Anton Lindenmair ist Deutscher Seniorenmeister des DBSB 2026

1. August 2026

Gert Schulz (2.), Anton Lindenmair (1.) und Dieter Riegler (3.)

Gert Schulz und Dieter Riegler punktgleich dahinter

Von Gerhard Dyballa
Pressewart des Deutschen Blinden- und Sehbehinderten-Schachbundes (DBSB)

Die 25. Auflage der Senioren-Einzelmeisterschaft des Deutschen Blinden- und Sehbehinderten Schachbundes (DBSB) fand vom 2. bis 9. Juli zum zweiten Mal im Hotel Stadt Baunatal bei Kassel statt. Das Hotel verfügt über 51 individuell eingerichtete Zimmer und Suiten mit insgesamt 99 Betten, nach Wahl mit Dusche oder Badewanne. Es wurde von den Senioren des DBSB für dieses Turnier ausgewählt, da dort sehr oft für die Blindenvereine Veranstaltungen durchgeführt wurden und die Teilnehmer stets mit der Einrichtung zufrieden waren. Wie mir Teilnehmer des Turniers mitteilten, bot das Hotel auch in diesem Jahr ideale Spielbedingungen in einem großen Raum. Alle hatten an den großen Tischen viel Platz, nicht nur für ihre Blindenschachbretter, sondern auch für das übrige Spielmaterial.

Für das leibliche Wohl war nicht nur während der Mahlzeiten zur Zufriedenheit aller gesorgt. Das Personal des Hotels war stets freundlich und hilfsbereit. Der Organisator des Turniers und Titelverteidiger, der 84-jährige Manfred Müller aus Senftenberg, konnte leider aus gesundheitlichen Gründen nicht an der Meisterschaft teilnehmen. So wurde der Baunataler Dietmar Hillesheim als Ersatzorganisator ins kalte Wasser geworfen. Diese Aufgabe hat er zur Zufriedenheit aller Teilnehmer gemeistert.

Turnierverlauf

Anton Lindenmair gewann die 25. Deutsche Senioreneinzelmeisterschaft des DBSB zum ersten Mal vor den punktgleichen Gert Schulz und Dieter Riegler. Lindenmair vertrat Deutschland von 1985 bis 2019 bei vielen internationalen Turnieren. Seine größten Erfolge feierte er bei der IBCA-Schacholympiade im spanischen Benidorm 1985, während der er 6,5 Punkte aus 9 Partien am 4. Brett erkämpfte, sowie 2002 bei der IBCA-Einzelmeisterschaft im türkischen Istanbul, wo er 5,5 Punkte aus 9 Partien verbuchte.

In der Auftaktrunde hatte Lindenmair Spielglück gegen Matthias Steinhart. In einem ausgeglichenen Endspiel hatte Steinhart Remis angeboten, das Lindenmair ablehnte und daraufhin die Stellung überzog und mit einer Niederlage rechnete. Steinhart sah den Gewinnzug nicht und gab sich mit einem Dauerschach zufrieden. In der zweiten Runde einigte sich Lindenmair gegen Dieter Riegler trotz eines Mehrbauern  auf eine Punkteteilung. In der darauffolgenden Runde 3 bekam Lindenmair eine aktive Stellung gegen Peter Ellinger, die in einen nicht zu verhindernden Mattangriff mündete. Kurz vor dem Matt gab Ellinger die Partie auf.

Die entscheidende Partie um die Meisterschaft spielten in der vierten Runde Gerhard Dyballa mit Weiß gegen Lindenmair. Dyballa hatte im Mittelspiel mit seinem aktiven Läuferpaar eine gewonnene Stellung erkämpft, die er durch einen ungenauen Zug zum Remis verdarb und darauf mit einem sehr schwachen Zug ruinierte, der zum Verlust führte.
In der fünften Runde einigte sich Lindenmair mit Gert Schulz nach wenigen Zügen auf die Punkteteilung.

Lindenmair gewann die Partie in der vorletzten Runde. Sein belgischer Gegner Alex Geerinck hatte in einer komplizierten Stellung eine falsche Entscheidung getroffen und stellte wenige Züge später eine Figur ein. Vor der letzten Runde rechnete sich der mit einem halben Punkt führende Lindenmair aus, dass er mit einem Unentschieden durch die Buchholzwertung die Meisterschaft gewinnen konnte. Als Pinnow nach wenigen Zügen Remis anbot, wurde dies natürlich sofort akzeptiert. Damit war Lindenmair die Meisterschaft nicht zu nehmen.

