1. April 2026
Eine besondere Nationalmannschaft fliegt im Herbst nach China. Mit bekannten Namen aus dem deutschen Schachsport, gefördert vom Bundeskanzleramt, das die Kosten für Flüge und Unterkunft übernimmt. Aus gutem Grund: „Die Spielerinnen und Spieler treten ja nicht für ihre Unis an, sondern für Deutschland – es ist quasi die Studierenden-Nationalmannschaft“, sagt Christoph Barth. Der DSB-Beauftragte für Hochschulschach wird die Delegation leiten, die zur World University Chess Championship nach Liaocheng (11. bis 16. Oktober) reist – eine Stadt, die im innerstädtischen Zirkel schon rund 600.000 Einwohner hat, mit den umliegenden Bezirken sind es schon sechs Millionen. „Die Zusagen der Spielerinnen und Spieler, die ohne Honorar antreten werden, kamen sehr schnell“, so Barth: „Es ist einfach der Reiz auf eine spannende China-Reise mit hochklassigem Schach-Wettkampf.“ Auch der Trainer, der das Team begleiten wird, ist prominent: Nationalspieler Dimitrij Kollars, in Fachkreisen als Coach Kollars bekannt. Der Großmeister erhält sein Honorar vom Deutschen Schachbund, der auf diese Weise das Thema Hochschulschach mit einem ambitionierten Beauftragten unterstützen möchte.
Christoph Barth sagt: Über diese Zusage des DSB, übermittelt von Vizepräsident Jürgen Klüners, selbst Uni-Professor, habe er sich sehr gefreut. Am 31. März war Meldeschluss, Barth hat die Nominierung aber schon sehr viel früher beim Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverband adh vornehmen können - so groß war die Begeisterung bei den Aktiven. So gehen bei den Frauen FM Lara Schulze (SRH Mobile University), WGM Jana Schneider (Universität Würzburg) und WFM Svenja Butenandt (Technische Universität München) an den Start. Das Männerteam wird von GM Luis Engel (Bucerius Law School), IM Tobias Kölle (DHBW Stuttgart) und IM Nikolas Wachinger (PH Berlin) vertreten.
Neben einem Schachturnier über neun Runden in klassischer Bedenkzeit wird auch ein Team-Blitzwettbewerb ausgetragen. Christoph Barth ist überzeugt: „Wir haben richtig gute Medaillenchancen.“ Nationalspielerin Lara Schulze betont gegenüber dem DSB-Team Öffentlichkeitsarbeit: „Eine Weltmeisterschaft ist immer etwas Besonderes.“ Sie, die zuletzt auch bei den beiden Deutschen Hochschulmeisterschaften im Schnellschach angetreten war (und 2024 auch den Titel holte), habe schon länger im Blick gehabt, auch international als Studentin im Schachsport anzutreten. „Da freue ich mich in diesem Jahr richtig drauf. Erstens ist diese WM ja nur alle zwei Jahre – und China, wo ich noch nie war, ist auch ein sehr interessantes Reiseziel.“ Mit Dimitrij Kollars, mit dem sie selbst schon früher trainiert hat, sei man jedenfalls „super aufgestellt“.
Lara Schulze hofft „auf eine spannende Erfahrung“. In jedem Fall ist das Turnier ein weiterer Meilenstein fürs Hochschulschach in Deutschland. Nach der eindrucksvollen Rückkehr der Deutschen Hochschulmeisterschaften geht der Blick des deutschen Hochschulschachs nun „selbstbewusst und weit über die nationalen Grenzen hinaus“, so Barth: „Der enorme Zuspruch, die hohe sportliche Qualität sowie das große Engagement der Studierenden haben deutlich gemacht, welches Potenzial an deutschen Universitäten und Hochschulen vorhanden ist. Dieses Momentum soll nun auch auf internationaler Ebene genutzt werden.“
Bei der World University Chess Championship, der Weltmeisterschaft der Studierenden im Schach. Das traditionsreiche Turnier wird seit 1990 im zweijährigen Turnus ausgetragen und bringt die besten studentischen Schachspielerinnen und -spieler aus aller Welt an die Bretter. Der Titel „Studierenden-Weltmeister“ und „Studierenden-Weltmeister“ lockt. Dass deutsche Athletinnen und Athleten auf diesem Parkett konkurrenzfähig sind, bewies das Team bereits im Jahr 2022: Im belgischen Antwerpen gelang Fiona Sieber (Universität Heidelberg) in der Frauenkonkurrenz ein historischer Erfolg, als sie sich gegen starke internationale Konkurrenz durchsetzte.
An diesen Erfolg möchte nun Christoph Barth anknüpfen. „Die Deutschen Hochschulmeisterschaften haben gezeigt, wie viele leistungsstarke Spielerinnen und Spieler wir an unseren Universitäten und Hochschulen haben. Mit diesem Niveau müssen wir uns nicht verstecken – ich bin überzeugt, dass wir auch im internationalen Vergleich bestehen können“, so Barth. Seit einigen Wochen befindet sich Barth in engem Austausch mit dem Allgemeiner Deutscher Hochschulsportverband, der für die Entsendung der Studierendennationalmannschaft verantwortlich zeichnet. Im Fokus stehen die FISU World University Games Mind Sports in Liaocheng (China), wie der Wettbewerb vollständig heißt.
Die Zielsetzung ist von Barth klar formuliert: „Mit einer ausgewogenen Mischung aus internationaler Erfahrung, jugendlicher Dynamik und professioneller Vorbereitung soll Deutschland auch bei den FISU World University Games ein ernstzunehmender Anwärter auf Spitzenplätze sein – und vielleicht erneut Hochschulschachgeschichte schreiben.“
Finanziert wird die gesamte Reise durch Fördermittel aus dem Bundeskanzleramt, die der Allgemeiner Deutscher Hochschulsportverband gezielt für die Förderung internationaler Studierendenwettkämpfe eingeworben hat. Barth: „Diese Unterstützung bildet die finanzielle Grundlage für die Teilnahme der deutschen Auswahl an den FISU World University Games Mind Sports und unterstreicht die sportpolitische Bedeutung des Hochschulsports auf internationaler Ebene.“ Um optimale Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Turnierteilnahme zu gewährleisten, hat sich auch der DSB dazu entschlossen, mit Dmitrij Kollars dem Team einen Top-Trainer zur Seite zu stellen. Auch Kollars, so Barth, sei ab der ersten Anfrage Feuer und Flamme für das Projekt gewesen. (mw)
Seite des Turniers:
https://mindsports2026.fisu.net/
Deutsche Hochschulmeisterschaft 2025:
https://www.schachbund.de/bspnews/deutsche-uni-meisterschaft-gelbe-karte-und-weiter-geht-s.html
Fiona Sieber 2022:
https://www.schachbund.de/news/studenten-weltmeisterin-fiona-sieber-berichtet-von-der-wm.html
// Archiv: DSB-Nachrichten - DSB // ID 36969