Frauen-Bundesliga: Flugchaos, der erste Absteiger. Und Elisabeth Pähtz ist wieder da.

18. April 2026

Endrunde in Bad Königshofen - unter Top-Bedingungen.

Endrunde in Bad Königshofen: Lavinia Melina Giannandrea ist der heimliche Star. Schwäbisch Hall siegt zwei Mal - nur noch theoretische Zweifel am Titelgewinn. Kreuzberg muss wieder runter.

Klaus Deventer, der Turnierleiter, bringt es auf den Punkt: „Es ist eine sehr schöne Veranstaltung, vor allem: familiär.“ Und damit sind wir schon beim Familien-Thema des Tages bei der Zentralen Endrunde der Frauen in Bad Königshofen: Sie ist wieder da. Die Grande Dame des Schachsports. Seit dem 22. März ist die Familie Pähtz um Lavinia Melina Giannandrea reicher – und ihre Mutter, Elisabeth Pähtz, ließ es sich nicht nehmen, die Bundesliga-Endrunde in Bad Königshofen mitzuspielen. Das hatte sie zwar auch angekündigt – aber geglaubt hatte das eigentlich keiner. Sowas geht doch eigentlich nicht, oder? Doch, das geht sehr wohl: wenn man Pähtz heißt. Daran sieht man, wie sehr sie das Spiel immer noch liebt. „Es hat sich nicht viel verändert“, sagt sie ganz cool der DSB-Öffentlichkeitsarbeit. In den ersten beiden Runden holte die erfolgreichste deutsche Schachspielerin gleich zwei Punkte für die OSG Baden-Baden. Den einen allerdings kampflos – gegen die Rodewischer Schachmiezen, die in Unterzahl spielten. Dazu später mehr. „Dank Mama ist es möglich, dass ich hier dabei bin - weil sie mich begleitet“, sagt Elisabeth Pähtz. Anna Pähtz, die schon häufiger bei Turnieren an der Seite von Elisabeth war, ließ die kleine Schach-Prinzessin sogar schon mal Turniersaal-Luft schnuppern. Sooooo herzerwärmend schön kann Schach sein…

"Wenn ihr 6:0 verliert - und wir 6:0 gewinnen."

Das dürften wohl auch die Frauen des SK Schwäbisch Hall sagen. Sie machten heute einen Riesenschritt in Richtung viertem deutschen Meistertitel (2017, 2023 und 2024 holten sie sich schon den großen Pokal). Nach dem 5:1 gegen die SF Deizisau am Freitag gelang auch am heutigen Samstag gegen TuRa Harksheide ein Kantersieg. Bei zwei Mannschaftspunkten und drei Brettpunkten Vorsprung auf Baden-Baden sind die Zweifel nur noch theoretischer Natur. Thilo Gubler, der Mannschaftsführer der OSG Baden-Baden scherzte in Richtung Schwäbisch Hall: „Wenn ihr verliert und wir 6:0 gewinnen – dann reichte es vielleicht noch.“ Pause. „Aber wahrscheinlich ist das nicht.“ Wohl wahr. Und nicht einmal dieser letzte Funken Hoffnung bleibt dem SC Kreuzberg. Der Aufsteiger muss wieder absteigen.

"Es ist sehr schade, dass der Abstiegskampf durch unbesetzte Bretter verzerrt wird."

Aber zuerst zu äußeren Umständen: Die Endrunde der Frauen-Bundesliga leidet unter dem Streik-Chaos bei der Lufthansa. Der eine kommt besser damit zurecht, der andere weniger. Obwohl alle Spielerinnen auf Lufthansa-Flüge gebucht waren, stiegen die französischen Topspielerinnen von Schwäbisch Hall auf die Bahn um. Lela Javakhishvili und Nino Batsiashvili aus Tiflis nahmen – unter großen Mühen – Ersatzflüge bei anderen Airlines. Während ein professionell geführter Verein wie der SK Schwäbisch Hall also trotzdem die Lage in den Griff bekam, strauchelte vor allem ein Team: Rodewisch. Am Freitag waren drei Spielerinnen da, heute vier. Wolfgang Schwarzer, der Teamchef der Vogtländerinnen, sagte, er habe so kurzfristig keine Ersatzflüge bekommen können. Rodewisch kassierte denn auch bisher zwei Pleiten: ein 1:5 gegen Bad Königshofen und – mit einem unbesetzten ersten und zweiten Brett – ein 0:5:5,5 gegen Baden-Baden.

