Wenn sich der ruhmreiche FC Bayern über einen Aufstieg freut...

26. Februar 2026

Holger Werner mit seinem Aufstiegsteam

...dann ist Schach und nicht Fußball. Frauen-Bundesliga: Das SZ Seeblick und Bayern München schaffen den sofortigen Wiederaufstieg. Und dann sind da noch die Routiniers des SC Rotation Pankow.

Forever Number One – so heißt der Titel einer Vereinshymne des FC Bayern München. Der Stern des Südens (ein weiterer Hymnen-Titel) definiert sich im Grunde nur über Titel und Erstklassigkeit. Das weiß auch Holger Werner. Wenn er aber auf diesen Anspruch des deutschen Fußball-Rekordmeisters angesprochen wird, muss er doch ein wenig schmunzeln. „Als Schachverein sind wir kein so großes Licht, als dass wir die Gene des Fußball-Vereins so einfach umsetzen könnten“, sagt der Mannschaftsführer der Schach-Frauen des FC Bayern. Sein Ensemble ist aber immerhin nach nur einem Jahr in der Zweitklassigkeit in die erste Bundesliga zurückgekehrt. Und das ohne einen einzigen Punktverlust. Man könnte also behaupten: Vereinsziel und -anspruch erfüllt! Werner sagt, der Aufstieg sei „keine Pflicht“ gewesen, aber ihn konzentriert anzugehen, könne man nun als „gelungenen Versuch“ bezeichnen. Mit den Bayern-Frauen steigen zwei weitere Teams auf, deren sportlicher Ansatz nicht unterschiedlicher sein könnte: Der SC Rotation Pankow – und das Schachzentrum Seeblick aus Dippoldiswalde.

Zweite Liga West - Brigitte Burchardt und Co. fragen sich: Sollen wir - oder sollen wir nicht.

Während in der Frauen-Bundesliga gerade mal knapp die Hälfte aller Spieltage absolviert sind, alle Entscheidungen im Meisterschaftrennen und im Abstiegskampf noch offen sind, stehen die Aufsteiger allesamt bereits fest. Zumindest auf dem Papier. Denn da gibt es noch einen Wackelkandidaten. Das DSB-Team Öffentlichkeitsarbeit fasst die Lage nach dem Aufstieg zusammen.

Blickpunkt Berlin, die West-Staffel der zweiten Liga: Natürlich schickte Paul Meyer-Dunker, der Präsident des Berliner Schachverbandes, sofort eine Glückwunsch-Nachricht an die stärkste Spielerin des SC Rotation Pankow: Brigitte Burchardt. Sie wurde im Jahr 2024 Senioren-Europameisterin und im Monat darauf sogar Weltmeisterin in der Altersklasse Ü65 – und kam im hohen Alter von 70 noch zum Titel WGM. Die Spielerin aus Falkensee fügte nun ihrer langen Erfolgsstory im Schachsport ein weiteres Kapitel hinzu: Sie stieg mit dem SC Rotation in die Bundesliga auf. Doch auf seine Glückwünsche erhielt Paul Meyer-Dunker eine eher zurückhaltende Antwort von Burchardt: Der Verein prüfe noch, ob er den Aufstieg überhaupt wahrnehme. Würde das nicht passieren, so Paul Meyer-Dunker, fände er zwar schade – aber er hätte durchaus Verständnis. Dafür reicht ein Blick auf die Webseite und die Mitglieder-Daten des Vereins, dessen Vereinsspieler im Schnitt 57 Jahre alt sind. Die Aufsteigerinnen in die Bundesliga sind für Meyer-Dunker allesamt Akteure, „die über Jahrzehnte die Flagge des Frauenschachs in Berlin hochgehalten hat“. Viele Jahre alleine, bis Meyer-Dunker auch andere Clubs aktivieren konnte, den Frauen- und Mädchenschachbereich zu fördern. Heute habe man sieben Top-Frauenclubs in Berlin, sein eigener Heimatverein TSG Oberschöneweide stiegt gerade mit den Frauen in die zweite Bundesliga auf.

