15. April 2026
Natürlich hat er insgeheim auf mehr gehofft. Auf ein Endspiel in den elften und letzten Runde am Sonntag gegen die OSG Baden-Baden. Schließlich ist sein Team als Titelverteidiger in die Saison gestartet. „Aber wir sind auch Realisten genug, um zu wissen: Wenn wir Baden-Baden und Schwäbisch Hall stoppen wollen, muss vieles sehr glücklich verlaufen“, sagt Jürgen Müller, "die haben halt ganz andere Mittel als wir." In der vergangenen Saison ist der Coup mal wieder gelungen, mit deutlich geringeren Bordmitteln als die Favoriten - dafür umso mehr Herzblut, für das auch Müller steht. Der impulsive Vereinschef. Dazu später mehr. Nun gilt es für seinen Verein SC 1957 Bad Königshofen nur noch, mit erhobenem Haupt aus dieser Frauen-Bundesliga-Saison rauszugehen. Beim „Finale Derham“ wie er es im breiten Fränkisch nennt – in Anlehnung an das „Finale Dahoam“ des FC Bayern im Fußball.
Der SC Bad Königshofen mit seinem Vorsitzenden Müller ist Ausrichter der zentralen Endrunde, ab Freitag, 19. April. Drei Runden noch, dann ist die Saison Geschichte. Schon jetzt scheint klar: Der Titel ist dem Schachklub Schwäbisch Hall mit seinen internationalen Top-Spielerinnen im Grunde nicht mehr zu nehmen. „Die werden mit voller Kapelle kommen“, also ihren Besten, wie schon beim vorentscheidenden Sieg gegen Baden-Baden am vergangenen Spieltag, „denen brennt nichts mehr an“, so Müller. Aber der Noch-Meister bittet dennoch ambitioniert zum letzten Tanz.
Nervenkitzel verspricht aber der Abstiegskampf, in den gleich sechs Teams noch involviert sind – die halbe Liga. Darauf werden wir im Verlauf dieser Woche noch genauer eingehen. "Die letzten drei Runden bieten noch richtig viel Spannung", sagt Turnierdirektor Klaus Deventer: "Prognosen will ich gar keine abgeben." Und Bad Königshofen? Der dritte Platz wäre noch eine schöne Sache, sagt Jürgen Müller, aber der Hamburger SK hat einen Zähler Vorsprung. „Selbst, wenn wir nur Vierter werden - wir haben trotzdem wieder eine tolle Saison gespielt, keine Frage“, sagt Müller, der in dieser Woche noch einmal sein Team versammelt. Das Trainingslager steht an, mit Kost und Logis für die Spielerinnen im Hotel Müller, wie das Haus des Clubchefs genannt wird. Und natürlich mit Trainingseinheiten im Vereinsheim, vier Tage lang mit GM Michael Prusikin. Man werde noch einmal die bestmögliche Besetzung aufbieten, verspricht Jürgen Müller. „Das sind wir auch unseren Fans schuldig – und der Stadt.“ Die ihre Meisterinnen noch im vergangenen Jahr gebührend gefeiert hat, nach der Heimkehr mit dem Meisterpokal aus Deggendorf.
Parallel wird ab Donnerstag im großen Kursaal der Frankentherme die Kulisse für die Endrunde aufgebaut. Mit Liveübertragung an 52 digitalen Brettern. Das Ambiente ist dem Anlass angemessen. Bad Königshofen richtet die Endrunde schon zum dritten Mal aus – Rekordausrichter ist man damit. Und bisher haben auch alle Teilnehmerinnen von der fränkischen Gastfreundschaft geschwärmit. "Die machen das richtig gut in Bad Königshofen", hört man jetzt auch immer wieder von den startenden Teams. Rund 30 Helferinnen und Helfer werden die Gäste gut empfangen.
Die Stadt bietet am Freitag eine Führung durch Bad Königshofen an. Doch ein paar mehr Highlight hätte er sich schon noch gewünscht, sagt Jürgen Müller - und ergo auch ein bisschen mehr Geld vom DSB. Jetzt könne er gerade so die Saalkosten decken. „Ich wollte zum Beispiel ein Klavier und zwei junge Interpreten von der Musikschule für die Nationalhyme“, sagt er. Es knirscht ein wenig im Gebälk – aber das ist nichts Neues. Liga-Chef Klaus Deventer sagt, er sei sicher, es werde eine harmonische Endrunde - und den Vulkan aus dem unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld kann man beim DSB auch gut einordnen. Es müllert immer mal wieder. Und weil der Gefühlsmensch auch Sprecher der Frauen-Bundesliga ist, „ein zahnloser Säbezahntiger ohne Stimmrecht“, wie Jürgen Müller sagt, fällt so manche Eruption extremer und lauter aus. Er sei, so Müller, sogar der Ansicht, man müsse mal im Kreise der führenden Frauenvereine darüber ausdenken, die Frauen-Bundesliga auszugliedern – ähnlich wie es die offene Bundesliga getan hat. Das könnte vielleicht mehr Sponsoren anlocken. Dieses und andere Themen werden wohl am Rande der Endrunde diskutiert, wenn die Vereine auch Tagen werden. Aber erstmal steht der Sport voll im Fokus. Beim Finale Derham. (mw)
Gespielt wird am Freitag ab 15 Uhr, Samstag ab 14 Uhr - und Sonntag ab 9 Uhr.
