Zu unserem Sommerquiz trafen 63 Lösungen ein, darunter auch einige doppelte Einsendungen. Bei sechs Einsendungen von vier unterschiedlichen Einsendern wurden alle zehn Fragen richtig beantwortet. Conrad Schormann, Eren Ucar, Magdalena Ucar und Pascal Brunke stehen damit als Gewinner fest und wurden bereits darüber informiert.
Nachfolgend die Antworten auf unsere Fragen und die jeweilige Quote der richtigen Lösungen.
Welcher deutsche Schachmeister sprach nicht nur Finnisch, sondern arbeitete auch in seinem publizistischen Schaffen mit dieser Sprache?
Robert Hübner war mit dem finnischen Großmeister Heikki Westerinen befreundet, er liebte Finnland und verbrachte dort viele seiner Urlaube. Mit einem ungewöhnlichen Sprachtalent gesegnet, lag es für ihn nahe, seiner "Sammlung" die u. a. ob seiner fehlenden Artikel und 15 (oder 16) Fälle als besonders schwierig zu erlernende Landessprache hinzuzufügen.
Literarisch hatten es ihm die Kurzgeschichten von Väinö Albert Nuorteva (1889-1967) angetan, bekannt unter dem Pseudonym "Olli". Hübner veröffentlichte im Selbstverlag einige seiner Übersetzungen von ihm: Fünfunddreißig Satirchen, Hamburg 1993, sowie Fünfundsiebzig Satirchen, Hamburg 2003 (hier erhältlich: www.edition-marco-shop.de).
Quote: 75% richtige Einsendungen
Bei welcher Schacholympiade waren die Bauarbeiten an dem Gebäude, welches den Spielsaal beherbergte, noch nicht abgeschlossen, nachdem die Teilnehmer angereist waren – so dass die erste Runde verschoben werden musste?
Der damalige FIDE-Präsident Kirsan Iljumschinow ließ am Rande Elistas, der Hauptstadt der russischen Teilrepublik Kalmückien, eigens eine Schachstadt (City-Chess) für die Olympiade errichten. Wie auf dem Foto ersichtlich, waren die Arbeiten am Chess Palace, in dem gespielt wurde, noch nicht abgeschlossen, als die Teilnehmer nach stundenlanger Busfahrt durch die Steppe eintrafen. Gleiches galt für einen Teil der Quartiere. Die erste Runde wurde um drei Tage verschoben, die Rundenzahl von geplanten 14 auf 13 reduziert und spielfreie Tage gestrichen. Viele Akteure hielt man mit der großzügigen Zuteilung von Wodka bei Laune.
Für mich war es als Teamchef der deutschen Frauenmannschaft die anstrengendste, aber auch die – was die Begleitumstände angeht – spannendste meiner 14 Olympiaden. Ein großer Bericht findet sich in SCHACH 11/1998.
Quote: 32% richtige Einsendungen
Alkohol ist im heutigen Spitzenschach kein Faktor mehr. Das war nicht immer so. Welchem Weltmeister wurde nachgesagt, selbst WM-Partien in trunkenem Zustand bestritten zu haben?
Erste Berichte über den hohen Alkoholkonsum Alexander Aljechins datieren auf Anfang der 1930er Jahre. In der zweiten Hälfte des WM-Matches gegen Euwe 1935, bei dem er seinen Titel verlor, soll er häufig alkoholisiert gewesen sein. Anders im Rematch 1937, als er sich mit eiserner Disziplin die Krone zurückholte. Später fiel er in alte Gewohnheiten zurück.
siehe Alekhine and Alcohol by Edward Winter
Quote: 87% richtige Einsendungen
Welcher Elite-Großmeister bestritt eines der Topturniere der 1980er Jahre über weite Strecken nicht auf einem Stuhl oder Sessel am Brett sitzend, sondern umständehalber in einer anderen, gänzlich ungewöhnlichen Position?