Zurück zu Rotation: Die Spielerinnen sind allesamt bereits im gesetzteren Alter, viele haben schon vor geraumer Zeit große Erfolge in der Bundesliga gesammelt. „Für mich sind das alles Grandes Dames des Berliner Schachsports“, so der Berliner Verbandschef mit einem Lächeln, „Spielerinnen, die jetzt quasi ihren dritten Frühling erleben“, wohlgemerkt: nicht zweiter Frühling, „mit Brigitte Burchardt als toller Anführerin.“ Aber da der Verein keine Nachwuchsarbeit betreibe, sei die Überlegung, ob lange Bundesliga-Reisen für das Damen-Ensemble überhaupt Sinn machen, durchaus verständlich. Noch bleibt Zeit zum Nachdenken und Abwägen, die Meldefrist für die Frauen-Bundesliga läuft bis 30. Juni. (mw)

Endstand in der zweiten Liga, Staffel West

Das Aufstiegsteam: SC Rotation Pankow

Br. Titel Spieler Land DWZ Elo
1 WGM Brigitte Burchardt 2060 2085
2 WIM Constanze Jahn 1995 2042
3 WIM Antje Göhler 1996 2014
4 WIM Annett Wagner-Michel 1960 1982
5 WFM Sylvia Wolf 1980 1990
6 Sibylle Heyme 1902 1938
7 WIM Iris Mai 1862 1967
8 WFM Eveline Nünchert 1848 1977
9 Gudula Seils 1856 2026

Zweite Liga Ost: Die Peglaus sind wieder da.

Blickpunkt zweite Liga Ost: In einem dramatischen Foto-Finish rettete sich das Schachzentrum Seeblick, Im Volksmund auch gerne das Schachzentrum Peglau genannt, über die Ziellinie. Im direkten Duell gegen die punktgleich SG Löberitz wurde mindestens ein 3:3 benötigt – und genau dieses Ergebnis wurde erreicht. Aufstieg dank mehr Brettpunkten. Das alles wurde klargemacht im großen Saal des Haus Seeblick, wo die neunköpfige Familie Peglau wohnt. „Die Entscheidung war knapp, aber ich ziehe den Hut vor der Nervenstärke der Spielerinnen“, sagte Bundesnachwuchstrainer Bernd Vökler, „es kann Blockaden auslösen, wenn man so unter Druck steht – aber sie haben das in positive Energie umgewandelt.“ Vor allem für die DSB-Kaderathletinnen Dora Peglau und Charis Peglau, beide 17 Jahre alt, freue ihn der Aufstieg ungemein, auch das zeige, „dass sie in der absoluten Spitze angekommen sind“. Die Bundesliga mit ihren Duellen gegen internationale Topspielerinnen werde die Förderung der Talente weiter abrunden. Noch im März wird Vökler dem SZ Seeblick in Paulsdorf einen persönlichen Besuch abstatten, wo die Talente von Großmeister Henrik Teske trainiert werden.

Auch die neue Saison werden Mutter Adelheid Peglau und Vater Markus Peglau managen. So wie schon nach dem ersten Bundesligaufstieg 2024, der leider kein Happyend fand – der prompte Abstieg erfolgte erst bei der Zentralen Endrunde in Deggendorf. Man werde, so kündigte jetzt Markus Peglau an, nichts anders machen als damals: „Nach jetzigem Stand stehen wir weiterhin zu unserem Aufstellungskonzept.“ Soll heißen: Im Team steckt auch weiterhin viel Peglau, kombiniert mit einem Schuss Routine und Freundinnen der Mädchen. Neben den Zwillingen Charis und Dora, die am Abitur basteln, sind auch Sarah Peglau, 22, die in Italien studiert, und Mirjam Peglau, 21, die eine Ausbildung bei der Polizei absolviert, im Kader. Am Ende hieß es für alle: Durchschnaufen nach einer nervenaufreibenden Saison, so Markus Peglau: „Es war ein hartes Stück Arbeit gegen den nominell stärkeren Tabellennachbarn aus Löberitz und sehr, sehr spannend.“ Doch in den Endspielen war dann rasch klar: Das würde reichen. „In der letzten vielleicht halben Stunde waren die Messen faktisch gesungen, es war da nur noch die Frage, ob wir Löberitz würden schlagen können - oder ob wir uns mit dem Minimalziel des Gesamtunentschiedens zufriedengeben müssen, was dann ja auch eintrat.“

