14. September 2026
Der Deutsche Schachbund trauert um Daniel Hendrich, der am 8. September 2026 völlig überraschend im Alter von nur 44 Jahren verstorben ist. Mit ihm verliert das deutsche Schach einen seiner verlässlichsten Organisatoren und Schiedsrichter – und viele Schachfreundinnen und Schachfreunde einen Menschen, auf den man sich verlassen konnte.
Daniel Hendrich wurde am 28. Juni 1982 in Worms geboren, und Worms blieb zeitlebens seine Heimat. Am 15. Dezember 1992, mit zehn Jahren, trat er der Schachabteilung des Eisenbahner-Sportvereins Worms bei; im Mai 1999 wechselte er zum Wormser Schachverein von 1878, dem er über alle Stationen hinweg verbunden blieb. Zwischenzeitliche Mitgliedschaften führten ihn zum SC 1997 Lambsheim und zum Post SV Neustadt, wo er bis zuletzt ebenfalls aktiv war.
Im Wormser Schachverein war er bald weit mehr als Spieler. Als Webmaster betreute er bis 2010 die Vereinsseite, über viele Jahre war er Mannschaftsführer, von 2007 bis 2010 Pressewart, von 2010 bis 2014 und erneut von 2020 bis 2022 Turnierleiter und seit Juni 2024 Schatzmeister. Für sein außergewöhnliches Engagement ernannte ihn der Verein am 27. Juni 2014 zum Ehrenmitglied.
Die Schiedsrichterlaufbahn von Daniel Hendrich verlief geradlinig und schnell: 2006 wurde er beim Deutschen Schachbund als Turnierleiter geführt, 2009 folgten die Lizenzen als Regionaler und als Nationaler Schiedsrichter. Der Weltschachbund FIDE verlieh ihm 2010 den Titel FIDE-Schiedsrichter und 2014 den Internationalen Schiedsrichter – den höchsten Titel, den ein Schiedsrichter erreichen kann. 2015 kam der Titel Internationaler Organisator hinzu.
Eingesetzt wurde er weit über die Pfalz hinaus: bei zahlreichen Opens, bei Bundesliga- und Oberligakämpfen, bei den Meisterschaften seines Landesverbandes. Bereits Anfang der 2000er Jahre leitete er die Gruppen I und II der 2. Frauenbundesliga. Gemeinsam mit seinem 2024 verstorbenen Freund Gregor Johann leitete er unter anderem die Deutsche Seniorenmeisterschaft 2018 in Neustadt an der Weinstraße.
Als Organisator prägte er seit 2004 das Wormser Nibelungenopen, dazu das Pfalz-Open in Neustadt und viele pfälzische Schachkongresse. Wer ihn im Turniersaal erlebte, schätzte seine ruhige Sachlichkeit, seine Regelkenntnis und seine Bereitschaft, sein Wissen an jüngere Kolleginnen und Kollegen weiterzugeben – ebenso wie sein sprichwörtliches Tempo bei der Eingabe von Partien.
Seine Verbandsarbeit begann früh: Von 2004 an war er Presse-Referent und erster Jugendreferent des Schachbundes Rheinhessen. Den zum 1. Januar 2007 wirksamen Wechsel des Wormser Schachvereins in den Pfälzischen Schachbund organisierte er maßgeblich mit und übernahm dort von 2008 bis 2010 die Spielleitung der Bezirke II Ludwigshafen und III Neustadt.
Im November 2010 wurde Daniel Hendrich zum Landesspielleiter des Schachbundes Rheinland-Pfalz gewählt; dieses Amt führte er bis November 2018, als ihn ein schwerer Autounfall zum Rückzug zwang. Im Erweiterten Präsidium des Pfälzischen Schachbundes wirkte er von 2015 bis 2020 als Referent für Datenverarbeitung und Spielberechtigungsfragen.
Sein ehrenamtliches Wirken fand auch über den Schachsport hinaus Anerkennung: 2015 zeichnete ihn der Sportbund Pfalz mit der Ehrennadel in Bronze aus. Beide Schachverbände ehrten ihn ebenfalls – Daniel Hendrich trug die silberne Ehrennadel des Pfälzischen Schachbundes, und 2019 überreichte ihm SBRP-Präsident Achim Schmitt im Rahmen der Siegerehrung des Rheinland-Pfalz-Opens die Ehrennadel in Silber des Schachbundes Rheinland-Pfalz.
Daniel Hendrich war auch ein guter Schachspieler – bei einem Funktionär dieses Zuschnitts keineswegs selbstverständlich. Für den Wormser Schachverein holte er 83,5 Punkte in 142 Mannschaftskämpfen; zuletzt stand er bei einer DWZ von 1864 und einer Elo-Zahl von 1930.
Neben dem Schach galt seine Leidenschaft der Geschichte. Er durchforstete mehrfach das Wormser Stadtarchiv, wurde zum Archivar und Historiker seines Vereins und arbeitete bereits an der Festschrift zum 150-jährigen Bestehen im Jahr 2028. Seine Funde und Anekdoten teilte er regelmäßig in der Rubrik „Geschichte am Freitag". Sein Wissen über Worms gab er gern auch als Gästeführer weiter, und von seinen zahlreichen Städtereisen, die er trotz Krankheit zu Fuß bewältigte und stets mit einem guten Buch und einem guten Essen verband, wusste er lebendig zu erzählen.
In Erinnerung bleiben werden seine Geradlinigkeit, seine Fairness und seine freundliche, aber bestimmte Art. Der Deutsche Schachbund spricht seiner Familie, seinen Freunden und seinen Vereinen sein aufrichtiges Mitgefühl aus. Wir werden Daniel Hendrich ein ehrendes Andenken bewahren.
// Archiv: DSB-Nachrichten - DSB // ID 11793