24. November 2025
„Es war ein wunderbarer Auftakt, rundum gelungen“, schwärmte Sandra Schmidt am heutigen Montag in aller Frühe. Sie war noch ein bisschen müde, weil sie erst um 2.30 Uhr in Wien, an ihrem neuen Arbeitsort angekommen war. Nach über 800 Kilometern Autofahrt. Schmidt ist mittlerweile Geschäftsführerin beim Österreichischen Schachbund - derzeit noch in Teilzeit, ab Januar dann in Vollzeit. Was sie aber, zumindest für diese Saison, auch noch bleibt: Chefin der Deutschen Schach-Amateurmeisterschaft. Und die neue Serie startete am Wochenende in Bad Wildungen. Wo auch sonst? Sechsmal war die Kleinstadt mit Heilbäderzentrum und Kurort im in Nordhessen schon Startpunkt, zweimal ja sogar Finalort. Mit 336 Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein eher kleines Turnier, weil schlicht die Räumlichkeiten begrenzt sind. Schon in vier Wochen werden es in Bonn deutlich über 700 Spielerinnen und Spieler sein – die Warteliste wurde am Wochenende eröffnet. Aber nun erstmal Bad Wildungen – wo wieder wunderbare Geschichten geschrieben wurden. Nehmen wir die von Jonathan Vockert. Er ließ während des gesamten Turniers sein Handy im Organisations-Büro eingeschaltet liegen – aus gutem Grund. Seine Gattin ist in der 39. Woche schwanger. „Es kann jederzeit losgehen“, rief er dem Orga-Team zu, das nun noch eine Aufgabe mehr zu bewältigen hatte. Letztlich kam es auch nicht dazu, dass er vom Brett und den Kreißsaal eilen musste - aber er brachte schon einmal ein schönes Geschenk für den kommenden schachspielenden Nachwuchs mit nach Hause.
Vockert vom SC Grauer Turm Fritzlar gewann den ersten von der Emanuel Lasker Gesellschaft gestifteten Buchpreis. Die ELG feiert im kommenden Jahr ihr 25jähriges Bestehen und ist deshalb für diese Saison DSAM-Kooperationspartner. Zum Auftakt wurde von der Lasker-Gesellschaft das epochale Werk von Professor Frank Hoffmeister „Chess Theory from Stamma to Steinitz (1735-1894)“ mit persönlicher Signatur verlost – der glückliche Gewinner ist der werdende Vater.
Besonders am Turnier ist Bad Wildungen, laut Sandra Schmidt: „Wir hatten zwei Gruppen-Siegerinnen – das kommt nicht häufig vor.“ Ebenso wenig wie drei Frauen, die in der A-Gruppe mitspielen – und dann auch noch erfolgreich sind. WGM Carmen Voicu-Jagodzinsky kam punktgleich auf Platz zwei hinter Florian Stricker. Kirsten Bünte vom Rhedaer Schachverein von 1931 gewann sogar die C-Gruppe. Das Kunststück gelang auch DSB-Talent Michelle Trunz (SG Porz). Sie siegte in der B-Gruppe. Der Glaube an die eigene Stärke der Bundesligaspielerin des SV Hemer war dabei so groß, dass sie bei der Siegerwette auf sich selbst setze – und auch noch diesen Preis abräumte. Nett: Auch Schwester Tamila Trunz hatte auf ihre eigene Schwester als Gruppensiegerin getippt.
Was war sonst noch bemerkenswert? IM Georgios Souleidis von Hauptsponsor Chessemy gibt es jetzt auch auf lebensgroßen Bannern – ideal für Selfie-Jäger. Frank Deckert gewann die E-Gruppe – und das bei seiner 99. Turnierteilnahme. Ganz klar, was das Ziel für die 100. Auflage in Bonn ist. Die Spielerinnen und Spieler ließen sich von Gast-Großmeister Thomas Pähtz nicht abschrecken, der ankündigte, er werde ihre Partien „einigermaßen auseinandernehmen“. Der Andrang bei der Analyse war wieder riesig. Für Lukas Gottschling gab es von Pähtz übrigens noch ein Präsent: Der Neunjährige hat nach Ansicht des Großmeisters die beste Partie gespielt und bekam ein Buch von GM Elisabeth Pähtz ("Wer den vorletzten Fehler macht, gewinnt") mit Widmung. Beliebt auch der Bücherstand von Bernhard Jehle (Chessware). Pairing-Officer Frank Jäger überraschte zudem mit einer Neuerung: Gab es bisher die Ergebnisse immer erst nach der Runde, hat er nun sein Programm so verbessert, dass man live die Ergebnisse bekam – während der noch laufenden Runde wurden sie von Schiedsrichter Hugo Schulz erfasst. Ein toller neuer Service für alle bei einem Turnier, das einmal mehr zeigte, wie sehr die DSAM Generationen verbindet: Klaus Schöler war mit 87 Jahren der älteste Teilnehmer, Garegin Grigorian mit sieben Jahren der jüngste. Manches Siegerbild sieht in diesem Jahr etwas leer aus, weil mancher nur noch nach Hause wollte - es hatte eine Schnee-Unwetterwarnung gegeben. (mw)
Gruppe A:
Gruppe B:
Gruppe C:
Gruppe D:
Gruppe E:
Gruppe F:
Gruppe G:
// Archiv: DSB-Nachrichten - Breitenschach // ID 36850