22. September 2025
Die Frauenbundesliga hat am Wochenende begonnen – ohne große Überraschung. Die großen Favoriten SC Bad Königshofen, OSG Baden-Baden und SK Schwäbisch Hall gewannen ihre beiden Duelle – und liegen gleich vorne. Wobei: Einen Knalleffekt auf dem Brett gab es doch. Paul Meyer-Dunker, der Präsident des Berliner Schachverbandes, ballte am Sonntag die Faust, „Das ist ziemlich genial“, schwärmte er, „eine faustdicke Überraschung.“ Am zweiten Spieltag besiegte Aufsteiger SC Kreuzberg das Liga-Urgestein Rodewischer Schachmiezen mit 3,5:2,5. Und das trotz teilweise sehr deutlicher Elo-Unterzahl an allen Brettern außer dem ersten, wo Neuzugang WIM Sonja Bluhm (2213 Elo) gegen WGM Fiona Sieber (2191) gewann. Meyer-Dunker: „Das zeigt, welch toller Geist in dieser Mannschaft herrscht und das auch gegen Mittelklasseteams was zu machen ist.“ Die Kreuzberger Mannschaftsführerin Brigitte Große-Honebrink sprach von einem "vollauf verdienten Sieg".
Die Kreuzberger Vereinschefin weiter: "Natürlich war auch Glück dabei, aber an den ersten Brettern waren wir auch rchtig gut. Ich glaube, die Schachmiezen waren überrascht und nicht darauf eingestellt, dass sie es mit einem Gegner zu tun haben, der Ambitionen in dieser Paarung hat und ihnen wehtun will." Kurzum: Kreuzberg hat die Krallen ausgefahren.
Die anderen Aufsteiger zahlten kräftig Lehrgeld. Und so zieren neben dem SV Hemer 1932 auch die Neulinge SK Freiburg-Zähringen 1887 und der Chemnitzer SC Aufbau 95 mit null Mannschaftspunkten erstmal das Tabellenende. Chemnitz traf es ganz hart – zweimal 0:6, gegen Meister Bad Königshofen (gegen den auch Kreuzberg 0:6 unter die Räder kam) und die Schachmiezen. Auch bei den Brettpunkten steht in Chemnitz nach der ersten Doppelrunde die null. Aber: Die junge Mannschaft hatte trotzdem Spaß. Eine große Ferienwohnung wurde gebucht, gemeinsam Italienisch gegessen. Man quizzte gemeinsam und ging in Bad Königshofen ins Naturkneippbecken.
Auf ihrer Webseite nahmen es die Chemnitzerinnen durchaus mit Humor. Vom Bundesliga-Traum(a) war die Rede. „Schachlich konnten wir leider nicht überzeugen“, so Teamchefin WIM Anne Czäczine, „positiv formuliert: eine geschlossene Mannschaftsleistung mit Luft nach oben.“ Hinterher wurde gerätselt, so Czäczine: „Es war doch um manche Partie schade, die viel zu schnell verloren ging. War es der Respekt vor der Gegnerin, die fehlende Spielpraxis, das Zeitmanagement…?“ Der Punktausbeute am nächsten kam Laura Czäczine in der zweiten Runde gegen WGM Tatjana Melamed, die fast 500 ELO-Punkten mehr auf dem Konto hat. Das zeigt schon, welch hohen Berg die Aufsteigerinnen aus Sachen bezwingen müssen. Zeit zur Erholung gibt es genügend, denn erst im November geht es weiter.
Unterdessen untermauerten auch andere ihre Ambitionen. Die SF Deizisau holten drei Zähler und führen das Verfolgerfeld an. Nach den Platzierungen drei, vier, sieben und acht in den Vorjahren hofft Teamchef Sven Noppes, dass es diesmal wieder in die obere Tabellenhälfte geht. Vorneweg mit Nationalspielerin WGM Hanna Marie Klek, die seit drei Jahren keine Bundesliga-Runde verpasst hat. (mw)
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