30. Januar 2026
Die Deutsche Schach-Amateurmeisterschaft kommt nach Ingolstadt. Zum zweiten Mal, nachdem sie bis 2025 sieben Jahre gar nicht in Bayern Station machte. „Die Bayern haben schon gewitzelt, dass es die norddeutsche DSAM ist“, witzelt Turnierchefin Sandra Schmidt, zweifellos auch mit Blick auf den Präsidenten des Bayerischen Schachbundes, Ingo Thorn, der bei der DSAM als Ehrengast das Turnier eröffnen wird. „Jetzt wirkt es aber so, als könnten wir dieses Turnier richtig gut etablieren“, so Schmidt. Die Teilnehmerzahl im Maritim-Hotel an der Schlosslände, für viele Akteure eines der schönsten Maritim-Hotels, ist zum Vorjahr deutlich gestiegen – aktuell liegt sie bei 419 und damit schon um rund hundert Spielerinnen und Spieler höher als im vergangenen Jahr. Und das, obwohl der normale DSAM-Rhythmus (Donnerstag bis Sonntag) durchbrochen wird. Gespielt wird ausnahmsweise vom heutigen Freitag an (Blitzturnier) bis Montag. Das hänge, so Pairing-Officer Frank Jäger, damit zusammen, dass das Hotel nur an diesen Tagen die nötigen Kapazitäten zur Verfügung habe stellen können. In diesem Jahr wird das Ingolstädter Turnier zu einer Art Jubiläumsshow. Es gilt Rekordhalter zu ehren – mit der Ehrenplakette der DSAM. Darunter den ungekrönten König der DSAM, der nun doch seine Krönungsmesse bekommt: Frank Stolzenwald. Er sagt auf Anfrage des DSB-Teams Öffentlichkeitsarbeit: „Ich bin froh, etwas in meinem Leben gefunden zu haben, dass ich kontinuierlich, mit Ausdauer und wiederkehrender Freude betreibe.“
Einen haben wir schon vor einigen Tagen vorgestellt: Den Muskelmann am Brett, Falk Blechschmidt – Schachspieler und Triathlet. Ein echter Ironman, der nicht nur gut Schach spielen kann, sondern auch elf Stunden schwimmt, rennt und läuft... Die besondere Geschichte eines Sportlers, der so vielseitig ist wie ein Schweizer Taschenmesser. Und der sich schwer täte, müsste er sich entscheiden: Extremsport oder Schach? Also macht er beides - mit unheimlich langem Atem. Der 60-Jährige erhält seine Plakette für die 75. Teilnahme der der DSAM. Kaum zu glauben, aber wahr: Er rechnet selbst damit, auf der Bühne bei der Preisübergabe nervös zu werden. "Das liegt mir gar nicht, da so im Vordergrund zu stehen." Harte Muskeln, weiche Knie? Wir werden es in Ingolstadt erleben.
Ebenfalls 75 Mal dabei ist Bernd Wronn. Der 64-Jährige spielt für den FC St. Pauli – man könnte also sagen, er ist ein Vereinskollege vom größten Großmeister Magnus Carlsen. „Naja“, sagt Wronn, „das ist dann doch eher ein netter Marketing-Gag. Er ist zwar gemeldet für unsere Bundesligamannschaft, aber er spielt ja allenfalls ein, maximal zwei Mal für St. Pauli – wenn es sein voller Terminkalender erlaubt.“ Wronn, der selbst in der dritten St. Pauli-Mannschaft mitwirkt, fand es sehr schade, dass im vergangenen Jahr ein geplantes Treffen der Vereinsmitglieder nach dem Bundesligakampf mit dem Superstar nicht geklappt hat. Carlsen sei wohl zu erschöpft gewesen.