Tony Miles litt in Tilburg 1985 unter starken Rückenschmerzen und erhielt im Turnierverlauf nach Vorlage eines ärztlichen Attests die Genehmigung, seine Partien auf einer Pritsche liegend auszutragen (siehe Foto, hier vor seiner Partie der 7. Runde gegen Ljubomir Ljubojevic). Alle Teilnehmer stimmten zu - außer Robert Hübner. Er hatte Miles eigener Aussage nach in der Stadt normal laufend gesehen. Es wurde ein Kompromiss für die noch ausstehende Partie zwischen beiden gefunden, der sich wie folgt manifestierte: Miles-Hübner 1. d4 e5 2. dxe5 Dh4 3. Sf3 Da4 4. Sc3 Da5 5. e4 Remis. Miles gewann das Turnier geteilt mit Hübner und Kortschnoi!
Quote: 94% richtige Einsendungen
Wem wurde es bei einem Kandidatenmatch zum Verhängnis, dass er die hiesige Presse nicht studiert hatte?
Im Kandidaten-Halbfinale zwischen Lew Polugajewski und Viktor Kortschnoi in Buenos Aires 1980 stand es in der Verlängerung nach 13 Partien 6,5:6,5. Vor der 14. Partie erfuhr Kortschnoi aus der argentinischen Tageszeitung Clarin von einer beim Parallelmatch Hübner-Portisch gespielten Neuerung in der Englischen Eröffnung (für Schwarz). Er wandte sie an, Polugajewski wurde überrascht, verlor diese Begegnung und damit den gesamten Wettkampf! Hinterher stellte sich heraus, dass Miguel Najdorf den Trainern Polugajewskis von der Neuerung berichtet hatte, diese aber vergaßen, ihren Chef zu informieren (siehe SCHACH 7+8/2023, S. 58ff.)
Quelle: Clásicos de la Era Soviética: Lev. A. Polugaevsky - Pinal Chess
Quote: 13% richtige Einsendungen
José Raúl Capablanca gilt als der am schwersten zu schlagende Spieler der Schachgeschichte. Grobe Fehler unterliefen ihm so gut wie nie. Umso erstaunlicher war es, dass er 1929 in Karlsbad gegen Friedrich Sämisch in der Eröffnung einzügig eine Figur einstellte und die Partie trotz zähen Widerstands nicht mehr retten konnte. Ein Zeitgenosse erklärte den Fauxpas mit amourösen Eskapaden des für sein Interesse am schönen Geschlecht und seinen Charme bekannten Kubaners. Was war passiert?
So hat es der Peruaner Esteban Canal, Turnierteilnehmer in Karlsbad 1929, in dem Artikel Il virtuoso Capablanca in Nr. 6/1958 (S. 127) der italienischen Schachzeitschrift L’Italia Scacchistica überliefert. Es ist die wahrscheinlichste Variante dessen (es gibt deren mehr), was hinterher in den Einsteller hineininterpretiert wurde.
A), B), und D) sind reine Erfindungen meiner Phantasie. Siehe www.chesshistory.com C.N. 4712: Capablanca and the mystery woman und oncubanews.com/en/sports/capablanca-chess-yes-but-the-ladies-too/
Quelle Foto: jose_raul_capablanca_1929_by_klimbims_deew70n-fullview Cubanet
Quote: 40% richtige Einsendungen
9... La6?? 10. Da4 ... 1-0 (62)
Heutzutage geben Engines selbst führenden Großmeistern im Blitz eine Figur vor. Vor zwanzig, dreißig Jahren gab es noch medial vielbeachtete Matches im klassischen Schach zwischen den besten Engines und der Weltelite, selbstverständlich ohne Vorgabe. Welcher Top-Großmeister übersah anlässlich eines solchen ein einzügiges Matt?
Es war die zweite Partie des Matches Deep Fritz - Kramnik 2006, in der Wladmir Kramnik dieses Malheur in der Bundeskunsthalle zu Bonn unterlief. Der Wettkampf endete schließlich mit einem 4:2 für Fritz.
