21. April 2026
Rekordausrichter? Bei dem Begriff muss Rainer Polzin schmunzeln. „Das klingt lustig. Denn bisher hat das kein Verein auch nur ein zweites Mal ausgerichtet.“ Die Schachfreunde Berlin 03 hingegen, bei denen Polzin im Vorstand mitarbeitet, sind nun bereits zum fünften Mal Ausrichter der Endrunde in der offenen Bundesliga. Sie dürfen für sich in Anspruch nehmen, die Veranstaltung groß gemacht - und ihr einen wunderbaren Rahmen gegeben zu haben. Allein die Location ist auch diesmal ein Traum: Das Event findet von Freitag bis Sonntag in der SPD-Zentrale im Willy-Brandt-Haus in der Wilhemstraße in Berlin statt, wo es zwar schon sechs Mal Bundesligarunden gab – aber nun erstmals die Endrunde. „Das ist eine wunderbare Möglichkeit für alle Berliner Schach-Fans, unseren Sport auf Spitzenniveau zu erleben“, sagt Paul Meyer-Dunker, der mit seinen Berliner Schachverband Mitveranstalter ist: "Es wird ein Highlight." Es habe, so sagt er, in jüngster Vergangenheit einige schöne Berliner Turnierorte gegeben, wie das Rathaus Schöneberg oder das Olympiastadion zuletzt beim U25-Open - aber das Willy-Brandt-Haus übe auf ihn noch einmal eine besondere Faszination aus. Der Eintritt für alle ist übrigens frei – aber bitte den Ausweis für den Einlass nicht vergessen.
„Wir veranstalten diese Endrunde wirklich gerne“, sagt Rainer Polzin, der zweite Vorsitzende der Schachfreunde, die aus den Reihen ihrer 130 Mitglieder eine große Helferschar rekrutieren werden. „Dafür“, sagt der Teamchef des MSA Zugzwang, Gerald Hertneck, müsse man den Berliner „wirklich schon vorab ein Lob aussprechen. Die Zentrale Endrunde ist sportlich ein absolutes Highlight – und man muss jedem Verein dankbar sein, dass er das macht.“ Pause. „In München findet sich für diesen riesigen organisatorischen Aufwand niemand mehr.“
Nach 2017, 2018, 2019, 2020 sind die Schachfreunde aus dem Bezirk Schöneberg also erneut Gastgeber – ziemlich exakt ein Jahr, nachdem sie selbst über einen dramatischen Stichkampf gegen Hofheim (4:4, am Ende entschied die Wertung) wieder in die Bundesliga aufgestiegen sind. Nun geht es beim Finale um alles für den Verein, der als Schachfreunde Neukölln seit dem ersten Aufstieg in die Eliteliga 1997 eine bewegte Bundesliga-Historie hat. „Seit wir in der Bundesliga sind ist das zweifellos die härteste Saison. Das wird ein echter Kraftakt, den Klassenerhalt noch zu schaffen“, sagt Rainer Polzin. Die Chance beziffere er auf 30 bis 40 Prozent. Dass man nun zur Endrunde überhaupt noch die Chance habe, hätte er so kaum für möglich gehalten. „Unsere junge Mannschaft wird alles geben, wir lieben die Bundesliga“, sagt Polzin, der in dieser Saison selbst keine Partie gespielt hat – aber das sei vorher bereits so geplant gewesen. Gute Nachricht: für die Schachfreunde aus Berlin: Durch den angekündigten Rückzug der Schachfreunde Wolfhagen (nach nur einem Jahr) aus der Bundesliga am Ende der Saison. Dieses Aus für den Aufsteiger und seine überwiegend ukrainischen Spieler hatte der stets gut informierte Gerald Hertneck schon vor zwei Wochen "gerochen" hat, steigen die Chancen – es wird nur zwei sportliche Absteiger geben.
Spannung pur und hochklassiges Schach an drei Tagen in der Hauptstadt – so lautet nun das Motto für die Veranstaltung im Herzen des Bezirks Kreuzberg. Einzige Schönheitsfleck: „Für die Frauen-Bundesliga reichte der Platz nicht aus noch, was wir wirklich bedauern“, sagt Paul Meyer-Dunker, der mit dem Event seinen Abschied als Präsident des BSV einläutet. Dass ihn das schmerzt, darf man ihm abnehmen. Denn er hat sich während seiner Amtszeit stets als Förderer des Frauenschachs hervorgetan. „Ich will ehrlich sein: Dass die Frauen nicht dabei sind, keine Zentrale Endrunde für alle möglich war, ist bei mir schon ein kleiner Wermutstropfen.“ Man habe noch, einen zweiten Spielsaal in der Nähe des Willy-Brandt-Hauses zu bekommen. Doch die Preise jedoch seien unbezahlbar gewesen, so Polzin. Rund 30.000 Euro zusätzlich wären allein an Raummiete noch einmal fällig geworden. Hauptstadtpreise halt. So spielten die Frauen ihren Meister (SK Schwäbisch Hall holte den Titel) bereits vergangenes Wochenende in Bad Königshofen aus. Und auch das Jugendturnier des SC Kreuzberg und ein Bundesliga-Blitzturnier, Teile des sportlichen Rahmenprogramms bei der Berliner Endrunde, mussten ausgelagert werden.
