19. April 2026
Am Ende lagen Freud und Leid sehr eng beisammen, in einem einzigen Spielsaal. Im schönen großen Kursaal der Therme in Bad Königshofen. Vielleicht sind es genau jene emotionalen Szenen, die danach zu beobachten waren, die das deutsche Frauenschach ausmachen. Eine Bundesliga-Endrunde, bei der sich viele Schach-Freundinnen getroffen haben, ging jedenfalls heute mit sehr viel Empathie zu Ende. „Wir Trainer und Betreuer verstehen uns halt richtig gut“, sagte Eberhard Schabel, der Teamchef von TuRa Harksheide. „Wir haben uns gegenseitig gratuliert - und getröstet. Wir haben Hemer und dem spannenden Projekt aus Chemnitz gewünscht, dass sie schnell wieder hochkommen.“ Ja, nach dem SC Kreuzberg, der bereits seit gestern als Absteiger feststand, erwischte es auch die Mannschaften des SV Hemer 1932 und des Chemnitzer SC Aufbau 95. Sie müssen die Bundesliga verlassen. Der SK Schwäbisch Hall holte sich unterdessen den großen Siegerpokal, vor der OSG Baden-Baden und dem SC Bad Königshofen – verdientermaßen, denn das Ensemble aus Baden-Württemberg zeigte in der gesamten Saison seine große Klasse - und keine Schwäche. Drei finale Runden, drei imposante Siege. Das sagt alles. In diesem Jahr feiert der Verein sein 90-jähriges Bestehen. Der Meistertitel ist nun „ein sehr passendes Highlight“, sagen Erhard Steffen und Mario Meinel, der erste und zweite Vorsitzende des Vereins: "Bestätigung unserer erfolgreichen Arbeit."
Während der Titelgewinn für Schwäbisch Hall keinen mehr überraschte, gab es im Abstiegskampf noch viel Dramatik: Zum Abschluss hagelte es noch einmal emotionale Ergebnisse. Die großen Gewinner: Die SG Solingen besiegte am Schlusstag auch noch Absteiger Kreuzberg – und arbeitete sich noch auf Rang fünf vor – und das aus höchster Abstiegsgefahr. „Alleine daran kann man ablesen wie eng es in der Tabelle zuging“, kommentierte Rafael Müdder, der Solinger Teamchef. TuRa Harksheide siegte 3,5:2,5 gegen die Schachfreunde Deizisau. Acht Punkte reichten letztlich. „Wir sind happy“, sagte Schabel, sichtlich erleichtert. Der SK Freiburg-Zährungen besiegte Rodewisch – und ist auch mit acht Zählern über dem Strich. Eine starke Saison des Aufsteigers. Teamchefin Sarah Hund wollte danach auch nicht nur von Erleichterung sprechen. Es war sogar mehr: ein neues, kleines Schachwunder, pures Glück – jedenfalls mit Blick auf das schwere Restprogramm. „Da wir realistisch an das Wochenende rangegangen sind, hatte ich mit Abstieg gerechnet“, sagte Sarah Hund, aber: „Die Hoffnung war da - und wir haben heute unsere Chancen genutzt. Wir sind jetzt einfach nur glücklich.“
Die großen Verlierer – unter denen auch Gewinnerinnen sind: Der SV Hemer besiegte zum Abschluss den Chemnitzer SC Aufbau deutlich – und muss trotz überragender Brettpunkte-Statistik, die so gar nicht zu einem Absteiger passt, in Liga zwei. „Leider hat es nicht gereicht für uns. Alle sind jetzt natürlich traurig und enttäuscht“, sagte Mannschaftsführerin Dr. Elena Trunz: „Vor allem, weil wir gegen die Top-Mannschaften echt viele Punkte geholt hatten. Keine Mannschaft hat gegen die Gewinner mehr Punkte erzielt, als wir.“ Und doch hakten sie in Hemer die Saison schnell ab – und blieb sportlich fair: „Naja, was soll's, herzlichen Glückwunsch an die in der Liga Verbliebenen!“ Und Dr. Anne Czäczine, die Top-Spielerin des Chemnitzer SC Aufbau gab sich ebenfalls versöhnlich: „Weil es so knapp war und bis zuletzt offen, sind wir nach der Niederlage doch enttäuscht. Mit etwas Abstand wird aber die Freude über die schöne Saison überwiegen. Und der Stolz auf unsere Leistung und die sechs Mannschaftspunkte.“ Wie gesagt: So geht Frauenschach.
„Wir sind froh, dass am Ende der Fall Rodewisch nicht den Ausschlag im Abstiegskampf gegeben hat“, sagte Eberhard Schabel. Bei der Klassentagung der Vereine am Rnde des Turniers waren sich alle einig: So etwas dürfe nie mehr passieren. Lufthansa-Streik hin oder her – organisatorisch ist das, was da passiert ist, nicht Bundesliga. Die Rodewischer Schachmiezen traten am Freitag mit drei, am Samstag mit vier – und Sonntag im Duell gegen Freiburg mit fünf Spielerinnen an. Es war viel die Rede von drohender Wettbewerbsverzerrung – und auf die Liga, für die weitere Professionalisierung (Stichwort verpflichtende Liveübertragungen) durch den DSB einmal mehr eingefordert wurde, warf das an diesem Wochenende kein gutes Licht. Wohlgemerkt: Obwohl der SC Bad Königshofen beste Rahmenbedingungen für die zentrale Endrunde geboten hatte. Nur, weil Freiburg nun am letzten Spieltag immerhin gegen fünf Schachmiezen antrat, 3,5:2,5 siegte – blieb lediglich ein kleines Geschmäckle.
