13. Januar 2026
Am vergangenen Sonntag, 11. Januar, jährte sich der Gründungstag der Emanuel Lasker Gesellschaft, in Schachkreisen kurz und knapp als ELG bekannt - zum 25. Mal. Es war ein stiller Jubiläumstag zum Jahresbeginn. Die großen Feierlichkeiten aber werden noch folgen. Man habe viele Ideen, sagt Thomas Weischede, der ELG-Vorsitzende – und kündigte noch für das erste Quartal im Jubiläumsjahr detailliertere Informationen an. Einen Vorschmack gibt der Rechtsanwalt aus Berlin aber bereits mit seinen Antworten auf die Fragen von Matthias Wolf vom DSB-Team Öffentlichkeitsarbeit: Es wird 2026 eine Menge los sein rund um die ELG. Und eines wird auch klar: Die Lasker-Gesellschaft feiert im Jubiläumsjahr nicht nur sich selbst, sondern wird auch weiter an ihrem Status der Unverzichtbarkeit in der Schachszene arbeiten.
Herr Weischede, Sie sagen, Sie wollen das vor allem mit Ihren Mitgliedern feiern? Was meinen Sie damit?
Vorneweg: Ohne unsere Mitglieder wäre all jenes, was wir in den letzten 25 Jahren schon erreicht haben, gar nicht möglich gewesen. Dafür sei Ihnen von Herzen gedankt! Wir werden 2026 gezielt Events machen, die nur unseren Mitgliedern vorbehalten sind. Bei sonstigen Events erhalten Mitglieder Vergünstigungen. So viel ist schon klar: Es wird mindestens zwei zentrale Events geben, bei dem auch unsere Mitglieder voll auf ihre Kosten kommen - einmal beim Bundesliga-Wochenende in Berlin vom 24. bis 26. April 2026 und einmal beim Schachgipfel des DSB in Dresden vom 16. bis 26. Juli 2026.
Können Sie uns schon einen Überblick über Ihre Planungen, Ihr Programm, für das Jubiläumsjahr geben?
Das ist sehr umfangreich und vieles noch im Fluss. Ich hoffe, dass wir damit Ende Januar fertig sind. Verraten kann ich aber, dass es am 24. April 2026 zusammen mit Chess & Jazz Berlin einen kulturellen Schachabend mit Musik geben wird, der neben unserem Jubiläum auch das 125-jährige Bestehen des Berliner Schachverbandes zum Inhalt haben wird. Beim Schachgipfel werden wir am 23. Juli 2026 das neue Buch unseres langjährigen Vorsitzenden, Ehrenmitgliedes und Lasker-Preisträger Paul Werner Wagner vorstellen und am 24. Juli 2026 einen olympischen Schachabend gestalten. Daneben werden wir die Abschlussgala des DSB am 25. Juli 2026 mit unseren Preisverleihungen begleiten. Und wir wollen 2026 unsere Deutschen Schachmeisterschaften für MINT-Berufe und für Künstler, Kunsthistoriker, Journalisten und Verleger mit festen Partnern neu auflegen. Als Orte sind für MINT Cottbus und für Kunst Berlin vorgesehen. Ein Highlight dürfte auch am 12. Juni 2026 auf der Internationalen Luftfahrt-Ausstellung ILA ein kleines Show-Match gegen das Schachteam von Airbus (CATE) werden, wo wir um den Balai Volant spielen werden. Am 23. August 2026 werden wir erstmals das internationale Frauenschachturnier um den Chemnitzer Schach-Cup austragen.
Welchen Stellenwert hat aus Ihrer Sicht die ELG in der Schachszene?
