27. August 2026
Am 16. August 2026 ist Anton Hilpoltsteiner nach langer, schwerer Krankheit im Alter von 88 Jahren gestorben. Mit ihm verliert der deutsche Schachsport einen jener Funktionäre, deren Arbeit kaum jemand zu Gesicht bekommt – und von der doch über Jahre hinweg jede einzelne Wertungszahl in Deutschland abhing.
Geboren am 22. Juli 1938 in München, blieb er dem Schach in Oberbayern zeitlebens verbunden: als Spieler, als Turnierleiter, als Vereinsvorsitzender – und vor allem als "Rechner".
Bis zum 26. Januar 2003 verantwortete Anton Hilpoltsteiner die Zentrale DWZ-Datenbank (ZDB) des Deutschen Schachbundes. Was diese Aufgabe in der Praxis bedeutete, lässt sich heute, im Zeitalter des Wertungsportals und automatischer Online-Auswertung, kaum noch vermitteln. Die Datenbank basierte auf EloBase und wurde lokal beim jeweils Verantwortlichen geführt. Monat für Monat schickten die Wertungsreferenten der Landesverbände ihre Landesdatenbanken und die Dateien der überregionalen Turniere ein – anfangs per Diskette, später per E-Mail. Hilpoltsteiner führte all diese Bestände zu einer einzigen Datenbank zusammen und wertete die eingereichten Turniere aus.
Es war eine Arbeit ohne Applaus, dafür mit erheblicher Verantwortung: Was hier schiefging, pflanzte sich durch das gesamte deutsche Wertungswesen fort. Bei der Tagung der Kommission für Wertungen am 25. und 26. Januar 2003 in Fulda wurde die Aufgabe nach seinem kurzfristigen Rücktritt an Frank Hoppe übergeben, um den reibungslosen Fortgang der Turnierauswertungen sicherzustellen.
Parallel dazu wirkte er von 1998 bis 2003 als Wertungsreferent des Bayerischen Schachbundes und in derselben Funktion für den Bezirk München.
Noch länger, nämlich vier Jahrzehnte, betreute Anton Hilpoltsteiner die Firmen- und Behörden-Schachrunde im Bayerischen Beamtenbund (BBV) Südbayern. Als deren Spielleiter organisierte er einen Spielbetrieb mit über zwanzig Mannschaften, in dem Europäisches Patentamt, Bayerische Landesbank, MTU, Flughafen München, Technische Universität und ADAC gegeneinander antraten – Runde für Runde, Termin für Termin, Ergebnis für Ergebnis.
Seine Rundschreiben aus Forstinning waren dabei alles andere als Verwaltungsprosa. Er mahnte, bat um Nachsicht, wenn ihm selbst etwas danebengegangen war, und ließ die Schachfreunde an seinem Leben teilhaben: an Knieoperationen ebenso wie an der Kapitulation seines Mailprogramms vor Windows XP. Am Ende der Saison 2017/18 – es war seine 40. – schrieb er den Mannschaften: „Ich werde im Juli 80 Jahre alt (hoffentlich erlebe ich es!)“ und ließ offen, ob er weitermachen könne. Der Satz sagt viel über den trockenen Humor eines Mannes, der noch mit fast 80 Jahren Ergebnisse von Hand nachtrug, wenn sie ihm niemand meldete.
Bis 2003 gehörte Anton Hilpoltsteiner dem SK Markt Schwaben an. Über ein Jahrzehnt, von 1988 bis 1998, war er dort Turnierleiter, von 2001 bis 2003 Erster Vorsitzender. Auch in seinem Wohnort Forstinning setzte er sich für das Schach ein – für Schachkurse und für einen Schachplatz mitten im Ort, der zum Dorftreffpunkt wurde.
Aus Anlass seines 125-jährigen Bestehens sprach der Deutsche Schachbund im Mai 2002 zahlreichen Schachfreunden Dank und Anerkennung in Form einer Ehrenurkunde aus. Anton Hilpoltsteiner war einer von ihnen.
Der Deutsche Schachbund wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie.
Die Beisetzung findet am 11. September 2026 um 14.00 Uhr auf dem Waldfriedhof Forstinning statt.
// Archiv: DSB-Nachrichten - Wertungskommission // ID 24073