Letztlich waren sich auch alle einig: Freiburg bleibt verdientermaßen drin nach einem „Herzschlagfinale im Abstiegskampf“, wie Teamcaptain Max Arnold betonte: „Wir sind überglücklich und auch etwas stolz, als reines Amateurteam die Klasse zu halten. Der ganze Klub freut sich bereits auf die nächste Saison in der ersten Bundesliga.“ Und wie sagte es Rafael Müdder aus Solingen so schön: „Ich finde, wenn man selbst nicht die nötigen Punkte holt, dann holt diese immer mein Konkurrent.“ Könnte auch heißen: Die Saison bestand ja nicht nur aus der Endrunde, man hätte auch schon früher…Schnee von gestern. Nach der Saison ist vor der Saison – Rotation Pankow, Bayern München und das SZ Seeblick aus Dippoldiswalde werden die Liga wieder komplettieren.
Diese Endrunde aber war – und da waren sich alle einig – wieder ein echtes Highlight. „Was Jürgen Müller mit seinem Team da wieder organisiert hat, war wieder super“, lobte Eberhard Schabel den Bad Königshofener Vereinschef für seine dritte Endrunde, „alle haben sich sehr wohl gefühlt. Das ist ein sensationeller Ort, um am Saisonende zusammenzukommen.“ Auch Staffelleiter Klaus Deventer betonte: „Man hat gemerkt, dass Jürgen Müller das nicht zum ersten Mal macht. Es lief alles sehr rund.“ Zur Belhnung gab es für den letztjährigen Meister jetzt noch zum Abschluss Rang drei. Den hatte sich Jürgen Müller für das "Finale Derham" noch gewünscht. (mw)
| Tag | Datum | Uhrzeit | Mannschaft | − | Mannschaft | Schiedsrichter/-in |
|---|---|---|---|---|---|---|
| So | 19.04.26 | 09:00 | Rodewischer Schachmiezen | 2,5:3,5 | SK Freiburg-Zähringen 1887 | ISR Ingrid Lauterbach |
| So | 19.04.26 | 09:00 | SC 1957 Bad Königshofen | 3,5:2,5 | OSG Baden-Baden | FSR Heike Erika Goldmund |
| So | 19.04.26 | 09:00 | SV Hemer 1932 | 5,0:1,0 | Chemnitzer SC Aufbau 95 | FSR Maria Graf |
| So | 19.04.26 | 09:00 | SG Solingen | 4,5:1,5 | SC Kreuzberg | ISR Klaus Deventer |
| So | 19.04.26 | 09:00 | TuRa Harksheide | 3,5:2,5 | Schachfreunde Deizisau | ISR Ingrid Lauterbach |
| So | 19.04.26 | 09:00 | Hamburger SK | 1,0:5,0 | SK Schwäbisch Hall | FSR Heike Erika Goldmund |
| Pl. | Mannschaft | MP | BP | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | SK Schwäbisch Hall | 22 | 54 | x | 4½ | 3½ | 5 | 4½ | 5½ | 5 | 4½ | 6 | 3½ | 6 | 6 |
| 2. | OSG Baden-Baden | 18 | 48½ | 1½ | x | 2½ | 5 | 5 | 5½ | 4½ | 5½ | 5½ | 4½ | 4 | 5 |
| 3. | SC 1957 Bad Königshofen (M) | 17 | 48 | 2½ | 3½ | x | 3 | 2½ | 5 | 4½ | 6 | 5½ | 3½ | 6 | 6 |
| 4. | Hamburger SK | 16 | 37 | 1 | 1 | 3 | x | 4 | 3 | 4 | 4 | 4½ | 3½ | 4½ | 4½ |
| 5. | SG Solingen | 11 | 33 | 1½ | 1 | 3½ | 2 | x | 1 | 3 | 4½ | 2½ | 4 | 5½ | 4½ |
| 6. | Rodewischer Schachmiezen | 10 | 34½ | ½ | ½ | 1 | 3 | 5 | x | 3 | 6 | 2½ | 4½ | 6 | 2½ |
| 7. | Schachfreunde Deizisau | 8 | 31 | 1 | 1½ | 1½ | 2 | 3 | 3 | x | 2½ | 2 | 5 | 4½ | 5 |
| 8. | TuRa Harksheide | 8 | 24½ | 1½ | ½ | 0 | 2 | 1½ | 0 | 3½ | x | 4 | 4 | 2½ | 5 |
| 9. | SK Freiburg-Zähringen 1887 (N) | 8 | 22½ | 0 | ½ | ½ | 1½ | 3½ | 3½ | 4 | 2 | x | 2 | 1 | 4 |
| 10. | SV Hemer 1932 | 6 | 29½ | 2½ | 1½ | 2½ | 2½ | 2 | 1½ | 1 | 2 | 4 | x | 5 | 5 |
| 11. | Chemnitzer SC Aufbau 95 (N) | 6 | 19½ | 0 | 2 | 0 | 1½ | ½ | 0 | 1½ | 3½ | 5 | 1 | x | 4½ |
| 12. | SC Kreuzberg (N) | 2 | 14 | 0 | 1 | 0 | 1½ | 1½ | 3½ | 1 | 1 | 2 | 1 | 1½ | x |
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