19. September 2025
Morgen startet die Frauenbundesliga in ihre neue Saison. Der SC Bad Königshofen ist nicht nur Titelverteidiger, sondern auch Ausrichter der zentralen Endrunde. Noch vor dem Ligastart haben der Vereinsvorsitzende Klaus Müller und der DSB-Verantwortliche für die Frauenbundesliga, Klaus Deventer, eine Einigung erzielt über den Unterdeckungszuschuss von Verbandseite. Der Termin ist nun im großen Kursaal von Freitag, 17. April, bis Sonntag, 19. April 2026. Eine Liveübertragung wird es auch geben. "Wir haben ja schon gezeigt, dass wir Bundesliga-Endrunde können", so Müller, "und wir waren der erste Frauenbundesligist der Liveübertragung gemacht hat, schon im ersten Jahr 2008, als wir in die FBL aufgestiegen sind." Es scheint also alles angerichtet für einen würdigen Saisonausklang in einer Liga, die nicht nur gespickt ist mit Top-Spielerinnen, sondern auch mit ungewöhnlichen Familienkonstellationen. Im dritten Teil unserer DSB-Serie "Familienliga Bundesliga" beleuchten wir heute die drei Schwestern vom Kreuzberg. Vom 66 Meter hohen Kreuzberg im Viktoriapark hat der Berliner Stadtteil seinen Namen - und hier ist der Aufsteiger SC Kreuzberg daheim.
„Als ich mit Schach angefangen habe war es mein Traum, einmal mit meinen Schwestern in einer Mannschaft zu spielen.“ Der Wunsch von Sana Fock, 23 Jahre alt, wird jetzt wahr. Gemeinsam mit ihren Schwestern Madiha Fock, 17, und Amina Fock, 21, spielt sie in der am Wochenende beginnenden Saison für den SC Kreuzberg. Die Fock-Sisters schreiben eine dieser wunderbaren Familiengeschichten in der höchsten Spielklasse. „Wir in der Bundesliga! Das ist ziemlich cool, eine krasse Nummer - wir freuen uns riesig auf die neuen Eindrücke und Erlebnisse“, sagt Sana Fock. Die Gorch Fock des Schachs setzt die Segel.
Die drei Mädels vom Kreuzberg. Das Konkurrenzdenken war immer dabei, sagt Sana Fock. Weniger bei gemeinsamen Interessen wie Skateboarden, Rollschuhfahren oder Programmieren – aber beim Schach sehr wohl. „Früher haben wir immer genau geguckt, was die anderen machen. Man wollte keiner Schwester die Eröffnungen und Varianten preisgeben.“ Man habe ganz selten daheim gegeneinander gespielt, allenfalls mal geblitzt. Das sei schon ein bisschen kindisch gewesen. Heute ist das anders. Sie tauschen sich aus, geben sich Tipps. Die Fock-Schwestern sind erwachsener geworden. Und Sana hat auch kein Problem damit, zu sagen: „Die Jüngste hat bei uns das größte Potenzial. Als ich 17 war hatte ich jedenfalls noch nicht diese Spielstärke wie sie jetzt.“ Aktuell hat Amina 1919 Elopunkte, Sana 1871 und Madiha 1855. „Natürlich wird es schon an meinen Stolz kratzen, wenn mich die Kleine irgendwann überholt“, sagt Sana und lacht, „es wird irgendwann so kommen. Aber ich will es ihr auch nicht zu leichtmachen.“
Dieser Ansporn, sich „von den Schwestern nicht abhängen zu lassen“, könnte auch bei einem gemeinsamen Ziel helfen: den Klassenerhalt zu schaffen, den ihnen wenige zutrauen. Größter Trumpf hier für den Aufsteiger, laut Amina Fock: „Unser tolles Mannschaftsgefüge trägt wesentlich zum Erfolg bei.“ Sana sagt, Vereinschefin und Mitspielerin Brigitte Große-Honebrink, die gerne von der „stärksten Frauenliga der Welt“ spricht, sorge immer für eine angenehme Betriebstemperatur: „Nur, weil wir uns auch privat so gut verstehen, quer durch alle Altersklassen, sind wir auch aufgestiegen.“ Legendär sind die gemeinsamen Kochabende.
