[Event "Kaderchallenge 2021"] [Site "?"] [Date "2021.04.08"] [Round "4"] [White "Schneider, Jana"] [Black "Mütsch, Annmarie"] [Result "0-1"] [ECO "C41"] [WhiteElo "2272"] [BlackElo "2266"] [Annotator "Kevin Hoegy"] [PlyCount "96"] [EventDate "2021.04.08"] [SourceDate "2021.04.05"] [SourceVersionDate "2021.04.05"] 1. e4 d6 {Mittlerweile gilt die "Pirc-Zugfolge" als die genaueste, wenn Schwarz beabsichtigt, die Philidor-Verteidigung zu spielen. Grund dafür ist es, dass Weiß nach 2...Sf6 ein Tempo für Sc3 aufwenden muss, um den e4-Bauern zu decken. Und dieses Tempo ist wichtig, um sich ohne großes Verrenken natürlich entwickeln zu können} (1... e5 2. Nf3 d6 3. d4 Nd7 4. Bc4 {Ist der Grund für die von Annmarie in der Partie gewählte Zugfolge. Denn nun gehen sowohl das natürliche ...Sf6 als auch ...Le7 nicht} Be7 (4... Ngf6 5. dxe5 Nxe5 (5... dxe5 6. Ng5 $1 $18 {der Angriff auf f7 gewinnt die Partie}) 6. Nxe5 dxe5 7. Bxf7+ $1 $18 {Der schwarze König ist überlastet und Weiß gewinnt einen Bauern}) (4... c6 $5 5. O-O Be7 6. dxe5 dxe5 7. Ng5 Bxg5 8. Qh5 Qe7 9. Qxg5 Qxg5 10. Bxg5 $16 {Schwarz wird gegen das Läuferpaar leiden müssen, aber ab und an mag ein halber Punkt das höchste der Gefühle sein ½-½ (42) Anand,V (2725)-Ivanchuk,V (2735) Monte Carlo 1996}) 5. dxe5 Nxe5 6. Nxe5 dxe5 7. Qh5 {ist schon seit Ewigkeiten bekannt} g6 8. Qxe5 $18 {1-0 (43) Blackburne, J-Curnock,A London 1904}) 2. d4 Nf6 3. Nc3 Nbd7 (3... e5 $5 {ist eine mögliche Alternative, wenn man nichts gegen das Endspiel nach} 4. dxe5 dxe5 5. Qxd8+ Kxd8 {einzuwenden hat. Das ist sogar überraschend gut für Schwarz, denn der schwarze König wird häufig auf c7 ein sicheres Plätzchen finden}) 4. Nf3 e5 {Nun haben wir eine "echte" Philidor-Verteidigung wie oben in der Variante nach 1.e4 gezeigt - der einzige Unterschied ist der Einschub der Züge Sc3 für Weiß und ...Sf6 für Schwarz. Das hilft der Nachziehenden ungemein, denn nun kann im Falle von} 5. Bc4 { einfach zu} Be7 {gegriffen werden. Der vermeintliche Überfall auf f7 wäre nun ein böser Schuss in den Ofen!} 6. O-O (6. Bxf7+ $2 {Ich weiß gar nicht, ob man das noch Eröffnungsfalle nennen kann. Hier sind schon so viele auch durchaus starke Spieler hereingeplumpst, dass man von einem Evergreen sprechen könnte. Es sieht ja auch verlockend aus...} Kxf7 7. Ng5+ Kg8 (7... Ke8 $4 { wäre tragisch nach} 8. Ne6 $1 {, denn nun ist die schwarze Dame gefangen}) 8. Ne6 Qe8 9. Nxc7 Qg6 10. Nxa8 Qxg2 11. Rf1 {Schwarz hat Bauer und Qualität mehr und Schwarz "eigentlich" auch keine Figuren entwickelt. Dumm nur, dass jetzt alles mit Tempo kommt!