Tja, das ist dann halt nochmal eine andere Welt als die DSAM, wo die wahren Superhelden spielen, die sogar zwei Partien am Tag schaffen. Die DSAM, sagt Jubilar Wronn, von Beruf SAP-Berater, liebe er vor allem für ihre Ausgeglichenheit. Man überspringe oftmals deprimierende Vergleiche gegen deutlich Stärkere in den ersten Runden wie anderswo, weil man bei der DSAM ja bereits in eine Gruppe mit Gleichstarken eingeteilt werde. Und, daran erinnert er sich gerne, da schaffe man dann sogar mal einen Meistertitel. 2008 hat er (angetreten als Qualifikationssieger aus Halle an der Saale) sogar beim Finale die A-Gruppe gewonnen – völlig überraschend, wie er sagt. „Ich hatte mir keine Chance ausgerechnet, hatte auch schon ausgecheckt aus dem Hotel und die Heimreise geplant.“ Am Ende aber setzte er sich mit vier Punkten durch. Es war beileibe nicht sein einziger Triumph. Weitere erste Plätze schaffte er 2004 auch in Hamburg, 2012 in Magdeburg, 2016 in Bad Soden und 2017 nochmal in Magdeburg. Hinzu kommen vier zweite Plätze – zuletzt 2022 in Bad Wildungen. Nun also die Ehrung. „Ich freue mich“, sagt er nüchtern.
Ebenso abgeklärt wirkt Frank Deckert. Er spielt in Ingolstadt sogar seine 100. DSAM. Und sagt: Die Plakette sei ihm eigentlich gar nicht so wichtig. „Mir geht es ums Schachspielen.“ Und darum, „mal Entspannung vom Job zu finden, aus dem Alltagstrott rauszukommen“. Wunderbare Motive, die dieses Turnier ebenfalls sehr gut charakterisieren. Wronn und Deckert, sagt Turnierchefin Sandra Schmidt, hätten eines gemeinsam: „Sie sind eher ruhige und unauffällige Typen. Jeder kennt sie, weil sie sehr häufig da sind – aber sie sind halt sympathisch zurückhaltend.“
Die Reihenfolge der Ehrungen ist ja so: Silberner Springer (25 Teilnahmen). Goldener Springer (50), ab dann gibt es Ehrenplaketten in 25er-Schritten, unterschiedlich groß. „Die DSAM ist für mich die Möglichkeit, ein super Turnier zu spielen und dafür kaum Urlaub nehmen zu müssen“, sagt Frank Deckert, der auch schon seinen Jahresurlaub für Turniere in Österreich und der Schweiz opfern musste und das gerne vermeiden will: „Das geht aber sonst eigentlich nirgendwo. Für mich ist die DSAM deshalb perfek.t Zwei Partien pro Tag, tolle Organisation. Kurz und knackig – das liebe ich.“ Die Kompaktheit mag der IT-Consultant aus Göttingen, seit 2001 ist er mit dabei. „Die ersten Jahre habe ich recht wenig gespielt“, sagt er, der sonst für die SG Holzminden am Brett sitzt, dann wurde es zwischendurch sehr intensiv, „aktuell bin ich bei drei bis vier Turnieren im Jahr dabei.“ Sein Lieblingsspielort ist übrigens Ingolstadt. „Das Hotel hat einen unheimlich guten Service und tolle Zimmer“, schwärmt er. Passt ja zum Jubiläum.
Der „Hunderter“ Frank Deckert – so erstaunlich es klingt: Nur die Nummer zwei unter allen DSAM-Dauerbrennern. „Es ist eigentlich ein Wahnsinn, dass es da einen gibt, der noch deutlich mehr hat“, sagt Sandra Schmidt: „Jeder bei der DSAM kennt den Mann, den so schnell keiner einholen wird.“ Die unangefochtene Nummer eins ist Frank Stolzenwald. Er erhält die Ehrenplakette für 125 Turnierteilnahmen. Um genau zu sein, sind es in Ingolstadt schon 127 – von insgesamt 139 Turnieren. Eine DSAM-Legende. Seine Geschichte haben wir vor einem Jahr schon einmal ausführlich erzählt. Er sagt, es habe sich seitdem nichts an seiner Lebenssituation geändert.
Der „Hunderter“ Frank Deckert – so erstaunlich es klingt: Nur die Nummer zwei unter allen DSAM-Dauerbrennern. „Es ist eigentlich ein Wahnsinn, dass es da einen gibt, der noch deutlich mehr hat“, sagt Sandra Schmidt: „Jeder bei der DSAM kennt den Mann, den so schnell keiner einholen wird.“ Die unangefochtene Nummer eins ist Frank Stolzenwald. Er erhält die Ehrenplakette für 125 Turnierteilnahmen. Um genau zu sein, sind es in Ingolstadt schon 127 Teilnahmen – 127 von insgesamt 139 Turnieren. Eine DSAM-Legende. Seine Geschichte haben wir vor einem Jahr schon einmal ausführlich erzählt. Er sagt, es habe sich seitdem nichts an seiner Lebenssituation geändert.
