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Infos für Spieler und Spielerinnen: DeWIS wird bald durch das Wertungsportal ersetzt

7. Juli 2025

Programmcode auf einem Computermonitor

Die Lebensdauer des Deutschen Wertungs- und Informationssystem (DeWIS) neigt sich dem Ende entgegen. Nach rund 14 Jahren Betrieb soll das von Holger Schröck entwickelte Auswertungsprogramm für die Deutschen Wertungszahlen (DWZ) spätestens am 9. Juni 2026 durch das "Wertungsportal" ersetzt werden. Der neue Name Wertungsportal war 2023 das Ergebnis einer Verbandsumfrage zur Namensfindung.

Mit dem Onlinegang des Wertungsportals wird die Neuentwicklung eines Nachfolgers von MIVIS/DeWIS durch die österreichische Firma "nu Datenautomaten GmbH" abgeschlossen. Die Ablösung der Mitgliederverwaltung MIVIS durch das Mitgliederportal am 6. Februar 2024 war der erste wichtige Schritt. Nun soll das Wertungsportal folgen.

Am 1. Juli gab es ein Auftakttreffen ("Kickoff") der Projektmitglieder mit der DSB-Präsidentin Ingrid Lauterbach, um das weitere Vorgehen bis zum Systemstart zu besprechen. Aufgeteilt werden die einzelnen Aufgaben auf zwölf zeitlich begrenzte Abschnitte ("Sprints"). Der erste Sprint soll bereits am 9. Juli stattfinden und hat "inhaltliche Feinplanungen" zum Thema. Der zweite Sprint folgt am 30. Juli und die weiteren Sprints im Abstand von etwa drei Wochen mit Pausen über Weihnachten und in den Ferien.

Die Gesamtprojektleitung MIVIS/Dewis obliegt den vom Präsidium ernannten Beauftragten Andreas Filmann (Technik) und André Martin (Organisation). Teilprojektleiter für das Projekt "Wertungsportal" ist Claus Kuhlemann. Als Projektowner wurde von der Präsidentin Claus Kuhlemann benannt (Vertreter bis zur Rückkehr von Rainer Blanquett ist André Martin).
Mit zum Team gehören außerdem Berthold Plischke (für Tests zuständig) und Andreas Filmann (Für Vertragswesen, Technik und Schnittstellen zuständig). Weitere Experten werden je nach Bedarf und Projektfortschritt hinzugezogen. Das Projektteam wird fachlich von der Kommission für Wertungen des DSB unterstützt.

Was ändert sich für unsere Besucher hinsichtlich des Zugriffs auf ihre DWZ?

Anmeldebildschim des Mitgliederportals

Im Rahmen der Umstellung wird geprüft, wie die Präsentation der Wertungszahlen weiter optimiert werden kann.

Es wird aber Einschränkungen geben, dass nur noch DSB-Mitglieder auf Details von Spielern und Turnieren Zugriff erhalten sollen. Die Überprüfung, ob ein Besucher unserer Website DSB-Mitglied ist oder nicht, wird über das Mitgliederportal erfolgen. Dazu unbedingt nötig ist eine dort im Mitgliederdatensatz gespeicherte persönliche E-Mail-Adresse, für deren Eintragung die Vereinsbearbeiter verantwortlich sind. Über die E-Mail-Adresse erlangt der Spieler Zugriff auf seinen Mitgliederdatensatz und kann nach erfolgreicher Anmeldung im Mitgliederportal auch auf der DSB-Website verifiziert werden. Vereinfacht gesagt, kann man sich das Ganze wie ein Facebook- oder Google-Login vorstellen.

Ändert sich meine DWZ mit der Einführung des Wertungsportals?

Am 1. März 2024 hatte die FIDE die Elo-Zahlen unter 2000 einmalig erhöht. Unser am 27. Februar 2024 dazu veröffentlichter Artikel war der mit Abstand meistgelesene im vergangenen Jahr mit über 10.000 Zugriffen. Das Thema Wertungszahlen spielt eine sehr große Rolle unter Schachspielern, wie man sieht.

Berthold Plischke, in der DSB-Wertungskommission verantwortlich für die Systemkontrolle, plant deshalb auch eine Anhebung der DWZ, wie er schon im damaligen Artikel schrieb. Die Umsetzung dieses Vorhabens könnte mit der Umstellung von DeWIS auf das Wertungsportal erfolgen. Eine Anhebung noch in DeWIS wird aufgrund der Risiken nicht sehr wahrscheinlich sein, wie die Experten der Projektgruppe sagen. (fb)

Plischke gibt nachfolgend einen Einblick in die geplante DWZ-Anhebung:

DWZ-Upgrade: Zwei Fliegen mit einer Klappe

Die Wertungskommission plant, das DWZ-Niveau einmalig wie folgt anzuheben:

  • DWZneu = DWZalt + 400 (falls DWZalt < 1000)
  • DWZneu = 0,64 * DWZalt + 760 (falls 1000 ≤ DWZalt < 2110)

Darüber bleiben die DWZ unverändert.