Ihr unbändiger Team- und Kampfgeist führte sie ziemlich überraschend in die Bundesliga. Denn eigentlich war nur der Klassenerhalt das Ziel - und der SK Doppelbauer Turm Kiel mit seinen Titelträgerinnen favorisiert. Aber den Elo-Nachteil glichen die Berlinerinnen mit den so genannten weichen Faktoren aus. Das soll wieder klappen. „Der SC Kreuzberg hat sich den Aufstieg redlich verdient“, sagt Paul Meyer-Dunker, Präsident des Berliner Schachverbandes: „Da ist richtig was zusammengewachsen. Man hat auch den Eindruck, die Frauen gehen das Abenteuer Bundesliga sehr locker an, machen sich keinen Druck.“
Helfen soll dem Mix aus Routiniers und Talenten wie den Fock-Schwestern ein Prominenter: Für GM Raj Tischbierek wurde im Verein eine Stelle als Bundesfreiwilligendienstler geschaffen. Er wird die Bundesliga-Frauen coachen, vor allem im Bereich der Eröffnungstheorie. „Das hilft uns sicherlich – damit nicht gleich eine von uns schon zum Anfang ihrer Partie auf die Nase fliegt“, sagt Sana Fock. Da gemeinsames Training vor Ort kaum möglich ist, weil sie in Hamburg wohnt (und Amina in Braunschweig), werde vieles online oder hybrid laufen. Sana studiert in der Hansestadt Chemie, tritt auch noch für den FC St. Pauli III an, Amina bastelt gerade an ihrer Bachelorarbeit in Maschinenbau – und Madiha macht ihr Abitur, wohnt als einzige noch bei den Eltern.
Für die Bundesligaspiele werden aber auch die Studentinnen alles stehen und liegen lassen. Am Wochenende geht es gleich gegen den Meister SC Bad Königshofen (Samstag) und am Sonntag gegen die Rodewischer Schachmiezen, ein Liga-Urgestein. In der dritten und vierten Runde ist Kreuzberg Ausrichter – und es kommen mit der OSG Baden-Baden möglicherweise GM Elisabeth Pähtz und IM Dinara Wagner nach Berlin. „Gegen solche Topleute zu spielen ist schon krass. Das ist nicht angsteinflößend, aber man hat schon Respekt“, sagt Sana Fock, „das werden richtige Events.“ Sie hoffe, „dass wir eine Chance haben – und nicht schon nach zehn Zügen auf Verlust stehen“. Wie es beim SC Kreuzberg üblich sei, werde man jedenfalls „um jeden halben Punkt oder Überraschungssieg kämpfen – weil wir wissen, dass auch im Schach viel möglich ist.“ In Kreuzberg haben sie nicht nur lange Nächte – sondern auch einen langen Atem am Schachbrett. (mw)
Lest auch hier rein:
Teil eins unserer Serie: Der CSC Aufbau 95
Teil zwei unserer Serie: Der SV Hemer 1932
| Br. | Titel | Spielerin | Land | Elo | DWZ |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | WIM | Sonja Maria Bluhm | 2213 | 2208 | |
| 2 | WIM | Magdalena Kozak | 2173 | 2173 | |
| 3 | WFM | Karelle Bolon (G) | 1985 | 1958 | |
| 4 | WFM | Danijela von Wantoch-Rekowski | 2122 | 2017 | |
| 5 | WIM | Thi Hong Nhung Khuong | 1950 | 1827 | |
| 6 | Helen Raab | 1911 | 1880 | ||
| 7 | Amina Fock | 1919 | 1910 | ||
| 8 | Sana Fock (G) | 1871 | 1906 | ||
| 9 | Margarita Mazurtsova | 1849 | 1880 | ||
| 10 | Madiha Fock | 1855 | 1843 | ||
| 11 | Elnaz Bazzazi | 1877 | 1822 | ||
| 12 | WFM | Martina Skogvall (G) | 1955 | 1913 | |
| 13 | Vanessa Kohm | 1846 | 1814 | ||
| 14 | Valerie Komar | 1743 | 1698 | ||
| 15 | Brigitte Große-Honebrink | 1909 | 1721 | ||
| 16 | Maha Ali | 1761 | 1616 |
(G) = Gastspielerin
// Archiv: DSB-Nachrichten - Frauenschach // ID 36781