Beim ein oder anderen Abstiegskandidaten löst das Unbehagen aus – denn am letzten Spieltag spielt Rodewisch noch gegen den SK Freiburg-Zähringen 1887. Dr. Anne Czäczine, Teamchefin des Chemnitzer SC Aufbau 95 sagte: "Wir brauchen mindestens einen Mannschaftspunkt. Alles ist noch möglich. Es ist sehr schade, dass der Abstiegskampf durch unbesetzte Bretter verzerrt wird." Auch andere äußerten sich kritisch. „Kein Vorwurf an Rodewisch. Aber das wäre schon sehr schade, wenn am Ende der Abstiegskampf durch Brettpunkte entscheiden wird, die man hier auch geschenkt bekommen kann“, sagt Eberhard Schabel, Teamchef von TuRa Harkheide, das dem Hamburger SK am ersten Tag mit 2:4 unterlag, heute folgte nun das 1,5:4,5 gegen den Tabellenführer. „Das ist schon ein bisschen bitter für uns, dass Rodewisch das nicht besser organisiert bekommen hat“, sagt Schabel, zumal man selbst auch – terminbedingt – auf Top-Spielerin Lara Schulze verzichten musste. Man habe als Team am Freitag zusammen beim Abendessen gesessen und darüber nachgedacht, „wohin wir womöglich nächste Saison in der zweiten Liga reisen müssen. Es wäre nicht schön, aber wir müssen uns wohl mit den Gedanken anfreunden, dass es uns nach sieben Jahren Bundesliga auch mal erwischen kann“. Nur die Brettpunkte trennen die Schleswig-Holsteinerinnen noch von der Abstiegszone. Aber, uns auch das passt zum sportlich-fairen und familiären Charakter: „Ich weiß auch, dass die Freiburgerinnen so eine Situation eigentlich auch nicht wollen“, so Schabel, der heute feststellte: "Alles ist jetzt eng zusammengerückt. Wir wollen morgen gewinnen.“

Vier Teams zittern noch. Beim SK Freiburg-Zähringen, mit zwei harte Niederlagen mit nur jeweils einem eigenen halben Punkt gegen Baden-Baden und Bad Königshofen, mag man sich nicht darauf verlassen, dass Rodewisch bis zum Ende so dezimiert bleibt und schwächelt – zumal: auch bei der Konkurrenz sehe es nicht so aus, dass sie den Breisgauerinnen den Gefallen tut und strauchelt. „So dass wir wohl selbst was Zählbares vorweisen müssen, um drinzubleiben“, sagt Mannschaftsführerin Sarah Hund. Nur mal ein kurzer Einblick, wie wild es im Keller zugeht: Solingen schlägt Hemer, Hemer schlägt Kreuzberg, Solingen besiegt Chemnitz.

Good bye Berlinerinnen: "Wunder sind möglich . aber nicht auf der Tagesordnung." Und: "Trotzdem war es eine interessante Saison."

Diese vielen direkten Duelle im Abstiegskampf sind das Salz in der Endrunden-Suppe. Spannend für alle neutralen Fans, nervenzerfetzend für die Beteiligten. Und die erste Enttäuschung muss das Berliner Team in der Bundesliga verkraften. Zwei Niederlagen bei der Endrunde bedeuten das vorzeitige Aus im Abstiegskampf. Vier Punkte Rückstand zum rettenden Ufer. Während der SV Hemer 1932 dank guter Brettpunkt-Ausbeute noch hoffen darf, durch einen Sieg im direkten Duell mit dem Chemnitzer SC Aufbau 95 morgen noch drinzubleiben.

Die Enttäuschung beim SC Kreuzberg hielt sich unterdessen auf Nachfrage in Grenzen. Brigitte Große-Honebrink sagte: „Nein, sehr traurig bin ich nicht. Nach unserem überraschenden Aufstieg war eigentlich klar, dass wir es in der Frauen-Bundesliga sehr schwer haben würden“, so die Teamchefin, „und wie die Ergebnisse zeigen, haben Mannschaften, die wie wir ohne wesentliche Verstärkungen den Aufstieg wahrnehmen, kaum eine Chance. Trotzdem war es eine schöne und interessante Saison, auch mit unseren Neuzugängen Sonja und Magdalena. Sonja Maria Bluhm hat zudem mit ihrem Stream nach den Runden für ein I-Tüpfelchen gesorgt. Magdalena Kozak ist während der laufenden Saison Mutter geworden, sodass wir auf sie am Spitzenbrett verzichten mussten. Toll war auch, dass uns ein erfahrener Großmeister wie Raj Tischbierek immer zur Seite stand. Alles in allem trotz des Abstiegs eine gute Saison, mit einem tollen Team, eine Erfahrung, die wir sicher nicht so schnell vergessen werden. Ob ein Wiederaufstieg gelingen kann und - dann - auch gewollt ist, bleibt noch offen.“ Trainer Raj Tischbierek ergänzte: „Der Saisonverlauf hat gezeigt, dass kleine Wunder zwar möglich, aber nicht auf der Tagesordnung sind. Man braucht sie aber, wenn man aufsteigt und als klarer Underdog die Klasse halten will. Ohne Wunder muss man sich - ohne Erfolgsgarantie - entweder Legionäre holen oder die Beschäftigung mit dem Schach auf breiter Front massiv nach oben schrauben. Beides passierte nicht, was ganz bewusste Entscheidungen waren. Ich hoffe und glaube aber, dass die Kreuzbergerinnen den Ausflug ins Oberhaus genossen haben.“ Er würdigte ausdrücklich noch einmal Teamchefin Brigitte Große-Honebrink, „die mit ihrem Engagement stellvertretend dafür steht, was die Schachvereine am Leben hält. Vielleicht ist sie sogar ganz froh darüber, dass es in der 2. Liga wieder etwas ruhiger wird…“

So ärgert sich nur ein designierter Meister: "Dumme Züge" - aber: Schwäbisch Hall marschiert.

