[Event "Mitropa Cup"] [Site "?"] [Date "2021.05.11"] [Round "6"] [White "Kriebel, Tadeas"] [Black "Krastev, Alexander"] [Result "0-1"] [WhiteElo "2527"] [BlackElo "2340"] [Annotator "Kevin Högy"] [SetUp "1"] [FEN "4r3/3r1p1k/p5p1/Np1P1q1p/4n2P/P1P1R1P1/1PQ5/1K1R4 w - - 0 37"] [PlyCount "36"] [SourceVersionDate "2021.05.04"] {Einfach ist die weiße Stellung nicht. Der Springer auf a5 steht ein wenig im Abseits und die schwarzen Figuren sind auch schlicht viel besser zentralisiert. Dennoch, das folgende taktische Missgeschick hätte Weiß nicht zulassen müssen} 37. Rde1 $2 {Was sieht natürlicher aus als dieser Zug? Der Springer ist gefesselt und kann offensichtlich nicht ziehen, weil ansonsten e8 durchhängt. Kann er nicht? } ({Während der Partie hatte ich gedacht, dass es eine gute Idee sein müsste, aus dieser lästigen latenten Fesselung herauszugehen} 37. Kc1 Rxd5 38. Rde1 { Denn nun hängt es auf e4 wirklich. Schwarz hat als Konterdrohung vermutlich nur} Rd2 {, doch jetzt kann Weiß die Türme gegen die Dame gewinnen} 39. Qxd2 Nxd2 40. Rxe8 $13 {Die Einschätzung der Engine ist wie immer klar: 0.00. Das hilft am Brett aber keinem. Die Frage ist, möchte ich das lieber mit Weiß oder Schwarz spielen. Und wenn ich ehrlich bin: Ich hätte denke ich lieber Schwarz. Denn während der Nachziehende vergleichsweise leicht einen Freibauern bilden kann, ohne dass der eigene König unter Beschuss gerät, ist das bei dem wackligen weißen Monarchen doch schon bedeutend schwieriger umzusetzen. Mein Tipp wäre daher: In einer praktischen Partie hat Schwarz hier mehr Spaß!}) ({Die sauberste, wenngleich computereske Lösung besteht im Qualitätsopfer} 37. Nb3 $1 {Denn die Abwicklung wie in der Partie führt nach} Nd2+ 38. Rxd2 Qxc2+ 39. Kxc2 Rxe3 40. Nc5 $1 {nur dazu, dass der schwarze Turm auf d7 ewig gejagt wird, weil der weiße Bauer auf d5 nicht gefallen ist} Rd6 41. Nb7 Rd7 42. Nc5 Rd6 43. Nb7 $11 {mit Zugwiederholung}) 37... Nd2+ $1 {Kann er wohl! Aufgrund der Fesselung der weißen Dame entlang der Diagonalen erarbeitet sich Alexander ein lebenswichtiges Tempo, was zum Gewinn des wichtigen weißen d5-Bauern führt} 38. Kc1 Rxe3 39. Rxe3 ( 39. Qxf5 {würdie die Lage nur verschlimmbessern, denn nach} Rxe1+ 40. Kxd2 gxf5 41. Kxe1 {wäre schon die Qualität weg} Rxd5 $19) 39... Qxd5 {Alexander hat mit d5 den wichtigsten weißen Bauern genommen. Zudem steht plötzlich auch der weiße König unter Dauerbeschuss, denn es droht die Dameninvasion auf a2. So schnell kann es gehen, die Partie ist gelaufen! Das liegt auch am Springer auf a5, der traurig am Rand der Dinge harrt, die da kommen} 40. b3 Nf1 {gewinnt den g3-Bauern und ist natürlich bärenstark} ({Gut möglich war auch der Einschub} 40... Qh1+ $5 41. Kb2 Nf3 {denn nun droht lästig .. .Td2 mit Damengewinn und die einzige Verteidigung dagegen,} 42. Rd3 {, läuft in die bittere Springergabel} Ne1 $19) 41. Re1 Nxg3 42. Rd1 Qe6 $5 {Das habe ich ehrlich gesagt nicht verstanden. Und zwar so gar nicht gar nicht. Ich habe mal gelernt: "Springerendspiele sind wie Bauernendspiele" (Botvinnik-Regel). Und wenn ich die Möglichkeit habe, in ein Springerendspiel mit Mehrbauern (und zwar einem rasenden Randfreibauern, juhu!) abzuwickeln, hätte ich das sofort gemacht. Alex behält aber zumindest kurzfristig lieber die Damen noch auf dem Brett, auch um dem weißen König unter Umständen noch zu Leibe rücken zu können} (42... Qxd1+ {Ich hätte Haus und Hof auf diesen Zug gewettet! Was für ein Glück, dass ich der Zockerei nicht verfallen bin. Das Springerendspiel nach} 43. Qxd1 Rxd1+ 44. Kxd1 {ist leicht gewonnen, denn Schwarz schafft sich als erstes mit} g5 $19 { einen Freibauern. Der h-Bauer rast zum Sieg} 45. Ke1 {Nur so schafft es Weiß überhaupt noch, die sofortige Umwandlung zu verhindern} (45. hxg5 h4 46. Ke1 { der König ist zwar im Quadrat, kann den Bauern aber nicht aufhalten, weil der Sg3 das Umwandlungsfeld kontrolliert} (46. Nc6 {der Springer kommt auch nicht rechtzeitig} h3 47. Ne5 h2 $19) 46... h3 47. Kf2 h2 48. Kg2 h1=Q+ $19) 45... gxh4 46. Kf2 Ne4+ 47. Kg2 Nxc3 $19 {und Schwarz gewinnt}) 43. Rxd7 Qxd7 44. c4 Qd4 45. Kb1 bxc4 46. Qxc4 Qd1+ 47. Qc1 Qxc1+ {jetzt, mit dem König auf c1 statt d1 nach dem Damentausch entscheidet sich Alex für das Springerendspiel. Das ist freilich besser als in der Variante zuvor, da nun nicht einmal der König die Umwandlung des h-Bauern aufhalten könnte} 48. Kxc1 g5 $1 {Endlich!} 49. Nc4 (49. hxg5 h4 50. Nc4 h3 {und der Bauer liefe durch}) 49... gxh4 50. Ne5 h3 51. Nf3 {der h-Bauer ist fürs erste aufgehalten, doch noch wird der König in die Schlacht geführt, um den weißen Verteidigungsspringer zu erlegen} Kg6 52. b4 Kf5 53. a4 Kf4 54. Nh2 Ne4 {Schwarz droht schlicht ...Kg3, während der schwarze Springer einen Freibauern am Damenflügel locker alleine aufhalten wird. Weiß gab sich deshalb nicht zu früh geschlagen. Ein wunderbarer Sieg von Alex!} 0-1