1. Mai 2026
Die Deutsche Amateurmeisterschaft macht Station in Magdeburg. Es ist bereits das siebte Qualifikationsturnier im Maritim-Hotel. Am gestrigen Donnerstag ging es mit dem Blitzturnier los, ab heute folgen die drei Turniertage. Magdeburg – das ist ein quicklebendiger Schach-Standort. Auch die Heimat der Schachzwerge. Ein ganz besonderer Verein, mit über 900 Mitgliedern der größte Schachverein Deutschland, der sogar sein eigenes Schachhaus im vergangenen Frühjahr eingeweiht hat - und als Musterbeispiel für Talentförderung gilt. Die DSB-Öffentlichkeitsarbeit wollte wissen: Wie lebt es sich eigentlich als Schachzwerg? Und stieß dabei auf Luis Sanguinette, 12 Jahre alt. Der spielt seine zweite DSAM, gemeinsam mit seinem Vater Tobias Hintze, 45, und seinem Opa Axel Hintze, 71. Im letzten Jahr trafen Vater und Sohn in der Gruppe G sogar aufeinander - das fanden beide nicht gut. Und gemeinsam haben Luis, Tobias und Axel auch gerade den Staffelsieg in der Bezirksklasse Süd mit dem neunten Team des SC Aufbau Elbe Magdeburg errungen. Luis ist ein typischer Schachzwerg, gescoutet vom Verein bereits in der Kita, dann weiter betreut und ausgebildet in einem Schulprojekt der Schachzwerge. (mw)
Luis, Hand aufs Herz: Wie findest du den Namen „Schachzwerge“ – ist der für Kinder cool oder eher peinlich?
Ach, das ist nicht peinlich - weil es einfach nur ein Name ist. Und wir in Magdeburg sind ja auch sehr gerne Schachzwerge.
Zwerge sind ja klein – aber trotzdem stark. Wie groß bist du und wie stark bist du am Brett?
Zur Stärke: Meine Mannschafft und ich waren schon mal Landesmeister in Sachsen-Anhalt - und durften dann zu den deutschen Meisterschaften in Düsseldorf. Zu meiner Größe – da habe ich mal genau nach- und in Stärke umgerechnet: Ich habe eine DWZ von 1046, bin aber nur 1,40 Meter groß. Das heißt, ich habe 7,5 DWZ pro Zentimeter. Mein Papa ist größer, 1,79 Meter - hat aber nur etwa 7 DWZ pro Zentimeter.
Was unterscheidet „Schachzwerge“ von anderen Zwergen?
Ich würde sagen: Wir tragen keine roten Mützen – und wir sind nicht ständig emsig im Wald beschäftigt. Stattdessen sitzen wir stundenlang am Brett und denken nach. Wir sind halt ganz besondere Zwerge.
Was gefällt dir am Verein Schachzwerge Magdeburg besonders und wie oft trainierst du dort?
Der Verein ist super. Ich habe hier einige Schachfreunde, einer geht auch in meine Klasse. Ich trainiere zwei Mal die Woche eineinhalb Stunden – aber das Spielen macht natürlich am meisten Spaß.
Wie ist es für dich, als Kind bei der DSAM gegen so viele Erwachsene zu spielen? Und wie alt war Dein ältester Gegner? Duzt man sich dann trotz des Altersunterschiedes?
Ach, das ist völlig normal. Wie alt der Mann war? Das weiß ich nicht genau, schätzen würde ich ihn aber auf 75. Das ist ja völlig normal bei solchen Turnieren, ein Gegner wie jeder andere. Man sagt nicht „Du“ – schlicht, weil man ja eigentlich nicht mit dem Gegner redet.
Ärgern sich Erwachsene besonders, wenn sie gegen Kinder verlieren?
Um ehrlich zu sein: Darauf habe ich nicht geachtet.
Bei der letzten DSAM waren Dein Vater und Du in Gruppe D - und Ihr musstet gegeneinander spielen. Das fandet Ihr beide nicht gut. Dein Papa hat gewonnen und konnte sich nicht richtig freuen. Wann hast du deinen Papa und deinen Opa das erste Mal besiegt - und wie haben sie reagiert?
Meinen Opa habe ich noch nicht besiegt. Aber bei meinem Vater war es tatsächlich so: Er hat sich eher gefreut und war stolz, dass ich schon solche Fortschritte gemacht habe.
Ab welchem Alter ist man eigentlich kein „Schachzwerg“ mehr? Gibt es ein Schach-Leben nach der Zwergenzeit?
Nee, das ist mein Verein – und deshalb bleibt man ein Schachzwerg ein Leben lang.
Interview: mw
// Archiv: DSB-Nachrichten - Breitenschach // ID 37016