} exd4 12. Qxd4 Ne5 $1 {Der mehrfache deutsche Jugendmeister Ruben Gideon Köllner (ein absoluter Philidor-Spezialist!) zeigt hier, wie es geht} 13. f4 Nfg4 $1 14. Qg1 (14. fxe5 Bh4+ $19) 14... Bh4+ 15. Kd1 Nf2+ 16. Ke2 Bg4+ {Alle Mann zur Party einladen! So wollen wir das sehen, wenn wir Angriffsschach zelebrieren. Während die Puppen auf a8, a1 und c1 nur Trübsal blasen, nimmt der verbliebene Rest der schwarzen Armee nun die Exekution des weißen Monarchen vor. Wunderbar} (16... Qf3+ 17. Ke1 Nfd3+ 18. Kd2 Nc4# {hätte die Partie ein wenig abgekürzt, aber wir wollen nicht kleinlich sein}) 17. Ke3 Qf3+ 18. Kd4 Nc6+ 19. Kd5 Kf7 20. f5 Re8 $1 {Die letzte Figur nimmt am Angreif teil} 21. Nc7 Rxe4 {eine Mattführung im Stile der alten Meister, da geht mir das Herz auf} 22. Nxe4 Qxe4+ 23. Kxd6 Be7+ 24. Kd7 Bxf5+ 25. Ne6 Qxe6+ 26. Kc7 Qd7# {0-1 (26) Shtyka, S (2175)-Koellner,R (2330) chess.com INT 2020}) 6... c6 {In letzter Zeit scheint es modern zu werden, die schwarze Rochade erst einmal aufzuschieben. Warum auch nicht? Weiß hat sich mit seinem König bereits festgelegt und so lange die Mitte geschlossen bleibt, kann es sich die Nachziehende auch erlauben, dort ihre Truppen erst einmal zusammenzuziehen. Zudem kokettiert Schwarz mit ...b7-b5 und der Ausbreitung am Damenflügel. Das nimmt Jana prophylaktisch aus der Stellung mit} (6... O-O {stellt die Hauptvariante der Philidor-Verteidigung dar}) 7. a4 $1 {Schafft auch dem Lc4 ein "Fluchtfeld" auf a2, falls das mal nötig sein sollte} Qc7 8. Re1 h6 9. Ba2 Nf8 $5 {Diese Springerwanderung kennen wir schon aus der Spanischen Partie. Der schwarze Rappe soll nach g6, von wo aus er das wunderbare Feld f4 im Blick hat. Das ganze geschieht in bester Kasparov-Tradition, denn der 13. Weltmeister beliebte stets zu sagen: Ein Springer auf f4 (respektive f5 mit Weiß) ist immer einen Bauern wert! Und wenn man nicht mal einen Bauern dafür opfern muss, umso besser! Der Grund für diesen Ausspruch liegt darin begründet, dass ein auf f4 postierter Springer ständig für Unruhe vor dem weißen König sorgen wird. Erst Recht nach einem Zug wie h2-h3, drohen dann doch immer Einschläge auf g2 und h3!} 10. Qe2 Ng6 {Vermutlich nicht nur der solideste, sondern auch der beste Zug. Schwarz kann jetzt sicher rochieren, denn mit der "bemannten Kutsche" vor dem eigenen König kann gar nichts mehr anbrennen! In Berliner Schachkreisen, so durfte ich im letzten Jahr lernen, kursiert der Begriff der "Kutsche", der zwei nebeneinander platzierte Springer bezeichnet. "Bemannt" ist die Kutsche dann, wenn die beiden Springer gleichsam von hinter ihnen postierten Bauern gedeckt werden. Ob dieses eigenwillige Konzept in die Schachliteratur Einzug finden wird, mag zu Recht oder Unrecht bezweifelt werden. Aber dass zwei nebeneinander platzierte Springer häufig blitzschnell für Gefahr sorgen können, das ist bekannt. Und wem es das nicht ist, der möge sich die folgenden typischen Angriffszüge gut merken!