"Da war richtig Stimmung in der Bude."

12. Dezember 2025

Der Vielfaltskongress der Deutschen Schach-Jugend: Lebhafte Diskussionen, vertraute Atmosphäre

Gesellschaftliche Schach-Projekte: Nach dem Vielfaltskongress ist vor der nächsten Regionalkonferenz zum Frauen- und Mädchenschach.

Es sei ein bunter Mix gewesen – aus Spaß und einer gewissen Ernsthaftigkeit. “Sehr familiar, sehr interessant, bisweilen kontrovers. Zeitweise war bei den Diskussionen richtig Stimmung in der Bude”, sagte Niklas Mörke, mit Najat Tabakh Organisator des zweiten Vielfaltskongress der Deutschen Schach-Jugend in Hildesheim. Was die gesellschaftlichen Projekte angeht, steht im neuen Jahr auch die nächste Runde der Regionalkonferenzen zur Förderung des Mädchen- und Frauenschachs an - ein gemeinsames Projekt von DSB und DSJ. Schonmal den Termin vormerken: 7. Februar in Nordhausen.

Am 7. Februar geht das gemeinsame DSB- und DSJ-Projekt weiter - in Nordhausen

Getagt wird in der Gaststätte Brandenburg, Kranichstraße 19, 99734 Nordhausen. Und einmal mehr geht es darum, strukturelle und kulturelle Hindernisse zu identifizieren und konkrete Maßnahmen zu entwickeln, um mehr Mädchen und Frauen für das Schachspiel zu begeistern und nachhaltig zu binden. Aktuell sind nur etwa zehn Prozent der knapp 100.000 DSB-Mitglieder weiblich.

Hier geht es zur bereits freigeschalteten Anmeldung für die Regionalkonferenz Ost. Die Teilnahme ist wie immer kostenlos, die Reisekosten werden erstattet.

Die Bandbreite reichte von Rechtsextremismus bis Mädchenschach - und als es um Autismus ging, wurde es sehr persönlich

Unterdessen zeigte der DSJ-Vielfaltskongress in Hildesheim, wie modern, offen und verantwortungsvoll Schachkultur heute gestaltet werden kann. Drei Tage lang tauschten sich 16 Schach-Enthusiasten aus ganz Deutschland über Inklusion, Prävention und gendersensible Vereinsarbeit aus. Viele konkrete Beispiele und praxisnahe Workshops machten kaut Veranstalte deutlich: „Vielfalt ist kein Zusatz, sondern ein zentraler Baustein für die Zukunft des Schachs.“ Dabei ging es um Themen wie Rechtsextremismus, Inklusion, Integration, genderspezifisches Training und Fair Play - konkrete Handlungshilfen für die Vereinsarbeit.

Der Kongress begann am Freitagabend mit einer Podiumsdiskussion unter dem Titel „Krisenkommunikation – Wie reagieren auf rechte Kommentare im Netz?“ Die Diskussion wurde im Fishbowl-Format durchgeführt, das durch seinen offenen Charakter Raum für lebendige und zugleich strukturierte Gespräche bietet. Während ein Innenkreis die Diskussion eröffnete, hatten alle Teilnehmenden jederzeit die Möglichkeit, sich aktiv einzubringen. Das wurde eifrig genutzt.

Der Samstag stand ganz im Zeichen praxisorientierter Workshops. Den Auftakt machte Gert Schulz, Inklusionsbeauftragter des Deutschen Schachbundes, mit dem Workshop „Worauf muss ich achten, um mein Turnier oder meinen Verein barrierearm zu machen – und ein bisschen Blindenschach“. Die Teilnehmenden erhielten einen umfassenden Einblick in organisatorische, räumliche und kommunikative Anforderungen barrierearmer Veranstaltungen. Neben hilfreichen Materialien wurden auch viele Beispiele aus dem Vereinsalltag vorgestellt.

Im Anschluss widmete sich Laura Schalkhäuser in ihrem Workshop „Das geschlechtsspezifische bzw. zielgruppenspezifische Angebot – Warum? Wie?“ den unterschiedlichen Bedürfnissen von Mädchen und Jungen im Schachtraining. Nach der Mittagspause folgte ein sehr persönlicher Beitrag: Unter dem Titel „Zwischen Zwang und Autismus – wie mich Schach in meinem weiteren Leben positiv beeinflusste“ berichtete Sven Hagemann davon, wie der Schachsport ihm Struktur, Fokus und Selbstvertrauen vermittelt hat. Seine Geschichte verdeutlichte eindrucksvoll, welchen positiven Einfluss Schach auf das Leben haben kann.

Der letzte Workshop des Tages widmete sich einem aktuellen Thema: „Rechtsextremismus im Verein/Verband“. Nach einer Einführung in grundlegende Begriffe durch Niklas Rickmann erarbeiteten die Teilnehmenden gemeinsam, wie rechtsextreme Ideologien im Sport sichtbar werden können und welche präventiven Maßnahmen Vereine ergreifen sollten.

Hier geht es zum DSB-Interview mit Niklas Rickmann: "Wenn wir das Thema totschweigen, dann wird es nicht gelöst."

Der Sonntag begann mit einer offenen Fragerunde, in der noch offene Punkte aus den vorangegangenen Workshops geklärt wurden. Im Anschluss präsentierten sich beim „Markt der Möglichkeiten“ verschiedene Projekte, darunter das Inklusionsprojekt „Offenes Fenster“ sowie das inklusive Turnier „Geistesblitz und Taktikwitz“ der Pfennigparade. Beeindruckende Initiativen. (mw)

// Archiv: DSB-Nachrichten - DSB // ID 36874

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