18. Februar 2026
Die Teamchefin gibt Entwarnung: „Die Aufregung hält sich in Grenzen. Ich denke, dass wir alles gut vorbereitet haben - und hoffentlich alles klappen wird.“ WIM Dr. Anne Czäczine, der Kopf der Jungen-Hüpfer-Mannschaft des Chemnitzer SC Aufbau 95 hat sich schon so etwas wie Bundesliga-Routine zugelegt – wenn man denn wirklich davon sprechen kann bei einem Aufsteiger, in der ersten Saison im Oberhaus des Schachs. Am Wochenende ist der CSC Aufbau Chemnitz zudem zum ersten Mal in seiner Vereinsgeschichte auch noch Ausrichter einer Bundesliga-Doppelrunde. Da Spieltag fünf an die Zentrale Endrunde im April in Bad Königshofen angegliedert wurden, trifft der CSC Aufbau am Samstag an Spieltag sechs (ab 14 Uhr) auf Titel-Anwärter SK Schwäbisch Hall und am Sonntag auf die Schachfreunde Deizisau – zwei echte Bundesliga-Brocken. Gut, so Anne Czäczine auf Nachfrage des DSB-Teams Öffentlichkeitsarbeit, dass man mittlerweile sportlich „viel entspannter“ in die Partien gehen könne. Das liegt daran, dass sie und ihre Mitspielerinnen noch im alten Jahr den ersten Achtungserfolg in der Bundesliga feiern konnten.
Einem bemerkenswerten 2:4 gegen die OSG Baden-Baden ließen die Chemnitzerinnen ein furioses 5:1 gegen Mitaufsteiger SK Freiburg-Zähringen folgen. „Da ist jetzt viel Druck weg, weil wir schon zeigen konnten, was wir können“, so Czäczine, die selbst zum ersten Mal in ihrem Leben eine Partie gegen eine GM-Titelträgerin gewonnen hat und das sogar gegen Elisabeth Pähtz. Balsam nach dem deprimierenden Auftaket mit Tennis-Ergebnis (0:6, 0:6) zum Start.
Man gehe nun das kommende Wochenende ruhig an, „gegen zwei Top-Mannschaften erwarten wir nicht zu viel. Jeder Brettpunkt würde uns freuen“. Die Spielräume sind organisiert, da hat Sponsor Heinrich Schmid alles angerichtet. Gespielt wird im Veranstaltungszentrum Heinrich Schmid Wladimir-Sagorski-Straße 30 - und dort gibt es ein professionelles Umfeld. „Da passt alles. Wir haben auch eine Live-Übertragung organisiert. Das übernimmt ein Anbieter für uns, so dass wir damit keine Arbeit haben und nicht mal das Spielmaterial hinbringen müssen“, sagt Anne Czäczine: „Wir werden in einem benachbarten Analyseraum für die Zuschauer vor Ort live kommentieren.“ Fans sind herzlich willkommen, die Vereinsmitglieder helfen auch fleißig beim Catering - Kuchen, Schnittchen, Obst.
Mit der Buchung der Hotels der Gäste aus Schwäbisch Hall habe man nichts zu tun gehabt. Reisepartner SC Kreuzberg, ebenfalls in Chemnitz am Start, habe aber nach einer Empfehlung gefragt. Zu den Berlinerinnen ist längst eine Freundschaft entstanden. Man werde auch gemeinsam essen gehen. Anne Czäczine: „Wir sind sehr froh, so einen sympathischen Reisepartner zu haben.“ Ähnlich wie in Chemnitz hätten die Akteurinnen aus der Hauptstadt „einen über Jahre gewachsenen Bezug zu ihrem Verein. Das finden wir schön“. Klar doch, dass die Einladung zum internationalen Frauen-Team-Schnellschachturnier, dem „Chemnitzer Schach Cup - schwarz-weiß und bunt“ im August auch schon an die Berlinerinnen ausgesprochen wurde.
Doch erstmal ist Bundesliga. Und da bietet der Gast aus Schwäbisch Hall das sportliche Kontrastprogramm zum Chemnitzer Talente-Schuppen, der zuletzt mit einem Altersschnitt von 21 Jahren antrat – mit der 40jährigen Anne Czäczine als Routinier an Brett eins. Die Spielerinnen kommen alle aus der Region, zumeist sogar aus der eigenen Jugendabteilung. Die Bundesliga-Youngster Paula Czäczine, Laura Czäczine, Marie Ottlik und Bea Josephine Brewig wurden als Team noch Ende Dezember deutsche Vizemeisterinnen der U20.
Der Titelfavorit und aktuelle Tabellenzweite aus Baden-Württemberg hingegen brachte in dieser Saison schon Spielerinnen aus sechs Ländern zum Einsatz, darunter sportliche Schwergewichte wie GM Bela Khotenashvilli aus Georgien, die schon drei Punkte aus vier Partien holte. Ganz klar: Man will Meister werden, mit aller Macht. Keine einzige deutsche Spielerin ist im Kader, dafür wimmelt es nur so vor internationalen Titelträgerinnen, die eingeflogen werden. Wie gesagt: ein ganz anderer Ansatz. Das kann man auch kritisch sehen mit Blick auf die Förderung des deutschen Frauenschach. Aber keinen in Chemnitz macht das neidisch. Im Gegenteil. Man gönne es der Konkurrenz, auf solche Titelträgerinnen setzen zu können, auch das mache den Reiz der Liga aus, heißt es beim Aufsteiger aus Sachsen. Und ja es sei sogar „toll, wenn Vereine die finanziellen Mittel haben, internationale Topspielerinnen in der Frauenbundesliga aufstellen zu können“, so Anne Czäczine: „Gerade das macht es für uns ja auch so besonders.“ Dabei denkt sie vor allem auch an all die jungen Akteurinnen wie ihre Töchter, die das Abenteuer Bundesliga genießen sollen – sich entwickeln, ganz ohne Ergebnisdruck. Lasst die Spiele in Chemnitz beginnen! (mw)
// Archiv: DSB-Nachrichten - Frauenschach // ID 36933