Der 56-jährige Stolzenwald aus Ahrensburg ist der Spieler, der auch mal draußen übernachtet, um dabei sein zu können. Oder der darauf hofft, dass ihm – wie zuletzt im Januar in Potsdam – ein Schachfreund eine Übernachtung mit Frühstück sponsert. Mag auch so mancher wenig über ihn wissen, für einige ist er aufgrund seiner wortkargen Art sogar regelrecht geheimnisvoll – aber alle mögen ihn, der oftmals wie ein bunter Vogel (sehenswert: seine Kopfbedeckungen) am Brett sitzt und von Bürgergeld und Erwerbsminderungsrente lebt. Bei der DSAM, sagt er, sei halt jeder gleich, keiner schaue den anderen schräg an. Das sei das Schöne. Unter den rund 500 Turnieren, die er gespielt hat, betont er vor dem Turnier in Ingolstadt, sei die DSAM einfach die Perle. Stolzenwald: „Ich bin froh, etwas in meinem Leben gefunden zu haben, dass ich kontinuierlich, mit Ausdauer und wiederkehrender Freude betreibe.“ Ganz nebenbei ist er auch noch öußerst erfolgreich: Neunmal landete er schon auf Platz eins, ebenso oft auf Platz zwei. Seine erfolgreichste Saison: 2017, als er gleich fünf Mal auf dem Treppchen ganz oben stand.
Die Vorfreude auf Ingolstadt sei wieder sehr groß, sagt er. Er wird aus Bad Wörrishofen anreisen, wo er zuvor seinen Vater Karl-Heinz Stolzenwald besucht. „Dann frühstücken wir immer vor den Runden gemeinsam.“ In Ingolstadt nimmt er dann den Preis entgegen, nachdem er bereits beim Turnier in Bonn mit einer aufblasbaren symbolischen 125 und einem Gutschein der Kasparow Chess Foundation geehrt wurde. „Ob ich den Gutschein wohl nutzen kann?“, fragt er sich, schließlich geht es um Onlinetraining – und das sei für ihn nicht so einfach umzusetzen. Er mag lieber das Spiel am Brett. „Ein Plausch mit Turnierfreunden“, sei ihm wichtig. Und auch das macht ja bekanntlich die DSAM aus. (mw)
Die Deutsche Amateurmeisterschaft geht in Ingolstadt mit drei Neuerungen an den Start: Condor ist neuer DSAM-Partner. Volunteers werden die Handys der Teilnehmer verwahren – eine Maßnahme, die dem Anti-Cheating-Beauftragten des DSB, Klaus Deventer, wichtig ist. Neu ist auch das Beginnerinnen-Turnier von Nadja Jussupow. Nach der erfolgreichen Premiere beim Staufer Open ist das die zweite Ausgabe. Weitere werden folgen, sagt Nadja Jussupow. Eine Anmeldung kann ganz unkompliziert vor Ort in Ingolstadt erfolgen. Das Turnier, das seine Generalprobe beim Staufer Open feierte, beginnt zeitversetzt zur DSAM, damit Mütter, die zum Beispiel ihre Kinder begleiten, denen noch im Spielsaal viel Glück wünschen können – um danach zum eigenen Turnier zu gehen. Das Anfängerinnen-Turnier findet zwanglos im Analyseraum statt – der ideale Treffpunkt danach für Mütter und ihre Kids. Und ein weiterer, praxisnaher Beitrag zur Förderung des Mädchen- und Frauenschachs im DSB-Bereich. „Wir waren sofort begeistert von der Idee, so ein Turnier bei uns zu integrieren“, sagt Sandra Schmidt: „Eine tolle Idee von Nadja.“
In Ingolstadt wird Leon Mons als Gast-Großmeister zum Turnier Analysen ihrer Partien für die Teilnehmer anbieten. Die startet in Ingolstadt wieder mit einem offenen Blitzturnier powered by chessemy als Warm-Up am Freitag (ab 20.15 Uhr). Wer mal reinschauen will, wie so ein Blitzturnier abläuft, bekommt in dem kurzen Film des DSB-Teams Öffentlichkeitsarbeit vom Blitzturnier in Potsdam einen kleinen Eindruck. (mw)
// Archiv: DSB-Nachrichten - Breitenschach // ID 36915