23. Januar 2026
Der eiserne Falk. Die Freie Presse hat ihn schon zum Vogtlandsportler der Woche gekürt. Und in einem Artikel einen Pendler zwischen den Welten genannt. Denn Falk Blechschmidt ist nicht nur Schachspieler der SG Waldkirchen, sondern auch Triathlet. 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und dann noch 42 Kilometer Laufen. Der Mann hat offenkundig Muskeln aus Stahl - und Nerven aus Stahl. „Manchmal spiele ich so schlecht Schach – da wünsche ich mir, ich würde heute lieber einen Triathlon machen“, sagt er und lacht, „und manchmal bin ich auf der Laufstrecke, es ist heiß und anstrengend - und denke mir: Lieber säße ich jetzt eigentlich bei einer Partie Schach.“ Falk Blechschmidt, 60 Jahre alt, wird in der kommenden Woche bei der Deutschen Schach-Amateurmeisterschaft in Ingolstadt (30. Januar bis 2. Februar) eine besondere Ehrung erhalten: Die DSAM-Ehrenplakette für sein 75. Qualifikationsturnier, diesmal in der D-Gruppe. Es ist die Geschichte von einem vielseitigen Athleten mit unstillbarem Bewegungsdrang, bei dem man sich vor allem über eines wundern muss: Dass er überhaupt stillsitzen kann.
Ach ja, fast wäre es untergegangen: Wenn er nicht gerade Rad fährt, schwimmt oder läuft, packt er noch in seinem eigenen Drei-Mann-Pflasterbaubetrieb mit an. Schwere körperliche Arbeit. Ein Pendler? Nein, eher ein Perpetuum Mobile. Immer in Bewegung.
Gut, dass er eine verständnisvolle Familie hat. Sie sind seine größten Fans. Tochter Franziska, 28 (hat auch eine Schach-Affinität) und ihre Schwester Ronja, 19. Zudem Gattin Reina. Sie ist immer mit dabei. In Ingolstadt spielt sie ebenfalls mal wieder die DSAM, in der G-Gruppe. Und auch bei den Triathlon-Wettbewerben tritt sie gerne mit an. Allerdings nur in den Kurzdisziplinen, die oftmals parallel zum Haupt-Wettbewerb stattfinden. 750 Meter Schwimmen, fünf Kilometer Laufen, 20 Kilometer Radfahren. Distanzen, denen Ehemann Falk längst entwachsen ist.
Liebe ist - wenn er auf der Strecke leidet, ihn noch lauter anzufeuern. „Wenn er aus dem Wasser kommt, rufe ich ihm schon die Zeit zu“, sagt Reina Blechschmidt, „an der Radstrecke möchte ich auch zwei, drei Mal präsent sein und ihn motivieren. Und im Ziel stehe ich immer und warte auf ihn.“ Allein ist er allenfalls mal beim Training. Mehrmals in der Woche werden alle Disziplinen geübt. „Sonst wird das nichts.“ Mindestens fünf bis sechs Stunden pro Woche trainiert er, vor Wettkämpfen sind es auch mal 20 Stunden. Jahrelang hat er darauf hingearbeitet, immer länger durchhalten zu können – bis zu seinem ersten Ironman-Triathlon in Kopenhagen 2021. Elf Stunden, 22 Minuten, 52 Sekunden. Manchmal war er auch schon über zwölf Stunden unterwegs. „Wenn es besonders heiß war. Dann kann es hart werden.“ Dann wird die Strapaze zur Willenssache.
Mittlerweile kamen längst weitere Ironman-Events hinzu, unter anderem in Frankfurt. Und er träumt vom weltberühmten Hawaii-Ironman. „Ich bin ein Wettkämpfer. Das ist in mir drin. Warum, weiß ich nicht“, sagt er. Gepackt habe ihn der Bewegungsdrang jenseits seines 30. Geburtstages. Sport wurde Teil des Alltags. Seitdem setzt er sich immer wieder neue Grenzen. Er ist schon immer gerne Rad gefahren und gelaufen. „Aber anfangs waren so lange Distanzen ja undenkbar“, sagt er, „das geht nur mit hartem Training. Früher habe ich gedacht: Marathon? Das schaffst Du nie. Aber es ist alles Trainingssache.“ Auf dem Trainingsplan steht auch Schach. Im Winter mehr, im Sommer weniger. „Vermutlich manchmal viel zu wenig, wenn ich sehe, wie ich bei manchen Turnieren spiele“, sagt er und lacht schon wieder. Dabei unterschlägt er gerne, dass er natürlich auch schon das ein oder andere Mal bei der DSAM brilliert hat. 2018 hat er in Koblenz-Lahnstein sogar gewonnen, in Bad Soden (2011), Aalen (2012) und Düsseldorf (2019) wurde er Zeiter. Generell gilt für ihn die Devise: „In einem gesunden Körper steckt ein gesunder Geist.“ Und deshalb liebt er beides. Schach und Extremsport. „Beides ist Kopfsache.“ Müsste er sich entscheiden, fiele ihm die Wahl schwer.
Nun also seine 75. DSAM-Etappe. Er wird auf der Bühne von der Turnier-Führungscrew mit Sandra Schmidt und Frank Jäger mit der DSAM-Ehrenplakette geehrt werden. "Ich habe auch schon gegen Falk gespielt", sagt Sandra Schmidt, "viele wissen vielleicht nicht, dass er sogar Triathlet ist - aber man sieht ihm schon an, dass er durch und durch Sportler ist." Wenn er mit seinen muskulösen Oberarmen die Figuren zieht...
Blechschmidt sagt, er habe bei der DSAM viele Freunde gefunden – auch das zieht ihn immer wieder an. Er bestreitet auch gerne Mannschaftskämpfe für seinen Verein – aber die DSAM, das sei schon seine große Schach-Leidenschaft. Er, der sich sonst vor keiner sportlichen Herausforderung fürchtet, hat allerdings ein bisschen Bammel, seine Ehrung in Empfang zu nehmen: „Ich gehe nicht so gerne hoch auf die Bühne, ich bin eher ein schüchterner Typ.“ Was es ihm bedeutet, einer der fleißigsten DSAM-Spieler zu sein? „Das ist schon schön“, sagt er und lacht gleich wieder: „Ich werde in dem Moment aber vor allem daran denken, wie viel Geld ich schon in Schach investiert habe.“ Das sagt einer, der viele Hobbies hat. Und alle sind ihm lieb und teuer. (mw)
// Archiv: DSB-Nachrichten - Breitenschach // ID 36912