Der Askanierturm hat einen neuen Besitzer

06.07.2015 12:59
Askanierturm im Kleinformat

Einen ungewöhnlichen Preis durfte Stefan Wickenfeld vom SK Herne-Sodingen am 4. Juli mit nach Hause nehmen. Ihm gehört jetzt der Askanierturm. Allerdings nur seine kleine Variante, ein von der Töpferin Petra Wessel angefertigtes Modell aus Keramik mit etwa 20 Zentimeter Höhe. Das Original mußte der 23-jährige Jurastudent aus dem Ruhrgebiet in Eichhorst am Werbellinsee stehenlassen. Der 1879 dort erbaute Turm steht nämlich ziemlich stark fundamiert auf dem unter Bodendenkmalschutz stehenden Schlossberg. Einst soll an dieser Stelle die Burganlage Werbellin gestanden haben, von der man Reste beim Bau des Werbellin-­ kanals Ende des 19. Jahrhunderts fand.

Wie der Turm zu seinem Namen kam, läßt sich relativ leicht erklären. Die Askanier sind ein Adelsgeschlecht, welches sich bis in das 11. Jahrhundert zurückverfolgen läßt. Sie prägten die Landesgeschichte der heutigen Länder Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Sachsen. In Brandenburg war Albrecht der Bär der erste Herrscher. Die Linie der Familie reicht bis in die heutige Zeit mit dem Haus Anhalt. Der auch durch die Medien bekannte Prinz Ernst-August "und seine drei Töchter sind die letzten legitimen Abkömmlinge der Askanier im Mannesstamm." (Wikipedia)

Veranstalter des 1. Askanier-Blitzes waren die Schachfreunde Groß-Schönebeck. Der Verein existiert erst seit 2006 und hat 47 Mitglieder, zum großen Teil Jugendliche. Die rekrutieren sich aus sage und schreibe 12 Schulschach-Arbeitsgemeinschaften, die alle vom Jugendwart Peter Harbach betreut werden! Damit hat er sein Hobby zum Beruf gemacht. Nebenbei betreut er allerdings noch diverse Internetseiten, natürlich auch die seines Vereins.

Beim Turnier konzentrierte sich Harbach voll auf seine Aufgabe als Turnierleiter, sagte die Paarungen jeder Runde mit Zusatzinformationen wie der jeweiligen Punktzahl an, so daß alle Spieler immer auf dem Laufenden waren. Als Schiedsrichterin unterstützte ihn Mandy Barna, die beim SC Eintracht Berlin spielt, aber eigentlich aus dem nicht weit entfernten Eberswalde kommt. Das heißt nicht weit entfernt zum Spielort in Eichhorst. Nach Berlin sind es doch schon gut 50 Kilometer.

Schachspielen im Weltnaturerbe

Die Schorfheide mit ihren vielen Wäldern und Seen ist ein "Überbleibsel" der letzten Eiszeit, genauer der Weichsel-Kaltzeit vor rund 12.000 Jahren. Damals bedeckte ein Eispanzer ganz Norddeutschland und hinterließ beim Abtauen eine wunderschöne Landschaft, die heute zum großen Teil zum UNESCO-Weltnaturerbe zählt. Grundlage war die Gründung eines Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin im Jahr 1990, welches noch innerhalb des DDR-Nationalparkprogramms geplant wurde. Einzelne Gebiete der Schorfheide sind Totalreservate, d. h. das Betreten dieser Landschaften ist Menschen untersagt.

Das südwestliche Ufer des Werbellinsees ist für unsere Spezies aber erlaubt. Hier reiht sich Bungalow an Bungalow, Wirtshaus an Wirtshaus und viele Sehenswürdigkeiten und die Natur laden zum Wandern durch die Schorfheide ein. An jenem 4. Juli 2015 wäre Baden allerdings die bessere Wahl gewesen. Es waren Höchsttemperaturen von bis zu 37 Grad Celcius angesagt!