} ({ Ganz frech wäre hier} 10... g5 $5 {aber zumindest widerlegen kann man es wohl nicht. Das würde die schwarze Kontrolle über das Feld f4 noch deutlicher machen. So ähnlich sahen wir das auch bereits in den Partien Mütsch-Pähtz bzw. Huschenbeth-Donchenko aus dem gleichen Turnier. Nach ...Sg6-f4 könnte im Falle, dass der Sf4 geschlagen wird, auch der g-Bauer wiedernehmen und sich die g-Linie gefährlich gegen den weißen Opa öffnen. Und machen wir mal ein paar "normale" Züge, zum Beispiel} 11. Be3 Ng6 12. Rad1 O-O {, so findet der schwarze König auf h7 oder h8 ein "sicheres" Versteck, während nach folgendem ...Tg8 und ...Sf4 alle schwarzen Figuren auf den weißen König starren}) 11. h3 O-O 12. Be3 Nh5 $5 {Kaum nimmt die Kutsche Fahrt auf, wird's sogleich brandgefährlich! Es droht ...Sf4 und der Himmel wird alsbald beginnen, sich über der weißen Feste zu verdunkeln} ({Eine für offene Spiele typische Art der Figurenentwicklung wäre alternativ} 12... Bd7 { gefolgt von ...Tad8 und ...Lc8 zurück gewesen. Der Läufer steht auf c8 gar nicht schlecht, de facto macht er da so viel wie auf d7. Aber er gibt dem Damenturm die Möglichkeit, ins Spiel einzugreifen}) ({ Philidor-artig könnte man sich auch mit} 12... b6 {gefolgt von ...a6, ...Lb7 und dann ...b5 entwickeln}) 13. Qc4 Bd8 {Auch dieser vermeintlich krumme Zug gefällt mir wunderbar. Schwarz möchte die Dame auf den Königsflügel via e7 nach f6 überführen. Dafür macht der Läufer Platz. Zudem kann der Läufer an einem guten Tag auf b6 auftauchen. Dann hätte Schwarz eine Italienische Partie auf dem Brett, die absolut mustergültig verlaufen wäre} (13... Be6 {würde die Dame nur dorthin bringen, wo sie gebraucht wird - zur Verteidigung und Überdeckung des Bauern h3} 14. Qf1 $11) 14. Rad1 Nhf4 15. d5 $6 {der Auftakt zu einem falschen Plan. Jana möchte nun mächtig am Damenflügel durchstarten, dabei brennt gleich die Hütte am anderen Flügel} ({Ich alter Angsthase hätte vermutlich versucht, so schnell die möglich diese fiesen Gäule loszuwerden. Und zwar nicht nur einen, sondern beide! Sicher ist sicher} 15. Qf1 {Überdeckt nicht nur g2 und h3, sondern ermöglich Sc3-e2 mit Abtausch des Sf4} Qe7 16. Ne2 Qf6 17. Nxf4 {Schnell weg mit ihnen, bevor noch einer auf die Idee kommt, die Klingel auf g2 oder h3 zu betätigen!} Nxf4 18. Bxf4 Qxf4 { Nun droht wieder ...Lxh3} 19. Qd3 $11 {Schwarz hat natürlich das Läuferpaar, aber Weiß steht gut zentralisiert und ist etwas besser entwickelt, sodass sich die Stellung die Waage halten sollte}) 15... c5 16. Nb5 $2 {Das will objektiv gesehen zu viel von der Stellung. Weiß bekommt natürlich einen zentralen gedeckten Freibauern. Doch der ist nichts wert, wenn der König das Endspiel nicht erlebt} (16. Ne2 $1 {Es war noch nicht zu spät, die schwarzen Springer abzutauschen}) 16... Qd7 $1 {nimmt bereits h3 ins Visier} 17. Nxd6 Qxd6 {Tatsächlich ist dieser gierige Zug auch der Beste. Annmarie schnappt sich erst einmal das dargebotene Material und kümmert sich nicht ums Mattsetzen - das läuft erstaunlicherweise auch nicht weg} ({ Erwartet hatte ich, dass} 17... Nxg2 {durchschlagen müsste. Doch Weiß hat die "Notbremse"} 18. Nf5 $1 {Der Springer blockt die Route zum Bauern h3 und damit dem weißen König. Klar, Schwarz gewinnt die Qualität, doch die Stellung nach} ({Natürlich würde} 18. Kxg2 {der Nachziehenden sehr leicht machen} Qxh3+ 19. Kg1 Qg4+ 20. Kf1 Qxf3 $19 {Mehrbauer. Gratis Mattangriff. Schwarz gewinnt. So einfach ist das!