6. März 2026
Am Dienstag den 3. März 2026, fand die sechste und zugleich letzte Veranstaltung im Rahmen des Projekts „Wissenschach Kompakt“ statt. Circa 20 interessierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer nahmen von 19:00 bis 20:30 Uhr am ausgeschriebenen Zoom-Meeting teil. Unter dem Titel „Fakten statt Bauchgefühl: Strategien, mehr Mädchen und Frauen für Schach zu gewinnen und langfristig zu halten“ widmete sich die Veranstaltung einem hochaktuellen Thema. Die Leitung übernahm Dr. Lilli Hahn, promovierte Naturwissenschaftlerin, Mitglied des ECU Women Council und seit vielen Jahren engagiert im Bereich Gleichstellung im Schach.
Im Mittelpunkt stand die Analyse und Vorstellung des gemeinsamen Projekts des Deutscher Schachbund und der Deutsche Schachjugend zur Gewinnung und langfristigen Bindung von Mädchen und Frauen im Schachsport. Das Projekt umfasst eine Mitgliederanalyse, quantitative Erhebungen mittels Fragebögen, qualitative Interviews mit Expertinnen und Experten, Regionalkonferenzen sowie die Entwicklung konkreter Maßnahmen zur nachhaltigen Förderung weiblicher Mitglieder.
Im Rahmen des Zoom-Meetings lag der Fokus auf der Vorstellung des Status Quo, sowie der Auswertung und Präsentation der Umfrageergebnisse. Das bot sich an, da die Umfrageergebnisse besonders anschaulich und praxisnah und damit für ein breites Publikum gut nachvollziehbar sind. Zum Einstieg wurden zunächst Vermutungen gesammelt, weshalb der Schachsport trotz gesellschaftlichen Fortschritts weiterhin stark männerdominiert ist. Anschließend wurden die Ergebnisse der befragten Gruppen systematisch gegenübergestellt: aktive Ehrenamtliche, Mädchen-&Frauenschachreferent*innen, aktive Schachspielerinnen, ehemalige Spielerinnen sowie Eltern von Schachspielerinnen.
Die deutlichen Überschneidungen zwischen den anfänglichen Annahmen und den tatsächlichen Umfrageergebnissen zeigen, dass ein grundsätzliches Problembewusstsein vorhanden ist – auch wenn dies die Herausforderungen nicht automatisch löst. Als zentrale Faktoren wurden die bestehende Männerdominanz sowie das Fehlen gleichgeschlechtlicher Altersgenossinnen und Vorbilder genannt. Dabei spielt nicht nur die tatsächliche Unterrepräsentation von Frauen eine Rolle, sondern auch deren Wahrnehmung: Viele Eltern melden ihre Töchter gar nicht erst zum Schach an, da der Sport als „Männersport“ gilt.
Ein wesentlicher Unterschied zwischen den Geschlechtern besteht zudem in einem sich selbst verstärkenden Kreislauf: Frauen hören mit dem Schach auf, weil es nur wenige Frauen gibt – und weil wenige Frauen aktiv sind, bleiben weibliche Vorbilder rar, was wiederum Ausstiege begünstigt.
Besonders aufschlussreich waren die Rückmeldungen ehemaliger Spielerinnen zur Frage eines möglichen Wiedereinstiegs. Viele antworteten mit „unter bestimmten Umständen“. Genannt wurden unter anderem eine stärkere gezielte Förderung von Frauen, weniger Leistungsdruck, mehr Freizeitturniere und niedrigschwellige Angebote, spezifische Programme für Jugendliche und junge Erwachsene sowie unterstützende Strukturen für Frauen nach einer Familien- oder Babypause.
Daraus lassen sich konkrete Handlungsansätze ableiten: gezielte Vernetzungsangebote für Mädchen und Frauen, exklusive Formate ohne Leistungsdruck ebenso wie leistungsorientierte Frauengruppen oder -teams, eine stärkere Präsenz von Frauen im Ehrenamt sowie soziale, entspannte Schachabende mit Fokus auf Gemeinschaft. Ziel ist es, den Kreislauf der Unterrepräsentation zu durchbrechen, Freizeitspielerinnen zu halten, ehemalige Spielerinnen zurückzugewinnen und insbesondere Frauen im mittleren Erwachsenenalter den Einstieg oder Wiedereinstieg zu erleichtern.
Das Projekt zur Förderung des Mädchen- und Frauenschachs wird mit einem Projektbericht und mit einer Abschlusskonferenz abgerundet. Die Abschlusskonferenz findet im Rahmen des Schachgipfels in Dresden am 17. – 19.07.2026 statt. Die Ausschreibung wird in Kürze veröffentlicht.
// Archiv: DSB-Nachrichten - DSB // ID 36960