Endstand in der zweitem Liga, Staffel Ost

„Der Aufstieg stand natürlich ganz oben auf unserer Wunschliste, war aber unter anderem durch das Arrangement des Spitzenkampfes erst am Finaltag bis fast ganz zum Schluss sportlich angefochten“, bilanziert Markus Peglau: „Der Gegner bot denn auch im genauen Wissen um die Bedeutung des Matches seine beste Mannschaft auf. Die letztliche Knappheit der Entscheidung gibt dem Ganzen noch zusätzliche dramaturgische Würze. Daher wissen wir es sehr wohl zu würdigen, welche Hürde hier genommen wurde. Natürlich haben wir das in einem Restaurant gebührend gefeiert und freuen uns riesig auf die erste Bundesliga.“ Für viele ist es schlichtweg das Comeback der Sympathieträger - ein Projekt mit ganz viel Herz und Familiensinn, wie wir es auch in unserer Serie beschrieben haben. (mw)

Familie Peglau rockt die Bundesliga

Die Peglaus und ihr Privattrainer

SZ Seeblick Dippoldiswalde

Br. Titel Spieler Land DWZ Elo
1 WFM Charis Peglau 2182 2228
2 WFM Dora Peglau 2088 2118
3 WIM Dr. Gundula Heinatz 2054 2047
4 WIM Ulrike Rößler 2018 2050
5 Rebecca Browning 1954 2016
6 Mirjam Peglau 1999 1984
7 Sarah Peglau 1821 1878
8 WFM Dr. Anita Just 1898 1937
9 Lena Hentschel 1621 1724
10 Lorena Peglau 1501 1537
11 Louise Deborah Peglau 1034

Zweite Liga Süd und Meister Bayern: "Auch weiterhin kein Geld für Spielerinnen."

Der Blick in die zweite Liga Süd, wo Meister Bayern München unbeirrt seine Kreise zog. Auch hier bleibt man seinem Konzept treu. „Es wird dabei bleiben, dass wir keiner Spielerin Geld fürs Spielen geben werden“, so Mannschaftsführer Werner, und am liebsten wolle man auch weiterhin auf Spielerinnen aus der Region Süddeutschland und Österreich setzen: „Wir werden unsere Herangehensweise nicht ändern, die Mannschaft ist einigermaßen konstant wird zusammenbleiben. Der Unterschied zu den Topteams ist auch nominell riesig, und wäre nur mit einem nahezu komplett neuen Team auszugleichen.“ Soll heißen: Abstiegskampf ist wieder eingeplant. „Wir versuchen auf jedem Niveau für Spielerinnen attraktiv zu bleiben und auch langsam weitere Jugendspielerinnen ins Team einzubauen, wie in diesem Jahr schon geschehen.“ (mw)

Endstand in der zweiten Liga, Staffel Süd

FC Bayern München

Br. Titel Spieler Land DWZ Elo
1 WFM Svenja Butenandt 2225 2208
2 WIM Veronika Exler 2107 2154
3 WIM Jasmin-Denise Schloffer 2145 2138
4 WFM Chiara Polterauer 2139 2156
5 WFM Nikola Mayrhuber 2046 2026
6 WCM Algi Acarbay 2030 2017
7 Dr. Helene Giss 1991 2033
8 WFM Dr. Anita Stangl 1984 1995
9 WIM Nellya Vidonyak 2063 2084
10 Charlotte Prokscha 1691 1689
11 WIM Milka Ankerst 1853 1909
12 Kashika Paliwal 1580 1722

// Archiv: DSB-Nachrichten - Frauenschach // ID 36946

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