Morgens um 9 sah es noch gar nicht nach einem Supersommerhitzerekord aus. Die Wirtsfamilie vom Café Kunst & Rad hatte im Garten Bänke und Tische für bis zu 30 Spieler aufgebaut. Die wurden gegen Mittag allerdings ein paar Meter weiter in den Schatten des Wirtshauses versetzt, da den Gästen mittlerweile ganz schön der Pelz brannte. Bei dem einem oder anderen wirkte sich das auch auf die Spielweise aus. So war der spätere Sieger und Topfavorit Stefan Wickenfeld mit 2½ aus 6 katastrophal in das Turnier gestartet, was mich beim Mittagessen zu der Bemerkung veranlaßte, das Blitzschach wohl nicht seine Spezialdisziplin sei. Der Student der Viadrina Frankfurt/Oder protestierte sofort gegen diese Einschätzung und erhöhte prompt nach dem Essen die Schlagzahl. Ab Runde 7 gewann er alle Partien!

Vorrunde

Pl. Teilnehmer DWZ Verein/Ort S R V Pkt. SoBe
1. Peter Hintze 1934 SC Zugzwang 95 13 2 1 14,0 98,50
2. Bernd Neubauer 2043 ESV Eberswalde 12 3 1 13,5 90,75
3. Maximilian Paul Mätzkow 1958 ESV Eberswalde 12 2 2 13,0 92,50
4. Stefan Wickenfeld 2217 SK Herne-Sodingen 12 1 3 12,5 79,75
5. Frank Hoppe 1918 DB Woltersdorf 10 3 3 11,5 77,50
6. Tobias Lenz 1858 Pneumant Fürstenwalde 11 0 5 11,0 72,00
7. Thomas Lesser 1857 SV Schmalkalden 10 1 5 10,5 56,50
8. Stephan Sprutta 1748 ESV Eberswalde 9 0 7 9,0 50,00
9. Nils Werthmann 1910 USV Potsdam 8 1 7 8,5 39,75
10. Tobias Goldenbaum 1415 SC Eintracht Berlin 6 0 10 6,0 27,50
11. Rene Kellner 1608 SV Briesen 4 2 10 5,0 25,75
12. Horst Schrodt 1650 SC Eintracht Berlin 4 2 10 5,0 24,25
13. Johannes Müller 1680 SC Eintracht Berlin 5 0 11 5,0 16,50
14. Andreas Knopp 1627 SV Motor Eberswalde 4 1 11 4,5 24,00
15. Detlef Zoll 1764 ESV Eberswalde 3 1 12 3,5 13,75
16. Marie Antoinette Wolff 1661 Leegebrucher SF 3 1 12 3,5 11,00
17. Carlo Schulz 1324 SC Eintracht Berlin 0 0 16 0,0 0,00
Kreuztabelle