Wir haben uns in den letzten 25 Jahren als einer der führenden schachkulturellen Player in Europa etabliert und sind vor allem das Bindeglied zwischen Schachsport und Schachkultur. Ich erlebe, dass dies überall dankbar wahrgenommen wird. Vor allem das weltweit gefeierte Laskerjahr 2018 hat dies gezeigt. Viele andere Player arbeiten deswegen gern und gut mit uns zusammen. Diese Vernetzung möchte die ELG gern bis 2030 weiter ausbauen. Dem dient auch unser Projekt chess4europe. 2030 deswegen, weil dann der Hamburger Schachklub 200 Jahre alt wird und sich zum 100sten Mal die erste Ausrichtung einer Schacholympiade in Deutschland jährt, nämlich die 3. Olympiade 1930 - damals in Hamburg. Mit unserem Jubiläum, dem Jubiläum des DSB und diesen kommenden Jubiläen haben wir daher viele Gelegenheiten, das Schachspiel gerade als Sport und Kulturgut weiter zu promoten. Diese müssen und werden wir nutzen.
Schach ist ja ein Sport, der noch nicht unter der oft zitierten Verrohung der Sitten der Gesellschaft leidet - auch, weil die ELG darauf aufpasst?
Nein, dies tut der Sport schon selbst. Wir unterstützen aber alle Player dabei und tun dies vor allem, indem wir für Werte eintreten, die auch und gerade der Schachsport verkörpert, vor allem Toleranz und Respekt.
Was sind weitere besonderen Werte bei der ELG? Stichwort: Schach als Bildungs- und Kulturgut…
…neben Respekt und Toleranz auch Chancengerechtigkeit und Zivilcourage. Alles Werte oder Eigenschaften, die man im Schach und nicht nur dort braucht, um Erfolg zu haben. Damit meine ich nicht nur schachsportliche Erfolge, sondern vor allem die Schulung und Stärkung des eigenen Charakters und der persönlichen Fähigkeiten. Dies ist sicher in jedem Sport so. Das Besondere am Schach ist, dass es überall ohne soziale Schranken, Sprachbarrieren oder Altersbegrenzungen praktiziert werden kann. Deswegen ist die weltweite Schach-Community an sich einzigartig, was sich jeden Tag im Internet zeigt.
Wir alle blicken mit großer Sorge auf eine Welt voller Kriege und Konflikte – und Sie sagen: „Diese Welt braucht definitiv mehr von den Werten des Schachs." Wie ist das gemeint?
Mit unseren Werten erklärt sich das von allein. Diese Werte werden aber leider von faschistischen oder totalitären Regimen gerade überall missachtet. Ich möchte z.B. daran erinnern, dass kurz nach dem kriegerischen Überfall Russlands auf die Ukraine viele russische Spitzenschachspieler die ersten waren, die in Russland in einem offenen Brief mutig um ein sofortiges Ende baten und dafür große Unterstützung aus der Schachgemeinschaft erfahren haben. Ich würde mich freuen, wenn wir über unsere Aktivitäten dazu beitragen können, die Werte des Schachs überall zu leben, damit solche Appelle fruchten. Dies kann dieser Welt nur guttun.
Sie wagen sich an gesellschaftliche Themen, bei denen andere Berührungsängste haben – Projekte wie chess4refugees und chess4prison. Warum sind auch solche Projekte mit Geflüchteten und Menschen im Knast sehr wichtig?
Schach ist ein Medium, um über alle Schranken hinweg zu verbinden und kann auch bei der Resozialisierung und der Schulung des eigenen Charakters helfen. Uns sind daher auch soziale Projekte wichtig. Berührungsängste haben wir nicht. Jeder der die Werte des Schachs mit uns teilen möchte, ist willkommen.
Seit diesem Jahr gibt es eine Kooperation mit der DSAM. Sie waren selbst in Potsdam vor Ort. Warum passen die ELG und die DSAM so gut zusammen?