Quote: 59% richtige Einsendungen
33... De3?? 34. Dh7 matt 1-0
Bemerkenswert, wie DER SPIEGEL damals berichtete:
In der Endphase des Spiels verhedderte sich der Rechner regelrecht und ermöglichte es dem Menschen mit ein, zwei eher schwachen Zügen, auf einen Spielausgang hinzuspielen, der nach Meinung der meisten Experten Richtung Endlos-Schach lief. In diesem Augenblick aber zeigte Kramnik den "Human Factor", die menschliche Schwäche, die dem Rechner eben nie unterlaufen würde: Er übersah schlicht die Gefahr, dass Deep Fritz ihn binnen weniger Minuten Schach stellen könnte, und spielte, ganz auf eine eigene Strategie fixiert, auf Sieg. Zu dem aber kam es nicht mehr. Deep Fritz stellte Kramniks schwarzen König mit der weißen Dame kalt, während Kramniks Figur jede Ausweichmöglichkeit verbaut war.
Quelle: Mensch gegen Maschine: Kramnik verliert die zweite Partie - DER SPIEGEL
Robert Fischer galt nicht als ein Vorbild an Bescheidenheit und Empathie. Es kam somit überraschend, dass er, zwei Jahre, bevor er Weltmeister wurde, einem Kollegen bei einem bedeutenden Teamwettbewerb den Vortritt in der Brettreihenfolge ließ. Um wen handelte es sich?
Anlässlich des Wettkampfes Sowjetunion gegen den Rest der Welt in Belgrad 1970 überließ Robert Fischer Bent Larsen das erste Brett. Der verlor dort gegen Boris Spasski (3 Partien) und Leonid Stein (1 Partie) mit 1,5:2,5, während Fischer an Brett 2 Tigran Petrosjan mit 3:1 schlug.
Quote: 43% richtige Einsendungen
Viele deutsche Unternehmer förderten (und fördern) Schach über Jahrzehnte hinweg. Wer bewies dabei die größte Ausdauer, sprich, war bzw. ist der Sponsor bzw. Mäzen mit dem längsten Atem?
Ich schrieb über Wilfried Hilgert (1933-2016) im Rahmen meiner Kortschnoi-Artikelserie in SCHACH 2023/24, da er bei Kandidatenmatches von Robert Hübner als Delegationsleiter amtierte, u. a. auch in Meran 1980/81 gegen Kortschnoi. Seit 1957 war er Mitglied der SG Porz; um diese Zeit oder kurz danach muss es auch gewesen sein, dass er anfing, sich dort finanziell zu engagieren. Und das bis über seinen Tod 2016 hinaus! Vielleicht ziehen die drei anderen Genannten ja einst mit ihm gleich.
In der Aufzählung fehlt zu Unrecht der ebenso verdienstvolle Solinger Unternehmer Egon Evertz (* 1936).
Quote: 30% richtige Einsendungen
Von wem stammt dieses Zitat bezüglich der für den Betrieb des Freestyle-Circus (Schach960 bzw. Chess960) gegründeten Freestyle Chess Operations GmbH: „Wenn jemand schlau ist, dann kauft er das vielleicht relativ bald, in den nächsten zwölf, 24 Monaten für ein paar hundert Millionen, sage ich mal. Oder vielleicht in zehn Jahren – für einen deutlich höheren Betrag.“
Die Aussage stammt von Jan Henric Buettner. Das unten als Quelle angegebene Interview datiert auf den 21. Juni 2025. Wie hoch er heute den Wert der Freestyle Chess Operations GmbH bemisst bzw. wie weit evtl. Verkaufsverhandlungen gediehen sind, vermag ich nicht zu sagen.
Quelle: Schachmatjes – ein Mittagessen mit Deutschlands schillerndstem Unternehmer
Quote: 90% richtige Einsendungen