Askanier-Blitz am 4. Juli 2015, Vorrunde

Pl. Teilnehmer DWZ Verein/Ort S R V Pkt. SoBe 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 5 6 7
1. Peter Hintze 1934 SC Zugzwang 95 13 2 1 14,0 98,50 * ½ 1 1 ½ 0 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1
2. Bernd Neubauer 2043 ESV Eberswalde 12 3 1 13,5 90,75 ½ * ½ 0 ½ 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1
3. Maximilian Paul Mätzkow 1958 ESV Eberswalde 12 2 2 13,0 92,50 0 ½ * 1 1 1 ½ 1 1 1 1 1 1 0 1 1 1
4. Stefan Wickenfeld 2217 SK Herne-Sodingen 12 1 3 12,5 79,75 0 1 0 * ½ 0 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1
5. Frank Hoppe 1918 DB Woltersdorf 10 3 3 11,5 77,50 ½ ½ 0 ½ * 1 1 0 1 1 0 1 1 1 1 1 1
6. Tobias Lenz 1858 Pneumant Fürstenwalde 11 0 5 11,0 72,00 1 0 0 1 0 * 1 0 1 0 1 1 1 1 1 1 1
7. Thomas Lesser 1857 SV Schmalkalden 10 1 5 10,5 56,50 0 0 ½ 0 0 0 * 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1
8. Stephan Sprutta 1748 ESV Eberswalde 9 0 7 9,0 50,00 0 0 0 0 1 1 0 * 0 1 1 0 1 1 1 1 1
9. Nils Werthmann 1910 USV Potsdam 8 1 7 8,5 39,75 0 0 0 0 0 0 0 1 * 1 1 1 1 1 ½ 1 1
10. Tobias Goldenbaum 1415 SC Eintracht Berlin 6 0 10 6,0 27,50 0 0 0 0 0 1 0 0 0 * 0 0 1 1 1 1 1
11. René Kellner 1608 SV Briesen 4 2 10 5,0 25,75 0 0 0 0 1 0 0 0 0 1 * ½ 0 ½ 1 0 1
12. Horst Schrodt 1650 SC Eintracht Berlin 4 2 10 5,0 24,25 0 0 0 0 0 0 0 1 0 1 ½ * 1 0 0 ½ 1
13. Johannes Müller 1680 SC Eintracht Berlin 5 0 11 5,0 16,50 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 1 0 * 1 1 1 1
14. Andreas Knopp 1627 SV Motor Eberswalde 4 1 11 4,5 24,00 0 0 1 0 0 0 0 0 0 0 ½ 1 0 * 0 1 1
15. Detlef Zoll 1764 ESV Eberswalde 3 1 12 3,5 13,75 0 0 0 0 0 0 0 0 ½ 0 0 1 0 1 * 0 1
16. Marie Antoinette Wolff 1661 Leegebrucher SF 3 1 12 3,5 11,00 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 1 ½ 0 0 1 * 1
17. Carlo Schulz 1324 SC Eintracht Berlin 0 0 16 0,0 0,00 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 *

A-Finale

Pl. Teilnehmer DWZ Verein/Ort 1 2 3 4 5 6 7 8 Pkt. SoBe
1. Stefan Wickenfeld 2217 SK Herne-Sodingen * 1 1 1 1 1 1 1 7,0 21,00
2. Bernd Neubauer 2043 ESV Eberswalde 0 * 1 1 1 1 1 1 6,0 15,00
3. Peter Hintze 1934 SC Zugzwang 95 0 0 * 1 ½ 1 1 1 4,5 8,75
4. Frank Hoppe 1918 DB Woltersdorf 0 0 0 * 1 ½ 1 1 3,5 5,75
5. Maximilian Paul Mätzkow 1958 ESV Eberswalde 0 0 ½ 0 * 1 1 1 3,5 5,75
6. Tobias Lenz 1858 Pneumant Fürstenwalde 0 0 0 ½ 0 * 1 1 2,5 2,75
7. Thomas Lesser 1857 SV Schmalkalden 0 0 0 0 0 0 * 1 1,0 0,00
8. Stephan Sprutta 1748 ESV Eberswalde 0 0 0 0 0 0 0 * 0,0 0,00

B-Finale

Pl. Teilnehmer DWZ Verein/Ort 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Pkt. SoBe
1. Marie Antoinette Wolff 1661 Leegebrucher SF * 1 0 1 1 1 1 1 1 7,0 22,50
2. Johannes Müller 1680 SC Eintracht Berlin 0 * 1 1 1 1 1 1 1 7,0 22,00
3. Nils Werthmann 1910 USV Potsdam 1 0 * 1 1 ½ 1 1 1 6,5 21,25
4. Andreas Knopp 1627 SV Motor Eberswalde 0 0 0 * 1 1 0 1 1 4,0 9,50
5. Tobias Goldenbaum 1415 SC Eintracht Berlin 0 0 0 0 * 1 1 1 1 4,0 7,50
6. Horst Schrodt 1650 SC Eintracht Berlin 0 0 ½ 0 0 * 1 1 0 2,5 7,25
7. Carlo Schulz 1324 SC Eintracht Berlin 0 0 0 1 0 0 * 0 1 2,0 5,00
8. René Kellner 1608 SV Briesen 0 0 0 0 0 0 1 * 1 2,0 3,00
9. Detlef Zoll 1764 ESV Eberswalde 0 0 0 0 0 1 0 0 * 1,0 2,50

