6. Juli 2026
Dresden – der Schachgipfel. Hier findet nicht nur bald der Schachgipfel statt – hier soll auch während der Veranstaltung der Geburtsort für zwei neue Fördervereine sein. Am 20. Juli der „Förderkreis Inklusion im DSB“, mit langem Anlauf vom DSB-Referenten für Inklusion, Gert Schulz, vorbereitet. „Die Lücken in Sachen Inklusion sind im deutschen Schach so riesig, dass wir dringend was tun müssen“, sagt Gert Schulz, der auch als Gründungspräsident für den neuen Verein bereitsteht. Und nur drei Tage später, am 23. Juli, soll ein Förderverein für Frauen- und Mädchenschach folgen – ein Projekt, das bisher noch in Schachkreisen unbekannt war. Hier sind die Initiatoren Carsten Karthaus, Präsident des Schachverbandes Württemberg (SVW) und DSB-Frauenschachreferentin Nadja Jussupow. „Von diesem Förderverein reden Nadja und ich seit einem Jahr“, sagt Karthaus „jetzt wollen wir das Kind auch zum Laufen bekommen.“ Karthaus hat sich ebenfalls bereit erklärt, Gründungsvorsitzender zu werden.
Beide Gründungsversammlungen werden im ICCD (Internationales Congress Center Dresden) stattfinden. Allerdings ist bisher nur die Inklusions-Veranstaltung auch fix mit Uhrzeit terminiert: auf 16.30 Uhr am Montag, 20. Juli. In beiden Fällen hat Klaus Deventer seine juristische Expertise eingebracht - und die Satzungsentwürfe erarbeitet.
Blickpunkt Inklusion: Es wirkt, als sei der Inklusions-Förderverein, der seinen Sitz in Berlin haben wird, schon sehr weit. Hier hat Gert Schulz in den vergangenen eineinhalb Jahren intensiv um Mitstreiter geworben. Nun heißt es in der künftigen Satzung: „Zweck des Vereins ist die Förderung des Schachsports und zwar insbesondere die Pflege und Förderung des Schachs der Menschen mit Behinderung. Der Zweck wird insbesondere verwirklicht durch die Gewährung finanzieller Zuwendungen an hilfsbedürftige Schachspielerinnen und Schachspieler mit Behinderung zu den Kosten für die Teilnahme an Schachturnieren und die Ausrichtung von Turnieren.“ Ferner heißt es: „Der Verein und seine Mitglieder wenden sich gegen jegliche Diskriminierung.“ Das Präsidium wird aus drei Vereinsmitgliedern bestehen: dem Präsidenten, dem Vizepräsidenten Öffentlichkeitsarbeit und dem Vizepräsidenten Finanzen.
Geht es nach Gert Schulz, könnte die Vereinsgründung vieles von dem aufholen, was in den vergangenen Jahren versäumt worden sei. So habe sich der DSB bereits vor sieben Jahren ein Verbandsprogramm gegeben. Dort heißt es unter dem Punkt Inklusion, als Vision: „Jeder Schachverein bietet Menschen mit Behinderung die Möglichkeit zum Schach spielen und zur Teilhabe am Schachsport. Alle Schachvereine entwickeln eine Willkommenskultur in diesem Sinne und arbeiten mit Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen zusammen. Alle Vereine haben barrierefreie Spiellokale.“ Man habe sich damals ambitionierte Ziele gesteckt: So sollten bereits vor fünf Jahren 20 Prozent aller Vereine jedes Landesverbandes diese Vision erfüllen, bis 2027 sogar 80 Prozent. „Aktuelle Zahlen zu bekommen, ist sehr schwer“, sagt Schulz, „ich weiß nur eines: Wir sind weit von unseren Zielen entfernt.“ Das soll sich nun ändern. Eine Vision soll mit Leben erfüllt werden.
