21. August 2025
„Es gibt ja dieses Sprichwort“, sagt Nachwuchs-Bundestrainer IM Bernd Vökler, „neue Besen kehren gut. Das trifft in diesem Fall definitiv zu.“ Der neue Schiedsrichterobmann des Deutschen Schachbundes, Frank Jäger, reiste extra aus Leipzig an, um die 22 Teilnehmer des Vorbereitungstrainingslagers für die Jugend-Einzel-EM und Jugend-Einzel-WM über Regelkunde in Theorie und Praxis zu unterweisen – und das sei sehr spannend gewesen.
Die mitgereisten Eltern waren auch zahlreich erschienen. Das YouTube-Video Nakamura-Donchenko zur 50-Züge-Regel löste Erstaunen und Gelächter im Publikum aus. Die Schachszene spricht vom "Luckiest Escape ever" - der glücklichsten Flucht aller Zeiten.
Es wurden viele Fragen gestellt - und beantwortet. Kinder schilderten ihre eigenen Erlebnisse zu „Berührt-Geführt“. Und die „schwebende Hand“ von GM Anish Giri, der unlängst in London Diskussionen auslöste, war auch ein Thema. Anish Giri hatte seinen Springer berührt und dann versucht, eine andere Figur zu ziehen. Auch die Trainer steuerten den einen oder anderen Praxisfall bei. Für die Rückreise nutzte Frank Jäger sein E-Bike und spulte die 140 Kilometer locker ab. Der Mann ist unverwüstlich - das wissen auch alle DSAM-Teilnehmer.
Wieder zurück im normalen Tagesablauf, trainierten die jungen Kaderspieler und -spielerinnen in drei Gruppen bei den Trainern FM Hendrik Hoffmann, FM Thomas Michalczak und Bernd Vökler. Hoffmann und Michalczak bereiteten ihre Schützlinge für die Jugend-WM U8-U12 in Kasachstan ab dem 18. September vor. Hendrik Hoffmann wird auch in Budva bei der Jugend-EM (ab 28. Oktober) einige seiner Schüler und Schülerinnen wiedersehen. Schwerpunkte des Trainings waren Bedenkzeit-Training, Variantenberechnung und Repertoireaufbau und -pflege.
Natürlich kann bei einem Nachwuchs-Camp der Spaßfaktor nicht groß genug sein. Das fünfrundige Schnellturnier am Abend sorgte für den einen oder anderen Praxistest des gerade Erlernten. Und zum allseits beliebten Sportprogramm zählten wieder Fußball, Beachvolleyball, Bogenschießen und Tischtennis. Auch für einen Besuch des Freibades mit sehr klarem und sehr kaltem Wasser war noch Zeit. "Es hat wieder alles gepasst", so Vökler, der mit seiner Kamera einige Eindrücke vermittelt.
Eine Umfrage unter Teilnehmern nach den Zielen für die kommenden Meisterschaften hat übrigens ergeben, dass in Bad Blankenburg ein zukünftiger Weltmeister und zwei Medaillengewinner am Start waren. An Selbstbewusstsein mangelt es also der Schach-Jugend nicht, wie ein Blick auf Hugó Keleti aus Leipzig zeigt (in der Bildgalerie sieht man, dass er auch beim Tischtennis eine gute Figur abgibt). Der Achtjährige will nicht nur der beste Spieler der Welt werden, sondern erreichte auf dem Weg dahin kürzlich überregionale Berühmtheit durch Partien in einem Londoner Pub und einen Beitrag beim MDR, in dem vom "German Spiderman" am Schachbrett die Rede war. Zwischen Pub und Bad Blankenburg - schauen wir mal, ob die eigenen Erwartungen erfüllt werden. (mw)
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