Endstand

Pl. Name DWZ Verein/Ort Vorr. Fin. Gesamt
1. Stefan Wickenfeld 2217 SK Herne-Sodingen 12,5 7,0 19,5
2. Bernd Neubauer 2043 ESV Eberswalde 13,5 6,0 19,5
3. Peter Hintze 1934 SC Zugzwang 95 14,0 4,5 18,5
4. Maximilian Mätzkow 1958 ESV Eberswalde 13,0 3,5 16,5
5. Frank Hoppe 1918 DB Woltersdorf 11,5 3,5 15,0
6. Tobias Lenz 1858 Pneumant Fürstenwalde 11,0 2,5 13,5
7. Thomas Lesser 1857 SV Schmalkalden 10,5 1,0 11,5
8. Stephan Sprutta 1748 ESV Eberswalde 9,0 0,0 9,0
9. Nils Werthmann 1910 USV Potsdam 8,5 6,5 15,0
10. Johannes Müller 1680 SC Eintracht Berlin 5,0 7,0 12,0
11. Marie Antoinette Wolff 1661 Leegebrucher SF 3,5 7,0 10,5
12. Tobias Goldenbaum 1415 SC Eintracht Berlin 6,0 4,0 10,0
13. Andreas Knopp 1627 SV Motor Eberswalde 4,5 4,0 8,5
14. Horst Schrodt 1650 SC Eintracht Berlin 5,0 2,5 7,5
15. René Kellner 1608 SV Briesen 5,0 2,0 7,0
16. Detlef Zoll 1764 ESV Eberswalde 3,5 1,0 4,5
17. Carlo Schulz 1324 SC Eintracht Berlin 0,0 2,0 2,0

Askanierturm und Schiffshebewerk

Für mich war die Tour mit der Teilnahme am Schachturnier allerdings noch nicht beendet. Mit meinem Beifahrer und Mitspieler Peter Hintze zwängte ich mich in das relativ schattig abgeparkte Carsharingauto und drehte mit Klimaanlage am Anschlag auf der Einbahnstraße ("Wildau" heißt die Straße) noch eine Runde auf der Suche nach dem echten Askanierturm. Peter Harbach hatte mir erzählt, der stünde direkt in Sichtweite zu dieser Holzbrücke, zu der ich vor Turnierbeginn mit Peter einen kleinen Ausflug machte. Doch selbst beim zweiten Besuch der Brücke (ca. 250 m von Café entfernt) sah ich keinen Turm. Ich wollte schon enttäuscht zum Auto zurückkehren, da erblickte ich versteckt hinter Bäumen auf einem Hügel das Bauwerk doch noch.

Und versprochen ist versprochen. Bereits vor Wochen erklärte ich Peter, nach dem Turnier noch das Schiffshebewerk in Niederfinow besuchen zu wollen. Dagegen hatte er nichts einzuwenden, obwohl das auch noch einmal gut 40 Kilometer waren. Außerdem gab es noch einen anderen Grund des Besuchs an diesem weltweit bekannten technischen Denkmal, welches noch immer zuverlässig seinen Dienst leistet. Wir haben beide noch nie das Schiffshebewerk in natura gesehen, obwohl wir schon seit über 50 Jahren nicht mal 60-70 Kilometer davon entfernt wohnen! Hier ein paar Bilder. Ein Video von einem Hebevorgang ist demnächst auf meinem YouTube-Kanal online.

Text und Fotos: Frank Hoppe

// Archiv: DSB-Nachrichten - Startseite // ID 19959

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