}) 18... Nxe1 19. Rxe1 b6 $17 {ist zumindest nicht völlig klar. Objektiv steht Schwarz besser, aber in der geschlossenen Stellung haben es die schwarzen Türme schwer, ihre volle Kraft zu entfalten. Sollten sich jedoch bald Linien öffnen, sieht das freilich anders aus}) 18. Bxc5 Qf6 {Lc8, Sf4, Sg6 und die Df6 - vier Figuren gegen den weißen König. Das kann doch nicht gut gehen, oder? Konkret droht unter anderem ...Sxh3, wonach der Sf3 durchhängt} 19. Re3 $5 {Das wirkt wie ein Notbehelf, deckt aber zumindest einmal den Springer f3 gegen den gerade angesprochenen Einschlag} (19. Bxf8 {Im hessischen Jugendschach lernt man ja, dass Totgeweihte alles fressen dürfen. Aber das wäre hier dann doch ein wenig zu viel des Guten. Schwarz kann auf diverse Arten und Weisen kurzen Prozess machen. Sehr konsequent und sauber wäre} Nxg2 $1 20. Kxg2 (20. Bc5 Nxe1 21. Nxe1 Bxh3 $40) 20... Bxh3+ 21. Kxh3 Qxf3+ 22. Kh2 Qxf2+ {und der weiße König wird vom stets gefährlichen Springer-Dame-Duo im Alleingang erlegt} 23. Kh1 Qh4+ 24. Kg1 Qg3+ 25. Kh1 Qh3+ 26. Kg1 Nh4 {Weiß wird der Drohungen nicht mehr Herr} 27. Re2 Nf3+ 28. Kf2 Bh4+ 29. Ke3 Nh2+ 30. Kd2 Bg5+ 31. Ke1 Qf1#) 19... Bd7 $5 {Pragmatisch und gut. Annmarie bringt den Läufer ins Spiel und macht das Feld c8 für den Turm frei. Das gefällt mir gut, denn warum sollte man in einer praktischen Partie Unmengen an Zeit für ein Opfer auf h3 investieren, wenn man die Konsequenzen nur ganz schwer abschätzen kann. Clever!} (19... Re8 $6 {Den Turm zu retten bringt nichts, denn nach} 20. Qb5 { müsste er sowieso wieder zurück} Rf8) (19... Bxh3 $1 {Der Vollständigkeit halber sei aber angemerkt, dass dieses sich offensichtlich anbietende Opfer bärenstark ist - wenngleich es ebenso offensichtlich ist, dass die Stellung völlig unklar ist. Schwarz hat nach} 20. gxh3 Nxh3+ 21. Kf1 Rc8 22. Qb5 Ngf4 $19 {gefolgt von ...Dg6 einen bärenstarken Angriff, während Weiß null Gegenspiel besitzt. Vor allem der Läufer auf a2 macht einen traurigen Eindruck. Aber wer weiß, was hier schief gehen könnte?}) 20. Qb4 b6 21. Bxf8 Nxf8 {Das taktische Intermezzo ist vorbei und wir konstatieren: Jana besitzt mit Turm und zwei Bauern gegen Springer und Läufer eigentlich mehr Eiskugeln als nötig (7 vs. 6), steht de facto aber mit dem Rücken an der Wand. Der schwarze Sf8 wird gleich wieder nach g6 gehen und dann zielen alle vier schwarzen Leichtfiguren inklusive der Dame auf den weißen König. Wenn Weiß wenigstens bereits b4, c4, vielleicht sogar c5 stehen hätte, könnte Weiß auf Gegenspiel pochen. Denn dann könnte der einzige weiße Trumpf, die dann auf c5 und d5 auftauchenden Freibauern, für Gegenchancen sorgen. So aber droht ein Spiel auf ein Tor. Einzige Hoffnung für Jana: Die schwarzen Gäule vergallopieren sich!