Die DSAM besteht ebenfalls seit 2001 - und lebt die Werte des Schachs. Jedes Event könnte man betiteln als Turnier mit Freunden unter Freunden. Eine einzigartige und wunderbare Atmosphäre umgibt jedes Turnier. Ich durfte dies bei dem Turnier in Potsdam zwei Tage lang live erleben und habe mir vor allem die Partien in den hinteren Gruppen angesehen, weil dort nicht nur dies - bei allem Siegeswillen - einmütig praktiziert wurde, sondern auch ein erstaunlich hohes Spielniveau vorhanden war. Ich habe zahlreiche Partien verfolgt, in denen Jung und Alt mit Wertungszahlen, die weit hinter ihrem Leistungsvermögen und Schachverständnis liegen, oft einzige Züge aus positioneller oder taktischer Sicht in komplexen Stellungen gefunden haben. Oft war auch bekannt, wie komplizierte Endspiele trotz Materialnachteil Remis zu halten sind. Zwar gab es ab und an auch Fehler, oft nach mehreren Stunden eher aus Erschöpfung und einem Moment der Unkonzentriertheit. Aber insgesamt habe ich ein tolles Spielniveau mit fairen Gewinnern und Verlierern gesehen. Aus Sicht der ELG würde ich gern in anderen europäischen Ländern dafür werben, dieses Erfolgsmodell für Schachamateure zu übernehmen, um so noch mehr Schachspieler zu gewinnen. Für Deutschland hoffe ich, dass solche Events und unsere Aktivitäten dazu beitragen, dass der DSB in diesem Jahr noch die Marke von 100.000 Mitgliedern in Schachvereinen knackt.
Und Sie wollen 2026 nicht nur feiern, sondern auch auf das Unrecht hinweisen, dass Lasker geschehen ist. Ihm wurde 1939 von den Nationalsozialisten der Doktortitel entzogen. Was planen Sie?
Hier sind wir Gast einer Veranstaltung an der Friedrich-Albert-Universität in Nürnberg/Erlangen, der FAU, die sich diesem Thema bei ihrer nächsten Promotionsfreier widmen und für alle Fakultäten an das Unrecht erinnern wird, die damals jüdischen Mitbürgern aus antisemitischen Gründen widerfahren sind. An der FAU gibt es fünf Fakultäten. Für jede Fakultät wurde beispielhaft eine Persönlichkeit ausgewählt. Für die mathematische Fakultät wurde Lasker ausgewählt, was für die ELG in unserem Jubiläumsjahr eine ganz besondere Ehre ist. Diese „Depromotionen" - der Entzug der Staatsbürgerschaften verbunden mit dem Entzug des Doktortitels - sind rechtlich nichtig, sodass es keines rechtlichen Aufhebungsaktes bedarf. Es ist aber eine tolle Sache, dass in dieser lebendigen Form bei der nächsten Promotionsfeier auch dieses Thema aufgegriffen und thematisiert wird. Die ELG ist der FAU dafür sehr dankbar.
Die ELG feiert – und das soll nicht nur durch Veranstaltungen sichtbar werden. Als besondere Jubiläumspräsente wurde der ELG-Jubiläums-Turm kreiert, der für 12 Euro plus Versandkosten bei der Lasker-Gesellschaft bestellt werden kann. Bei dem Turm hat sich die ELG von der berühmten Partie Pillsbury gegen Lasker in St. Petersburg 1895/1896 inspirieren lassen. Dort hat Lasker mit seinem Turm bekanntlich magische Momente der Schachgeschichte kreiert.
Zudem gibt es eine eigene Variante des DSB-Hoodys mit ELG-Logo und dem Slogan „share the values of chess with us“, der über die ELG bestellt werden kann – kreiert wurde er von DSB-Ausrüster 11teamsports. Erhältlich ist er zum Preis von 64 Euro plus Versandkosten. Die Erlöse fließen komplett in ELG-Projekte. Diese beiden Angebote gibt es exklusiv nur im Jubiläumsjahr 2026. Alle bisherigen und neuen Mitglieder erhalten zusätzlich zum alljährigen Abo der Zeitschrift „Karl“ einen ELG-Jubiläums-Turm gratis. (mw)
// Archiv: DSB-Nachrichten - DSB // ID 36902