16. März 2026
Die Rückmeldung kam am vergangenen Samstag, 17.30 Uhr. „Wir haben uns entschieden. Die Mannschaft des SC Rotation Pankow wird in der nächsten Saison in der 1. Frauenbundesliga spielen“, schreibt Gudula Seils. Es war der Abschluss eines Nachdenken-Prozesses. Sollen sie es erneut wagen? „Wir spielten ja letztmalig in der Saison 2018/2019 in der 1. Frauenbundesliga“, so Mannschaftsleiterin Seils, „und arbeiteten seitdem in jeder Saison der 2. Frauenbundesliga auf den Staffelsieg hin. Nach mehreren Zweit- und Drittplatzierungen hat es diesmal endlich geklappt.“ Allein, es umtrieb sie einige Wochen lang – seit der Erfolg feststand - die Frage, ob sie den Aufwand nochmal betreiben, schließlich sind sie ja alle nicht mehr die Jüngsten. Genauer gesagt: Durchschnittsalter 66 Jahre. Seils: „Wir freuen uns sehr über diesen Erfolg, zumal der Altersunterschied zu unseren jungen Gegnerinnen oft mehr als 30 Jahre betrug.“ Während die einen also nun bereits voller Vorfreude auf die kommende Saison sind, gab es in der aktuellen Spielzeit eine Vorentscheidung: Es wirkt, als sei die Meisterfrage durch das 4,5:1,5 des SK Schwäbisch Hall gegen den punktgleichen Verfolger OSG Baden-Baden entschieden. Mario Meinel, zweiter Vorsitzender des neuen, alleinigen Tabellenführers, spricht denn auch von einem „großen, weiteren Schritt, den unser Team erreicht hat“ – zum vierten Titel in der Klubhistorie, der das Jahr des 90-jährigen Vereinsbestehens krönen soll.
Für Baden-Baden ein harter Schlag, hatte doch OSG-Teamchef Thilo Gubler im Vorfeld betont, „die Sehnsucht nach dem Titel ist riesig“. Der letzte wurde im Jahr 2022 errungen – es war der zwölfte für den Rekordmeister. 2023 und 204 holte sich Schwäbisch Hall den großen Pokal. In der vergangenen Saison trennten sich Baden-Baden und Schwäbisch Hall 3:3 Unentschieden, alle sechs Partien endeten remis – aber am Ende mussten beide dem SC Bad Königshofen den Vortritt lassen. Nun hat Baden-Baden (zwei Mannschaftspunkte Rückstand auf Schwäbisch Hall) für die Zentrale Endrunde vom 17. bis 19. April auch noch das vermeintlich schwerere Restprogramm – tritt unter anderem am letzten Spieltag noch auf Gastgeber Bad Königshofen.
Betrachtet man die Duelle vom Sonntag, dann war es an den vorderen Brettern absolut auf Augenhöhe – dreimal Remis. Dahinter aber war Schwäbisch Hall, rein was die Elo-Punkte angeht, stärker besetzt. Das erste Mal in dieser Saison war auch Nino Batsiashvili am Start, frisch gebackene Europameisterin im Schnellschach. „Es ist uns gelungen, unsere ersten sechs Spielerinnen zum wichtigsten Spiel der Saison an das Brett zu bringen“, sagte Meinel dem DSB-Team Öffentlichkeitsarbeit: „Die Identifikation mit diesem kleinen familiären Verein ist bei den Spielerinnen riesengroß.“ Etwas überrascht, so heißt es auf der Webseite des Vereins, sei man gewesen, „dass Baden-Baden nicht stärker aufgestellt war, aber Verfügbarkeit der besten Spielerinnen ist gerade bei den Spitzenteams immer ein Thema. Gerade an den hinteren Brettern war Schwäbisch Hall relativ klar favorisiert“.
Meinel betonte, man habe zwar in Freiburg, wo die beiden Runden stattfanden, eine kleine Siegesfeier gestartet, aber: „Es sind noch drei Spiele und wir bleiben auf dem Boden.“ Zumal diese Liga immer für Überraschungen gut ist.