} 22. Qc3 N8g6 23. d6 {Das befreit den Läufer auf a2. Doch der d-Bauer wird nirgends hinlaufen} Rc8 24. Qb3 {Das deckt zwar den a-Bauern, aber gefühlt hätte ich die Dame lieber zum Königsflügel beordert. Wenn das denn irgendwie ginge...} Rc5 25. Rd2 Nf8 $5 {macht viele Felder frei. Einerseits droht nun ...Dg6 mit Matt auf g2 als auch ...Sxh3+ in petto. Andererseits wird auch der g-Bauer frei, der nun nach g5 und g4 gestoßen werden könnte.} (25... Ra5 $19 {gewinnt den a-Bauern, ist aber womöglich ein wenig kleinlich. Man möchte ja eigentlich auf dem Königflügel gewinnen}) 26. h4 {Stellt den Bauern auf ein Feld, wo er nach ...Dg6 nicht hängt} N8e6 (26... g5 $1 {wäre noch konsequenter gewesen, um Linien am Königsflügel zu öffnen} 27. hxg5 Qg7 $1 {Jetzt könnte Schwarz mit dem Bauern auf g5 schlagen. Dann käme noch ...g4 - game over} (27... hxg5 $2 28. Nxg5 $1 Qxg5 $4 29. Qxf7+ Kh8 30. Rg3 $3 $18 {und plötzlich gewönne sogar die Anziehende im Mattangriff})) 27. g3 {Mit knapper werdender Bedenkzeit spitzt sich die Lage zu. Jana greift das schwarze Pferdchen an und fraglich ist nun, was zu tun sei. Generell gilt ja, dass man auch mit blinden Pferden ans Ziel kommt, wenn wenigstens der Kutscher klar sieht. Hier allerdings schien Annmarie der Durchblick zu fehlen - und das ist mitnichten ein Vorwurf. Die Stellung ist höllisch kompliziert und nur mit dem eigenen Kopf ausgestattet habe auch ich viele Feinheiten und taktischen Kniffe nicht gesehen.} Nh5 $2 {Hier finden sich keine grünen Wiesen!} ({Stark hingegen wäre} 27... Nh3+ $1 {gewesen, denn der Springer hat sich mitnichten verlaufen. Darauf weist natürlich jede beliebige handelsübliche Engine hin. Nach} 28. Kg2 g5 $1 $40 {bleibt der schwarze Rappe auf h3 auf mirakulöse Weise am Leben und sorgt schlussendlich wohl noch für den entscheidenden Schlag. Auf h3 kann man sich freilich wegen . ..Sd4+ mit Damenverlust nicht bedienen}) 28. Rd5 $1 {Dieser starke Gegenangriff bringt Jana mit einem Schlag zurück in die Partie. Das Problem: Es hängt der Bauer auf e5} Bc6 $2 (28... Rxd5 29. Qxd5 {ließe} Nef4 $5 30. Qxe5 (30. gxf4 $5 {Vielleicht kann Weiß das Opfer aber auch annehmen, denn nach} Nxf4 31. Qxe5 Qg6+ 32. Kf1 Qg4 {ist zumindest nicht klar, wie der schwarze Angriff durchschlagen soll} 33. Qd4 $1 {nun droht Lxf7+} Bxh4 34. Rc3 Qh5 $16 {mit großem Kuddelmuddel}) 30... Qg6 {zu, wonach Weiß mittlerweile drei Bauern eingesackt hat, aber der weiße König nun wirklich von allen schwarzen Figuren unter Beschuss gerät. Objektiv ist die weiße Stellung vermutlich ok, in einer praktischen Partie würde ich aber keinen Groschen auf Weiß setzen wollen}) 29. Rxc5 $1 bxc5 30. Qb8 $1 {Jana ist in