30. März 2026
Dirk Martens, der Präsident des Schachverbandes Schleswig-Holstein, war sichtlich vergnügt. Auf der Bühne zeigte er beim traditionellen Eröffnungssong „One Night in Bangkok“ zur Deutschen Schach Amateurmeisterschaft in Travemünde einige sehenswerte Hüftschwünge. Oder, wie es Turnierchefin Sandra Schmidt formulierte: „Das sah sensationell gut aus bei Dirk. Ansonsten müssen wir alle wohl noch ein wenig an der Choreografie arbeiten.“ Ja, Dirk Martens war gut gelaunt, bei „seiner“ DSAM im, wie er sagte, „schönsten Bundesland“. Zwar hätte das Wetter diesmal besser sein können, ein Teilnehmer sprach sogar von "Schietwetter", aber: Wer möchte Martens Einordnung widersprechen angesichts von Meeresbrise und wunderbarer Strände, die vor allem Turniermaskottchen Bella wieder ausgiebig genoss? Martens äußerte auch den Wunsch am Sonntag, die DSAM möge bitte auch 2027 wieder an der Ostsee stattfinden. Sein Wunsch, quasi Befehl für Sandra Schmidt. Sie tütete am Montagmorgen, gleich nach dem Frühstück, wieder den Vertrag mit dem Maritim Strandhotel, Veranstaltungschefin Julia Nodorp und Hoteldirektor Thomas Liedl, ein. Für viele DSAM-Teilnehmer und -Teilnehmerinnen ist der Frühlings-Schach-Urlaub damit also wieder gesichert.
Noch ein paar Worte zu Dirk Martens: Er brachte sich in mehrfacher Hinsicht bei der DSAM in seinem Bundesland ein. Er besorgte DGT-Bretter, half beim Abbau des Turniers – und kümmerte sich um die Teilnehmerinnen beim Beginnerinnen-Turnier. Das von DSB-Frauenschach-Referentin Nadja Jussupow ins Leben gerufene Format wird immer beliebter. Lara Schulze, DSB-Nationalspielerin, die ihre Mutter Stefanie Klawun-Schulze zur DSAM begleitete, schaute auch vorbei – und wurde mit Fragen gelöchert von den Teilnehmerinnen. Diesmal gewann Doreen Mattusch. Bezeichnend: Irina Elkin, Mutter von DSAM-Spieler Lev Elkin (13), die in Ingolstadt noch zum Mitspielen bei diesem Anfängerinnen-Turnier überredet werden musste, regte diesmal an, man könne doch fünf statt vier Runden spielen. So wurde es auch gemacht. „Total krass, wie sich dieses Turnier entwickelt“, sagt Sandra Schmidt. Zu einem weiteren Farbtupfer der bunten DSAM, für die auch Oliver Biermann steht. Diesen besonderen Teilnehmer hatten wir im Vorfeld von Travemünde portraitiert – nun erstellte er ein Video, das man auch als Hymne auf die DSAM verstehen kann. Motto: „Erschöpft, aber glücklich.“ Er habe wieder „viele tolle Leute kennengelernt.“ Schaut selbst:
Travemünde - das ist auch die DSAM mit Promi. The Big Greek war vor Ort. Bisweilen, ein Teilnehmer sagte danach, er habe schwer schlucken müssen, gnadenlos in seiner Analyse als Gast-Großmeister. Aber IM Georgios Souleidis nimmt als Profi das Ganze eben ernst – und hatte auch angekündigt, bei den Analysen nicht mit Wattebäuschchen zu werfen.
Unterdessen, auch das gehört zur DSAM, fraß Sandra Schmidt am Wochenende wieder Kilometer ohne Ende. Erst über 1.000 Kilometer von Wien, wo sie als Geschäftsführerin des Österreichischen Schachbundes arbeitet, bis nach Travemünde – und am heutigen Montag über Berlin nach Kaiserslautern (also nochmal rund 1.000 Kilometer), wo sie bei einem Gedächtnisturnier des Pfälzischen Schachkongresses für ihren leider viel zu früh verstorbenen Lebensgefährten Gregor Johann den Siegerpokal übergeben darf. Eine Herzenssache – und eine Geschichte, die zur Deutschen Schach-Amateurmeisterschaft gehört, wo das Familiäre viel zählt und Legenden unvergessen bleiben. (mw)
// Archiv: DSB-Nachrichten - Breitenschach // ID 36985