Bei den sechzehn teilnehmen Teams sind nun viele Weltklassespieler gemeldet. „Stars aus der Nähe, quasi zum Anfassen“, schwärmt Meyer-Dunker. Im Kampf um Meistertitel, Europacup-Qualifikation und Klassenerhalt werden die Vereine viel Weltklasse ans Brett bringen – über 100 Großmeister dürften da sein. Wobei eines bereits klar scheint: Magnus Carlsen bleibt für diese Saison ein unerfülltes Versprechen. Er hat noch nicht einmal für St. Pauli gespielt. „Und warum sollte er es jetzt tun, da die Hamburger den Klassenerhalt bereits geschafft haben? „Ich denke, die Wahrscheinlichkeit liegt bei einem Prozent, dass er kommt“, sagt Polzin. Irgendwie schade, nicht nur Polzin hätte sich auf ein Wiedersehen gefreut.
Denn die Schachfreunde und Carlsen – das ist eine schöne Bundesliga-Story für sich. Beim Vereins-Europapokal 2003 lernten sie sich auf Kreta kennen, beim gemeinsamen Wasserballspiel im Hotelpool. Die Familie sagte für die Bundesliga zu. Und tatsächlich, der damals erst 14-jährige Carlsen spielte im März 2005 an einem Wochenende mal für die Schachfreunde – auch im Willy-Brandt-Haus, woran sich viele Mitarbeiter immer noch gerne erinnern.
Kurz zum Sportlichen: Die Meisterfrage in der Liga scheint entschieden. Zu sehr litten manche Mannschaften in dieser Saison darunter, dass die Menge an Schachevents (wo es teilweise für die Profis auch mehr zu verdienen gibt) für bisweilen dezimierte Kader sorgte. Der SC Viernheim nutzte das aus – und ist nun mit 24 Mannschaftspunkten, drei Punkten Vorsprung vor der OSG Baden-Baden, kaum noch einzuholen. Im Abstiegskampf aber kann noch viel passieren. Nur der USV TU Dresden (drei Punkte) scheint abgeschlagen. Ebenfalls mit im Abstiegsstrudel: SF Berlin (6 Punkte), MSA Zugzwang (7) und SC Heimbach-Weis-Neuwied (8). In dieser Woche werden wir hier auf der DSB-Webseite auf die Lage der Liga noch genauer eingehen.
Hauptsponsor der Endrunde ist der Energieparkentwickler UKA Umweltgerechte Kraftanlagen GmbH & Co. KG., der auch ein Prominententurnier veranstalten wird.
Das Rahmenprogramm: Mitmachen ist möglich beim Bundesliga Blitzturnier des NSV, das in Zusammenarbeit mit Niedersächsischen Schachverband (der ein Preisgeld ovn 5.000 Euro auslobt) im Haus des Sports beim Schachclub Kreuzberg (Böcklerstr. 1, 10969 Berlin) ausgetragen wird. Das Teilnehmerfeld bietet bereits einige große Namen: GM Daniel Fridman, die IM Konstantin Peyrer, Ilja Schneider, Sebastian Poltorak, Torben Knüdel und nicht zuletzt Georgios Souleidis alias The Big Greek haben sich schon angemeldet. Um sich für das Halbfinale und das anschließend stattfindende Finale am Samstagabend qualifizieren zu können, finden zwei Vorrundenturniere statt. Das erste ist für Donnerstag, den 23. April, um 19:30 Uhr angesetzt, das zweite am Samstag ab 19 Uhr. Das Format ist besonders: Gespielt werden 7 Runden Schweizer System, in denen man jeweils einmal mit Weiß und einmal mit Schwarz gegen denselben Gegner antritt. Die Bedenkzeit beträgt 3 Minuten plus 2 Sekunden Zeitzugabe pro Zug.
125 Jahre Berliner Schachverband: Der Berliner Schachverband wird während der Bundesliga- Endrunde 125 Jahre alt. Aus diesem Anlass ist er nicht nur Co-Ausrichter. Es findet auch am Samstag, 25. April 2026, ab 14:30 Uhr eine Festveranstaltung des Berliner Schachverbandes statt. Und ja: Da sagt Paul Meyer-Dunker Servus. Ob leise, das wird man sehen. Eher dürfte auch ihm daran gelegen sein, mit den Schachfreunden Berlin noch einmal für einen echten Paukenschlag zu sorgen (mw).
Alle Informationen – vom Zeitplan bis zum Livestream – sind auf der Plattform schachevent.com zu finden, wo auch die Partien live verfolgt werden können.
// Archiv: DSB-Nachrichten - DSB // ID 37004