Beispiele gefällig? Aufsteiger SK Freiburg schlug SF Deizisau mit 4:2 und ist im Abstiegskampf sehr gut dabei. Die Siegpunkte wurden an den hinteren Brettern gemacht, nachdem Sarah Hund gegen die Italienerin Elina Sedina durch Zeitüberschreitung gewinnen konnte – und die Schweizerin Gilda Marta Thode gegen das Deizisauer U12-Talent Olivia Lukas siegte. Weitere unerwartete Ergebnisse: Aufsteiger Chemnitzer SC Aufbau 95 schlug TuRa Harksheide mit 3,5:2,5. Die SG Solingen besiegte Meister Bad Königshofen - um dann einen Tag später mit 1:5 gegen die Rodewischer Schachmiezen unterzugehen. Zumindest der Abstiegskampf verspricht also noch Spannung bei der Endrunde. Die Frauen-Bundesliga macht jedenfalls Laune.
Und um Spaß geht es auch dem künftig ältesten Team der Bundesliga, das sich nun doch entschlossen hat, die Aufstiegs-Früchte zu ernten: SC Rotation Pankow, das damit dem SZ Seeblick und Bayern München in die erste Liga folgt. „Unsere Frauenmannschaft besteht bereits seit über 40 Jahren in überwiegend gleicher Zusammensetzung“, sagt Gudula Seils: „Wir kennen uns aus dem Schüler- und Jugendbereich und haben uns später in diversen DDR-Meisterschaften auf dem Schachbrett hart bekämpft.“ Wohlgemerkt: „Um danach gemeinsam feiern zu gehen! Daraus sind langjährige enge Freundschaften entstanden, die wir alle nicht missen wollen. Wir treffen uns regelmäßig privat zum Training, aber auch zu anderen Anlässen. Als nächstes steht unsere jährliche Wanderfahrt an, die uns ins schöne Vogtland führt.“ Teamgeist und Erfahrung - vermutlich die besten Zutaten für die Bundesliga. (mw)
| Br. | Titel | Spieler | Land | DWZ | Elo |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | WGM | Brigitte Burchardt | 2060 | 2085 | |
| 2 | WIM | Constanze Jahn | 1995 | 2042 | |
| 3 | WIM | Antje Göhler | 1996 | 2014 | |
| 4 | WIM | Annett Wagner-Michel | 1960 | 1982 | |
| 5 | WFM | Sylvia Wolf | 1980 | 1990 | |
| 6 | Sibylle Heyme | 1902 | 1938 | ||
| 7 | WIM | Iris Mai | 1862 | 1967 | |
| 8 | WFM | Eveline Nünchert | 1848 | 1977 | |
| 9 | Gudula Seils | 1856 | 2026 |
| Pl. | Mannschaft | MP | BP | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | SK Schwäbisch Hall | 16 | 39,5 | x | 4½ | 3½ | 5½ | 6 | 4½ | 6 | 3½ | 6 | |||
| 2. | OSG Baden-Baden | 14 | 35,0 | 1½ | x | 5 | 4½ | 5½ | 5 | 4 | 4½ | 5 | |||
| 3. | Hamburger SK | 12 | 28,0 | 1 | x | 3 | 3 | 4½ | 4 | 4½ | 3½ | 4½ | |||
| 4. | SC 1957 Bad Königshofen (M) | 11 | 34,0 | 2½ | 3 | x | 4½ | 6 | 2½ | 6 | 3½ | 6 | |||
| 5. | Rodewischer Schachmiezen | 10 | 30,5 | ½ | 3 | x | 3 | 6 | 5 | 6 | 4½ | 2½ | |||