Das ist die Lage in der Frauen-Bundesliga
| Pl. | Mannschaft | MP | BP | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | SK Schwäbisch Hall | 16 | 39½ | x | 4½ | 3½ | 5½ | 6 | 4½ | 6 | 3½ | 6 | |||
| 2. | OSG Baden-Baden | 14 | 35 | 1½ | x | 5 | 4½ | 5½ | 5 | 4 | 4½ | 5 | |||
| 3. | Hamburger SK | 12 | 28 | 1 | x | 3 | 3 | 4½ | 4 | 4½ | 3½ | 4½ | |||
| 4. | SC 1957 Bad Königshofen (M) | 11 | 34 | 2½ | 3 | x | 4½ | 6 | 2½ | 6 | 3½ | 6 | |||
| 5. | Rodewischer Schachmiezen | 10 | 30½ | ½ | 3 | x | 3 | 6 | 5 | 6 | 4½ | 2½ | |||
| 6. | Schachfreunde Deizisau | 8 | 25½ | 1½ | 1½ | 3 | x | 2 | 3 | 4½ | 5 | 5 | |||
| 7. | SK Freiburg-Zähringen (N) | 6 | 18 | 0 | 1½ | 4 | x | 2 | 3½ | 1 | 2 | 4 | |||
| 8. | TuRa Harksheide | 6 | 17½ | ½ | 0 | 0 | 4 | x | 1½ | 2½ | 4 | 5 | |||
| 9. | SG Solingen | 5 | 19 | 1½ | 1 | 2 | 3½ | 1 | 3 | 2½ | 4½ | x | |||
| 10. | Chemnitzer SC Aufbau (N) | 4 | 13½ | 0 | 2 | 1½ | 0 | 0 | 1½ | 5 | 3½ | x | |||
| 11. | SV Hemer 1932 | 2 | 17½ | 2½ | 1½ | 2½ | 2½ | 1½ | 1 | 4 | 2 | x | |||
| 12. | SC Kreuzberg (N) | 2 | 10 | 0 | 1 | 1½ | 0 | 3½ | 1 | 2 | 1 | x |
| Tag | Datum | Uhrzeit | Mannschaft | − | Mannschaft | Schiedsrichter/-in |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Fr | 17.04.26 | 15:00 | TuRa Harksheide | − | Hamburger SK | ISR Ingrid Lauterbach |
| Fr | 17.04.26 | 15:00 | SV Hemer 1932 | − | SG Solingen | FSR Heike Erika Goldmund |
| Fr | 17.04.26 | 15:00 | Rodewischer Schachmiezen | − | SC 1957 Bad Königshofen | FSR Maria Graf |
| Fr | 17.04.26 | 15:00 | Chemnitzer SC Aufbau 95 | − | SC Kreuzberg | ISR Klaus Deventer |
| Fr | 17.04.26 | 15:00 | Schachfreunde Deizisau | − | SK Schwäbisch Hall | ISR Ingrid Lauterbach |
| Fr | 17.04.26 | 15:00 | SK Freiburg-Zähringen 1887 | − | OSG Baden-Baden | FSR Heike Erika Goldmund |
| Sa | 18.04.26 | 14:00 | OSG Baden-Baden | − | Rodewischer Schachmiezen | FSR Maria Graf |
| Sa | 18.04.26 | 14:00 | SK Freiburg-Zähringen 1887 | − | SC 1957 Bad Königshofen | ISR Klaus Deventer |
| Sa | 18.04.26 | 14:00 | SC Kreuzberg | − | SV Hemer 1932 | ISR Ingrid Lauterbach |
| Sa | 18.04.26 | 14:00 | Chemnitzer SC Aufbau 95 | − | SG Solingen | FSR Heike Erika Goldmund |
| Sa | 18.04.26 | 14:00 | SK Schwäbisch Hall | − | TuRa Harksheide | FSR Maria Graf |
| Sa | 18.04.26 | 14:00 | Schachfreunde Deizisau | − | Hamburger SK | ISR Klaus Deventer |
| So | 19.04.26 | 09:00 | Rodewischer Schachmiezen | − | SK Freiburg-Zähringen 1887 | ISR Ingrid Lauterbach |
| So | 19.04.26 | 09:00 | SC 1957 Bad Königshofen | − | OSG Baden-Baden | FSR Heike Erika Goldmund |
| So | 19.04.26 | 09:00 | SV Hemer 1932 | − | Chemnitzer SC Aufbau 95 | FSR Maria Graf |
| So | 19.04.26 | 09:00 | SG Solingen | − | SC Kreuzberg | ISR Klaus Deventer |
| So | 19.04.26 | 09:00 | TuRa Harksheide | − | Schachfreunde Deizisau | ISR Ingrid Lauterbach |
| So | 19.04.26 | 09:00 | Hamburger SK | − | SK Schwäbisch Hall | FSR Heike Erika Goldmund |
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