Und was sagt der designierte neue Meister? Beim SK Schwäbisch Hall herrscht noch keine Euphorie vor dem letzten Duell der Saison (morgen um 9 Uhr) gegen den Hamburger SK. Vielmehr ging man schnell in die Analyse. Inken Köhler sagte nach ihrem IM-Remis gegen Irina Bulmaga: „Die ersten 15 Züge im Alapin bis d5 waren vorbereitet, ich hatte etwas Glück dass sie auch Sizilianisch gespielt hat, danach vereinfachte sich alles und es gab eigentlich keine Gewinnchancen mehr.“ Und wie groß der Ehrgeiz bei den Schwäbisch Hallerinnen ist, zeigte die Reaktion von Nino Batsiashvili nach ihrer Niederlage gegen Julia Antolak: „Ich bin sauer, ich habe ein paar dumme Züge gemacht.“ Der Ärger aber dürfte womöglich morgen schon verflogen sein. (mw)  

 

 

Ergebnisse

Tag Datum Uhrzeit Mannschaft Mannschaft Schiedsrichter/-in
Fr 17.04.26 15:00 TuRa Harksheide 2,0:4,0 Hamburger SK ISR Ingrid Lauterbach
Fr 17.04.26 15:00 SV Hemer 1932 2,0:4,0 SG Solingen FSR Heike Erika Goldmund
Fr 17.04.26 15:00 Rodewischer Schachmiezen 1,0:5,0 SC 1957 Bad Königshofen FSR Maria Graf
Fr 17.04.26 15:00 Chemnitzer SC Aufbau 95 4,5:1,5 SC Kreuzberg ISR Klaus Deventer
Fr 17.04.26 15:00 Schachfreunde Deizisau 1,0:5,0 SK Schwäbisch Hall ISR Ingrid Lauterbach
Fr 17.04.26 15:00 SK Freiburg-Zähringen 1887 0,5:5,5 OSG Baden-Baden FSR Heike Erika Goldmund
Sa 18.04.26 14:00 OSG Baden-Baden 5,5:0,5 Rodewischer Schachmiezen FSR Maria Graf
Sa 18.04.26 14:00 SK Freiburg-Zähringen 1887 0,5:5,5 SC 1957 Bad Königshofen ISR Klaus Deventer
Sa 18.04.26 14:00 SC Kreuzberg 1,0:5,0 SV Hemer 1932 ISR Ingrid Lauterbach
Sa 18.04.26 14:00 Chemnitzer SC Aufbau 95 0,5:5,5 SG Solingen FSR Heike Erika Goldmund
Sa 18.04.26 14:00 SK Schwäbisch Hall 4,5:1,5 TuRa Harksheide FSR Maria Graf
Sa 18.04.26 14:00 Schachfreunde Deizisau 2,0:4,0 Hamburger SK ISR Klaus Deventer

Aktuelle Tabelle

Pl. Mannschaft MP BP 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
1. SK Schwäbisch Hall 20 49 x 5 6 6 6
2. OSG Baden-Baden 18 46 x 5 5 4 5
3. Hamburger SK 16 36 1 x 3 3 4 4 4
4. SC 1957 Bad Königshofen (M) 15 44½ 3 x 5 6 6 6
5. Rodewischer Schachmiezen 10 32 ½ ½ 3 1 x 5 3 6 6
6. SG Solingen 9 28½ 1 2 1 x 3 4
7. Schachfreunde Deizisau 8 28½ 1 2 3 3 x 2 5 5
8. TuRa Harksheide 6 21 ½ 2 0 0 x 4 4 5
9. SK Freiburg-Zähringen 1887 (N) 6 19 0 ½ ½ 4 2 x 1 2 4
10. Chemnitzer SC Aufbau 95 (N) 6 18½ 0 2 0 0 ½ 5 x
11. SV Hemer 1932 4 24½ 2 1 2 4 x 5
12. SC Kreuzberg (N) 2 12½ 0 1 0 1 1 2 1 x

Ansetzungen

Tag Datum Uhrzeit Mannschaft Mannschaft Schiedsrichter/-in
So 19.04.26 09:00 Rodewischer Schachmiezen SK Freiburg-Zähringen 1887 ISR Ingrid Lauterbach
So 19.04.26 09:00 SC 1957 Bad Königshofen OSG Baden-Baden FSR Heike Erika Goldmund
So 19.04.26 09:00 SV Hemer 1932 Chemnitzer SC Aufbau 95 FSR Maria Graf
So 19.04.26 09:00 SG Solingen SC Kreuzberg ISR Klaus Deventer
So 19.04.26 09:00 TuRa Harksheide Schachfreunde Deizisau ISR Ingrid Lauterbach
So 19.04.26 09:00 Hamburger SK SK Schwäbisch Hall FSR Heike Erika Goldmund

// Archiv: DSB-Nachrichten - Frauenschach // ID 36999

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