Damit werden zwei Ziele zugleich erreicht:

  1. die notwendige Angleichung des DWZ-Gefüges an die seit dem 1.3.24 drastisch erhöhten neuen Elo-Zahlen der FIDE
  2. die ebenso längst notwendige Verdichtung in Richtung DWZ 2100 der durch Deflation auseinandergedrifteten DWZ-Differenzen

Die Umstellung soll spätestens zusammen mit der Installation des neuen Wertungsportals 2026 erfolgen. Ob eine frühere Umsetzung möglich ist, wird noch geprüft.

Weitere Erläuterungen

  1. Elo-Werte (unter 2000) sind seit dem 1.3.24 nicht mehr mit den jetzigen DWZ vergleichbar, so dass Partien „Elo“ gegen „DWZ“ nicht länger in dieser Form gewertet werden können. Ohnehin fordert die DSB-Satzung in §49 ausdrücklich "Anpassungen an die Elo-Zahlen der FIDE".
  2. Die neuen Zahlen erscheinen zunächst gewöhnungsbedürftig hoch, z.B.
    700 → 1100; 1200 → 1528; 1600 → 1784; 2000 → 2040 ; 2200 → 2200 usw.
    ‒ Die Spielerinnen und Spieler wird es aber freuen!

    Jedoch geht es nicht nur um solche Anhebung, sondern um die Korrektur einer speziellen Deflation („spread“) vorwiegend im mittleren bis unteren Rating-Bereich, die sowohl bei der FIDE als auch nahezu gleichartig bei uns seit etlichen Jahren stattgefunden hat, bei uns schon seit 2000. Die Rating-Abstände sind zu groß geworden, was zu deutlich verzerrten Gewinnerwartungen führt:
    - der niedriger Bewertete hat DWZ-Vorteile (durch zu niedrige Prozent-Erwartung),
    - der höher bewertete Gegner wird benachteiligt (durch zu hohe Prozent-Erwartung).
    Um wieder zu realistischen Gewinnerwartungen zu kommen, hat die FIDE die Rating-Differenzen mit dem Faktor 0,6 komprimiert; wir planen, es mit dem Faktor 0,64 zu tun: aus der DWZ-Differenz 100 wird 64, aus 200 wird 128 usw. (unterhalb 2110).
    Hochrechnungen zeigen, dass dies wieder zu angemessenen, balancierten DWZ-Werten führt.
  3. Der Faktor 0,64 und die obigen Formeln beruhen auch auf einer Regressions-Analyse zwischen DWZ und den neuen Elo bei den Spielern, die beide Werte haben, mit Abgrenzung der Außenbereiche.
    Mit der Angleichung der beiden Zahlsysteme wird auch der GAP zwischen DWZ und (alten) Elos weitgehend beseitigt: schon früher lagen die Elo-Werte im Schnitt um 60 Punkte über dem DWZ-Niveau (im Bereich ca. 1000 bis ca. 2200, je niedriger die DWZ, desto höher der GAP). Dazu passt jetzt die unten starke und bis 2110 abschmelzende Anhebung. Elo-gewertete Gegner bringen also nach dem Upgrade i. Allg. keine Extra-DWZ-Punkte mehr ein.
  4. Die Wertungskommission hat durchaus Alternativen zum Upgrade diskutiert, etwa Partien gegen Ausländer ohne DWZ nicht zu werten oder deren Elo-Werte auf das Niveau von 2023 zurückzurechnen (was immer wieder neu angepasst werden müsste) u.a. Sie wären alle ungeeignet oder aufwändig, können zu Wartungskosten führen oder wären intransparent. Keine würde die o.g. Deflation aufheben.
  5. Auch würde ein Beibehalten der alten DWZ die Rufe nach ihrer Abschaffung zugunsten der so schönen neuen Elos lauter werden lassen. Dagegen gibt es ohnehin starke Argumente, aber mit den neuen ebenso schönen DWZ werden solche Rufe wohl verhallen!
  6. Einige Regelungen/Ordnungen (nicht alle), die DWZ-Grenzen heranziehen – z.B. für Kader oder für die DSAM, müssen an die neuen Zahlen angepasst werden. Dies sollte ohne Probleme möglich sein: es bleibt dafür genügend Zeit, und die Wertungskommission hilft dabei gerne.
    Ordnungen, die bei Mannschaftsaufstellungen maximale DWZ-Differenzen zugrundelegen, können dagegen bestehen bleiben: die neuen DWZ-Abstände der Spieler werden wieder realistischer sein als in den letzten Jahren!

 

// Archiv: DSB-Nachrichten - DSB // ID 11624

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