3. Februar 2026
„Das war richtig klasse“, schwärmt Sandra Schmidt. Die Turnierchefin der Deutschen Schach-Amateurmeisterschaft hat wahrlich schon viel erlebt – aber dieses Turnier, das nur im Rahmenprogramm der DSAM in Ingolstadt stattfand, hat sie regelrecht begeistert. „Dieses Turnier hat tolle Geschichten geschrieben – von Frauen, die teilweise zum ersten Mal richtig Schach gespielt haben. Auch davon lebt unser Sport.“ Insgesamt 16 Frauen nahmen am zweiten Beginnerinnen-Turnier der DSB-Frauenschachreferentin Nadja Jussupow teil – die meisten kannten kaum mehr als die Grundregeln des Schachs. Danach waren sich alle einig: Dieses Turnier passt zur DSAM wie die Dame zum König. Wenn es irgendwie machbar ist, so Schmidt und Jussupow, soll es ab sofort fester Bestandteil der DSAM werden - diesem inklusiven Turnier, bei dem diesmal der jüngste Teilnehmer (Otto Hamann) acht Jahre alt war, und der älteste, Siegbert Humeda, 83.
Irgendwie sinnbildlich für den Geist dieser Veranstaltung war auch der junge Teilnehmer Benjamin Schiekofer, Jahrgang 2010, der aus der Ingolstädter Lokalpresse erfahren hatte, dass die DSAM in seiner Nähe Halt macht. Er hat noch nie leibhaftig mit einem Gegner am Schachbrett gesessen, sondern bisher nur online gespielt. Kein Problem, Pairing-Officer Frank Jäger und sein Team besorgten ihm eine FIDE-ID – und er konnte sein erstes Turnier spielen. „Das hat total Spaß gemacht“, sagt Schiekofer, „jetzt muss ich mir nur noch einen Verein suchen.“ Die DSAM als Magnet.
Kurz nochmal zurück zum Anfängerinnen-Turnier. Es fand im Analyseraum der DSAM im Maritim statt. Hier, wo der Gast-Großmeister Léon Mons in seiner ruhigen und sachlichen Art auf alle Spielerinnen und Spieler einging: „Was war die Idee dabei? Und warum hast Du nicht diesen Zug gespielt.“ Wer eine schnelle Analyse „wie vom Band“ erwartet, der sei bei Mons falsch, bringt es Isabel Betz, die DSAM-Öffentlichkeitsarbeiterin, auf den Punkt: „Stattdessen entsteht ein ruhiges, angenehmes Gespräch. Gedanken dürfen reifen. Ideen dürfen sich entwickeln. Und wer genau hinhört, entdeckt dabei auch seinen feinen Humor – zurückhaltend, warm und genau richtig dosiert.“ Léon, so Sandra Schmidt, sei ein Spieler-Versteher mit psychologischem Geschick.
Die Frauen hat Nadja Jussupow zusammengetrommelt wie der Rattenfänger von Hameln in der gleichnamigen Volkssage die Kinder der Stadt – und das ganz ohne Pfeife. Erst saßen da nur zwei Frauen, die sich angemeldet haben, sagt Sandra Schmidt, dann zog Jussupow über die Flure und durch das Foyer und sammelte all die anderen ein. Ein Beispiel: Der 13-Jährige Lev Elkin spielte in Ingolstadt seine zehnte DSAM. Die Mama Irina ist immer dabei. Aber sie spielt selbst eigentlich kein Schach. „Sie hat sich auch in Ingolstadt gewehrt, bei dem Anfängerinnenturnier mitzumachen“, sagt Sandra Schmidt, „obwohl auch der Sohn sie gebeten hat. ‚Nein, auf keinen Fall spiele ich‘ hat sie gesagt.“ Aber dann habe „Nadja sie auf ihre Weise überzeugt“. Und wer Jussupow kennt, der weiß: Sie kann sehr überzeugend sein… Und da saß Irina Elkin nun, spielte tatsächlich Schach. Sohnemann Lev kam dann aus seiner Partie, die vier Stunden gedauert hat. Er war völlig erschöpft. Aber dann hörte er, dass seine Mama mitgespielt und sogar gewonnen hat – und brach in großen Jubel aus. Eine wunderschöne Szene. Später half er seiner Mutter sogar bei der Notation. Am Ende wurde Irina Fünfte, Turniersiegerin wurde Claudia, die danach strahlte: „Das war so aufregend, ein tolles Erlebnis. Mein Blutdruck geht jetzt richtig durch die Decke.“ Vier Runden wurde gespielt. Und ja, es gab sehr viele kuriose Szenen bei diesem Turnier – Beispiele: Da machte der Springer als ersten Zug den Weg auf e3 – oder zwei Spielerinnen haben drei Züge lang nicht gesehen, dass eine Dame angegriffen wurde. „Auch die Rochade und Umwandlungen musste ich häufiger erklären. Und einmal freute sich eine Teilnehmerin, dass sie Schwarz Matt gesetzt hat – ich musste ihr leider sagen, dass sie selbst auch im Schach stand“, sagte Nadja Jussupow: „Das waren wirklich wieder sehr schöne Geschichten. Ich freue mich sehr, dass auch die Organisatoren der DSAM von dieser lockeren Form eines Turniers sehr begeistert sind.“
Mal sehen, ob es etabliert werden kann – da Nadja Jussupow natürlich nicht immer mit dabei sein kann. Sie will versuchen, hier Hilfe von den Frauenschach-Referentinnen der Landesverbände zu bekommen. Apropos Etablierung: Ingolstadt (wo es erstmals für die Gruppensieger Fluggutscheine von Condor gab), mit 417 Aktiven und somit mehr als hundert Teilnehmern und Teilnehmerinnen mehr als vergangenen Saison, scheint zum festen Termin zu werden. „Wir haben oft gehört, dass die Leute wiedergekommen sind, weil es letztes Jahr so toll war“, sagte Sandra Schmidt. Auch Ingo Thorn, der Präsident des Bayerischen Schachbundes, betonte, er freue sich sehr über diesen zusätzlichen Farbtupfer im Turnierkalender des Freistaates. Er brachte Geschenke für das Orga-Team mit und sagte: „Ein wirklich wunderbares Turnier. Das muss nächstes Jahr unbedingt wieder stattfinden.“ Soviel sei verraten: Die Verhandlungen laufen schon. Zusätzlich, so Schmidt, würde sie gerne auch eine Etappe in Baden-Württemberg ausrichten. „Es ist zwar im Süden nicht ganz leicht, weil vieles teurer für uns als Veranstalter ist“, sagt sie, „aber es gibt hier so viele DSAM-Fans, dass eigentlich zwei Turniere im Süden stattfinden müssten.“ (mw)
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