31. August 2026
Der Mann hat schon viel erlebt, aber hier lässt sich festhalten: Nach diesem Event war auch The Big Greek hin und weg. Georgios Souleidis, Deutschlands erfolgreichster Schach-Streamer, schwärmt von „unglaublicher Herzlichkeit und Hingabe der Gastgeber“, von „Frauenpower und Familiengeist“, die hinter diesem Turnier steckten: der Chemnitzer Schachcup 2026. Cheforganisatorin Anne Czäczine samt ihren Töchtern Laura und Paula, die gerade erst das Kandidatinnen-Turnier bei den Deutschen Meisterschaften gewonnen hat, sind für The Big Greek das „sportliche Rückgrat“ des CSC Aufbau 95, der in der vergangenen Saison nur knapp den Klassenerhalt in der Bundesliga verpasst hat. Dieser Tage hatte der Verein zum Chemnitzer Schachcup (Motto-Unterzeile: schwarz, weiß und bunt) eingeladen – einem Frauenturnier der besonderen Art. Und, ganz nebenbei, der schachliche Nachklapp zu Chemnitz als europäische Kulturhauptstadt 2025. Was im vergangenen Jahr als Idee zwischen Anne Czäczine und Thomas Weischede von der Emanuel Lasker Gesellschaft entstand, wurde perfekt 2026 ausgeführt.
Da war wirklich alles drin. Acht starke Frauenteams, mit FM Norman Thielsch (der Papa von Laura und Paula Czäczine) ein Top-Kommentator, der das Geschehen vor Ort live für das Publikum kommentierte. Das Ganze wurde finanziell unterstützt von der Emanuel Lasker Gesellschaft, die ja bekanntlich viel Wert darauflegt, dass Schach auch Kultur ist – und Begegnungen schafft. Das gelang in Chemnitz auf eindrucksvolle Weise, wie auch Thomas Weischede befand: "Der erste Chemnitzer Schach Cup war ein voller Erfolg. Tolle Werbung für das Frauenschach und für Chemnitz. Ein großer Dank geht an Anne und das Team vom CSC Aufbau 95. Viele fleißige Hände und alle empathisch, authentisch, sympathisch und vor allem bodenständig. Besser kann man für die Werte des Schachs nicht werben. Es war alles sogar so perfekt organisiert, dass ich konstatieren muss, dass ich noch nie bei einem Event so wenig machen musste. Chapeau! Auch an TBG ein großer Dank, der nicht nur seine Fans begeistert hat, sondern die Schachkultur auch um ein neues unterhaltsames Format in Form eines Schachquiz bereichert hat."
Bereits am Freitag trafen sich alle Spielerinnen, Betreuer und Organisatoren in lockerer Runde beim Pizza-Essen. Der Samstag startete mit einer geführten Stadtbesichtigung, bevor die ersten vier Runden des Hauptturniers begannen. Georgios Souleidis trat parallel zu einem Simultan an zehn Brettern an. Der „motivierte Nachwuchs des Vereins“, wie er es nannte, machte ihm das Leben schwer. Souleidis kommentierte dann auch die zweite Runde des Turniers bereits mit.
Abends dann ein musikalisches Rahmenprogramm – und ein Schachquiz mit The Big Greek, 37 Fragen rund ums Frauenschach. Viele historische Anekdoten und Schachkultur – alle Teams waren mit Feuereifer dabei. Dabei waren leichtere Fragen wie "Wer hat als erste deutsche Frau den GM Titel verliehen bekommen?" (klar, Elisabeth Pähtz), aber auch schwierigere wie: "Welcher Schachverband hat weltweit den höchsten Frauenanteil?" (Mongolei ist übrigens richtig). Auch die Ausstellung Körperwelten der Tiere und das Naturkundemuseum wurden von Spielerinnen besucht.
Zu Sportlichen: Am Start waren Teams aus Harksheide, Berlin, Leipzig, Erfurt, Bad Königshofen und München. Souveräne Turniersiegerinnen wurden die Bundesliga-Akteure des SC Bad Königshofen. Herausragend im Team des Deutschen Mannschaftsmeister von 2025: Die frisch gebackene Deutsche Einzel-Meisterin Jana Schneider, die mit 7 Punkten aus sieben Partien 7 an Brett eins dominierte. Keine Frage: Die Frau hat einen Lauf und bestätigte noch einmal eindrucksvoll, warum Bundestrainer Zahar Efimenko sie für das Olympiade-Team in Samarkand (15. bis 28. September) nominiert hat. Jana Schmeider betonte, dass sie gerade mit ihrer Masterarbeit fertig geworden ist und jetzt mit der Vorbereitung für die Olympiade beginnt. Wenig Zeit also. "Aber sie wollte trotzdem an unserem Turnier teilnehmen", so Anne Czäczine, "dafür sind wir ihr sehr dankbar."
Auch der Rest des Bad Königshofener Ensembles konnte sich sehen lassen: Olga Babiy, Tatjana Melamed und Marianna Grineva. Auf Platz zwei landete die erste Mannschaft des CSC Aufbau. Medizin Erfurt holte Bronze. Der SC Kreuzberg, mit dem die Chemnitzerinnen - seit der gemeinsamen Reisepartnerschaft in der Bundesliga in der vergangenen Saison - ganz enge freundschaftliche Bande verbindet, kam auf Rang vier vor Bayern München, CSC Aufbau II, SG Leipzig und TuRa Harksheide mit dem jüngen Ensemble - im Schnitt nur 17 Jahre alt.
„Hoffentlich nur ein Auftakt für mehr“ sei dieses Turnioer gewesen, sagte Organisationschefin Anne Czäczine. Soll heißen: Weitere Auflagen sind geplant. Ganz im Sinne von The Big Greek, der das Event so auf den Punkt brachte: „Ein starkes Wochenende für das Frauenschach.“ (mw)
Wer die Partien des spielstarken Teilnehmerfeldes nachspielen möchte, findet die Übertragungen in den Broadcasts auf Lichess.
Die komplette Abschlusstabelle sowie alle Einzelergebnisse sind auf ChessManager abrufbar.
// Archiv: DSB-Nachrichten - Frauenschach // ID 37127