| 6. | Schachfreunde Deizisau | 8 | 25,5 | 1½ | 1½ | 3 | x | 2 | 3 | 4½ | 5 | 5 | |||
| 7. | SK Freiburg-Zähringen (N) | 6 | 18,0 | 0 | 1½ | 4 | x | 2 | 3½ | 1 | 2 | 4 | |||
| 8. | TuRa Harksheide | 6 | 17,5 | ½ | 0 | 0 | 4 | x | 1½ | 2½ | 4 | 5 | |||
| 9. | SG Solingen | 5 | 19,0 | 1½ | 1 | 2 | 3½ | 1 | 3 | 2½ | 4½ | x | |||
| 10. | Chemnitzer SC Aufbau 95 (N) | 4 | 13,5 | 0 | 2 | 1½ | 0 | 0 | 1½ | 5 | 3½ | x | |||
| 11. | SV Hemer 1932 | 2 | 17,5 | 2½ | 1½ | 2½ | 2½ | 1½ | 1 | 4 | 2 | x | |||
| 12. | SC Kreuzberg (N) | 2 | 10,0 | 0 | 1 | 1½ | 0 | 3½ | 1 | 2 | 1 | x |
| Runde | Datum | Ort | Mannschaft | - | Mannschaft |
|---|---|---|---|---|---|
| 8 | 14.03.26 | Freiburg | SK Freiburg-Zähringen 1887 | 0:6 | SK Schwäbisch Hall |
| 8 | 14.03.26 | Freiburg | OSG Baden-Baden | 4½:1½ | Schachfreunde Deizisau |
| 8 | 14.03.26 | Hamburg | Hamburger SK | 4½:1½ | SC Kreuzberg |
| 8 | 14.03.26 | Hamburg | TuRa Harksheide | 2½:3½ | Chemnitzer SC Aufbau 95 |
| 8 | 14.03.26 | Hemer | SV Hemer 1932 | 1½:4½ | Rodewischer Schachmiezen |
| 8 | 14.03.26 | Hemer | SG Solingen | 3½:2½ | SC 1957 Bad Königshofen |
| 9 | 15.03.26 | Freiburg | SK Schwäbisch Hall | 4½:1½ | OSG Baden-Baden |
| 9 | 15.03.26 | Freiburg | Schachfreunde Deizisau | 2:4 | SK Freiburg-Zähringen 1887 |
| 9 | 15.03.26 | Hamburg | SC Kreuzberg | 1:5 | TuRa Harksheide |
| 9 | 15.03.26 | Hamburg | Chemnitzer SC Aufbau 95 | 1½:4½ | Hamburger SK |
| 9 | 15.03.26 | Hemer | Rodewischer Schachmiezen | 5:1 | SG Solingen |
| 9 | 15.03.26 | Hemer | SC 1957 Bad Königshofen | 3½:2½ | SV Hemer 1932 |
Im Spitzenduell der 9. Runde besiegte der SK Schwäbisch Hall relativ klar mit 4½:1½ die OSG Baden-Baden. Die letzten drei Bretter gingen für die Badener verloren und so richtig Chancen auf Punkte hatte sie an diesen Brettern auch nicht. Hier ein Beispiel von Brett 5.
Die Stellung ist noch im Gleichgewicht, aber Weiß muß schon sehr genau spielen um das auch zu halten.
Schwarz hatte zuletzt einen Läufer auf e7 geschlagen und plant nun Dh4 nebst Mattdrohung. Das kann Weiß auf mehrere Arten abwehren. Im Spiel bleibt Weiß mit Db3 oder De1, doch die US-Amerikanerin und Ehefrau von GM Daniel Fridman entschied sich für 19. Dd3. Der feine und nicht bedachte Unterschied ist, das nach 19. ... Dh4 der Verteidigungszug h3 unmöglich geworden ist. Danach würde Weiß mit Sf2+ eine Qualität gewinnen.
In der Partie geriet Weiß nach 20. Dg3 Dxg3 21. hxg3 (Sxg3 ist das kleinere Übel) c5 immer mehr in Nachteil und gab nach 53 Zügen auf. (fb)
// Archiv: DSB-Nachrichten - Frauenschach // ID 11721