6. Februar 2026
„Erfolg”, sagt Nadja Jussupow, „ist nicht nur eine Frage der Quantität. Erfolg wird auch im Schachsport vor allem an Medaillen gemessen.” Ja, wer die Frauenschach-Referentin des Deutschen Schachbundes kennt, der weiß nur zu genau: Sie ist ambitioniert. So freut sie sich nicht nur über ihr aktuelles Erfolgsprojekt „Super Tuesday Mädchenschach“, dass bei vier Onlinetrainings mit prominenten Trainerinnen schon über 300 Teilnehmerinnen angezogen hat – sie denkt schon weiter. Gemeinsam mit Bundesnachwuchstrainer Bernd Vökler und Tatjana Melamed hat die Schachschule von Artur und Nadja Jussupow nun die nächste Projekt-Stufe gezündet. Oder, wie es Vökler formuliert: „Jetzt beginnt der leistungssportliche Teil.“
Zweimal im Monat bittet WGM Tatjana Melamed seit Januar zum Online-Auswahltraining. Aus dem Kreis jener, die am „Super Tuesday“ teilnehmen, wurden bisher zwölf Spielerinnen aus der Altersklasse U12 in ihre spezielle Trainingsgruppe aufgenommen – Melamed und Jussupow werden so quasi zu Perlen-Taucherinnen. „In dieser kleinen Gruppe haben wir nicht diesen großen Leistungsunterschied wie beim Massentraining“, sagt Melamed, die auch Landestrainerin in Sachsen-Anhalt ist. Die neue Leistungssport-Gruppe ist dynamisch, es kann stetig Zu- und Abgänge geben. „Wir schauen genau hin, wer ehrgeizig ist, trainingsfleißig und unserem Entwicklungsprofil entspricht“, so Melamed im Gespräch mit dem DSB-Team Öffentlichkeitsarbeit. Sie setze auf mutige Spielerinnen, die auf 1. e4/e5 setzen, sich über offene, taktische Partien freuen würden. „Wir wollen Mädchen, die eine gute Struktur des Spiels früh im Blick haben“, so Melamed.
Und natürlich, so die erfahrene und erfolgreiche Trainerin, die in diesem Fall im Auftrag des DSB auf Honorarbasis arbeitetet, erhoffe man sich von diesem zweimal im Monat stattfindenden Power-Training bereits im Sommer Erfolge. Dann sollen im Juli vermutlich zwei Zweier-Mädchenteams bei der Mannschaftseuropameisterschaft U12w im tschechischen Pardubice auf Edelmetall-Jagd gehen.
„Diese wirklich wertvolle Initiative wurde von der Frauenkommission angestoßen und über die Schachschule technisch umgesetzt“, betont Bernd Vökler: „Was Tatjana Melamed hier macht, ist eine gezielte, professionelle Vorbereitung auf diese Meisterschaft.“ Man setze darauf, dass unter den Mädchen ein großer Ehrgeiz vorhanden sei, sich für Pardubice zu qualifizieren. Mit dabei sind laut Vökler auch die U12-Kaderspielerinnen, wie Yuefan Chen, die sich zum Training aus Peking zuschaltet. Während es in Deutschland früher Nachmittag ist, dauert das Training für sie bis nach Mitternacht.
Man habe, so Melamed, über den „Super Tuesday“ auch bereits Spielerinnen entdeckt, „die wir bisher noch nicht auf dem Radar hatten, weil sie zum Beispiel aus kleinen Vereinen kommen“. Wie Sara Ito, Jahrgang 2015 – für Melamed ist die Oberbayerische Meisterin von 2025 eine echte Entdeckung. „Nicht immer sind Elozahlen entscheidend“, sagt Melamed, „wir achten eher auf die Einstellung der Mädchen. Haben sie wirklich Lust, sich zu verbessern? Brennen sie für Schach?“ Viele Eltern würden ihre Mädchen anmelden – aber die Kinder selbst seien bisweilen gar nicht so scharf auf ein solches Spezialtraining. „Das sehen wir sehr schnell, meist schon in der ersten Einheit“, so Melamed.
Aber auch vor Ort wird gesichtet. Beim Staufer Open Anfang Januar gab es eine Sichtung von Talenten. Parallel zur TASI, der großen Talentsichtung des DSB, Ende April in Arendsee gibt es zudem einen Live-Lehrgang. „Dort wird nicht nur trainiert, sondern auch die tatsächliche Nominierung vorbereitet. Das System ist offen gestaltet. Mädchen, die jetzt auftauchen, können noch reingenommen werden, während Schwächere die Gruppe verlassen müssen“, sagt Vökler. Netter Nebenaspekt, laut Bundestrainer: „Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass Trainingsfreundschaften in jüngeren Jahren meist ein ganzes Schachspielerinnen-Leben anhalten. Judith Fuchs und Melanie Ohme/Lubbe, Hanna Marie Klek und Filiz Osmanodja, Luisa Bashylina und Svenja Butenandt - um nur einige Beispiele zu nennen.“
Pardubice sei als Turnier auch deshalb so besonders, weil dort über 3000 Spieler und Spielerinnen in Dutzenden Turnieren von Schach über Bridge, Poker, zu Magic und Rubik Cube zusammenkommen. Und nicht zuletzt hat 2019 Deutschland in Pardubice einen Erfolg feiern dürfen: Die Mädchen Annmarie Mütsch und Jana Schneider mit Tatjana Melamed als Trainerin holten Silber. WGM Jana Schneider ist übrigens die nächste Trainerin im offenen Training, dem „Super Tuesday“. Der findet am 24. Februar statt. Wie gehabt für Mädchen der Altersklasse U11 und U12 - aber auch etwas ältere Teilnehmerinnen sind laut Jussupow willkommen. Zudem sind deutschsprachige Mädchen aus anderen Ländern eingeladen. (mw)
Die Teilnahme ist kostenlos. Anmeldung: per E-Mail an Nadja.Jussupow@t-online.de.
Training mit Carmen Voicu-Jagodzinsky
// Archiv: DSB-Nachrichten - Frauenschach // ID 36928