Es war eine sehr umkämpfte Seniorenmeisterschaft. Am Ende trennte den Meister Lindenmair von dem Siebten Matthias Steinhart nur ein Punkt.

Drei Teilnehmer erzielten 5 Punkte. Die zweite Wertung, die Buchholzpunkte, gab den Ausschlag der Plätze eins bis drei. Der Sieger Lindenmair hatte mit seinen 27,5 Buchholzpunkten nur zwei Zähler Vorsprung vor dem Zweiten Schulz mit 25,5. Dieser hatte einen Buchholzpunkt mehr als der Dritter Riegler mit 24,5. Lindenmair, Schulz und Riegler verloren keine einzige Partie, gewannen drei und spielten viermal Unentschieden.

Die guten 4. und 5. Ränge erkämpften Peter Ellinger und Manfred Pinnow mit je 4,5 Punkten. Auch hier entschied über die Platzierung die zweite Wertung, Ellinger mit 22 und Pinnow mit 21 Buchholzpunkten.

Ellinger verlor nur die schon erwähnte Partie gegen Lindenmair. In der 6. Runde übersah er gegen Riegler einen Gewinnzug mit dem Turm und gab sich mit einem Dauerschach zufrieden. Pinnow wurde nur in der dritten Runde von Schulz geschlagen. In der zweiten Runde verteidigte sich Pinnow 36 Züge lang zäh gegen Dyballa in Stellungen mit einem Bauern weniger. Die Partie dauerte fast 5 Stunden.

Dyballa wurde Sechster und Steinhart Siebter. Sie errangen je 4 Punkte. Auch hier entschied die Buchholzwertung. Dyballas 26 Buchholzpunkte waren besser als Steinharts 24,5.

Achter wurde Heinrich Traub mit 1,5 erzielten Punkten, der in der 4. Runde einen Sieg gegen Alex Geerinck verbuchte. Dietmar Hillesheim wurde Neunter mit einem Punkt, den er mit zwei Unentschieden gegen Traub und Geerinck erreichte. Der belgische Schachfreund Geerinck erspielte einen halben Punkt.

Endstand

Pl. Teilnehmer Land DWZ Pkt. Buch 1 2 3 4 5 6 7
1. Anton Lindenmair 1863 5,0 27,5 7w½ 3s½ 4w1 6s1 2w½ 10s1 5w½
2. Gert Schulz 1866 5,0 25,5 4s½ 8w1 5s1 3w½ 1s½ 6w½ 9s1
3. Dieter Riegler 1750 5,0 24,5 10s1 1w½ 6w½ 2s½ 7w1 4s½ 8w1
4. Peter Ellinger 1620 4,5 22,0 2w½ 7s½ 1s0 9w1 8s1 3w½ 10w1
5. Manfred Pinnow 1783 4,5 21,0 9w1 6s½ 2w0 7s½ 10w1 8s1 1s½
6. Gerhard Dyballa 1847 4,0 26,0 8s1 5w½ 3s½ 1w0 9s1 2s½ 7w½
7. Matthias Steinhart 1521 4,0 24,5 1s½ 4w½ 10s1 5w½ 3s0 9w1 6s½
8. Heinrich Traub 1406 1,5 24,5 6w0 2s0 9w½ 10s1 4w0 5w0 3s0
9. Dietmar Hillesheim 1281 1,0 24,0 5s0 10w½ 8s½ 4s0 6w0 7s0 2w0
10. Alex Geerinck - 0,5 25,5 3w0 9s½ 7w0 8w0 5s0 1w0 4s0

Die Meisterschaft verlief in einer freundschaftlichen Atmosphäre. Am Abend des letzten Spieltages fand die Siegerehrung statt. Der Geschäftsführer des Hotels Sebastian Will und  das Hotelpersonal überreichten den drei Besten Medaillen, Urkunden und den erspielten Geldpreis.

// Archiv: DSB-Nachrichten - DSB // ID 11787

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