dieser Partiephase einfach eine Klasse für sich. Jede Chance wird von ihr erspäht, das ist ganz stark! Es droht Lxe6, was die schwarzen Bauern verdopplen würde, da die schwarze Dame ja an die Verteidigung des Ld8 gebunden ist. Im Anschluss könnte man vielleicht sogar mit Sf3-h2-g4! dann den e5-er verhaften} Nhf4 $5 { Fast eine Verzweiflungstat. Der Springerzug sieht natürlich gefährlich aus, aber es gibt ja keinen Schlagzwang. Und solange Weiß keine Bresche in den Bauernwall vor den eigenen König geschlagen bekommt, ist doch alles sicher.} 31. Nxe5 $4 {Kurz vorm Ziel greift Jana fehl. Was für ein Drama!} (31. gxf4 Nxf4 32. Kf1 $5 $18 {und Weiß läuft einfach vor dem Angriff davon! Das ist vielleicht gar nicht das Beste, aber vielleicht aus praktischer Sicht gar nicht verkehrt. Te3 und Sf3 halten zumindest so viel wie nötig am Königsflügel zusammen, während der weiße Monarch sich eine neue und vor allem weniger zerrüttete Residenz am Damenflügel sucht} (32. Nxe5 $1 { würde jetzt im Gegensatz zur Partie auch funktionieren, weil der Te3 nun das Feld h3 im Blick hätte} Qxe5 33. Qxd8+ $18)) 31... Nh3+ (31... Qxe5 $2 32. gxf4 {war vermutlich die weiße Idee - die auch korrekt gewesen wäre, ja wäre, wenn nicht Annmarie den Partiezug aus der Hinterhand hervorgezaubert hätte} Qf6 33. f5 $1 Nd4 34. c3 Nc2 35. Rg3 Bxe4 36. Qxa7 $18 {Weiß hat einfach zu viele Bauern}) 32. Kg2 Qxf2+ 33. Kxh3 Nf4+ $1 {diesen taktischen Schlag hatte Jana vermutlich übersehen. Nun öffnet sich die dritte Reihe und Weiß verliert Haus und Hof mit Schach} (33... Qxe3 $2 {würde einen halben Punkt wegwerfen. Nachdem sich der Rauch des Kampfes ein wenig gelegt hat...} 34. Bxe6 fxe6 35. Qxd8+ Kh7 36. Nxc6 Qxe4 $11 {wird klar, dass Schwarz bereits froh sein kann, dass er hier ein Dauerschach hat. Es hängt der Springer auf c6 und das Dauerschach droht beginnend mit ...Dh1+}) 34. gxf4 (34. Kg4 { wird matt} Bd7+ 35. Nxd7 h5+ 36. Kf5 Nd3+ 37. Rf3 Qxf3#) 34... Qxe3+ 35. Kh2 Qf2+ {sehr präzise von Annmarie, die jetzt wie ein Uhrwerk die besten Züge findet. Schwarz möchte auf h4 schlagen, damit der Ld8 gedeckt wird} 36. Kh3 Qxh4+ 37. Kg2 Bxe4+ 38. Kf1 Kh7 $1 {nun kann auch noch der Ld8 mit in den Angriff eingreifen, falls das nötig sein sollte. Die Partie ist gelaufen, obwohl das Material völlig ausgeglichen ist. Aber der weiße König ist einfach viel, viel, viel zu weich} 39. Bxf7 Qxf4+ 40. Ke2 Qxe5 41. Qxd8 Bg6+ 42. Kd2 Bxf7 {Mehrfigur und Mattangriff - das reicht} 43. Qc7 Qd4+ 44. Ke2 Bh5+ 45. Kf1 Qf4+ 46. Kg1 Be2 47. Kg2 Qf3+ 48. Kh2 Bf1 {Mit diesem Sieg bringt Annmarie auf einen Schlag wieder Spannung in das Turnier. Denn auch die vormals einsame Verfolgerin Antonia Ziegenfuß musste zum ersten Mal hinter sich greifen und kassierte eine Niederlage. Jana führt zwar immernoch mit 3/4, aber neben Antonia liegen ihr nun auch noch Elisabeth und Annmarie (alle 2,5) Rücken.} 0-1