2. Januar 2026
Der Wechsel erfolgte fliegend. Bis 11 Uhr checkten all die Gäste aus, die Silvester im Kongresshotel am Templiner See gefeiert hatten. Dann kamen die Schachspielerinnen und Schachspieler. Erst das Organisationsteam – jenes Dutzend von Schach-Enthusiasten, die gemeinsam in einer großen Ferienwohnung mit sechs Zimmern den Übergang ins neue Jahr gefeiert hatten, mit einem guten Essen, dem gemeinsamen Gucken von „Dinner for One“. Und wohlgemerkt, ohne zwischen Miss Sophie, Nudeln, Wiener Würstchen und Kartoffelsalat die Arbeit zu vernachlässigen - wie Bilder mit Laptops beweisen. Ohne Vorbereitung geht hier nix. Denn, kaum zu glauben, aber wahr: Das erste Turnier 2026 unter dem Dach des Deutschen Schachbundes lockte sage und schreibe 140 Spielerinnen und Spieler an - da musste der große Kongresssaal als Spielort her. Das als Warm-Up für die Deutsche Schach-Amateurmeisterschaft gedachte Blitzturnier ist längst vom Krabbelkind zum stattlichen Teenager erwachsen. Die 19. Auflage des Blitzturniers zeigte einmal mehr, warum das Format so beliebt ist. Oder, wie es der aus dem Strahlen gar nicht mehr herauskommende Sieger Felix Zenker am 1. Januar um 22.30 Uhr sagte: „Ich liebe Blitzschach. Ich habe zwar nach der Silvesterpartie nur fünf Stunden geschlafen – aber dieses Turnier musste einfach sein und es hat so riesigen Spaß gemacht!“
Natürlich kann ein Jahr kaum besser beginnen als mit einem Turniersieg, das wusste der 22-Jährige vom SV Dresden-Striesen, der mit seinen 1933 Elo-Punkten die deutlich höher eingeschätzten Leandro Burguete (2137 Elo) vom SSV Rotation Berlin und Lorenz Beyer (2193 Elo) von den Barnimer Schachfreunden auf die Plätze verwies. „Wahnsinn“, freute sich Felix Zenker nach sieben Punkten aus sieben Partien, „ich bin hier als Nummer 33 gestartet und komplett überrascht über meinen Durchmarsch.“ Normalerweise werde er „im Normalfall irgendwann immer nervös – aber heute nicht. Da haben die Gegner die Fehler gemacht.“ Der erste Schach-Glückspilz des Jahres.
Bei einem Turnier, das ein Großereignis einleitete. Die DSAM in Potsdam war schon 2025 das erste Turnier mit über 700 Teilnehmern. Nun standen mit Beginn des Blitzturniers powered by chessemy, am Donnerstag, 20.15 Uhr, auf der Teilnehmerliste für das Hauptturnier noch 799 Spielerinnen und Spieler. Klar, ein bisschen Schwund ist immer bis es dann auch endlich losgeht – aber letztlich blieben heute zum Beginn 741 Spielerinnen und Spieler übrig. Viele hatten auch schon das Blitzturnier mitgespielt. Längst ein Muss, wie auch DSB-Vizepräsident Sport Professor Jürgen Klüners betonte, der als Schiedsrichter zum festen Kern des DSAM-Teams gehört. „Das Blitzen würde ich nicht als Highlight bezeichnen – aber es hat für viele einen großen Reiz, erst recht, seit dieses Turnier Elo ausgewertet wird.“ Gespielt wird über sieben Runden, es müsse ja „zeitig zu Ende gehen“, betonte Klüners. Denn ab 10 Uhr am heutigen Freitag stand ja die erste Doppelrunde an. Da hieß es: Kraft tanken nach dem Blitzen, das einmal mehr straff organisiert unter der Leitung von DSAM-Turnierdirektorin Sandra Schmidt und Turnierleiter Fabian große Beilage in zwei Stunden über die Bühne ging. Große Beilage wünschte kurz und knapp: „Ein Frohes Neues. Wenn Fragen sind, bitte zu mir.“ Dann drängelten sich schon die Akteure um seinen Laptop und die ausgelegten Zettel, um ihre ersten Gegner zu erfahren. Drei Minuten später saßen alle am Brett - und es klackerten nur noch die Figuren und die Uhren. „Das Turnier wird super angenommen, es kommen sogar einige nur zum Blitzen aus der Umgebung und spielen dann gar nicht die richtige DSAM“, so Fabian große Beilage: „Aber wir haben natürlich auch viele Stammgäste, die alles mitnehmen was an Schach geboten wird.“ Im hohen Tempo ins neue Jahr. Vorsicht Blitzer! Ausgerechnet in Potsdam, wo es gefühlt mehr Tempo-30-Zonen und Radarfallen als Einwohner gibt.
„Aus unserem Programm ist das Turnier nicht mehr wegzudenken“, so DSAM-Chefin Schmidt, „die Leute sind dran gewöhnt und sie lieben es.“ Beispiel Thomas Bertram, mit Gattin Marina (die aber nicht mitblitzte) aus Bad Lausick in Sachsen angereist. Sie sparten sich einen feuchtfröhlichen Jahreswechsel, um 22 Uhr ging in der Silvesternacht bei den Bertrams das Licht aus – am nächsten Tag stand ja schon die Anreise nach Potsdam auf dem Plan. „Ach“, sagte Thomas Bertram, man sei eben nun einmal kein Feierbiest, sondern durch und durch Schach-Liebhaber, „wir haben schon zu DDR-Zeiten nur eine kleine Packung Knaller verbraucht. Entscheidend ist: Es kribbelt, ich will auch in Potsdam ans Brett.“ Und schon machte er, der sich mit seiner Frau die 75. DSAM-Teilnahme in dieser Serie anpeilt, direkt aus dem Gespräch mit dem DSB-Team Öffentlichkeitsarbeit auf zur nächsten Runde.
Für Bernhard Riess, einen der Referees, ist das Blitzturnier schlicht „ein schöner Auftakt“, auch für das Orga-Team: „Für uns bedeutet das, dass wir am ersten Tag nicht nur aufbauen müssen, sondern auch noch Schach geboten bekommen.“ In diesem Jahr bedeutet das laut Riess: „Erste schöne Schach-Eindrücke für das neue Jahr werden gesammelt. So macht es Spaß, so locker, rasant und familiär kann 2026 losgehen.“
Ab heute beginnt dann die „richtige“ DSAM. Sandra Schmidt und ihre rechte Hand bei der DSAM, Pairing-Officer Frank Jäger, stellten sich besonders früh den Wecker – um 4 Uhr waren sie schon auf einem Brandenburger Großmarkt, um die Äpfel fürs Turnier ran zu karren. Die Ehrenamtlichen für die DSAM geben eben alles für den Schachsport – auch im Jahr 2026, das so rasant begonnen hat. (mw)
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