12. Juni 2026
Es war ein harter Schlag für die Frauen-Bundesliga – natürlich auch, weil so ein Vorgang nie gut ist für eine Spielklasse: Ausgerechnet der amtierende Meister, insgesamt vierfacher Titelträger der höchsten DSB-Spielklasse, der SK Schwäbisch Hall, zieht sich aus der Bundesliga zurück. Über die Gründe war bisher wenig bekannt – außer das, was in einer offiziellen Vereinsmitteilung stand, wonach besonders die Reisekosten doch zuletzt arg zu Buche schlugen. Was man ja unter Verzicht auf die vielen ausländischen Topspielerinnen durchaus auch hätte ändern können… Kurzum: Am Wochenende feierte der Verein seinen 90. Geburtstag. Ein Fest, das eigentlich mit dem Meistertitel der Frauen gekrönt werden sollte - und nun ein wenig überschattet wird. Der Vereinsvorsitzende Ehrhard Steffen stellt klar: „Wir haben uns den Rückzug aus der Frauenbundesliga nicht leicht gemacht. Wir haben unseren Spielerinnen jedes Jahr gesagt: Wir entscheiden von Saison zu Saison, ob wir wieder in der Frauen-Bundesliga spielen.“ Nun habe man den Daumen senken müssen: „Es herrschte die einhellige Meinung, dass unser Verein keine finanziellen Risiken eingehen darf.“
Beim Kassensturz, der Saisonplanung, habe man schlicht festgestellt: Da klaffe ein Loch, „das wir auch nicht schließen können. In unserer Mitgliederversammlung am 29. Mai haben wir dann die endgültige Entscheidung getroffen“. Man habe es als Schachklub in der Stadt sehr schwer, Sponsoren zu finden. „In unserem Umfeld gibt es drei Großvereine, die um die Finanzierung ihrer Budgets kämpfen. Es geht um Fußball, Football und Basketball. Sie gehen letztlich alle auf die gleichen Sponsoren zu. Diesen Sportarten kommt zugute, dass sie weitaus publikumswirksamer sind als Schach.“
Im Interview mit dem Team Öffentlichkeitsarbeit des Württembergischen Schachverbandes (hier in voller Länge nachzulesen) beantwortet Steffen auch kritische Fragen. Zum Beispiel die, warum der Verein nicht seinen – mit ausländischen Top-Spielerinnen gespickten – Kader einfach nur abgespeckt hat. Schließlich gibt es viele Bundesligateams, die vor allem auf Eigengewächse setzen. „Ein Mitspielen im Mittelfeld der Tabelle entspricht nicht unserer Denke“, so Steffen. Wir sind erfolgsorientiert und haben das in den vergangenen Jahren sehr gut umgesetzt.“
Dass nun viele das Modell Schwäbisch Hall noch kritischer sehen und natürlich ein Imageschaden für die Liga entsteht – das ist klar. Steffen verweist aber darauf, dass man keine andere Wahl gehabt habe: „Wir mussten im Interesse unseres Vereins handeln.“ Der Verein will zukünftig auf die Männerteams (die erste Mannschaft ist gerade in die Oberliga aufgestiegen) und die Jugend setzen, damit „dem Verein eine stabile Basis geben“. Im Männerbereich soll bei Bedarf die eine oder andere Top-Spielerin aus dem Ausland eingesetzt werden. (mw)
// Archiv: DSB-Nachrichten - Frauenschach // ID 37053