16. August 2018
Am 2. August ging es für mich und Wilfried Bode, dem Trainer des Deutschen Blinden- und Sehbehinderten-Schachbundes DBSB, nach Dresden zur Deutschen Einzelmeisterschaft. Nachdem ich in Sofia ein ordentliches Turnier gespielt hatte, war ich relativ zuversichtlich, auch dort spannende Partien spielen zu können.
Zu Beginn der Reise spielte uns die Deutsche Bahn einen Streich. Der ICE, in dem ich saß, hatte eine Verspätung von 35 Minuten, so dass ich den planmäßigen Umstieg in Hannover leider verpasste. Zwar fanden wir eine gute Möglichkeit, umzuplanen, jedoch kostete dies zwei Stunden, so dass wir gerade rechtzeitig zur Eröffnung ankamen. Da das Wyndham-Garden ja einigen bereits bekannt ist, brauche ich wahrscheinlich nicht viel zu den guten örtlichen Bedingungen mitten in der Natur zu schreiben. Nur die drückende Hitze tat dem ganzen einen kleinen Abbruch und plagte mich.
Die ersten Runden liefen erwartungsgemäß schwierig: In Runde 1 gegen FM Eduard Miller hatte ich mit Weiß eine leicht vorteilhafte Stellung, ließ den Vorteil aber aus und verlor in leichter Zeitknappheit den Überblick über die Stellung.
In Runde 2 und 3 konnte ich jeweils remisieren, wobei ich erst mit Schwarz Gewinnmöglichkeiten ausließ, inkorrekt opferte, und in Zeitnot meines Gegners Remis halten bzw. wieder leicht in Vorteil kommen konnte (gegen Frederik Svane), dann in der 3. Runde eine schlechte Partie spielte, mich jedoch gut verteidigte und eine dreifache Stellungswiederholung mitnahm. Die Sofia-Regel, nach der man erst im 40. Zug Remis anbieten durfte, hatte somit keine Auswirkungen auf das Ergebnis.
In Runde 4 spielte ich darauf gegen Arkadi Syrov, der mit den weißen Steinen meinen Eröffnungen auswich und mich auf dem falschen Fuß erwischte. Zu meinem Glück hat er, nachdem er das für ihn gewinnbringende Turmopfer gesehen hatte, den vierten einzigen Zug der Variante für ihn nicht mehr gesehen, so dass ich meinen ersten Sieg einfahren konnte.
Am Tag darauf spielte ich dann gegen IM Malte Colpe, Elo 2384. Hier war es völlig umgekehrt: In der Eröffnung stand ich klar besser, spielte dann ungenau und stellte in unklarer, aber wohl remiser Stellung einzügig einen Turm ein: Hitze und Essverbot am Brett waren für mich ungewohnt und dann habe ich wohl einfach die Konzentration verloren, sehr ärgerlich!
Zu meiner großen Überraschung änderte das weder an der Farbe noch an der Gegnerstärke etwas: In Runde 6 spielte ich gegen IM Arno Zude. Für Aktivität musste ich einen Bauern geben, der dann im Turmendspiel gefährlich wurde; mit Glück und etwas Geschick konnte ich aber Remis halten, worüber ich sehr glücklich war.
In Runde 7 folgte dann mein letzter Streich. Nach sehr schlechter Eröffnungsbehandlung meinerseits hatte ich drei Bauern für einen Springer gegen die Aktivität meines Gegners. Dieser war aber in Gedanken wahrscheinlich schon bei der Siegesfeier, spielte ungenau und die Bauern brachten den Sieg ein.
Merkte ich schon seit der 1. Runde, dass das Turnier mich mit Hitze, stärkeren Gegnern und dem bereits gespielten Turnier in Sofia zusammen schlauchte, so war ab der 8. Runde die Luft raus: Ich verdaddelte vorteilhafte Stellungen gegen die FMs Theo Gungl und Raphael Rehberg. In ersterer Partie war selbst das Turmendspiel noch Remis. So hatte ich am Ende 3,5 Punkte aus 9 Runden: Nicht so gut, wie zwischenzeitlich erhofft, aber völlig in Ordnung, zumal ich im Turnier insgesamt einen der stärksten Gegnerschnitte hatte (2307), darunter der Zweit,- und Drittplazierte des Turniers (beide erspielten sich eine IM-Norm und Theo Gungl schlug sogar in der letzten Runde noch einen Großmeister).
Ein insgesamt sehr faires Turnier, wenn man von einzelnen Beschwerden über zu lautes Uhrdrücken absieht, die mir unbegreiflich bleiben. Positiv ist zu erwähnen, dass der Ausrichter einen Sponsor gefunden hat, der kostenfreies Wasser zur Verfügung stellte. Ich bedanke mich für die erfolgreiche Vor- und Nachbereitung bei Wilfried, sowie für den positiven Zuspruch per Mail und auf anderem Wege: Hoffentlich war das noch nicht die letzte Deutsche Einzelmeisterschaft für mich!
René Adiyaman
(redaktionell bearbeitet)
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