16. Mai 2026
Frankfurt am Main, 16. Mai 2026 – Im Saalbau Volkshaus Sossenheim: Klaus Deventer, Anti-Cheating-Officer des Deutschen Schachbundes und Versammlungsleiter des außerordentlichen Bundeskongresses läutete um 10:30 Uhr eine große goldene Glocke: "Wir alle wissen, dass das keine normale Sitzung ist - wir wollen das heute sachlich bewältigen. Bis 18:30 Uhr müssen wir hier raus sein, daher liegt die maximale Redezeit heute bei drei Minuten." Es fand der außerordentliche Bundeskongress des Deutschen Schachbundes statt - dieser war damit eröffnet. Rund 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen am heutigen Samstag ab 10.30 Uhr zusammen, nachdem vor einigen Wochen fünf Mitgliedsverbände die Einberufung des Kongresses beantragt hatten und dieser schließlich durch einen Schiedsgerichtsbeschluss ermöglicht wurde. Eröffnet wurde nach dem Läuten von Deventer die Veranstaltung von Andreas Filmann, Präsident des Hessischen Schachverbandes, mit den Worten: „Auf ein gutes Gelingen und konstruktive Diskussionen.“ Diese Hoffnung sollte sich im Verlauf des Tages bewahrheiten. Trotz der angespannten Ausgangslage verlief der Kongress sachlich, geordnet und von intensiven, aber fairen Diskussionen geprägt. Ingo Thorn, Präsident des Bayerischen Schachbundes brachte es am Ende so auf den Punkt: „Heute wurde sachlich und vernünftig mit einer Krisensituation umgegangen."
Besonders spannend verlief die Wahl zum neuen Präsidenten des DSB. Zur Wahl standen Niklas Rickmann, Präsident des Schachverbandes Mecklenburg-Vorpommern, sowie Paul Meyer-Dunker, ehemaliger Präsident des Berliner Schachverbandes. Nach geheimer Abstimmung setzte sich Meyer-Dunker denkbar knapp mit 116 Stimmen gegen Rickmann durch, der 114 Stimmen erhielt. Nur eine der Stimmen entfiel auf Enthaltungen. Trotz des äußerst knappen Ergebnisses verlief die Wahl respektvoll und fair – beide Kandidaten gaben sich im Anschluss die Hand und akzeptierten das Ergebnis. Zum neuen Vizepräsidenten Finanzen wurde anschließend Jürgen Gersinska gewählt. Er war der einzige Kandidat für das Amt und gehörte bereits zum Team von Paul Meyer-Dunker. Jürgen Klüners bleibt dem Deutschen Schachbund weiterhin als Vizepräsident für Sport und Jannik Kiesel weiterhin als Vizepräsident für Verbandsentwicklung erhalten - sie komplettieren damit das vierköpfige Präsidium.
Nach seiner Wahl erklärte Meyer-Dunker:
„Ich hoffe, dass mir das Vertrauen gegeben wird, die unterschiedlichen Lager wieder zusammenzuführen, Gespräche zu führen und Schritt für Schritt das Vertrauen zurückzugewinnen, das wir brauchen. Wir haben große Aufgaben vor uns, aber ich bin überzeugt, dass wir sie gemeinsam bewältigen können.“
Zu Beginn des Kongresses wurde zunächst über die Nicht-Öffentlichkeit einzelner Tagesordnungspunkte abgestimmt. Die Delegierten beschlossen, sowohl den Bericht der Präsidentin als auch den Abwahlantrag unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu behandeln. Im weiteren Verlauf wurde Ingrid Lauterbach als Präsidentin des Deutschen Schachbundes abgewählt. Für ihr langjähriges Engagement und ihren großen Einsatz erhielt sie zum Abschied Applaus aus dem Plenum, nachdem der Ehrenpräsident Herbert Bastian ihr für ihren tatkräftigen Einsatz und Wirken in einer Rede dankte. Mit Blumen verabschiedete der Kongress sie würdevoll aus dem Amt.
Ein weiterer wichtiger Tagesordnungspunkt war der Schachgipfel 2027. Carsten Karthaus, Präsident des Schachverbandes Württemberg, stellte den Antrag mit einer professionellen Präsentation inklusive Imagefilm vor, die Veranstaltung in Stuttgart auszurichten. Im Jahr 2027 feiert der Deutsche Schachbund sein 150-jähriges Bestehen. Klaus Deventer brachte es abschließend so auf den Punkt: "Der außerordentliche Bundeskongress 2026 nimmt die Präsentation des Schachverbands Württemberg zur Ausrichtung des Meisterschaftsgipfels 2027 zustimmend zur Kenntnis und beauftragt das Präsidium, den Abschluss eines Ausrichtervertrags mit dem Schachverband Württemberg vorzubereiten und dem Herbst-Hauptausschuss 2026 Bericht zu erstatten."
Paul Meyer-Dunker betonte, dass die "Finals" 2027 in Stuttgart stattfinden und der Bundeskongress unterstützt, dass versucht wird, dass der Schachgipfel parallel zu den Finals stattfinden soll. Was sind die Finals - ein Auszug der offiziellen Website:
"Die Finals 2027 Stuttgart: 16 Deutsche Meisterschaften an neun Sportstätten, ARD und ZDF übertragen an vier Tagen live im TV sowie den Streams: Die Finals 2027 finden vom 29. Juli bis 1. August in Stuttgart statt. Nach derzeitigem Stand der Planung werden 16 Deutsche Meisterschaften an neun Sportstätten in der baden-württembergischen Landeshauptstadt ausgetragen."
Mit den Finals hätte man eine Chance "sichtbarer zu werden und eine enorme Aufmerksamkeit mitzunehmen", so Meyer-Dunker.
Besonderer Dank galt auch Jürgen Müller, der die silberne Ehrennadel für sein Engagement als Schach-Funktionär erhalten hat und auch Joachim Gries, der sogar die goldene Ehrennadel für sein langjähriges Engagement im Deutschen Schach erhalten hat. Gries wünschte sich am Anfang des Kongresses "ein Zusammenraufen und ein miteinander statt gegeneinander". So sollte es kommen. Ingo Thorn fand passend dazu zum Abschluss deutliche Worte: „Heute wurde sachlich und vernünftig mit einer Krisensituation umgegangen. Vielen Dank auch an Versammlungsleiter Klaus Deventer, der die Sitzung ruhig und souverän geleitet hat.“ Die abschließenden Worte gehörten dem neuen Präsidenten Paul Meyer-Dunker: „Vertrauen ist nichts, das einfach da ist – man muss es sich erarbeiten. Wir wollen gemeinsam mit allen Beteiligten das Vertrauen zurückgewinnen. Ich glaube, heute wurde dafür ein erster wichtiger Schritt gemacht.“ (fe)
// Archiv: DSB-Nachrichten - DSB // ID 37024