24. Mai 2026
Die Europameisterschaft der Männer in Polen ging vor vier Wochen fast ein wenig unter – im Getöse um das Kandidatenturnier. Alexander Donchenko qualifiziert sich, ungeschlagen, vor Monatsfrist für den FIDE World Cup. Genau darum geht es jetzt auch für deutsche Top-Spielerinnen bei der EM in Batumi. Die besten zehn Spielerinnen wären direkt beim World Cup dabei. 166 Teilnehmerinnen aus 32 Nationen sind in Georgien am Start, das deutsche Aufgebot führen die aktuelle deutsche Nummer eins, Dinara Wagner (Startrang neun) sowie mit Hanna Marie Klek, Jana Schneider, Josefine Safarli und Fiona Sieber weitere Nationalspielerinnen an. Ebenfalls mit dabei sind mit Charis Peglau und Luisa Bashylina zwei starke Talente. „Die EM ist das wichtigste Einzelturnier des Jahres, wie jedes Jahr“, sagt Josefine Safarli mit einem Lächeln: „Es gibt einige World Cup Plätze, vielleicht ergattert ja eine Deutsche einen.“
Für Jana Schneider geht es gefühlt um noch mehr. Sie war zuletzt nicht mehr Teil des Nationalteams, musste sogar aufgrund einer vom DOSB initiierten Neuregelung um die Kader-Zugehörigkeit zittern. Die DSB-Öffentlichkeitsarbeit hat nachgefragt, was für Sie in Batumi sprichwörtlich auf dem Spiel steht.
Jana, wie beurteilst Du den sportlichen Stellenwert des Turniers? Was ist Dein Ziel?
Für mich ist diese EM das wichtigste Turnier des Jahres. Einerseits aufgrund der World-Cup-Plätze, andererseits mit Blick auf die Olympiade-Nominierung, die im Juni nach dem Turnier bekanntgegeben wird. Ich fühle mich gut vorbereitet und das große Ziel wäre natürlich einer der World-Cup-Qualifikationsplätze. Gleichzeitig versuche ich, mir nicht zu viel Druck zu machen - und trotz der Bedeutung des Ergebnisses die einzelnen Partien zu genießen.
Wie wichtig wäre für Dich ein gutes Abschneiden, um vielleicht noch auf den Olympiade-Zug aufzuspringen? Wie bist Du hier mit Bundestrainer Zahar Efimenko verblieben? Ich vermute mal, Ihr habt in Kienbaum mal drüber gesprochen...
Ich habe in Kienbaum nicht mit Zahar darüber gesprochen, inwieweit sein Olympia-Team schon feststeht. Ich würde aber davon ausgehen, dass ich Chancen habe, in diesem Jahr im Team dabei zu sein. Dafür brauche ich aber vermutlich eine gute bis sehr gute EM. Daher kann die EM für mich ein großer Erfolg werden - oder auch eine große Enttäuschung.
Wie war eigentlich aus Deiner Sicht das Trainingslager?
Ich hatte eine gute Zeit in Kienbaum. Wir hatten eine lockere Atmosphäre und intensives Training, das uns hoffentlich gut auf die EM vorbereitet hat.
Und wie sieht es bei Dir gerade persönlich aus? Stehst Du auch ein wenig am Scheideweg, wo sich entscheidet, wie Du künftig die Prioritäten aus Schach und Berufsleben setzen wirst?
Ich habe in den vergangenen Jahren und Monaten sehr viel Zeit in Schach investiert, insbesondere für Training, Turniere und Ligaspiele, aber auch Engagement in meinen Vereinen und Training für die Bayerische Schachjugend gezeigt. Leider verpasse ich die DJEM als Trainerin in diesem Jahr wegen der Terminüberschneidung mit der EM. Nach der EM werde ich dann meinen Fokus auf die Fertigstellung meiner Masterarbeit legen und "nebenbei" die Entscheidung treffen, wie es bei mir im Herbst nach Beendigung meines Studiums beruflich und schachlich weitergeht. Zwei weitere große Turniere sind dieses Jahr aber auch noch bei mir geplant: die Deutsche Frauenmeisterschaft beim Schachgipfel im Juli und die Studenten Weltmeisterschaft im Oktober in China.
Die EM dauert vom 24. Mai bis 5. Juni, die erste Runde startet am Montag um 15 Uhr. Es gibt nur einen Ruhetag, am 31. Mai. Josefine Safarli, Hanna Marie Klek und Dinara Wagner kehren an den Ort zurück, wo sie im DSB-Dress im vergangenen Jahr Team-Bronze bei der EM geholt haben. Ein gutes Omen? Die EM sei, so Safarli, nicht ihr erstes erfolgreiches Turnier in Batumi gewesen. Natürlich hoffe sie nun auf eine Fortsetzung. „Aber schauen wir mal.“ Bloß keinen Druck aufbauen, wenngleich sie weniger nervös ist als kürzlich beim Mitropa-Cup, wo sie die junge deutsche Mannschaft als Spielertrainerin begleitete: „Das war sehr interessant, aber beim Match nur zuzuschauen ist definitiv stressiger als mitzuspielen.“ Na dann: Gutes Gelingen in Batumi! (mw)
// Archiv: DSB-Nachrichten - Frauenschach // ID 37028