Wer Mitglied im zu gründenden Förderverein werden möchte, schickt bitte eine Mail an Gert Schulz unter inklusion@schachbund.com Gesucht wird auch noch ein Interessent für den Posten des Vizepräsidenten Finanzen. „Selbstverständlich ist es auch möglich, in Abwesenheit für ein Amt zu kandidieren“, so Schulz: „Wir freuen uns über jeden, der aktiv mitarbeiten möchte.“
Blickpunkt Förderverein für Frauenschach. In der Präambel der Satzung heißt es, der Verein werde gegründet „aus der Überzeugung, dass Schach seine ganze gesellschaftliche, kulturelle, bildende und sportliche Kraft erst entfaltet, wenn Frauen und Mädchen darin nicht Ausnahme, sondern selbstverständlicher Teil seiner Zukunft sind.“ Dann wird staatsmännisch auch noch auf Artikel 3, Absatz 2 des Grundgesetzes verwiesen: Frauen und Männer sind gleichberechtigt. Der Name des Vereins ist "Förderverein Frauen und Mädchen im Schach" und wird seinen Sitz in Stuttgart haben. Im Satzungsentwurf heißt es: „Zweck des Vereins ist die Förderung des Schachsports (§ 52 (2) Nr. 21 AO, Schach gilt als Sport), insbesondere für Frauen und Mädchen und deren Gleichberechtigung im Schach.“ Der Vorstand soll künftig aus dem Vorsitzenden, dem stellvertretenden Vorsitzenden, dem Kassierer und dem Schriftführer bestehen. Der Referent oder die Referentin für Frauenschach des Deutschen Schachbundes gehört dem Vorstand von Amts wegen als beratendes Mitglied an.
Man habe kurz überlegt, das Thema bereits beim außerordentlichen Bundeskongress auf die Agenda zu hieven, sagt Carsten Karthaus. Allerdings: Die bei der Versammlung zu erwartenden Turbulenzen hätten eine Verschiebung ratsam gemacht. Nun also Dresden. „Das passt, da haben wir dann auch eine gewisse Öffentlichkeit für dieses Thema“, sagt Karthaus. Zwar werde bei weitem nicht jeder Frauenschach-Interessierte auch anreisen können, aber man werde einige Förderer bereits vor Ort haben. Ein Zugpferd, deutet Nadja Jussupow an, die sich in diesem Fall aber „nur als Mitläuferin sieht“, der Antreiber sei Karthaus, könnte auch die Grande Dame des deutschen Schachsports sein: Elisabeth Pähtz ist in Dresden dabei, wird vor Ort die Meisterklasse kommentieren. Laut Jussupow gäbe es nach wie vor ein großes, ungenutztes Potenzial im Frauenschach-Bereich. Zahlreiche inaktive Spielerinnen, die ihrem Verein aus familiären oder beruflichen Gründen den Rücken gekehrt hätten, würden auf neue Initiativen warten. Eine davon könnte der neue Förderverein sein. „Ich will diese Frauen wieder ins Boot holen“, sagt Jussupow.
Wer Interesse am Frauenschach-Förderverein hat, kann sich per Mail an Nadja Jussupow wenden, unter frauenschach@schachbund.com
Der Unterschied zu anderen Fördervereinen soll laut Karthaus darin bestehen, dass nicht nur Geld eingesammelt und verteilt wird. „Wir wollen eine Mischform wählen“, sagt er. Geplant sei, eigenständig auch Turniere und Trainingsmaßnahmen für Frauen und Mädchen zu organisieren - und über den Förderverein und Sponsoren zu finanzieren. Karthaus selbst hat bereits, seit Uni-Zeiten, Erfahrung in der Fördervereins-Gründung. Seit vielen Jahren hat er, oft gegen Widerstände, bei Bundeskongressen und Hauptausschuss-Sitzungen, für mehr Geld und Unterstützung im Bereich Frauen- und Mädchenschach geworben – nun will er vieles davon über den Förderverein selbst in die Hand nehmen: „Für mich ist das Thema eine Herzensangelegenheit.“ (mw)
// Archiv: DSB-Nachrichten - DSB // ID 37077