodewischer Schachmiezen | 10 | 30½ | ½ | 3 | x | 3 | 6 | 5 | 6 | 4½ | 2½ | |||
| 6. | Schachfreunde Deizisau | 8 | 25½ | 1½ | 1½ | 3 | x | 2 | 3 | 4½ | 5 | 5 | |||
| 7. | SK Freiburg-Zähringen (N) | 6 | 18 | 0 | 1½ | 4 | x | 2 | 3½ | 1 | 2 | 4 | |||
| 8. | TuRa Harksheide | 6 | 17½ | ½ | 0 | 0 | 4 | x | 1½ | 2½ | 4 | 5 | |||
| 9. | SG Solingen | 5 | 19 | 1½ | 1 | 2 | 3½ | 1 | 3 | 2½ | 4½ | x | |||
| 10. | Chemnitzer SC Aufbau (N) | 4 | 13½ | 0 | 2 | 1½ | 0 | 0 | 1½ | 5 | 3½ | x | |||
| 11. | SV Hemer 1932 | 2 | 17½ | 2½ | 1½ | 2½ | 2½ | 1½ | 1 | 4 | 2 | x | |||
| 12. | SC Kreuzberg (N) | 2 | 10 | 0 | 1 | 1½ | 0 | 3½ | 1 | 2 | 1 | x |
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